Andreas Göldi

 

Alle 110 Artikel von Andreas Göldi auf neuerdings:

OQO im Test:
Der Kleinst-PC im harten CeBIT-Einsatz

Und hier Teil 5 unseres OQO-Tests (Links: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4).

Natürlich musste sich der OQO Model 01+ auch im Blogger-Alltag an der CeBIT beweisen. Ein ausgedehnter Messebesuch ist ja eigentlich ein optimaler Fall für so einen ultraleichten PC: Wenn man den ganzen Tag das Messegelände durchquert, spürt man am Abend im Rücken jedes Kilo an zusätzlichem Gewicht, das man mit sich herumgeschleppt hat.

Da kann der OQO natürlich auftrumpfen. Sein Kampfgewicht beträgt nur 400g, mit Netzteil, externer Bluetooth-Tastatur und externer Maus kommen nochmal 550g dazu. Mit weniger als einem Kilo hat man also volle Notebook-Funktionalität immer dabei. Mein normales Notebook habe ich darum zu Hause gelassen.


Der OQO im Blogging-Einsatz im CeBIT-Pressezentrum

Das Arbeiten an Blog-Einträgen in dieser Konfiguration funktionierte absolut einwandfrei. Einzige Einschränkung ist der formatbedingt sehr kleine Bildschirm, der insbesondere bei der Bildbearbeitung wenig praktisch ist. Nach kurzer Gewöhnungszeit hatte ich aber den Eindruck, dass ich mit dem Kleinen praktisch gleich schnell arbeiten konnte wie sonst mit einem ausgewachsenen Notebook.

Zusatznutzen entwickelt so ein Taschen-PC aber vor allem beim Durchstreifen der Hallen. Wenn man mal schnell eine Information im Web nachschauen muss oder gerade eben ein paar Sätze für einen Beitrag notieren will, ist der OQO sofort zur Hand. Da der Kleine auch erstaunlich schnell aus dem Standby-Modus hochfährt, kann man damit arbeiten wie mit einem PDA, nur eben mit sehr viel mehr Software-Power. Es ist schon ein grosser Unterschied, ob man mit der begrenzten Kapazität eines PDAs auskommen muss oder auf dem OQO alle seine Mails volltextsuchbar per Google Desktop in der Tasche mit dabei hat.

Die CeBIT verlangt leider exorbitante Preise für ihr Messe-WLAN, so dass wir auf dessen Benutzung dankend verzichteten. Bei den Ausstellern hat sich inzwischen herumgesprochen, dass man sein eigenes Stand-WLAN besser verschlüsseln sollte, und darum war kostenloses Surfen per WLAN in den Messehallen leider die Ausnahme. Im Pressezentrum zeigte der OQO aber einwandfreie WLAN-Performance, wenn auch die Empfangsleistung aufgrund der zwangsläufig kleinen Antenne sicher nicht zur Spitzenklasse gehört.

Völlig problemlos verlief die Datenkommunikation hingegen per GPRS bzw. EDGE. Der OQO hat keine eingebaute GPRS-Karte, und auch die Verwendung einer PCMCIA-Karte ist aufgrund des fehlenden Slots nicht möglich. Per Bluetooth kann man aber ein geeignetes Handy als Datenmodem verwenden. Ich war geradezu positiv schockiert darüber, wie schnell und robust diese Methode funktionierte. Allerdings muss man zwecks Kostenbegrenzung den PC sorgfältig konfigurieren — einmal freute sich nach der GPRS-Einwahl mein im Hintergrund laufender Virenkiller über die gerade neu entstandene Netzwerkverbindung und kam auf die glorreiche Idee, mal eben seine Signaturen-Datenbank zu aktualisieren. Das wird per GPRS dann schnell mal sehr, sehr teuer.


Der OQO beim WLAN-Scannen in Halle 23.

Die mit 2-3h vergleichsweise kurze Batterielebensdauer des OQO war im Messeeinsatz kein Problem. Unterwegs in den Hallen arbeitet man eh nicht lange am Stück mit dem Gerät, und wenn man sich zum Schreiben niederlässt, ist meistens auch eine Steckdose in der Nähe. Trotzdem, die High-Capacity-Batterie mit der doppelten Lebensdauer dürfte in vielen Fällen eine sinnvolle Anschaffung sein.

Fazit dieses Blogging-Einsatzes: Der OQO machte mein Messeleben buchstäblich leichter, die Gewichtseinsparung ist wirklich sehr angenehm. Ein Vollformat-Notebook vermisst man eigentlich nur dann, wenn man an wirklich langen Texten schreibt oder intensiv mit Bildern arbeitet, denn dann ist das Mini-Display des OQO tatsächlich begrenzend. Dass man jederzeit, auch beispielsweise beim Anstehen in Warteschlangen, einen vollwertigen PC aus der Tasche ziehen kann, ist hingegen ein schöner Vorteil. Den nächsten Messebesuch mache ich sicher wieder nur mit dem OQO im Gepäck.

In der nächsten Folge: Das Fazit: Wer braucht eigentlich einen OQO?

Live von der CeBIT:
Schöner einkaufen dank RFID

Einer der grössten und (dem Augenschein nach) teuersten Stände der CeBIT gehörte einer Firma, die man nicht unbedingt an einer IT-Messe vermuten würde: Der Metro-Gruppe. Gezeigt wurden aber nicht etwa Produkte aus dem Sortiment der Metro-Tochter Media Markt, sondern die Zukunft des Einkaufens, wie Metro sie sich vorstellt.

Schon seit einiger Zeit pusht Metro seine “Future Store Initiative“, die Propaganda für Zukunftstechnologien im Einzelhandel machen soll. Neben dem positiven Image-Effekt erhofft sich Metro davon vermutlich auch, den politischen Widerstand gegen Technologien mit Big-Brother-Potential wie RFID zu dämpfen.

Im Future Store in Rheinberg bei Düsseldorf kann man sich die neuen Technologien im Zusammenspiel ansehen. An der CeBIT stand allerdings eher Theorie (wenn auch gut illustrierte) im Vordergrund. Mit bunten Schaubildern und vielen teuren interaktiven Displays wurden da diverse RFID-Anwendungen erläutert.


Der nette Herr von der Metro erklärt, was eine Supply Chain ist und warum die dank RFID viiiiel besser funktioniert.


Metro-Mitarbeiter der Zukunft mit Datenhandschuh in Firmenfarben.


Die Ladenkasse der Zukunft: Selbstbedienung ist gefragt.


Irgendwas haben Lamas (bzw. Alpakas, wie diese Tiere richtig heissen) auch mit RFID zu tun. Haben wir nicht ganz verstanden, kann man aber hier nachlesen.

Natürlich achtete man auf politische Korrektheit. Auf die Frage, ob denn nicht bei solchen vollautomatisierten Läden viele Arbeitsplätze wegfallen werden, kam die gewerkschaftskompatible Antwort: Nein, nein, da bräuchte man ja mindestens so viele Leute für die Überwachung der automatisierten Prozesse. Ach so.

