Handy am Steuer – wird nicht teuer

Peter Sennhauser, 27. Mai 2007 11:35 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Carole Migden ist Initiatorin eines Handy-Verbots für Autofahrer in Kalifornien. Vor einer Woche verursachte sie einen Auffahrunfall -weil sie am Steuer telefonierte.

Carole MigdenNatürlich könnte der Grund für den Unfall, oder vielmehr die Serie von Unfällen, welche die Staatssenatorin in ihrem Dienstfahrzeug verursachte (bevor sie an einem Rotlicht einen Honda rammte und dessen Fahrerin und deren dreijährige Tochter verletzte, soll sie gemäss Augenzeugen auf dem Freeway wilde Spurwechsel vollzogen und die Mittelleitplanke touchiert haben) auch in der Leukämie liegen, an der die Demokratin leidet. Über die Krankheit hatte sie zehn Jahre lang geschwiegen und sie dann (welch Zufall!) nach dem Unfall öffentlich gemacht.

Die Ironie an der Geschichte liegt darin, dass Migden die Initiantin des längst fälligen (aber noch nicht eingeführten) Gesetzes ist, welches es Autofahrern verbieten würde, am Steuer ohne Freisprecheinrichtung zu telefonieren.

Das macht die ausgeflippte SUV-Fahrerin fast schon wieder sympathisch. Mich nerven die Fahrkünste der San Franziskaner nämlich, seit ich in der Stadt lebe: Blinken ist vollkommen fakultativ, Stoppschilder verursachen grade mal ein kurzes Abbremsen der Automatik-Piloten und Fussgängerstreifen sind Todesfallen; dafür wird in den unpassendsten Momenten (beispielsweise vor einer grünen Ampel oder mitten in einer Kreuzung kurz vor Rotlicht) und ohne Vorwarnung angehalten.

Vor allem aber sind 30 Prozent dieser Helden der Motorkutsche, die bei Regen fahren wie auf Glatteis, im dichtesten Rushhour-Verkehr vorzugsweise drei Wagenlängen hinter dem Vordermann anhalten und die Scheinwerfer grundsätzlich erst dann einschalten, wenn man die Hand nicht mehr vor den Augen sehen kann, permanent am Telefon. Im morgendlichen Pendelverkehr fehlt dabei den meisten eine Hand: Die Linke hält das Cellphone, die Rechte die warmhalte-Kaffetasse.

Oder eben, wie in Migdens Fall, der von mehreren Fahrern auf der Interstate noch vor ihrem Unfall bemerkt und der Highway-Patrol telefonisch gemeldet wurde: In der Rechten das Telefon, in der Linken Papierunterlagen, in denen sie bei 80 Meilen pro Stunde heftig blätterte.

Noch ist der Gebrauch des Telefons am Steuer nicht strafbar. Aber Migden wird auch nicht für “reckless driving” belangt – sie geniesst als Staatslegislatorin offenbar Immunität. Die Nachricht über ihre Leukämie und die von ihrer PR-Agentur verbreitete Vermutung, dass die Chemotherapie für ihr Fahrverhalten verantwortlich ist, soll ihr Verhalten entschuldigen. Und die Kosten für den Unfall übernehmen die gleichen Steuerzahler, welche die Senatorin schon mit dem Hybrid-SUV ausgestattet haben.

Alles ist in bester Ordnung im Autoland Kalifornien.

Weiterempfehlen

Mehr lesen

Vader Toaster: Brenne, Darth Vader, brenne

8.11.2008, 1 KommentareVader Toaster:
Brenne, Darth Vader, brenne

Die Figur von Darth Vader aus der "Star Wars" Reihe schaut einen ab sofort auch beim Frühstück grimmig an. Schuld daran ist ein Toaster

Peri-Peri-Toy aus Japan: Der Müslipackungs-Simulator

19.10.2008, 1 KommentarePeri-Peri-Toy aus Japan:
Der Müslipackungs-Simulator

Peri-Peri-Toy heißt eine Verpackungsaufreißlasche aus Plastik, der sich beliebig oft "Aufreißen" und "Wiederverschließen" lässt.

Gadgets aus Fleisch: Nichts für Vegetarier

4.10.2008, 0 KommentareGadgets aus Fleisch:
Nichts für Vegetarier

Gadgets aus Fleischprodukten sind definitiv außergewöhnlich, essen sollte man sie aber besser nicht.

Samsung und Intel Appstores: Noch mehr Anwendungsläden

1.2.2010, 0 KommentareSamsung und Intel Appstores:
Noch mehr Anwendungsläden

Im Angebot der Appstores sind bei Samsung vor allem Windows-Mobile- und bei Intel Applikationen für Netbooks.

Googlephone Nexus One: Ab 5. Januar für 530 Dollar

30.12.2009, 7 KommentareGooglephone Nexus One:
Ab 5. Januar für 530 Dollar

Googles Nexus One wird am kommenden Dienstag angekündigt und für 530 Dollar verfügbar.

Dell Mini 3: Der Texaner setzt auf Android

14.11.2009, 2 KommentareDell Mini 3:
Der Texaner setzt auf Android

Dell tritt mit dem Mini 3 auf dem Mobiltelefonmarkt auf: Mit Android und zuerst in China und Brasilien.

1 Kommentar

  1. Hardy Villwock
    schrieb am 29. Mai 2007 um 22:19 Uhr (#)

    Hallo Blogwerk-Blogger! Ich war auch mal arbeitslos; aber so einen Hass habe ich nicht aufbauen können. Mein Tip: Mehr trinken, das beruhigt.

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.