Langzeittests haben einige Vorteile: Sie offenbaren Freud aber auch Leid mit einem neuen Gerät. So geschehen mit dem MacBook, das wir einem Alltags-Dauertest unterzogen haben.
Schon am Abend dämpft ein kleines Problemchen meine Begeisterung: Anstatt, wie üblich, bei fast leerer Batterie in den Ruhezustand zu fahren, geht das MacBook einfach aus. Diverse eigene Versuche, das Problem in den Griff zu kriegen (z.B. Zurücksetzen der Power Managing Unit) scheiterten, ich hielt es für eine defekte Zelle im Akku. Anruf bei der Hotline ergab: Fehler in der Firmware. Habe mit ein paar Tage später trotzdem einen neuen Akku geben lassen beim lokalen Service Provider, sicher ist sicher.
Ansonsten aber allgemeine Zufriedenheit. Der Lüfter springt nur bei echter Belastung an, zum Beispiel bei der Nutzung von Flash-intensiven Seiten. Auch die frisch eingebaute Festplatte überzeugt mit geringen Laufgeräuschen. Prozessorseitig bin ich ebenso zufrieden. Es braucht schon viele CPU-intensive Tasks, um ihn irgendwann mal an die Grenzen zu führen. Und ich merke durchaus, wann ich im Firefox mal ein paar Tabs schließen sollte, um ihn wieder auf Kurs zu bringen.
Überzeugt bin ich auch vom Betriebssystem. Trotz ausdauerndem Gebrauch hatte das MacBook bis vor kurzem immerhin eine Uptime von 40 Tagen, bis ich es doch mal neu starten musste.
Ein Hauptproblem der MacBook-Reihe war und ist die Verarbeitung. So merkt man hardwareseitig nach ein paar Monaten an einigen Stellen, dass sich starke Abnutzungserscheinungen breit machen. Trotz Benutzung eines Schutztuches hat sich eine Kante des Topcases unwiderruflich in das Display gefressen und eine Linie hinterlassen. Außerdem hat das Topcase an den Stellen braune Flecken, wo die Hände aufliegen. Zugegeben, meine Hände waren sicher nicht immer hygienisch rein, aber unschön ist es allemal.
Und mein MacBook wurde auch nicht verschont von einem Serienfehler: An der rechten Unterkante ist das Gehäuse gebrochen, exakt an der Stelle, wo der Abstandshalder des Displaydeckels in zugeklapptem Zustand aufliegt.
Ich kenne mittlerweile diverse Leute denen es ähnlich ergangen ist, manchen früher und manchen später. Beide Fehler lasse ich demnächst beheben, Zeitaufwand bei meinem lokalen Service Provider: Rund 15 Minuten für das Topcase, etwas länger dauert der Austausch des Displays. Die an den Handablagen entstandenen gelben Stellen haben mit dem Topcasewechsel dann auch vorerst ein Ende.
Auch in Sachen Audio ist nicht immer alles schön: Bei Benutzung der Kopfhörer hört man stellenweise seltsame Interferenzen, vermutlich erzeugt von Bauteilen innerhalb des MacBooks. Wer also ab und zu mal ein leichtes Fiepen in den Ohren hat, dem sei gesagt: Es ist kein Defekt, das liegt vermutlich an der Verarbeitung. Definitiv verbesserungswürdig.
Benutzt man den Laptop an seinem eigentlichen Bestimmungsort, nämlich auf dem Schoss, kann es schon mal etwas wärmer werden. Was zu erwarten ist, da die Hitze nur “untenrum” abgegeben werden kann. Gerade die Airport-Karte ist dabei ein Wärmespender. Ich habe keine Statistik, aber laut Temperaturtool war sie meistens das wärmste Bauteil.
Ansonsten bin ich nach nunmehr drei Monaten weitestgehend zufrieden. Das MacBook ist leise, die Webcam bietet überraschend gute Qualität, die Tastatur unerwartet benutzbar und vergleichsweise leise.
Gut: Der Akku hält lange durch. Wo der Mitreisende Acer-Nutzer im Zug schon nach 2 Stunden seinen Laptop an den Strom hängen muss, sitze ich noch nach über drei Stunden aktiver Benutzung seelenruhig auf meinem Platz. Wenn man das Display nicht auf voller Helligkeit nutzt, kann man zusätzlich sparen. Bei normaler bis intensiver Benutzung musste mein MacBook frühestens nach 3 1/2 Stunden mal ans Netz. Und ich war nicht gerade energiesparend.
Insgesamt ist das MacBook definitiv sein Geld wert. Es gibt sicher noch Verarbeitungsmängel, aber vor denen sind auch andere Hersteller ja nie gefeit. Wer wirklich auf Nummer Sicher gehen will, dass eventuelle Defekte unproblematisch behoben werden, dem empfiehlt sich die Anschaffung von AppleCare. Und wenn man es als Import aus den USA kauft, ist es auch nicht ganz so teuer.
(Bilder: Kathrin Grannemann)