Das alles mutete irgendwie an wie “Sendung mit der Maus” für Erwachsene: Das ist der Norbert. Der Norbert arbeitet bei der Metro. Die Metro ist ein ganz, ganz grosser Laden mit ganz, ganz grossen Regalen. Darum findet der Norbert manchmal die Sachen nicht mehr, die er in die Regale gelegt hat. Aber jetzt gibt es ja RFID… und so weiter.

Aber den Politikern hat’s glaub ich gefallen. Und das war ja auch das Ziel.

Live von der CeBIT:
Linux-Smartphone aus der Schweiz

Der Smartphone-Markt teilt sich ja schon seit einiger Zeit primär in die Lager Windows Mobile, Symbian (Nokia, SonyEricsson) und Palm auf. Andere Systeme sind kaum mehr zu finden.

Da ist es doch schön und auch mutig, wenn sich eine Firma mit einem Alternativprodukt auf den Markt traut, nämlich einem Linux-basierten Smartphone. Und noch schöner ist, dass die Firma ImCoSys aus Zug in der Innerschweiz stammt — einer Gegend, die sonst nicht gerade als Brennpunkt der globalen Gadget-Industrie bekannt ist, sondern eher als Steuerparadies (was vermutlich bei der Standortwahl kein Hindernis war…).

Das Produkt, das gleich heisst wie die Firma und auf der CeBIT erstmals vorgestellt wurde, verfügt über einen TI OMAP 730 als CPU, 64 MB Flash-Speicher und 64 MB RAM sowie einen Touchscreen mit 240×320 Pixeln. Gefunkt wird mit Quadband-GSM, Bluetooth 1.2 und WiFi 802.11b. Zusätzlich ist auch noch ein GPS-Empfänger eingebaut, womit der ImCoSys auch als Navigationssystem verwendet werden kann. Als Betriebssystem läuft Embedded Linux, basierend auf dem 2.4.20-Kernel, die Bedienungsoberfläche ist selbstentwickelt.

Der angegebene Preis von 298 Euro ist für diese Leistungsklasse sehr attraktiv. Vergleichbare Windows-Geräte wie der HP w6515 kosten locker ein Mehrfaches.

Lustig ist auch die eingebaute Übertragungstechnologie Skinplex der Firma Ident Technology. Dabei erfolgt Datenübertragung über die Haut. Wofür man das ganz genau in einem Smartphone braucht, wurde uns ehrlich gesagt noch nicht klar (vom Hersteller wurde irgendwas von Security und Authentication erzählt), aber welcher echte Gadgetfreak wollte nicht schon immer mal als Anschlusskabel für sein Telefon dienen?

Grosse Überraschung:
Microsoft verfügt über Selbstironie

Seit einiger Zeit macht im Netz ein sehr spassiges Video die Runde, das illustriert, wie die Verpackung des iPod aussehen würde, wenn sie von Microsoft designt worden wäre. Das Video ist immer noch bei Google abrufbar.


Original….


…und verbesserte Microsoft-Version

Gestern kam nun raus, dass das professionell produzierte Video tatsächlich von Microsoft selbst stammt. Offenbar wollte die Verpackungsabteilung den eigenen Marketingfritzen mal bildhaft vor Augen führen, was sie so alles an merkwürdigen Vorgaben ertragen muss und warum dabei nie eine kultige Verpackung à la iPod herauskommen kann.

Hoffen wir mal, dass es wirkt…

Wie OQO und Motion auf den UMPC reagieren

Eine Frage stellte sich in Fachkreisen nach der Ankündigung des Ultra-Mobile PCs (alias Origami) relativ bald: Wie werden diejenigen Hersteller reagieren, die schon seit einiger Zeit vergleichbare Mini-Tablet-PCs bauen? Im Vordergrund stehen vor allem die beiden spezialisierten amerikanischen Firmen OQO und Motion Computing, aber auch Sony, die mit der U-Serie schon erste Winzig-PCs im Programm hatte.

Sony hat sich bisher nicht zu Wort gemeldet, aber von den beiden anderen Herstellern hört man inzwischen eine Meinung zum UMPC. Kurz gesagt finden beide, dass diese abgespeckten Tablet-PCs ja recht nett für Kids sind, aber nicht den Anforderungen im Business-Markt entsprechen, den beide Firmen ansprechen wollen.

Gottabemobile.com hat kürzlich ein ausführliches Interview mit Motion-CEO Scott Eckert gemacht, und Eckert hat in den Kommentaren zu dem Beitrag jetzt auch den UMPC kommentiert:

“You can tell from the UMPC marketing campaign that those products are designed to be companion PCs, with a focus on media-playback applications. That’s great and will stimulate new interest in the category. Those who need an enterprise-class PC the size of a paperback book will find Motion’s LS800; consumers looking for a personal media-playback device will gravitate toward the new UMPCs.”

OQO hat seit gestern mit dem erfahrenen Jay Shiveley einen neuen CEO, was aber wohl nichts mit dem UMPC zu tun hat, sondern eher mit dem Wunsch nach schnellerem Wachstum. OQO will sich in Zukunft wesentlich stärker auf “vertikale Märkte” im Business-Umfeld konzentrieren, sagte Shiveley dem PC Magazine.. Seiner Meinung nach zielt Microsoft mit dem Konsumentenmarkt eher auf das falsche Segment:

“It may be self-preserving for Microsoft to be going after the consumer market with a simplistic device” that looks like a PDA, he said. “Business applications need a laptop-style environment, with a keyboard, and that’s a fact.”

Es ist interessant zu sehen, dass der Consumer-Fokus der UMPCs möglicherweise den Tablet-PC-Markt zwingen wird, ein klareres Profil zu entwickeln. Nur die Positionierung “cooles Gadget” reicht eben nicht, um in diesem Preissegment bedeutende Verkäufe zu erzielen. Eine stärkere Orientierung an konkreten Business-Anwendungen — zum Beispiel im Gesundheitswesen, im Aussendienst oder in der Logistik — könnte Firmen wie OQO und Motion Computing zu einem grösseren Markterfolg verhelfen. Die Produkte hätten es jedenfalls verdient.

Live von der CeBIT:
Der etwas andere PC

Vor lauter Origami/UMPC könnte beinahe in Vergessenheit geraten, dass man an der CeBIT auch sonst alle möglichen und unmöglichen Formen von PCs entdecken kann. Klar, der klassische Laptop dominiert, und auch der althergebrachte Desktop ist keineswegs tot, aber die Vielfalt der PC-Anwendungsbereiche bringt immer wieder neue Form Factors hervor.

Zum Thema Tablet-PC gab es alle möglichen Variationen. Seit Jahren einer der einfallsreichsten Hersteller ist die Firma PaceBlade, die schon Tablets gebaut hat, bevor Microsoft überhaupt mit der nötigen Software auf dem Markt war. Die Maschinen von PaceBlade enthalten zum grössten Teil einen Touchscreen, funktionieren also ähnlich wie ein UMPC. Anders als der UMPC sollen die PaceBlade-Produkte aber eher im Profi-Bereich ihren Einsatz finden und verfügen daher über besonders robuste Gehäuse. Ausserdem wird auf dem Bildschirm mit einem normalen Keyboard-Layout getippt und nicht mit der lustigen DialKey-Tastatur der UMPCs.

