Ein Monat iPhone:
Hype-Gadget im Dauertest (I/II)

Andreas Göldi, 28. Juli 2007 14:06 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

Seit genau einem Monat ist das Apple iPhone jetzt in den USA auf dem Markt. Am Erscheinungswochenende haben wir das viel gehypte Handy bereits ausführlich getestet. Aber wie bewährt sich das iPhone nach einem Monat Nutzung in der realen Welt?

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Es war zu erwarten: Nach der ersten Begeisterung über das iPhone stellt sich an verschiedenen Fronten eine gewisse Ernüchterung oder zumindest realistischere Einschätzung ein. Die von Apple kommunizierten tatsächlichen Verkaufszahlen für das erste Wochenende (270′000 Stück) sind zwar im Vergleich zu anderen Produkten beeindruckend, liegen aber deutlich unter den von einigen Analysten geschätzten Phantasiezahlen. Erste Usabilitytests haben ergeben, dass die Bedienung des iPhone tatsächlich einfacher zu erlernen ist als die anderer Smartphones, und dass die Benutzer darum auch mehr Features nutzen. Aber gleichzeitig bemängelten die User auch viele Schwächen, auf die wir in unseren Tests auch schon hingewiesen hatten.

 

Bekanntlich stellt sich bei den meisten Geräten ja erst nach einiger Zeit heraus, wie gut sie wirklich sind. Die anfangs faszinierenden neuen Features erweisen sich teilweise als doch nicht so relevant, dafür nerven kleine Schwächen im täglichen Einsatz umso mehr. Beim iPhone ist das nicht anders. Im Gegenteil: Da das völlig neuartige Userinterface so faszinierend ist, blickt man erst mit der Zeit wirklich hinter die Fassade der hübschen Oberfläche.

Wie bewährt sich das iPhone denn nun im Dauereinsatz? Nach einem Monat kann man jedenfalls schon wieder differenziertere Aussagen machen, und das wollen wir hier tun. Schliesslich ist dieses meistgehypte Gadget aller Zeiten ja kein billiger Spass, und da erwartet man schon mehr als nur einen kurzfristigen Coolness-Kick.

Zunächst: Die Hardware macht auch nach 30 Tagen einen uneingeschränkt hervorragenden und soliden Eindruck. Obwohl ich mein iPhone wirklich nicht geschont habe, ist erst ein kleiner Kratzer am Gehäuse zu entdecken: auf dem Hochglanz-Apple-Logo auf der Rückseite. Auch in Mitleidenschaft gezogen wurde die Kameralinse, aber dazu später mehr. Der Touchscreen sieht hingegen weiterhin makellos aus. Der Formfaktor des iPhone ist in jeder Hinsicht gelungen und auch wirklich alltagstauglich. Einziger Nervfaktor: Man putzt eigentlich ständig den grossen Screen, denn die Bedienung per Finger hinterlässt natürlich immer wieder Fingerabdrücke. Und obwohl dank der guten Bildschirmhelligkeit die Lesbarkeit dadurch kaum abnimmt, stört es halt ästhetisch, wenn der Screen so befleckt ist.

Viel Freud und Leid zugleich erlebt man mit dem eingebauten Webbrowser. Es ist phantastisch, unterwegs endlich auch komplexe Websites nutzen zu können. Das bewährt sich immer wieder, wenn man mal schnell was in Wikipedia nachschlagen will, Reiseinformationen braucht oder sich auch nur die Wartezeit mit ein paar RSS-Feeds vertreiben will. Andererseits ist aber gerade in diesen Fällen die langsame EDGE-Datenübertragung auf dem AT&T-Netz besonders ärgerlich. Da viele Homepages heute locker mal ein paar hundert KByte schwer sind, starrt man oft eine Minute Ladezeit lang auf das leere Browserfenster. Unter optimalen Bedingungen kann EDGE zwar auch schneller sein, aber optimal sind die Umstände im echten Leben halt fast nie.

