Wenn “kompakt” zum Nachteil wird
Von Peter Sennhauser am 28. Februar 2007 um 08:01 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Digitalkamera, Tests, Video
Canons TX1 macht Sanyos Xacti Konkurrenz: HD-Video im Winz-Format für hochaufgelöste Wackel-Filme
Mit einer ultrakompakten 7-Megapixel Video- und Fotocam macht Canon demnächst Sanyo Feuer unterm Hintern: Die TX1 schiesst Videos in High-Definition zu einem unschlagbaren Preis.
Der kleine Tausendsassa erinnert irgendwie ein bisschen an die kompakten Super8-Kameras aus den siebziger Jahren, hat allerdings einiges mehr auf dem im Kasten. Zur Auflösung von 1280*720 Bildpunkten bei einer Framerate von bis zu 30 Bildern pro Sekunde gesellt sich ein 10fach Zoom und ein Sucher-LCD mit 115′000 Pixeln.
Gefilmt wird auf die kleinen SD-Speicherkärtchen, und hier beginnt die Kritik an dem neuen, preisbrecherisch günstigen Gerät, das für rund 500 Dollar zu haben sein soll: Es speichert Filme als Motion-JPEG mit unkomprimiertem WAV-Stereoton.
Das kommt wohl der Kamera und vielleicht beim Bearbeiten dem einen oder andern Benutzer entgegen - den dieses Film-Format (bestehend im Wesentlichen aus einer Aneinanderreihung von JPG-Fotos) braucht nicht zu viel Prozessorleistung bei der Aufnahme und lässt sich relativ leicht “schneiden”. Laut Wikipedia ist das Format allerdings umstritten, weil es erstens keinen absoluten Standard für JPEG mehr gibt und weil Motion-JPEG schlecht komprimiert, will heissen: Die Filme werden in wesentlich grösseren Dateien abgespeichert als beispielsweise beim modernen MP4-Format, das aus Haupt- und Bewegungsbildern besteht, auf denen nur jene Bildteile enthalten sind, welche sich bei der Aufnahme bewegt haben - was zwar den Schnitt komplizierter macht, sich aber in wesentlich kleineren Filmdateien äussert.
Als einer der ersten Hersteller hat Sanyo das Feld der kompakten Videokameras mit einer heute noch rund 700 Dollar teuren High-Def-MP4-Kamera beglückt: Die “Xacti HD1A” war bereits vor rund einem Jahr erhältlich. Sie ist ebenso winzig wie das neue Teil von Canon und verfügt ebenfalls über ein 10-fach Zoom und einen Bildstabilisator.
Die Xacti habe ich vergangenen Frühling zwei Wochen lang testen können, und dabei kam ein unerwarteter Kritikpunkt ans Tageslicht (mal abgesehen von dem, dass die Kamera fast nur in diesem - dem Tageslicht - zu gebrauchen ist): Das Gerät ist ZU kompakt. Und das gleiche dürfte demnach auch für Canons kleine Wunderkanone aus der Powershot-Serie gelten.
Es ist nämlich schon schwierig genug, eine herkömmliche, klobige Videokamera für die Ferienaufnahmen bei einem Vergrösserungsfaktor von vielleicht zwei oder vier einigermassen ruhig zu halten, wie wir alle aus den Seekrankheit verursachenden Urlaubsstreifen des Nachbarn wissen. Multipliziert man das Geschüttel mit fünf (auf ein 10-fach-Zoom) und zieht meinetwegen dank Bildstabilisator zwanzig Prozent davon wieder ab, dann kriegt man noch immer grundsätzlich eine Erdbeben-Dokumentation, wann immer längere Brennweiten fürs Videofilmen angewandt werden.
Das wahre Problem dabei besteht allerdings darin, dass selbst ein Stativ nicht wirklich hilft. Die Winzkameras sind nämlich dermassen leicht, dass die Schwenks selbst mit einem gut geölten 25-Kilo-Dreibein zu ruckartigen Vogelkopf-Bewegungen werden - ganz abgesehen davon, dass auf dem Stativ der Bildstabi ausgeschaltet werden muss.
Mein Fazit zur Xacti jedenfalls lautete: Tolle Technik - kaum zu gebrauchen. Der einzige Umstand, der die Canon vor dem gleichen Urteil retten könnte, wäre, wenn sie ungefähr drei Kilo wöge.
Tut sie aber nicht. Sie wiegt 220 Gramm ohne Akku.
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