Andere Firmen überlegen sich, wie man das traditionelle Notebook etwas auffrischen könnte. Bei Toshiba wurde ein Prototyp gezeigt, bei dem der Bildschirm von der Notebook-Basis abnehmbar ist. Der Bildschirm für sich allein funktioniert dann als Tablet und kommuniziert mit dem Rest der Maschine (wo CPU, Harddisk usw. untergebracht sind) per Funk.

Auf die Frage hin, wie denn der Bildschirm für normales Arbeiten mechanisch ausreichend solide an die Basis montiert wird, war die Antwort: “Daran arbeiten wir noch.” Ach so, dachten wir doch, dass da noch ein Detail fehlt.

Ein ähnliches Konzept hatte Samsung im Programm, allerdings im überdimensionierten 19″-Format. Das resultierende Zweiteiler-Notebook sah so gross und massig aus, dass man wohl auch gleich seinen Desktop-PC unter den Arm klemmen könnte.

Die meisten Leute sehen den PC ja immer noch primär als Arbeitsgerät. Da der PC aber auch immer mehr als Unterhaltungsmaschine dient, könnte ja auch sein Äusseres mal etwas mehr Kreativität zeigen, denken sich einige Hersteller.

Ego aus Holland zeigte eine Linie von, äh, kreativ gestalteten Notebooks mit auswechselbarem Aussendesign. Die Geräte sollen sich primär wohl an Frauen richten, die sich zum Sonderpreis von nur 4000 Euro ein solches Schmuckstück leisten wollen. An Innenleben erhält man immerhin einen AMD-Turion-Prozessor, eine 80GB-Platte und einen 12″-Screen mit 1280×800 Pixeln Auflösung.

Aber wie gesagt, wichtig ist das Design. Auch wenn man bzw. frau beispielsweise auf Leoparden-Minis steht, findet sich das passende Notebook-Outfit:

Schick für den etwas gesetzteren Herrn ist hingegen das bei Testa Motari ausgestellte Notebook im Edelholz-Design, passend zum Interieur des S-Klasse-Mercedes:

Ebenfalls auf der Mode-Welle reitet die Firma Dialogue. Das Mini-Subnotebook Flybook wird etwas penetrant als Modeartikel vermarktet. Darum gab es am Stand auch immer wieder Modeschauen zu sehen.

Ach ja, das kleine orange Ding im Vordergrund ist übrigens das Produkt. Das neuste Modell bietet solide Subnotebook-Leistung mit einem umklappbaren Touchscreen im 8.9-Zoll-Format. Das Flybook kann also auch als Tablet-PC benutzt werden. Eine Besonderheit ist auch der eingebaute GSM-Teil, mit dem das Flybook direkt funken kann.

Auch für den heimischen Desktop-PC gab es viele schöne Gehäusevarianten zu sehen. Wer seinen PC hingegen nicht nur optisch, sondern auch akustisch verbessern und das unangenehme Lüftergeräusch loswerden will, wird möglicherweise bei der Firma Wasser-Computer fündig. Die bietet nämlich PCs mit einem Konvektions-Flüssigkeitskühler an, der völlig ohne Pumpe oder andere geräuscherzeugende Teile auskommt.

Dafür ist das Design umso lauter:

Live von der CeBIT:
UMPC-Transportverpackung in der Praxis

Die angekündigten UMPC/Origami-Modelle haben wir ja nun wirklich schon bis zur Erschöpfung gesehen. Weniger klar wurde aber aus den meisten Berichten, in welcher konkreten Form man die Geräte denn nun eigentlich mit sich herumtragen soll.

Wie schon ausführlich beschrieben, ist die Usability des On-Screen-Keyboards nicht über jeden Zweifel erhaben. In vielen Fällen wird man darum gern eine richtige Tastatur verwenden und die auch mal mitnehmen.

Samsung zeigt nun, wie das aussehen soll:

Die externe, drahtlose Tastatur samt Maussteuerungs-Radiergummi im IBM-Stil:

Das alles kann man in einem mehr oder minder schicken Leder-Ding unterbringen, das sowohl als Bildschirmständer wie auch als Transporttasche dient:

Scheinbar praktisch, aber: Im transportfähigen Modus ist diese Kombination etwa dreimal so dick wie ein normales Notebook und auch keineswegs leichter. Da sieht es dann mit der “Ultra-Mobilität” nicht mehr so berühmt aus.

Live von der CeBIT:
Ich bin auch ein Fernseher

Mobiles Fernsehen ist toll, findet die Elektronik-Branche. Eine Zeit lang wollte sie uns ja jetzt das Glotzen unterwegs über UMTS verkaufen, hat aber inzwischen zur allgemeinen Überraschung herausgefunden, dass diese Technologie nicht wirklich massentauglich ist. Der Grund ist einfach: Wenn wirklich mal viele Leute per UMTS fernsehen würden, wäre die Kapazität des Datennetzes viel zu knapp, um alle diese individuellen Datenströme zu bedienen. Ausserdem ist die Zeitverzögerung bei Live-Übertragungen per UMTS (über 10 Sekunden) nicht gerade sehr brauchbar für den derzeitigen Lieblings-Use-Case der Branche: Die Fussball-WM. Will man wirklich das entscheidende Tor erst 10 Sekunden nach dem Nachbarn mitkriegen? Eben.

Man besinnt sich daher jetzt auf digitales Broadcast-Fernsehen per Antenne oder Satellit. Entsprechende Empfangselektronik kann man nämlich inzwischen ziemlich stark miniaturisieren und darum in alle möglichen Gerätschaften einbauen. Noch zu klären wäre allerdings der Normenwirrwarr rund um die Standards DVB-T/H und DMB. Das Standpersonal tat sich jedenfalls meistens schwer damit, im Detail zu erklären, welche Sender man denn nun mit welcher Technologie in welchem Verbreitungsgebiet empfangen kann.

Beim ZDF gab es gleich neben der obligatorischen Torwand (schliesslich ist bald Fussball-WM, falls Sie das noch nicht wussten…) verschiedene Mobilfernseher zu betrachten. Unter dem Label ZDFmobil bietet der Sender sein Hauptprogramm sowie im Timesharing-Verfahren Sendungen seiner weiteren Kanäle (3sat, ZDFinfokanal, KI.KA) bald flächendeckend per DVB-T an.


Mit dem Zweiten sieht man, äh, kleiner: Gerätepark beim ZDF


Überflüssige Interviews jetzt auch unterwegs immer mitverfolgbar!

Bei den Hardwareherstellern scheint vor allem Samsung der Meinung zu sein, dass grundsätzlich jedes Gerät nebenher noch als Fernseher dienen sollte. Man zeigte darum DMB-Empfänger in Notebooks…

… dem neuen UMPC ….

… und selbst in Digitalkameras…

…von den Mobiltelefonen ganz zu schweigen natürlich.

