iPhone im Test:
Der Browser

Das iPhone ist drei Geräte in einem, liess uns Apple bei der Produktvorstellung wissen: ein iPod, ein Telefon und … ein revolutionäres Internet-Device. Auf dem iPhone läuft nicht irgendein abgespeckter Telefonbrowser, sondern eine angepasste Version von Apples Safari. Schauen wir uns mal an, was der Benutzer davon hat.

Die Mobiltelefonbranche versucht seit Jahren, den Kunden die Segnung des mobilen Internet-Zugangs näherzubringen. Schliesslich will man Geld an Datenverkehr, Inhalten und “Mobile Commerce” verdienen. Zuerst war da das komplett gefloppte WAP, dann orientierte man sich an den Japanern mit ihrem iMode-Erfolg und schwenkte zu HTML über. Heute haben die meisten Smartphones einen HTML-fähigen Browser, der oft aber sehr eingeschränkt ist. Nur wenige Modelle unterstützen beispielsweise JavaScript.

Das iPhone will das komplett ändern und stellt erstmals einen Browser in einem Mobiltelefon vor, der ein direkter Abkömmling eines Desktop-Browsers ist. Das iPhone verwendet eine adaptierte Version von Apples Safari. Nun kann man von Safari halten, was man will (ich persönlich bin Mac-, aber nicht Safari-Fan), aber das ist allemal besser als die bisherigen Browserkrücken in den anderen Smartphones.

Und tatsächlich, schon die ersten Erfahrungen mit dem iPhone-Safari sind bestechend: Auch komplexe Homepages werden einwandfrei gelayoutet wiedergegeben, wenn auch natürlich deutlich verkleinert.

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Das stört aber nicht, denn mit zwei Fingertippsern oder dem aus den Demo-Videos bekannten “Kneifen” kann man bestimmte Bereiche vergrössern. Der Browser macht das intelligent und zoomt beispielsweise eine Textspalte so rein, dass man sie problemlos lesen kann.

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Alternativ kann man auch das Gerät drehen und damit automatisch in den Querbildmodus wechseln.

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Gesurft wird einfach mit dem Finger. Man zeigt auf den Link, den man gerne anwählen will, und schon geht der Browser weiter. Das funktioniert erstaunlich intelligent, auch wenn die Links durch die Verkleinerung nur sehr klein sind. Man haut nur sehr, sehr selten daneben.

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Der iPhone-Safari bietet eine umfassende Bookmark-Verwaltung, die sich über iTunes mit Safari oder Internet Explorer (aber leider nicht Firefox oder Opera) synchronisieren lässt. Auch mobil erfasste Bookmarks landen also automatisch auf dem PC oder Mac. Sehr komfortabel.

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Das Ausfüllen von Formularen geht ebenfalls flott von der Hand. Mit vordefinierten Tasten kann man von Feld zu Feld springen, und die eingebaute Rechtschreibeprüfung merkt sich mit der Zeit auch beispielsweise, wie man heisst und welche Usernamen man typischerweise verwendet.

Die interessante Frage ist natürlich, wie weit man diesen Mini-Browser strapazieren kann. Die Erfahrungen waren sehr gut: Sogar das Online-Banking von Credit Suisse, sonst ein Mimöschen, was Browserkompatibiltät angeht, lief in einigermassen bedienbarer Form. Für eine Kontoabfrage reichte es jedenfalls allemal, inklusive bankentauglicher Sicherheit. Und selbst JavaScript-Orgien wie Google Docs liefen noch einigermassen vernünftig. Man konnte die Dokumente zwar nicht bearbeiten, aber doch immerhin gut anschauen.

Etwas ins Keuchen kam der kleine Browser erst mit hochdynamischen Anwendungen wie dem preisgekrönten Mappingdienst local.ch. Der Browser war nicht mehr gerade schnell, tat seinen Dienst aber praktisch fehlerfrei. Google Maps hingegen schickt einen von der Website automatisch auf die eingebaute iPhone-Variante des Kartendienstes, die dank lokaler Software deutlich schneller ist.

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Die Stabilität des Browsers ist gut und deutlich besser als bei der Konkurrenz. Auf meinem Nokia E61 hatte ich bei etwa jeder dritten Surfsession einen Absturz zu beklagen. Der iPhone-Browser verabschiedete sich in den bisherigen Intensivtests nur zweimal, und freundlicherweise startet er genau wieder dort, wo er zuletzt war.

Ein paar weitere Besonderheiten: Der iPhone-Safari kann mehrere Fenster gleichzeitig offenhalten, die man individuell aufrufen und schliessen kann. Man kann sogar manuell neue Fenster aufmachen, was fast wie Tabbed Browsing auf Desktop-Browsern funktioniert. Ausserdem hat der Browser sogar einen kleinen RSS-Reader eingebaut. Man gibt einfach die Feed-URL in der URL-Zeile ein, und den Rest macht die Software. Aber auch andere webbasierte RSS-Reader wie z.B. Google Reader oder Bloglines funktionieren einwandfrei.

