Nokia E61 im Test:
E-Mail-Smartphone für Poweruser

Andreas Göldi, 26. Juli 2006 04:21 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Nokia greift an: Mit dem neuen Modell E61 wollen die Finnen im Markt für e-Mail-Handies den bisherigen Mitspielern ordentlich an den Karren fahren. Wir testen hier den jüngsten Nokia-Spross in einem ausführlichen, mehrteiligen Beitrag.

Handy-Marktführer Nokia war eigentlich der Pionier der kommunikativen PDAs: Mit dem Communicator stellten die Finnen schon 1996 ein leistungsfähiges Universalgerät für Mobiltelefonie, E-Mail und Organizerfunktionen vor. Es folgten weitere Modelle, die aufgrund ihres unförmigen Äusseren aber ein Insidertipp blieben. Die Fans des Communicator nannten ihr bevorzugtes Gadget nicht umsonst liebvoll “Brick”, absolut treffend für ein Gerät mit fast 400g Kampfgewicht. Auch die neuste Communicator-Generation mit den Modellen 9500 und 9300 wurde nicht zum Grosserfolg.

Abgeräumt hat im Markt für mobile E-Mail eine andere Firma: Research in Motion mit ihrem BlackBerry. Die besondere Komination aus einem relativ kompakten Gerät, einfacher Bedienung und der angeblich süchtig machenden Push-Mail machte den BlackBerry zum unverzichtbaren Begleiter vieler mobiler “Wissensarbeiter”. Kein Manager, Anwalt oder Banker, der was auf sich hält, kann sich heute noch ohne BlackBerry sehen lassen. Kein Wunder, denn der BlackBerry holt brav jede E-Mail ab, sobald sie auf dem Server eintrifft. Wenn das Gerät dann ganz oft mit neuen Nachrichten klingelt, weiss jeder: Sein Besitzer muss wohl ein ganz, ganz wichtiger Mensch sein.

Den Rückstand im E-Mail-Markt will Nokia nun mit einer Modelloffensive aufholen. Die E-Serie besteht derzeit aus drei Geräten, die alle auf Messaging optimiert sind, also vor allem das mobile Abrufen und Versenden von E-Mails. Klingt relativ banal, hat aber seine Tücken, denn das reibungslose Zusammenspiel von Gerät, Software und E-Mail-Server ist nicht ganz einfach hinzukriegen. Das Zielpublikum solcher Geräte hat meistens keine Geduld mit Konfigurationsdetails, und darum ist ein nahtloses Benutzererlebnis Voraussetzung für den Erfolg.

Wir testen hier also das E61, das Flaggschiff dieser neuen Modellfamilie.

Das E61 sieht wohl nicht ganz zufällig den aktuellen BlackBerry-Modellen zum Verwechseln ähnlich. Typisch ist die kleine, mit zwei Daumen bedienbare alphanumerische Tastatur und der einfache, solide, schön rechteckige Form-Faktor. Da gibt es nichts aufzuklappen und zu schieben, das E61 liegt einfach so gut in der Hand.

Das Auspacken des E61 ist nicht weiter bemerkenswert: Hier geht es um Business, da ist kein Platz für Verpackungsschnickschnack wie etwa beim iPod oder vielen Consumerhandies.

Auch das mitgelieferte Zubehör ist nicht weiter aufregend: Es gibt ein Headset, ein Ladegerät, ein Datenkabel, natürlich einen Akku und immerhin auch eine Mini-SD-Speicherkarte mit 64MB gratis dazu.

Das Design des E61 ist nicht besonders auffällig, aber solide gemacht. Auch wenn hier ganz klar die Funktionalität im Vordergrund steht, hat Nokia immerhin ein gefälligeres Äusseres als das der manchmal etwas knubbelig wirkenden BlackBerry-Konkurrenz hingekriegt. Auch vor den übrigen Mitbewerbern muss sich das Nokia nicht verstecken: Der Palm Treo oder die Windows-Mobile-basierten Geräte aus dem Hause HTC (verkauft als MDA, Qtek, i-mate, SPV usw.) wirken weniger schlank und elegant als das sehr flache E61. Mit einem Gewicht von 144g ist das E61 auch leicht genug für einen ständigen elektronischen Begleiter.

Ein direkter optischer Vergleich mit dem derzeit sehr beliebten Qtek 9100 (auch als MDA Vario, i-mate K-JAM usw. gehandelt) zeigt: Screen und Tastatur des Nokia E61 sind um einiges kleiner, dafür ist das E61 aber auch nur halb so dick und um einen Drittel leichter. Es wird sich im Test zeigen müssen, ob man für diesen Vorteil an Kompaktheit mit Abstrichen bei der Benutzerfreundlichkeit zahlen muss.

Die Rückenansicht des E61 überrascht durch eine Lücke:

Im Innenleben sind die üblichen Slots für SIM-Chip und Speicherkarte sichtbar, aber was offensichtlich fehlt, ist eine Kamera. Tatsächlich, das E61 ist eines der wohl ganz wenigen High-End-Handies auf dem Markt, das auf eine Kamera verzichtet. Das ist nicht etwa eine Sparmassnahme, sondern entspricht dem Wunsch von Nokias Geschäftskunden, die oft aus Sicherheitsbedenken Handykameras skeptisch gegenüberstehen.

Im nächsten Teil unseres Tests geht es um die Ausstattung des Nokia E61, denn mit UMTS, WLAN, eingebauter Internet-Telefonie und der Unterstützung verschiedener mobiler E-Mail-Systeme bringt das Nokia ganz schön viel Leistung in seiner kompakten Verpackung mit.

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