Trost bietet da immerhin die Tatsache, dass sich das iPhone problemlos und in guter Empfangsstärke mit schnellen WLANs verbinden lässt. Dank dem vollwertigen Browser kann man sich auch auf kommerziellen Bezahl-WLANs mit ihren oft absurd komplizierten Loginseiten problemlos einloggen. Das ist etwas, woran alle anderen mir bekannten Smartphones häufig scheitern. Etwas dumm nur ist der Automatismus, dass sich das iPhone automatisch und ohne Rückmeldung mit einem als bekannt angenommen WLAN verbindet. Da die SSID erstaunlich vieler WLANs “default”, “wlan” oder “linksys” lautet, führt das regelmässig zu einiger Verwirrung, denn das iPhone identifiziert die Netze nur anhand dieser SSID. Darum verbindet man sich dann gern mal aus Versehen mit der drahtlosen Ladenkasse im Shoppingcenter statt mit einem richtigen Internetzugang. Aber zum Glück gibt es eine Funktion, mit der sich das manuell beheben lässt.

Der Browser ist auch das einzige Stück Software auf dem iPhone, das gelegentlich instabil wirkt. Besonders bei wüsten JavaScript-Orgien streckt der Browser hin und wieder die Waffen und stürzt ab. Immerhin setzt er nach einem erneuten Aufruf die Surfsession zuverlässig dort fort, wo man zuletzt war. Ansonsten erlebte ich nur bei der Fotoapplikation ein einziges Mal Stabilitätsprobleme. Während des ganzen Monats musste ich das iPhone nur ein einziges Mal resetten, was für ein 1.0-Produkt wirklich hervorragend ist. Bei Windows-Mobile-Geräten beispielsweise ist immer noch ein täglicher Reset nicht unüblich.

Apple erlaubt bisher ja nicht die Installation von Fremdapplikationen, sondern verweist Entwickler auf die tollen Möglichkeiten des Safari-Browsers für AJAX-basierte Anwendungen. Und tatsächlich gibt es auf den einschlägigen Listen schon Dutzende von webbasierten Anwendungen für das iPhone. Viele sind zwar nur optimierte Interfaces auf bekannte Webdienste wie Amazon, Twitter oder Flickr, aber es ist doch schon erstaunlich viel Funktionalität verfügbar. Die Einschränkung dieser Online-Anwendungen ist aber auch klar: Wenn man keinen Empfang hat, stehen sie nicht zur Verfügung, und mit EDGE muss man sich oft auf unschöne Ladezeiten einstellen. Schlussfolgerung: AJAX-Applikationen sind prima und eine wertvolle Ergänzung, aber kein vollwertiger Ersatz für lokale Anwendungen. Da bleibt wirklich nur zu hoffen, dass Apple diese leistungsfähige Plattform (immerhin läuft Mac OS X auf dem iPhone) bald für andere Applikationen öffnet. Die führenden Hackergruppen haben jedenfalls schon die ersten Tools bereitgestellt, die das technisch grundsätzlich ermöglichen.

Die Batterielaufzeit, die im Vorfeld von vielen als potentielle Schwäche vermutet wurde, stellte sich in der täglichen Benutzung als überraschend gut heraus. Deutlich am meisten Strom braucht die WLAN-Funktionalität. Wenn man die abschaltet, kann man die Laufzeit massiv erhöhen. Überraschend lange hält die Batterie im iPod-Modus. Auf einem Flug schaute ich mir während über drei Stunden Videos auf dem iPhone an, ohne dass die Batterie auch nur 20% geleert wurde. Der Grund: Im Airplane-Modus sind alle Funkteile abgeschaltet, und damit sinkt der Stromverbrauch drastisch. Insgesamt kommt man bei normalem Einsatz gut damit aus, das iPhone etwa alle zwei oder drei Tage zu laden.

Teil II: Die iPhone-Anwendungen und die Kamera.

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3 Kommentare zu diesem Artikel

  1. fabienne

    schrieb am 2. Juli 2008 um 13:32 Uhr (#)

    Kann man denn memory stick vom natel in das iphone übernehmen oder sind dann auf dem iphone alle lieder,bilder usw… weg die auf dem natel vorher waren???
    Währe sehr froh um eine antwort!!!
    Danke im voraus.

  2. Andreas Goeldi

    schrieb am 2. Juli 2008 um 13:42 Uhr (#)

    @fabienne: Nein, das iPhone hat keinen Slot fuer eine Memory-Karte. Man kann allerdings Bilder, MP3s etc. vom alten Handy auf einen PC runterladen und ueber iTunes auf das iPhone kopieren. Speicherkapazitaet ist ja genug da.

  3. andy

    schrieb am 7. September 2008 um 10:48 Uhr (#)

    servus, wollte eigentlich noch wissen, ob ich mit dem iphone denn auch pdf-files anschauen kann??? bräuchte diese funktionalität für meinen job. besten dank für eine antwort.


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