Der Test (2/2):
Android als Desktop-Betriebssystem

Mit ein paar Handgriffen lassen sich Tastatur und Maus mit einem Smartphone koppeln und Android wird zu einem Desktop-Betriebssystem. Im Test bei uns zeigt sich aber: Noch ist das System nicht so weit, auch wenn nicht mehr viel bis dahin fehlt.

Mit einem externen Monitor wird aus einem Android-Smartphone ein Desktop-PC.

Mit einem externen Monitor wird aus einem Android-Smartphone ein Desktop-PC.

Ich sagte es bereits im ersten Teil unseres kleinen Tests und ich wiederhole es hier gerne: Google hält alle Trümpfe in der Hand, um aus der mauen Nachfrage nach Windows 8 Kapital zu schlagen. Ein paar Verbesserungen noch und Android wäre ein gutes Betriebssystem, das sich auch für Desktops eignet.

Wir haben den Test mit einem Android-Smartphone gemacht, Tastatur und Maus daran angeschlossen und einen größeren Bildschirm verwendet. Was im Prinzip funktioniert, hat allerdings in der Praxis so seine Tücken: eine zu geringe Auflösung und die traurige Erkenntnis, dass ohne WLAN einfach gar nichts geht.

Das Smartphone als Desktop, der Test
Mit einem externen Monitor wird aus einem Android-Smartphone ein Desktop-PC.
Android auf dem Desktop

Ein einzelnes Detail verdirbt den Test

An dieser Stelle bin ich ein wenig ernüchtert. Dies sollte eigentlich ein mehrteiliger Test werden, aber hier ist schon Schluss. Der simple Grund: Unser “Test-PC”, das Smartphone Xperia Z von Sony verstand sich zwar sehr gut mit der gekoppelten Bluetooth-Tastatur und vor allem der -Maus. Es sah allerdings nicht ein, gleichzeitig eine stabile Datenverbindung herzustellen. Sowohl WLAN als auch eine mobile Datenverbindung kamen so gut wie nicht zustande, wenn ich gleichzeitig mit Tastatur und Maus arbeiten wollte. Und das machte einen weiteren Test unmöglich.

Hier zeigt sich direkt das Hauptproblem eines solchen Tests: Schon wenn ein wichtiges Detail fehlt, lässt sich mit einem System nicht mehr arbeiten. In meinem Falle war es eben die Datenverbindung. Genauso hätte ich den Test abbrechen müssen, wenn das System keine Bluetooth-Tastatur erkannt hätte, die ich hätte verwenden wollen. Die einfache Erkenntnis: Zu einem Desktop-System gehört eben mehr als nur ein buntes System. Es bedarf aller funktionierender Komponenten. Fehlt eine, ist Schluss. Meine Eindrücke habe ich für euch in einem Video festgehalten:

Dass ich hier abbrechen muss, ist schade, denn die Möglichkeiten gefielen mir. Auch wenn Android natürlich in erster Linie für Smartphones und Tablets ausgelegt ist, lässt sich im Prinzip damit arbeiten wie mit einem Desktop. Statt Dock oder Taskleiste finden sich die wichtigsten Apps und Steuer-Buttons rechts. Zwei davon reichen im Prinzip: Mit der Home-Taste findet man von allen Punkten sofort ins Hauptmenü zurück und mit einem Klick auf das Multitasking-Icon öffnet man im Handumdrehen alle wichtigen Apps.

Auch Tabbed Browsing, das natürlich auf dem Smartphone etwas anders funktioniert als auf dem Laptop, klappt mit der Maus recht gut. Allerdings bedarf es hier einiger Klicks mehr als im Chrome oder Firefox auf dem Laptop. Das Arbeiten hiermit wäre insgesamt ein klein wenig mühseliger.

WhatsAppen mit der Tastatur, Telefonieren mit dem PC

Besonders gefielen mir zwei andere Spielereien: WhatsApp endlich einmal mit einem großen, physischen Keyboard bedienen, was Vielschreibern wie mir enorm Zeit spart. Und: Telefonieren mit dem Quasi-PC. Das Mikrofon funktioniert ja trotzdem, und ein Lautsprecher wird einfach an die Klinke angeschlossen. Kein externes Telefon mehr notwendig.

Ein wenig mehr bedarf es also noch: einer besseren Unterstützung für Eingabe-/Ausgabe-Geräte, einer höheren Auflösung für Zweitbildschirme, die ich mit einem MHL-Kabel an das Telefon anschließe (mein Bildschirm nutzte die hohe Auflösung des Xperia Z nicht ansatzweise aus) und eben einer stabilen Verbindung. Dann allerdings ließe sich ein Android-Smartphone auch als Desktop-PC verwenden. Mit einem Laptop arbeitet man immer noch schneller und besser, aber das Smartphone käme schon recht nah ran.