Nachteil: Aus den Geräten muss man zwecks besserem Fernsehempfang eine Teleskop-Antenne herausziehen, die irgendwie an alte UKW-Radios erinnert. Aber wen stört das schon, wenn man bald die Fussball-WM jederzeit überall verfolgen kann? Die findet nämlich bald statt, die WM, wie uns an etwa 90% der Stände glaubhaft versichert wurde.

Ich frage mich, ob das ZDF eigentlich Lizenzgebühren für die Verwendung der berühmten Torwand (die mit der Dual-Hole-Technologie) bekommt. Falls ja, müssen die Einnahmen aus der CeBIT beträchtlich sein, weil Torwand-Schiessen bestimmt von einem Dutzend Aussteller zur Publikumsbelustigung eingesetzt wurde.

Ob die WM wirklich den Durchbruch für mobiles Fernsehen bringt, bleibt mal noch abzuwarten. Die Abdeckung mit den nötigen Sendeanlagen ist bei DVB-T/H zumindest noch lückenhaft und bei DMB so gut wie inexistent. Auch die Geräte haben mehrheitlich noch den wackligen Charme einer 1.0-Technologie. Bei einem Event wie einer Fussball-WM ist das eher gefährlich; da ist der Ruf einer Technologie auch schnell ruiniert, wenn nicht alles perfekt klappt.

Live von der CeBIT:
Süsse kleine Roboter und süsse grosse Beamer bei NEC

NEC ist einer der Hersteller, die in Europa keine besonders hohe Popularität geniessen, aber eigentlich sehr interessante Sachen machen. Der Stand von NEC stach darum aus dem CeBIT-Einerlei deutlich durch ein paar spannende Innovationen heraus.

Sony hat ja nun leider den niedlichen Roboterhund Aibo eingeschläfert. Aber Rettung naht: NEC zeigte seinen Heimroboter PaPeRo, der auch noch viel intelligenter sein soll als der digitale Köter.

PaPeRo — ästhetisch eine Mischung aus R2D2 und “Hello Kitty” — kann mit seinen beiden eingebauten Kameras beispielsweise Gesichter erkennen und Distanzen abschätzen, auch wenn sich mehrere Personen um ihn herum bewegen. Verständigen kann man sich mit ihm per Spracherkennung oder auch per Kopftätscheln, denn PaPeRo hat Berührungssensoren an Kopf und Körper und soll so auch für Kleinkinder “bedienbar” sein. Ausserdem verfügt er über ein eingebautes Mobiltelefon und kann so ferngesteuert werden. Auch zur Überwachung von Kleinkindern soll er geeignet sein, da die Eltern per Handy durch PaPeRos Augen schauen können, was die lieben Kleinen denn so treiben. Ob und wann diese Technologiedemo auf den Markt kommt, steht aber noch nicht fest.


Ein PaPeRo samt Kollegen. Die Spracherkennung funktionierte im CeBIT-Lärm nur sehr bedingt, meistens musste die Dame vom Standpersonal dem Kleinen die Befehle regelrecht ins Ohr brüllen.


Vielseitiges Anschlussfeld: Der kleine Roboter war zum Glück mit Strom- und VGA-Kabel befestigt und konnte darum nicht abhauen.

Die Batterietechnologie bei tragbaren elektronischen Geräten machte in den letzten Jahren nur wenig Fortschritte. Immer noch müssen wir mit der sehr begrenzten Akku-Lebensdauer unserer Notebooks leben. NEC geht da andere Wege und zeigte den Prototyp einer Brennstoffzelle für Laptops. Dieser noch etwas eckige Anbau soll Strom für über 10 Stunden (später über 40 Stunden) bieten und wird mit Methanol betrieben.


Brennstoffzelle am Notebook: Keine Schönheit, aber energiereich

Vermutlich zwecks Folterung von Gadget-Freaks hatte NEC sein neustes Subnotebook VJ12 aufgestellt. Dieses Gerät mit seinem 12.1″-Screen wiegt nicht mal mehr ein Kilo und bietet eine Batterielebensdauer von über 7 Stunden. Der Haken: “Japanese market only”. Sehr witzig… Notkäufe sind allerdings bei Spezialversendern wie dynamism.com möglich.

Frei erwerbbar sind hingegen die diversen schönen Beamer, die es bei NEC zu sehen gab.


Welche Beamer-Grösse darf’s denn sein?

Das Top-Modell aus dem Profi-Bereich bot Leistungsdaten, von denen man sonst nur träumen kann: 2048×1080 Pixel Auflösung, 23’000 ANSI-Lumen, Projektionsgrösse bis 25m. Das sollte dann auch für anspruchsvollere Heimkino-Anwendungen vorerst reichen.

Live von der CeBIT:
Gas geben mit Gadgets

Das moderne Auto hat einen Fehler, findet die IT-Branche: Zwar verwendet es unter der Motorhaube schon jede Menge Elektronik, aber davon ist einfach zu wenig für den Benutzer direkt sicht- und nutzbar. Fragt sich nur, ob die Benutzer das auch als Fehler sehen.

Aber jedenfalls wird an der CeBIT gleich mehrfach gezeigt, wie das Auto der baldigen Zukunft auszusehen hat. Über die zahlreichen Anbieter von Navigationssystemen haben wir hier ja auch schon geschrieben.

BMW führte sein System “Connected Drive” vor, das eine ganze Anzahl mehr oder minder nützlicher Zusatzfunktionen bietet. Voraussetzung ist ein entsprechend ausgestattetes Navigationssystem sowie ein eingebautes oder bluetooth-fähiges Mobiltelefon. Das System bietet dann beispielsweise fortgeschrittene Navigationsfähigkeiten samt präziser Stauwarnungen und gewisse Formen von Internet-Zugang — e-Mails, Börsenkurse und was der BMW-Fahrer sonst noch so braucht (Nein, keine Gaming-Communities).

Ein paar der Features lösen tatsächlich alltägliche, aber lästige Probleme: Beispielsweise kann einem das Auto auf Anfrage selbständig SMSen, wo man es denn geparkt hat, falls man das wieder mal vergessen hat — BMW kennt seine Kundschaft eben. Ausserdem ruft das Auto selbständig den Händler an (den Vertragshändler natürlich, nicht den Billigheimer mit den nachgemachten Ersatzteilen), wenn wieder mal ein Service nötig ist.


Am besten funktioniert das System in nem dicken 5er mit ner Blondine als Beifahrerin

Wie gut das in der Praxis wirklich funktioniert, konnte man mangels Fahrmöglichkeit in der Halle natürlich nicht ausprobieren. BMW verspricht aber hoch und heilig, dass die Bedienung ganz, ganz einfach ist und man dem Fahrer/User das Leben so einfach wie möglich machen will. Beispielsweise kann man seine Kontakte samt Telefonnummern vom heimischen PC synchronisieren. Da wären wir nun echt überrascht, wenn das wirklich klappen würde, nachdem die PDA-Branche das seit zehn Jahren nicht richtig hinkriegt.