Schade, gerade für mobiles Bloggen, ist die völlige Abwesenheit von Copy/Paste-Funktionen auf dem ganzen iPhone. Gelegentlich vermisst man auch das Fehlen von Flash und Java. Auch ein Fileupload, beispielsweise von Fotos auf Flickr, ist nicht möglich. Da muss man sich mit e-Mail behelfen.

Eine interessante Frage ist aber natürlich, wie schnell das Surferlebnis mit dem iPhone ist. Am meisten hängt das von der Qualität der Datenverbindung ab. Als Benchmark haben wir einige Seiten mit dem iPhone an einer WLAN-Verbindung und über das EDGE-Netz von AT&T aufgerufen und die Ladezeiten verglichen mit der Desktop-Version von Safari auf einem MacBook Pro (über die gleiche WLAN-Verbindung). Die Resultate:

medienlese.com
iPhone mit WLAN: 14.2s
iPhone mit EDGE: 59.1s
Safari auf Mac: 4.0s

Spiegel.de
iPhone mit WLAN: 18.1s
iPhone mit EDGE: 57.4s
Safari auf Mac: 5.5s
Google Homepage
iPhone mit WLAN: weniger als 2s
iPhone mit EDGE: 5.2s
Safari auf Mac: zu schnell zum Messen

Es ist also klar, dass das iPhone nicht mit dem Desktop mithalten kann, aber über WLAN doch angenehm schnell ist. Nach durchschnittlich 2/3 der Ladezeit kann man bereits mit der Seite interagieren, der Rest wird für das Nachladen der Bilder verwendet.

Der iPhone-Browser ist ein echter Quantensprung. Mit den arg limitierten Browsern anderer Smartphones hat das nichts mehr zu tun. Das iPhone bietet ausgewachsenen Internet-Zugang für fast alle Situationen. Nur in ganz wenigen Fällen kann der iPhone-Browser nicht mithalten. Dank dem intelligenten Zoommodus ist es in fast allen Fällen möglich, auch durchaus längere Online-Texte auf dem iPhone zu lesen. Einziger Wermutstropfen ist die fehlende Flash- und Java-Unterstützung.

Für das volle Surferlebnis ist allerdings eine WLAN-Verbindung nötig, für den Seitenabruf über das GSM/EDGE-Netz muss man viel Geduld mitbringen. Aber da ja gerüchtehalber die Europa-Version des iPhone mit UMTS ausgeliefert werden soll, besteht da noch Hoffnung.

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6 Kommentare

  1. Benjamin
    schrieb am 3. Juli 2007 um 00:54 Uhr (#)

    Na, da bedankt sich doch der Webdesigner, welcher Webseiten standardkonform produziert und damit bei Safari auf soviel Gegenliebe stößt. Fände es gar nicht gut, wenn die Webbrowser der Handys immer noch eine extra Stylesheet serviert bekommen müssten, damit ihre Kastraten von Browsern was damit anfangen können. Irgendwo muss sich ja auch mal saubere Webentwicklung auszahlen

  2. Tim Duehrkoop
    schrieb am 5. Juli 2007 um 06:17 Uhr (#)

    Der Browser macht wirklich süchtig. Ich versuche jetzt schon am PC, mit Mousedrag zu scrollen … ;-)

  3. Martin27a
    schrieb am 7. Juli 2007 um 06:55 Uhr (#)

    Kann die Meinung ganz und garnict teilen, gerade die Browser der neueren Generation sind ganz gut beim V6 von Moto von N95 ist Java Reader usw drin.
    Und selbst wenn der Browser recht gut ist, kann man dank der lahmen Verbindung aus dem Jahre 1998 oder so, wo GPRS Standardist kaum was anfangen.WLAN hat nich jeder und die Hotspots kosten extra und sind recht selten und EDGE gibt es in Deutschland so gut wie garnicht!!!

  4. Martin27a
    schrieb am 7. Juli 2007 um 06:59 Uhr (#)

    Und noch was.: Der Browser wäre nicht das wichtigste aber das Teil hat weder MMS, noch kann man kurze Videos im Urlaub machen, noch hat es UMTS oder GPS oder nen RADIO, dass Teil hat eigentlich so gut wie nichts, was irgendwie aufregend wäre und aus meiner Sicht ein Spass Handy genüge tun würde.

  5. roughboy
    schrieb am 11. Dezember 2007 um 08:07 Uhr (#)

    …also laut Rückruf beim T-Mobile-Service, Technik IPhone ist es bei weitem nicht so, daß die Favouriten vom Internetexplorer (Vers7) einfach mit dem SafariBrowser synchronisiert werden. Bei mir funktioniert dies überhaupt nicht.
    Man kann nur hoffen, daß von seitens Apple da noch einiges geändert wird, denn es gibt gegenüber den Business Smartphones, wie z.B. dem Nokia Communicator erhebliche Schwachstellen

  6. caro
    schrieb am 3. Januar 2008 um 13:07 Uhr (#)

    hallo!
    weiss jemand wie man das safari fenster wieder schliesst? wenn man mehrere fenster offen hat, kann man die alle wieder schliessen.. aber eines bleibt immer offen..
    danke für die hilfe, lg, caro

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