Handy am Steuer – wird nicht teuer
Carole Migden ist Initiatorin eines Handy-Verbots für Autofahrer in Kalifornien. Vor einer Woche verursachte sie einen Auffahrunfall -weil sie am Steuer telefonierte.
Natürlich könnte der Grund für den Unfall, oder vielmehr die Serie von Unfällen, welche die Staatssenatorin in ihrem Dienstfahrzeug verursachte (bevor sie an einem Rotlicht einen Honda rammte und dessen Fahrerin und deren dreijährige Tochter verletzte, soll sie gemäss Augenzeugen auf dem Freeway wilde Spurwechsel vollzogen und die Mittelleitplanke touchiert haben) auch in der Leukämie liegen, an der die Demokratin leidet. Über die Krankheit hatte sie zehn Jahre lang geschwiegen und sie dann (welch Zufall!) nach dem Unfall öffentlich gemacht.
Die Ironie an der Geschichte liegt darin, dass Migden die Initiantin des längst fälligen (aber noch nicht eingeführten) Gesetzes ist, welches es Autofahrern verbieten würde, am Steuer ohne Freisprecheinrichtung zu telefonieren.
Das macht die ausgeflippte SUV-Fahrerin fast schon wieder sympathisch. Mich nerven die Fahrkünste der San Franziskaner nämlich, seit ich in der Stadt lebe: Blinken ist vollkommen fakultativ, Stoppschilder verursachen grade mal ein kurzes Abbremsen der Automatik-Piloten und Fussgängerstreifen sind Todesfallen; dafür wird in den unpassendsten Momenten (beispielsweise vor einer grünen Ampel oder mitten in einer Kreuzung kurz vor Rotlicht) und ohne Vorwarnung angehalten.
Vor allem aber sind 30 Prozent dieser Helden der Motorkutsche, die bei Regen fahren wie auf Glatteis, im dichtesten Rushhour-Verkehr vorzugsweise drei Wagenlängen hinter dem Vordermann anhalten und die Scheinwerfer grundsätzlich erst dann einschalten, wenn man die Hand nicht mehr vor den Augen sehen kann, permanent am Telefon. Im morgendlichen Pendelverkehr fehlt dabei den meisten eine Hand: Die Linke hält das Cellphone, die Rechte die warmhalte-Kaffetasse.
Oder eben, wie in Migdens Fall, der von mehreren Fahrern auf der Interstate noch vor ihrem Unfall bemerkt und der Highway-Patrol telefonisch gemeldet wurde: In der Rechten das Telefon, in der Linken Papierunterlagen, in denen sie bei 80 Meilen pro Stunde heftig blätterte.
Noch ist der Gebrauch des Telefons am Steuer nicht strafbar. Aber Migden wird auch nicht für “reckless driving” belangt – sie geniesst als Staatslegislatorin offenbar Immunität. Die Nachricht über ihre Leukämie und die von ihrer PR-Agentur verbreitete Vermutung, dass die Chemotherapie für ihr Fahrverhalten verantwortlich ist, soll ihr Verhalten entschuldigen. Und die Kosten für den Unfall übernehmen die gleichen Steuerzahler, welche die Senatorin schon mit dem Hybrid-SUV ausgestattet haben.
Alles ist in bester Ordnung im Autoland Kalifornien.




















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Hallo Blogwerk-Blogger! Ich war auch mal arbeitslos; aber so einen Hass habe ich nicht aufbauen können. Mein Tip: Mehr trinken, das beruhigt.