VW zeigte zusammen mit Microsoft das neue EOS-Cabrio mit eingebautem PC. “Connected Car Initiative” nennt sich das dann.

Der eingebaute Rechner, geliefert von der Firma Inperio, ist ein normaler XP-PC mit 650 MHz-Celeron-Prozessor und 20 GB Harddisk (optional auch mehr). Bedienen tut man das Gerät mit 7-Zoll-Tochscreens, die vorne beim Fahrer oder kinder-kompatibel in den Kopfstützen der Vordersitze eingelassen sind. Den alten Witz von wegen “Nein, der Brems-Rechner läuft nicht unter Windows” sparen wir uns jetzt mal. Von der Funktionalität her bot das System etwa das, was man erwartet: Navigation, Multimedia-Entertainment sowie begrenzten E-Mail- und Internet-Zugang.


Wohl dem, der ein Cabrio hat: Der eingebaute PC konfiguriert sich einfach besser so.


…und für alle Fälle sollte man natürlich immer die Tastatur auf dem Rücksitz dabeihaben. Man kann nie wissen, wann man mal ein Service-Pack installieren muss.

Auch Intel kündigte eine Automobil-Initiative in Zusammenarbeit mit Harman/Becker an, aber wie so oft bei Intel wurde man nicht so ganz schlau daraus, was der Press-Release einem denn nun eigentlich genau sagen wollte. Jedenfalls soll die Intel-Plattform “völlig offen” sein und benutzt darum auch nicht Windows, sondern das Real-Time-OS QNX. Produkte soll es ab 2007 geben.


Zur Unterstreichung der Ernsthaftigkeit der neuen Auto-Initiative zeigte Intel ein Auto.

Hardcore-Gaming an der CeBIT

Die CeBIT war früher mal primär eine eher ernsthafte Business-Messe, aber diese Zeiten sind vorbei. Flächenmässig spielen die entertainment-orientierten Stände inzwischen fast schon die grössere Rolle, und das reflektiert natuerlich auch die stärkere Orientierung der IT-Branche am Consumer-Bereich.

Gaming ist an der diesjährigen CeBIT ein grosses Thema. Fast eine ganze Halle wird von diesem Bereich eingenommen, auch wenn es im Bereich der Produkte keine grösseren Neuheiten zu sehen gibt.

Dafür wurde die “Samsung World Cyber Games Euro Championship” ausgetragen, an der die besten Gamer der Welt in diversen Disziplinen antraten: Counter Strike:Source, FIFA Soccer 2006, Warcraft 3 und so weiter. Für das zahlreich aufmarschierte Publikum war ein gewaltiges Auditorium reserviert. Wer bei den Wettbewerben gewonnen hat, kann man im Detail auf wcg-europe.com nachlesen.


Pause im Turniersaal

Während die Spielkonsolen an der CeBIT eine eher kleine Rolle spielen, gibt es diverses Equipment für den passionierten PC-Gamer zu sehen. Der Trend bei den Displays geht ganz klar zur massiven High-Definition-Bildschirmauflösung. Nvidia zeigte beispielsweise ein System, das eine Auflösung bis zu 2560X1600 mit beeindruckender Frame-Rate möglich macht. In der Kiste steckt aber auch einiges an Technik, und zwar gleich vier GE7900 GPUs und die nForce4 SLI, die die Koordination der Chips vornimmt. Den Preis wollen wir lieber nicht wissen…

Dieses schöne Gerät bietet mehr Auflösung, als bezahlbare Monitore überhaupt darstellen können.


Wenn’s mal heiss wird beim Gamen, hilft sicher dieser CPU-Kühler im Format eines mittleren AKW-Kühlturms.

Für ältere Semester gab es aber auch etwas Nostalgie, beispielsweise die wiederauferstandene Marke Commodore, die jetzt Media-Center-PCs und portable Navigationssysteme baut, sowie den guten alten Competition-Pro-Joystick, der jetzt mit modernem Innenleben erhältlich ist. Hach, wie damals in den guten alten 64iger-Zeiten…

OQO im Test:
Einsatz in der Praxis

Und hier Teil 4 unseres OQO-Tests (Links: Teil 1, Teil 2, Teil 3).

Die wesentlichste Frage rund um den OQO ist natürlich: Braucht man wirklich einen so kleinen PC, und wozu ist er tatsächlich gut?

Nun, um es vorwegzunehmen: Wer kein Problem damit hat, sein Notebook überall hin mitzuschleppen und/oder bisher wunderbar ohne PDA ausgekommen ist, wird kaum zur Zielgruppe des OQO gehören. Potentielle OQO-Kunden sind am ehesten Leute, die optimale Computer-Mobilität wollen, aber mit ihrem PDA nicht glücklich sind.

Was kann der OQO, was mit einem High-End-PDA nicht möglich ist? Nun, natürlich eine ganze Menge. Es gibt halt immer noch sehr viele Anwendungsbereiche, für die die typische PDA-Software längst nicht ausreichend ist.

Beispiel Bloggen: Wer schon einmal versucht hat, auf einem PDA (egal ob Windows Mobile, Symbian oder Palm) einen etwas komplexeren Blog-Eintrag zu verfassen (bisschen Text, ein paar Links, ein paar Bilder) wird mir vermutlich zustimmen: Das ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Ähnlich sieht es aus mit Web-Browsen, Textverarbeitung, Präsentationssoftware oder e-Mail: Die PDA-Versionen dieser Programme sind bestenfalls als Notnagel gut, aber kaum zum ernsthaften Arbeiten geeignet. Der OQO mit seiner voll ausgebauten Windows-XP-Funktionalität spielt da in einer ganz anderen Liga.

Der OQO hat eigentlich drei typische Einsatzformen:

1. Unterwegs im Kompaktformat, Bedienung mit Stift oder der eingebauten Tastatur. Dabei hat man so das typische PDA-Feeling, aber halt mit mehr Leistung. Als vollwertiger Tablet-PC taugt der Kleine hingegen kaum, dazu ist die Screenfläche zu klein und der Stift zu ungenau.


Der OQO in seiner natürlichen Umgebung (Foto nachgestellt)

2. In einem semimobilen Umfeld (z.B. im Zug oder am Flughafen) kann man eine Reisetastatur und Maus anhängen und dann mit dem OQO arbeiten wie mit einem Notebook, vom kleinen Bildschirm mal abgesehen.


Der OQO mit Bluetooth-Tastatur von ThinkOutside sowie externer Maus.

3. Zu Hause oder im Büro in der Dockingstation mit externem Bildschirm und Full-Size-Tastatur. Da ist der OQO dann von einem normalen PC nur noch aufgrund seiner etwas geringeren Geschwindigkeit zu unterscheiden.


