Der 70-Euro-Heimserver:
Linksys NSLU2
Die «Nacktschnecke» ist ein kompletter Linux-Server fürs Heimnetzwerk – Hackern sei Dank.
Der Linksys NSLU2 (Affiliate-Link) ist offiziell ein «Network Storage Link» für USB, zu Deutsch: Ein Gerät, das am Netzwerk-Router hängt und allen Rechnern im Netzwerk den Zugriff auf bis zu zwei Festplatten mit USB-Anschluss erlaubt. Ein ziemlich einseitiges Teil für 70 Euro (das bei seiner Lancierung vor etlichen Jahren zudem wesentlich teurer war).
Das haben sich auch die Hacker gesagt, die solche Kistchen als erstes auseinandernehmen und gucken, was drin ist. Sie haben einen Intel-Prozessor, 32 MB RAM, ein Unix-Derivat als Betriebssystem und damit seeeeeehr viel mehr Potential vorgefunden.
Heute ist der «Slug» (englisch für Nacktschnecke) ein bei Bastlern und Geeks beliebter Billigst-Server, der in kleinen und grossen Netzwerken Hunderte von Aufgaben übernehmen kann.
Denn die Hacker haben die Firmware geknackt und eine ganze Reihe von Linux-Komplettsystemen so aufbereitet, dass sie an Stelle der tumben Software von Linksys auf dem Slug laufen – inklusive Tausenden von Linuxprogrammen bis hin zum Webserver Apache.
Auf der einschlägigen Webseite zu diesem Projekt gibts ausserdem Dutzende von detaillierten Tipps, wie man die Maschine mit dem Wegknipsen eines Widerstands von 133Mhz auf 266Mhz beschleunigt, den internen Speicher mit Chips aus alten Ram-Dimms vervielfacht oder die beiden brachliegenden zusätzlichen USB-Anschlüsse aktiviert und nutzbar macht. Und das alles läuft auf einem handtellergrossen Gerät, das praktisch keinen Strom und keine Wartung braucht. Nachdem ich das alles im Netz gelesen hatte, war klar, dass ich einen Slug haben muss. Zumal meine bisher benutzte «Netzwerk»-Festplatte von Ximeta von Beginn an eine Enttäuschung war: Sie macht die Installation spezieller Treiberprogramme auf den Windows-Rechnern im Netzwerk nötig, die auf die Platte zugreifen sollen – und dieser Treiber verträgt sich irgendwie nicht mit meiner Desktop-Konfiguration.
Jetzt habe ich einen Slug, dessen Firmware ausgetauscht ist und an dem zwei USB-Harddisks mit insgesamt 360 Gigabyte Speicher hängen. Der «Sluggy» kontrolliert mein Netzwerk-Datencenter inklusive Musiksammlung und TV-Aufnahmen, einen Webserver, einen FTP-Server für Datenzugriffe aus dem Internet, und er überprüft alle 15 Minuten, ob ich noch die gleiche Internet-Adresse habe und lenkt beim kostenlosen Dienst DynDNS eine private URL auf die neue Adresse um, wenn die IP vom Kabelinternet-Anbieter geändert wurde. Damit finde ich von unterwegs im Internet mein Netzwerk jederzeit, kann auf die Daten zugreifen (so gut verschlüsselt wie mein Fachwissen es zulässt), per Netzwerk-Ping meinen Windows-Rechner einschalten und per Remote-Control auch darauf arbeiten.
Der Slug kann noch viel, viel mehr – aber im Moment bin ich mit diesen Aufgaben mehr als bedient. Der «Umbau» der Software war eine Sache von Minuten, wobei ich mich für jenes Linux-Paket entschieden habe, das die Hackergemeinde für Anfänger bereitgestellt hat (Unslung 6.8): Es installiert sich neben die original-Firmware und ist einfach zu bedienen, dafür ist nicht so ganz die volle Linux-Freiheit gegeben. Ausserdem stehen «nur» 3000 selbstinstallierende Programmpakete zur Verfügung, während die «grossen» Linuxe für den Slug – es gibt eine komplette Debian-Distribution – eben theoretisch alles möglich machen. Die Hardware-Modifikation für das «Overclocking» habe ich mir auch zugetraut: Gehäuse öffnen (detaillierte Anleitung auf der Slug-Webseite zu finden) und den richtigen Widerstand mit einem Japanmesser wegkratzen – fertig.
