Ohrhörer für den iPod:
Die Oberklasse im Vergleichstest, Teil 3

Links zu Teil 1 und Teil 2

In den ersten beiden Teilen dieses Ohrhörer-Tests haben wir unsere Referenzprodukte und die vier Probanden von Etymotic, Altec Lansing, Shure und Ultimate Ears (alle um die 130 Euro) unter die Lupe genommen. Schreiten wir nun zur Urteilsverkündung.

200612051354Zunächst kann man sich mal zu Recht fragen: Lohnt es sich wirklich, sich einen Ohrhörer für 130 Euro anzuschaffen, wenn der daran angehängte iPod nicht mal wesentlich mehr kostet? Klare Antwort: Wenn man Wert auf guten Klang legt, eindeutig ja.

Eine alte Hifi-Faustregel besagt, dass man etwa die Hälfte eines Stereoanlagen-Budgets für die Boxen ausgeben sollte. Bei mobilem Musikgenuss ist das nicht wesentlich anders: Letztlich macht der Kopfhörer die Musik. Natürlich muss jede/r für sich selbst entscheiden, wie viel Geld einem der zusätzliche Klanggenuss wert ist. Auch bei Ohrhörern gilt, was Ökonomen als “abnehmenden Grenznutzen” bezeichnen: Der Qualitätssprung, den man vom Freebie-Stöpsel zum 30-Euro-Sony erlebt, ist massiv. Der nächste Sprung zu den 130-Euro-Produkten ist ebenfalls gross, aber der nächste Schritt zum 250-Euro-Hörer ist eher subtil. Es gibt auch Produkte in dieser Kategorie für weit über 700 Euro, aber da dürfte die Verbesserung pro zusätzlichem Euro ziemlich minimal werden.

Mit tragbaren Geräten ist audiophile Perfektion so oder so eine Illusion: Das datenreduzierte MP3-Format und die eher billigen eingebauten Verstärkerchen verhindern klangliche Höhenflüge so oder so. Aber trotzdem lohnen sich gute Ohrhörer für ernsthaftes Musikhören, und die 130-Euro-Preisklasse scheint einen “Sweet Spot” in der Preis-Leistungs-Kurve darzustellen.

Wer ist nun also der Testsieger in unserem hochkarätig besetzen Feld?


Um es vorwegzunehmen: das perfekte Produkt haben wir nicht gefunden. Letztlich muss man sich entscheiden, welche klanglichen Präferenzen man hat und wie man den Ohrhörer einsetzen will, und je nachdem wird man mit dem einen oder anderen Produkt glücklich werden.

Schon allein beim Klang gab es keinen klaren Sieger: Während die Etymotic-Produkte und der Altec Lansing durch manchmal atemberaubende Detailtreue überzeugten, hört man dem Shure und insbesondere dem Ultimate Ears super.fi 3 aufgrund ihrer wärmeren Färbung auf die Dauer lieber zu, vor allem bei Popmusik. Grob gesagt sind Etymotic und Altec Lansing eher geeignet für Klassikfans und Detailfanatiker, während Durchschnittshörer mit Shure und Ultimate Ears glücklicher sein werden.

200612051425So zum Spass haben wir alle diese Ohrhörer mal noch mit dem “klassischen” High-End-Kopfhörer Grado RS-1 verglichen, der mehr als dreimal so teuer ist wie der teuerste Ohrstöpsel im Test. Dabei zeigte sich schnell, dass prinzipbedingt auch die besten Ohrhörer ihre klaren Nachteile haben. Das Stereopanorama ist klar eingeschränkt, und damit leidet auch die Transparenz und Luftigkeit. Ausserdem ist es natürlich sehr viel schwerer, mit einem winzigen Ohrhörer guten Bass und eine gesunde Dynamik zu erzeugen. Darum: Für stationäres Hören zu Hause ist auch heute noch ein ausgewachsener Kopfhörer überlegen.

Etwas enttäuscht waren wir bei allen Produkten von der Praxistauglichkeit: Der Etymotic ER-6i und der Shure E3c sind leider nicht so solide gebaut, wie man sich das für den mobilen Einsatz wünschen würde. Shure, Ultimate Ears und der teure Etymotic ER-4s weisen ziemlich widerspenstige Kabel auf, die beim Gehen Geräusche erzeugen. Und die Etymotic-Produkte sowie der Altec Lansing sind durch ihren tiefen Sitz im Ohrkanal auf die Dauer recht unbequem. Aber das mag von Ohr zu Ohr unterschiedlich sein. Der Gewinner in der Praxiswertung ist lustigerweise der billige Sony, denn mit seinem zweiteiligen Kabel und seiner kompakten, aber soliden Bauart passte er am besten zum typischen iPod-Einsatzszenario. Dafür war natürlich seine Klangqualität keinsfalls in der gleichen Liga wie die der übrigen Produkte.

Unter dem Strich geht der Testsieg aber an den Ultimate Ears super.fi 3 Studio.
200612051430

Dieses Produkt überzeugte nicht nur mit seiner soliden Bauweise, die auch jahrelangen Einsatz unterwegs überstehen dürfte. Auch klanglich war der Ultimate Ears zwar sicher nicht der transparenteste, aber unter dem Strich angenehmenste Ohrhörer. Man lauscht seinem warmen Klangbild gern auch stundenlang. Ausserdem ist er recht bequem zu tragen und ist mit seinen mitgelieferten Gummistöpseln unterschiedlicher Grösse an wohl fast jedes Ohr anpassbar.

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2 Kommentare

  1. Ewald Stamm
    schrieb am 6. Dezember 2006 um 00:48 Uhr (#)

    geiles Teil

  2. Shark
    schrieb am 6. Dezember 2006 um 12:52 Uhr (#)

    … apropos datenreduziertes MP3-Format: MP3 ist nicht gleich MP3, bei selbst erstellten Dateien kann man die Qualität differenziert konfigurieren. Noch empfehlenswerter sind natürlich Formate für hochwertige Musik, Flac beispielsweise. Schade, dass ein iPod damit nicht standardmässig umgehen kann.

    (http://ipodlinux.org/ lässt grüssen!)

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