OQO im gedockten Zustand

Laut Hersteller hat der OQO den Anspruch, potentiell der einzige Computer zu sein, den man braucht. Unterwegs im kompakten Mini-Format, im Büro an der Dockingstation, so soll man den OQO den ganzen Tag lang einsetzen. Das ist zwar durchaus möglich, aber ich kann mir nur schlecht vorstellen, dass die meisten Leute mit den doch begrenzten Leistungsmerkmalen des OQO wirklich in allen Situationen zufrieden wären. Typischerweise wird der OQO wohl eher ein Zweitcomputer sein, den man neben einem Desktop-PC oder leistungsfähigen Laptop einsetzt.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, kürzere Geschäftsreisen oder sonstige Ausflüge nur mit dem OQO zu machen. Man braucht auf keine Funktionalität zu verzichten und hat doch erheblich weniger zu schleppen als mit einem ausgewachsenen Notebook. Auch als Mini-Tablet fürs bequeme Surfen zwischendurch, als e-Book-Reader oder mobile Blogging-Station ist der OQO hervorragend geeignet. Für die tägliche Arbeit hingegen ist aber etwas mehr Power schon schöner.

Nächste Folge: Der OQO an der CeBIT.

Erste Origami-Applikationen tauchen auf

Nicht übel: Der UMPC/Origami wurde gerade eben vorgestellt, und schon gibt es erste Softwarehersteller, die spezifisch für diesen neuen Form-Factor Produkte anbieten.

Den Preis für das erste UMPC-Softwareprodukt hat vermutlich MobileKinetics verdient. Das “HandPortal 1.0″ soll eine Touchscreen-kompatible Oberfläche für die gängigsten PC-Tasks bieten, beispielsweise für e-Mail, Media-Player, RSS-Lesen usw.

Die ersten Screenshots sehen allerdings (wie auch die Website der Firma) noch etwas handgestrickt aus. Aber immerhin, je früher sich Softwareentwickler mit der neuen Plattform auseinandersetzen, umso grösser ist die Chance, dass die Möglichkeiten des UMPC wirklich genutzt werden.

OQO im Test:
Die Hardware im Detail

Und hier Teil 3 unseres OQO-Tests (Links: Teil 1, Teil 2).

Als nächstes nun ein genauerer Blick auf die Hardware des OQO:

Im Innern tut ein Transmeta Crusoe mit 1 GHz Taktfrequenz seinen Dienst. Das ist nicht gerade der Traumprozessor eines Performance-Freaks, um es mal vorsichtig zu sagen. Die Transmeta-CPUs sind auf Energieeffizienz ausgelegt und nicht auf Leistungsmaximierung. Insbesondere bleiben diese Chips vergleichsweise kühl. In einem winzigen Gehäuse wie dem des OQO würde jeder andere Prozessor vermutlich zum Schmelzen der umliegenden Plastikteile führen. Aber auch so braucht der OQO noch einen eingebauten Lüfter, der sich bei CPU-intensiven Tätigkeiten lautstark einschaltet. Kaum zu glauben, dass dieses kleine Ding manchmal lauter sein kann als ein ausgewachsener Desktop-PC. Trotz der intensiven Lüftung wird der OQO bei Dauerbetrieb immer noch recht warm, aber nie ungemütlich heiss, wie man das von einigen Laptops kennt.

Man kann mit der reduzierten Leistung eines Transmeta-Chips ganz gut leben, wenn man die Eigenschaften dieser CPU kennt und berücksichtigt. Durch die Code-Morphing-Technologie von Transmeta muss Programmcode erst nochmals für den Prozessor umcompiliert werden, wodurch die Startzeiten von Applikationen deutlich länger werden als auf normalen Intel- oder AMD-Chips. Man sollte also auf einer Transmeta-Maschine vermeiden, Applikationen ständig zu öffnen und zu schliessen. Mit seinen 512 MB RAM kann der OQO durchaus einige offene Anwendungen vertragen.

Das Display des OQO misst 5″, was gerade noch eine vernünftige Bedienung erlaubt. Die Auflösung beträgt 800×480 Pixel — nicht viel, aber für die meisten Anwendungen noch OK. Natürlich kann auch ein externer Monitor angehängt werden, der dann mit bis zu 1280×1024 Pixeln beliefert wird. Die Helligkeit des OQO-Displays kann nicht ganz mit grossen Notebooks mithalten, dafür ist es aber dank seinem transflektiven Prinzip auch im direkten Sonnenlicht noch gut ablesbar.

Der Videochip im OQO bietet zwar 3D-Beschleunigung, aber verfügt nur über 8 MB Video-RAM. In die Versuchung, aufwendige Bildbearbeitung oder Videoschnitt zu betreiben, wird man daher nicht kommen, von High-End-Gaming ganz zu schweigen.

Wenn man das Display hochschiebt, kommt die eingebaute Mini-Tastatur des OQO zum Vorschein (gibt es derzeit nur im amerikanischen QWERTY-Layout). Von allen Winzig-Tastaturen, die ich bisher ausprobiert habe, ist das deutlich die beste. Die Tasten haben einen recht grossen Abstand und klaren Druckpunkt, das Layout ist ziemlich clever, und eigentlich sind alle Tasten dort, wo man sie erwartet. Mit etwas Übung erreicht man recht gute Tippgeschwindigkeiten.

Zur Maussteuerung steht ein Trackstick zur Verfügung, das ist so ein “Radiergummi”, wie er auch in IBM-Notebooks verwendet wird. Alternativ bietet der OQO aber auch einen digitalen Stift an, der wie bei Tablet-PCs nach dem aktiven Prinzip funktioniert. Das heisst, dass das OQO-Display nicht berührungsempfindlich ist, sondern nur auf den Spezialstift reagiert.

Leider ist die Treffgenauigkeit des Stifts nicht über alle Zweifel erhaben. Ausserdem ist die Display-Oberfläche des OQO nicht so hart (vermutlich aus Gewichtsgründen) wie bei Tablet-PCs. Bei jeder Stift-Aktion gibt sie etwas nach, was lokale Verfärbungen produziert — genau so, wie wenn man mit dem Finger auf einen normalen LCD-Screen drückt. Somit ist der OQO als Tablet-PC nicht gerade besonders gut geeignet, auch wenn er neuerdings auch mit XP Tablet Edition lieferbar ist.

Die Batterielebensdauer wird vom Hersteller mit 3-4 Stunden angegeben, aber wie immer bei diesen Versprechungen sieht die Realität anders aus. 2-3 Stunden sind bei normaler Benutzung eher realisitisch, abhängig vor allem auch davon, wie stark man WLAN und Bluetooth benutzt. Demnächst lieferbar ist eine Batterie mit doppelter Kapazität, womit man dann fast schon einen ganzen Arbeitstag lang mit dem OQO arbeiten kann.

Der Rest ist schnell erzählt: Es gibt WiFi und Bluetooth, eine 30-GB-Platte, ein praktisches kleines Scrollrad aussen am Gehäuse, ein eingebautes Mikrofon und neben dem USB- auch einen FireWire-Port.

Einen besonderen Charakter erhält der OQO durch ein paar nette Designdetails. Im Standby-Modus beispielsweise blinkt die Power-LED nicht einfach ordinär wie bei normalen Notebooks, sondern glimmt weich pulsierend vor sich hin. Die Batterie enthält einen Testknopf, nach dessen Betätigung vier Leuchtdioden den Ladestand anzeigen. Das tun sie aber nicht einfach so, sondern mit einer dramatischen Animation und hell strahlend. Überflüssig, aber schön. Auch bei diesen netten kleinen Effekten ist die Apple-Verwandtschaft wieder deutlich spürbar.