Dies gesagt, soll hier aber noch folgendes bemerkt werden: Die Vorarbeit, namentlich das Einlesen ins Thema auf NSLUG-Linux hat wesentlich mehr Zeit beansprucht; ich musste meine vor Jahren beim Herumexperimentieren mit einem ausgedienten Desktop als Heimserver erworbenen Linux-Kenntnisse auffrischen; der Zugriff auf das Gerät als Administrator erfolgt über Telnet oder OpenSSH und alle Anleitungen auf der Webseite sind zwar weitgehend idiotensicher, aber eben in Englisch verfasst. Ein deutschsprachiges Forum hilft, kann aber die Detailanleitungen und Paketbeschreibungen etc der Original-Community nicht ersetzen.
Wer damit zu Rande kommt, kriegt allerdings mit dem kleinen Schleimer den Heimserver mit dem wohl besten Preis/Leistungsverhältnis, dessen Anwendung als Webserver, Proxy, Firewall, Musik- und Mediaserver, Torrent-Client, Mailserver, RAID-Controller, Backup-Dienst oder was immer nichts im Wege steht.
Und was sagt der Hersteller des Geräts, das wohl nur dank der Hackergemeinde überhaupt noch auf dem Markt ist?
«Obwohl Linksys keine der alternativen Firmware-Projekte für den NSLU2 unterstützt, freuen wir uns natürlich zu sehen, welche grosse Akzeptanz das Gerät gefunden hat. Wie eine ähnliche Gruppe, welche den [Router] WRT54G verbessert hat, beflügelt uns die Kreativität und das Fachwissen der Linksys-Kunden, unsere Produkte ständig zu verbessern.» Mike Wagner, Marketing-Direktor von Linksys
Aha. Man könnte auch sagen: Wenn Ihr unseren Schrott in brauchbare Produkte umwandelt, weshalb sollen wir die Arbeit selber machen?





















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Dacht ich mir schon dass der Sennhauser das geschrieben hat. Im Feed stehts nämlich nicht mehr. :-) Aber nichtsdestotrotz ein sehr guter Artikel. Ich kriege jetzt gerade Ersatz für meine iomega Disk die nach dem Firmwareupdate nicht mehr mit mir sprechen wollte und hab mich für eine LaCie Ethernet Disk entschieden. Auch 320GB und ich hoff im Gegensatz zur iomega dass sie nicht laut wie eine Concorde ist. 3 Tage früher den Artikel gesehen, hätte ich mich für dein Projekt begeistern können. :-)
Ich werde das mal im Auge behalten ? hört sich interessant an.
Da dran die neue Terabyte-Platte [1], und ich habe einen fetten Fileserver und kann zuhause auch per FireWire 800 an die Platte ran.
Aber damit man das auch mobil richtig nutzen kann, muss zum einen der DSL-Anschluss ein wenig schneller werden (384kb/s Up-, 1500kb/s Downstream ist fürs große Fileschieben etwas wenig) und ein brauch- sowie bezahlbarer mobiler Internetanschluss übers Handy muss her.
Momentan wirds beim Fileaustausch übers Netz wohl weiter über meinen GridServer von (mt) laufen?
[1] http://julianschrader.de/…eady-for-an-upgrade/
Als Alternative finde ich auch die Linkstation Pro interessant. Das ist ein NAS mit integrierter Festplatte (und USB-Anschlüssen für weitere Festplatten). Kostet zB mit 250 GB etwas über 250.- CHF, d.h. nicht viel mehr als NSLU2 + 250GB Harddisk (je etwa 125.-).
Die Linkstation wird auch tüchtig gehackt, ist allerdings momentan noch etwas geekiger als der NSLU2, weil das Projekt und das Produkt neuer ist.
http://www.linkstationwiki.net/
boah geht das wirklich alles?
wie steht es mit den Streaming Fähigkeiten des Servers aus?
kann ich auf einen Freecom Netork Media Player Streamen?
@ Nam:
Ich habs nicht ausprobiert, aber in der Liste von vorgefertigten Paketen für die Basis-Installation finden sich auch ein paar Streaming-Server, die neben Musik auch Filme liefern können. Wenn du die Schnecke nicht mit anderm überforderst (ich hab Apache wieder runtergeschmissen, das Ding frisst die ganzen Ressourcen – es gibt aber einen haufen wesentlich kleinerer Webserver) und die Netzwerk-Geschwindigkeit hoch kriegst (brauchte bei mir ein paar Anpassungen, um auf rund 4MB/s zu kommen), sehe ich nicht, was dem im Wege stehen sollte.
hast du die gemoddete Verseion oder die Original von Linksys?
gibt es auch einen Bittorrent Clienten als Paket?