Im nächsten Teil: Der OQO in der Praxis.

Origami/UMPC:
eine erste Analyse

Die Enttäuschung in der Gadgetszene ist nicht zu überhören: Microsoft und Intel haben mit dem Ultra-Mobile PC alias Origami heute keinen phantastischen Technologiesprung gezeigt, wie viele gehofft hatten, sondern “nur” ein neues Produktkonzept vorgestellt. Der UMPC verwendet längst bekannte PC-Technik, altbewährte Software und nicht einmal eine besonders attraktive Verpackung. Ist diese neue Geräteklasse darum jetzt schon zum Scheitern verurteilt?

Nicht, wenn die Hersteller den UMPC nach diesem eher schwachen Start richtig vermarkten. Diese Produktklasse ist nicht für Poweruser und Gadget-Fanatiker gedacht, sondern für preisbewusste Konsumenten. Den mobilen Manager oder globetrottenden IT-Consultant kann man sich nur schlecht mit einem Origami unter dem Arm vorstellen, die Schülerin, den Studenten oder die junge Berufsanfängerin hingegen schon wesentlich eher. Und genau auf diese Zielgruppen, die sich bisher kaum die teuren Tablet-PCs oder Subnotebooks leisten konnten, zielt der UMPC. Auffällig ist an den Werbevideos, dass fast nur Leute unter 25 und mehrheitlich Frauen als User gezeigt werden. Intel und Microsoft wollen sich unbedingt diese bisher eher schlecht erschlossenen Segmente sichern, bevor andere — zum Beispiel Apple — zu stark werden.

Fragt sich nur, ob der UMPC dafür einen ausreichend hohen Coolness-Faktor mitbringt, mal ganz abgesehen vom umständlichen offiziellen Namen. Die neuen Zielgruppen kaufen nicht primär Technik, sondern ein Lebensgefühl und Mode-Statements. Ob die Geräte einen VIA- oder Celeron-Prozessor haben, ist den UMPC-Zielkunden herzlich egal — welche Farbe das Gehäuse hat, hingegen nicht.

Die heute an der CeBIT gezeigten Designs sind aber leider nicht gerade aufregend, was angesichts der bisher bekannten Hersteller — Samsung, Asus, Founder — auch nicht sehr überrascht. Und noch ein Hindernis gibt es: Das Betriebssystem (Windows XP) wurde ursprünglich für Business-Anwendungen entwickelt, und die daraus resultierende Komplexität spürt man an jeder Ecke. Das User-Interface wurde nicht, wie in der Unterhaltungselektronik sonst üblich, völlig neu und nur für diesen Anwendungszweck entwickelt, sondern schleppt den historischen Ballast von 25 Jahren PC-Evolution mit sich herum. Und: Eine so perfekte Integration mit Online-Medienshops wie Apple können die UMPC-Hersteller bisher nicht bieten. Ein klarer Nachteil für ein unterhaltungsorientiertes Gerät

Es ist grundsätzlich sicher positiv, dass Microsoft und Intel den Anwendungsbereich des PCs ausdehnen wollen. Aber das ist natürlich primär ein defensiver Schachzug, denn für die meisten Konsumenten sind Windows-PCs bisher nicht unbedingt eine Produktkategorie, die sie mit Unterhaltung assoziieren. Andere Anbieter haben da wesentlich mehr Erfolg. Der Kampf ums Wohnzimmer, um den Studenten-Rucksack und die Damenhandtasche geht in die nächste Runde.

Insofern war die Origami-Kampagne aber bisher ein klarer Flop: Die Aufregung in der Gadget-Szene war gross, aber in der Mainstream-Presse fand das Thema praktisch nicht statt. Erfolgreich wird der UMPC aber erst dann, wenn nicht Engadget, sondern Elle darüber berichtet.

Panasonic-Pressekonferenz:
Blu-ray und mehr SD-Kapazität

Auch Panasonic stellte heute an einer Pressekonferenz interessante Neuheiten vor:

Beschreibbare Blu-ray-Discs sollen schon im Frühjahr in Europa erscheinen. Verfügbar sein werden Kapazitäten von 50 GB und 25 GB. Solche Datenmengen sind nötig für HDTV und natürlich angenehm für den PC-Sektor, denn endlich gibt es wieder mal ein billiges Speichermedium, das mit den explodierenden Harddisk-Kapazitäten mithalten kann. Die Datentransferrate ist mit 72MB/s auch schon ganz vernünftig.

Auch bei Flash-Speicherkarten wachsen die Kapazitäten: Panasonic kündigte eine Karte nach dem neuen SDHC-Standard (Secure Digital High Capacity) an, auf die 4GB passen. An Verwendungsmöglichkeiten für so viel Speicher mangelt es keineswegs. Panasonics neuste Generation von Videokameras beispielsweise arbeitet vorzugsweise mit SD-Karten statt Tape als Speichermedium. Die neue SDHC-Norm soll Speicherkarten mit einer Kapazität von bis zu 32 GB ermöglichen und legt verbindliche Datentransferraten fest. Leider sind dafür aber neue Geräte nötig, denn in bisherige SD-Slots passen die neuen Karten nicht.

Wie andere Hersteller auch wirft Panasonic mit Neuankündigungen im HDTV-Bereich nur so um sich: An der CeBIT werden allein acht neue Plasma-Screens und fünf LCD-Fernseher vorgestellt. Passend dazu gibt es natürlich auch Home-Networking-Lösungen.

Nokia:
Auch Handies können spezialisiert sein

Die meisten Handy-Hersteller versuchen ja immer noch, ihre Geräte zu fliegenden eierlegenden Wollmilchsauen mit Tauchfähigkeiten zu entwickeln, also so viele Features reinzuquetschen wie nur möglich. Die resultierenden Gadgets sind meistens vor allem eins: verwirrend. Sie können zwar fast alles, aber nichts richtig gut.

Nokia geht bewusst einen anderen Weg und spezialisiert seine verschiedenen Produktfamilien zunehmend stärker. Am deutlichsten sichtbar ist das in der multimedialen N-Serie: Das Fotohandy N90 bietet beispielsweise eine eingebaute Zeiss-Optik und ist rundum fürs Fotografieren und Videofilmen optimiert.

Das N91 mit seiner eingebauten 4GB-Festplatte zielt hingegen primär auf Musikwiedergabe. Ein Hörtest mit unseren mitgebrachten Etymotic-Kopfhörern zeigte auch tatsächlich, dass das N91 anders als die üblicherweise sehr dünn klingenden Standard-Handies eine sehr gute Klangqualität bietet.

Im Sommer 2006, also rechtzeitig zur WM, soll das N92 auf den Markt kommen. Es ist für Fernsehempfang mit dem DVB-H-Standard optimiert und soll daher Fussball-Konsum auch unterwegs ermöglichen.

Neben der N-Serie bringt Nokia auch neue Modelle in der E-Serie raus, die für Messaging optimiert ist. Statt Multimedia-Schnickschnack bieten diese Geräte optimierte Tastaturen.

Dass spezialisierte Handies Sinn machen, hat nicht nur mit der Technik zu tun, sondern vor allem mit dem Form Factor: Mit dem N90, das ähnlich wie eine kleine Videokamera geformt ist, kann man schon rein von der Handhabung her halt sehr viel besser fotografieren und filmen als mit einem normalen Mobiltelefon. Natürlich bieten alle Nokia-Modelle auch die üblichen Grundfunktionalitäten in guter Qualität. Dadurch aber, dass sie halt eine Sache ganz besonders gut können, sind sie für ihre jeweilige Zielgruppe wohl deutlich besser geeignet als die undifferenzierten Alleskönner der Konkurrenz.

OQO im Test:
Schon Auspacken macht Freude

Und hier der zweite Teil aus der Reihe “Der real existierende Ultra-Mobile PC”: Der OQO Model 01+.

Man merkt sofort, dass einige der Gründer der Firma OQO früher mal bei einem bekannten Hersteller von MP3-Playern gearbeitet haben. Die Verpackung ist wohl nicht ganz zufällig beim iPod abgekupfert und legt es auf den gleichen Effekt an: Hier drin ist kein technisches Gerät, sondern ein schönes Objekt. Ein Kunstwerk. Ein Fetisch.

Nun, ganz so hübsch wie ein iPod ist der OQO dann doch auch wieder nicht, auch wenn er sich im Vergleich mit anderen Geräten dieser Kategorie wirklich sehen lassen kann. Das Ding liegt gut in der Hand und wirkt sehr solide verarbeitet.

Als Zubehör bekommt man ein interessantes Dockingkabel. Externe Anschlüsse sind auch dringend nötig, weil auf dem winzigen OQO kein Platz für so viele Buchsen ist. Eingebaut im Gehäuse sind nur ein USB-Anschluss, ein Firewire-Anschluss, eine Kopfhörerbuchse sowie ein paar proprietäre Docking-Stecker.

Die externen Anschlüsse (Monitor, Ethernet, USB, Strom, Sound) sind auf dem Dockingkabel in regelmässigen Abständen verteilt angebracht. Das hat gegenüber einem separaten Dockinggehäuse den Vorteil, dass es erheblich besser transportierbar ist. Einen Beitrag zur Vermeidung von Kabelsalat leistet diese Lösung aber nicht, denn die Anschlusskabel müssen in ziemlich merkwürdigen Winkeln eingesteckt werden.

Ausserdem mitgeliefert wird noch das Netzteil samt Zigarettenanzünder-Adapter sowie ein Tischständer aus Metall, auf dem man den OQO parken kann, wenn er gedockt wird.

Der reisefertige OQO samt Zubehör wiegt kaum ein Kilo und lässt sich gut verstauen. Das ist wirklich ein klarer Mobilitätsvorteil selbst gegenüber einem kompakten Subnotebook.

Im nächsten Teil: Die Hardware im Detail.

Origami ist tot, es lebe der UMPC

Eigentlich, müsste man meinen, ist es ja nicht so schwer zu verstehen: Wenn man Produkte an Konsumenten verkaufen will, ist es vorteilhaft, einen knackigen, aufregenden, schönen, leicht zu merkenden oder zumindest kurzen Namen für sein Produkt zu haben. Jeder Autohersteller weiss das und nennt seine fahrbaren Untersätze darum nicht “VX-P87i”, sondern Avensis, Corsa, Hummer oder was auch immer. Oder zur Not noch “5er”.

Nur die Elektronikbranche, oder zumindest ein Teil davon, sieht das anders. Neustes Beispiel sind Microsoft und Intel. Nachdem das neue Konzept für Kleinst-PCs in den letzten Wochen unter dem Codenamen “Origami” für viel Aufsehen gesorgt hat, ist die heutige offizielle Ankündigung nicht nur von den vorgestellten Features her eine ziemliche Enttäuschung. Nein, es wurde auch mitgeteilt, dass der schöne Projektname nur temporärer Natur war und die neue Geräteklasse offiziell “Ultra-Mobile PC” oder eben UMPC heisst.

Kann man sich richtig schon gut vorstellen, wie die Konsumenten diesen Begriff lieben und pausenlos verwenden werden:

“Hey Mann, was geht? Hast Du schon meinen neuen Ultra-Mobile PC ausgecheckt?”

“Schatz, weisst Du, wo mein Ultra-Mobile PC liegt? Ich muss gleich los.”

Diese Sätze klingen irgendwie besser, wenn man z.B. stattdessen “iPod” einsetzt. Komisch, nicht?

Auch nicht wahnsinnig aufregend ist das, was Microsoft zu diesen Geräten softwaremässig beisteuern wird. Es handelt sich um normales Windows XP Tablet Edition, ergänzt um eine Erweiterung namens “Touch Pack“. Selbige könnte man kurz umschreiben als “Windows-Oberflläche für Touchscreen und dicke Finger”. Alle Elemente sind halt etwas grösser, und dazu gibt es eine merkwürdige Bildschirmtastatur, aber das war dann auch schon alles.

Live von der CeBIT:
Die grosse Navi-Welle

Bis vor kurzem noch waren Navigationssysteme relativ exotische Sonderausstattung für die Bessergestellten unter den Autofahrern. Das hat sich inzwischen tüchtig geändert, seit sich die GPS-Geräte vom Auto-Cockpit gelöst haben und tragbar geworden sind. An der CeBIT ist eine kaum mehr überschaubare Zahl von Navi-Modellen zu sehen; das Thema füllt eine ganze Halle.

TomTom, einer der Marktführer, zeigt sein neues Flagschiff, das Modell 910. Dieses Device hat eine eingebaute 20-GB-Festplatte, auf der man auch seine MP3s ablegen kann, und für iPod-Fans gibt es zusätzlich eine iPod-Steuerung. Die Verbindung von Navigation und Unterhaltung wird also immer vielfältiger möglich. Die Vertreter von TomTom wunderten sich darüber, dass sie letztes Jahr noch gerade mal 10 Konkurrenten an der CeBIT antreffen konnten, dieses Jahr aber satte 40 Wettbewerber mit 150 Produkten.

Auch Volker Jantzen von der Zürcher Firma SVOX bestätigte diesen Trend: Während letztes Jahr die “Autobranche” an der CeBIT fast völlig fehlte, seien dieses Jahr wieder alle da, meinte Jantzen. SVOX stellt Sprachausgabesoftware für Navigationssysteme her, die beispielsweise Strassennamen ansagen oder Staumeldungen vorlesen kann. Die Zeiten der simplen “Jetzt links abbiegen”-Ansagen sind also bei den neusten Navigationssystemen bald vorbei.

Das Thema Navigation breitet sich auch auf andere Geräteklassen aus: Auch einige Handies und PDAs mit GPS-Empfängern sind zu sehen, und auch beim viel gehypten Origami-PC soll Navigation bald zum normalen Funktionsumfang gehören.