Das Original von Linksys ist nur ein Backstein, der USB-HDS mit dem Netzwerk verbindet – ich habe die einfachste Linux-Version neben die Firmware installiert. Eine Teil-Übersicht über die verfügbaren Programmpakiete findest Du hier:
[Link]http://www.nslu2-linux.org/wiki/Optware/Packages[/link]
Ein Torrent-Client ist auch dabei.
is ja toll..
mcih würde interessieren wie sich die ganze Firmware über das Webinterface steuern lässt? einfach?
und etwas weiteres was mich och sehr interessieren würde ist, ob ees schon vogeferitge gemoddete NSLU2 gibt, da ich nich so versiert bin, in flashen und modden
würde so ca. 100 euro fürne bereits gemoddete mit unslung herzugeben
wo kann man sich da hin wenden?
@Nam:
Ohn eine gewisse Affinität zum Basteln würde ich vom Einsatz eines Linux-Geräts, auf das Du nur mit Telnet/OpenSSH zugreifen kannst, abraten. Das Management des Servers gestaltet sich rundheraus genau gleich wie die Systembetreuung eines jeden Linux-rechners ohne grafische Oberfläche. Das Webinterface dient nur gerade zur Administration der “Shares”, also der im netzwerk sichtbaren Hardisks; alle weiteren funktionen und Softwarepakete sind Linux-Anwendungen und meistens Kommandozeilen-gesteuert.
Das Flashen des Slug ist die einfachste Sache, wenn Du dem leitfaden auf der Projektwebseite folgst. ebenso ist die Installation der Linux-Pakete mit dem Kommando “ipkg” sehr simpel, aber danach werden die Dinge komplizierter, weil jedes Programm via Kommandozeile gestartet und bedient oder in die Cron-Tabelle der regelmässig ausgeführten Aufgaben eingebaut werden muss.
Bereits geflashte Slugs findest Du auf Ebay. Weil das erweiterte betriebssystem nicht im internen Speicher Platz hat, MUSS die eine der beiden anschliessbaren Harddisks bei einem solchen System dabei sein. Meistens kommt als System-HD ein USB-Stick mit mindestens 512MB Speicher zu Einsatz.
ok
ebay hört sich schon mal gar nich so schlecht an…
aber wenn du meinst dass das Flashen sowieso leicht is dann wohl selber machen…
hab hier an meinem desktop auch schon ein bissl mit Linux, aber scheiterte immer an meinem WLAN…
kann man neben dem Original Firmware also parallel betreiben, d.h. ers ma ausprobieren ob das klappt mit unslug?
Ich hatte vor einiger Zeit auch mal einen Artikel zu diesem Thema überflogen. Allerdings wurde die ganze Thematik darin als relativ aufwändig beschrieben. Hier liest sich das aber wesentlich entspannter. Wahrscheinlich werde ich mich demnächst nun auch mal näher damit beschäftigen. Allein schon wegen der Remote-Control.
Hallotschi!!!
Habe mir auch die LinkSys Nacktschnecke zugelegt.Die Software ist Original und mein Problem dieses, das die WD My Book Pro Edition II 1TB am USB Anschluss nicht erkannt wird.Bei meinen PC’s schon.Was kann die Ursache sein? Das Linksys Teil wurde schon ausgetauscht das neue Gerät ist aber nicht besser.
Lg
Eggerl
Meine slug ist nach drei Jahren Dauerbetrieb vor einigen Tagen leider abgeraucht. Ich hatte sie gemeinsam mit zwei Platten in einem kleinen Schränkchen untergebracht, vielleicht war die Hitzebelastung auf Dauer zu groß. Ansonsten war ich mit dem Teil so zufrieden, dass die nächste schon bestellt ist. :-)
Schöner Artikel!
Danke! Allerdings kämpfe ich seit Anfang mit dem tiefen Datendurchsatz der Schnecke. Irgendwo habe ich schliesslich gelesen, dass man die Platten daran nicht mit NTFS formatieren sollte, sondern mit einem der Linux-Systeme. Hab ich gemacht und ein oder zwei Megabyte/s Geschwindigkeit gewonnen – aber für den täglichen Zugriff auf grosse Dateien (Fotoserver) ist das Netzlaufwerk immer noch fast zu langsam. Hast Du Erfahrungen damit?
Problem ist meist Windows SMB (samba).
Mit einem Linux-Desktop NFS-Share vom Slug ist es kein Problem, z.B. Videos direkt vom Slug zu schauen.
Ich habe einen und biete ihn hiermit an… jemand Interesse? (info@berndbitzer.com)