Ich gehe ja immer noch davon aus, dass Google diese Chance erkannt hat und mit Android 5.0 spätestens im nächsten Jahr eine offizielle Unterstützung für Laptops und Desktops anbieten wird. Microsoft hätte dann plötzlich ein Problem, und die Freude darüber dürfte sich Google eigentlich nicht entgehen lassen wollen. Wir werden sehen.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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23 Kommentare

  1. Das Problem mit dem gleichzeitigen Nutzen von Maus/Tastatur und Datenverbindung scheint wohl ein Problem des Sony Geräts zu sein. Mit Samsungs Note2 klappt das offenbar ganz wunderbar: http://www.youtube.com/watch?v=9nh2NSLgaII

    Zusätzlich von Vorteil ist hier das Touchwiz-Feature Multi-Window, wodurch das ganze einem Desktop-Erlebnis relativ nahe kommt.

    • Hmm… Wäre auch noch mal einen Test wert!

    • Ich weiß nicht warum es am XPERIA Z liegen soll. Ich habe den Test wiederholt und habe an meinem Full-HD TV ein gestochen scharfes Bild. Die WLAN Verbindung war genauso stabil, wie die Bluetooth Verbindung. Übrigens gleichzeitig verbunden mit Keyboard, Maus und Headset. Einziger Wermutstropfen ist ein kleiner delay beim Mauszeiger. p.s aufladen während das Smartphone Bildinhalte an den Monitor bringt geht auch, dafür ist ja schließlich MHL da :)

  2. Hmm so toll ich das finde neue Sachen auszuprobieren, und dass man als Androidnutzer siene Umgebung auf nem Dektoprechner haben will.
    Warum? also langfristig gesehn?

    Warum noch ein (ziemlich geschlossenes) System; Desktopanwendungen die hierfür portiert werden müssen
    eine Oberfläche die sich eher wenig anpassen lässt, die für Smartphone/Tablet ausgelegt ist.
    Einem Systemkern der doch einiges anders macht als klassische Unixe/Linux

    Es gibt 3 große DesktopOs und die Gräben sich ihnen sind schon breit genug

    • Relativ geschlossen, ja. Aber doch recht anwenderfreundlich und viele der Apps, die man vom Desktop kennt, lassen sich auch auf Android erstaunlich gut benutzen, sogar mit einer Maus. Vom persönlichen Geschmack her gefällt mir das besser als Windows 8. Vielleicht packe ich deswegen ein wenig Wunschdenken obendrauf. ;)

    • gut gegenüber der Windows 8 Oberfläche ist die von Android was anderes.
      Ich bin da einfach von Linux verwöhnt, da habe ich halt die total Freiheit
      Deswegen werde ich mir auch gut überlegen was ich mal auf meinen Smartphone installiere, vll dort eine Standartkonformeres Linux

  3. Dass sich BT und WLAN ins Gehege kommen, ist leider nicht allzu selten. Es gibt sogar TV-Sticks bzw. -Boxen mit Funktastatur, die durch schlechte Funk-Chipsets unbrauchbar werden.

    Das Handy als Ersatz-Desktop funktioniert zwar, aber das Tablet-Layout von Android ist dafür schon deutlich besser geeignet. Lässt sich bei manchen Custom ROMs übrigens auch auf Handys aktivieren. Noch mehr Spaß macht es, wenn die Tastatur auch Tasten wie Zurück, Home, Play, Vor/Zurück, … bietet, wie z.B. einige, die zu GoogleTV oder TV-Sticks/Boxen gehören. Leider sind diese Art Tastaturen oft extrem winzig…

    Was mir bei Android für den Desktop deutlich stärker fehlt, sind vor allem diese Punkte:
    - Schnittstellen und Treiber für Drucker, Scanner, …
    - Sinnvolle System-Schnittstellen für weitere Datenträger (USB-Sticks, Speicherkarten, gemountete Netzlaufwerke, …). Android unterstützt an sich nur eine SD-Karte, und die ist inzwischen meist ein virtuelles Laufwerk. Der Rest ist Linux-Basis und Gefrickel der Gerätehersteller und App-Programmierer. Es ist schon verdammt schwierig, bei der Geräte- und Systemversionsvielfalt heraus zu finden, welche Mountpoints echte Laufwerke sind und welche nur intern benötigt. Für den Anwender heißt das: Im Dateimanager oder Medien-Player mal eben den eingesteckten USB-Stick anzuwählen wird schwierig bis unmöglich.
    - Das Multitasking könnte bei großen Bildschirmen besser sein. Android unterstützt schon so viele Bildschirmgrößen – warum nicht auch Fenster nebeneinander (wie bei Win8 oder Samsung-Handys) oder sogar freie Größen (ab einer bestimmten Mindestgröße wie 320×240)? Und wie wäre es mit einer Art “Alt-Tab” statt der für Tastaturbedienung doch recht umständlichen und völlig undurchschaubar sortierten Taskliste?

    • Ich hab ja noch die Hoffnung, dass Micro-USB-Gadgets zahlreicher kommen und dann auch von Android besser unterstützt werden. Aber, ja, den gleichen Stellenwert und die Einfachheit von USB auf dem Laptop/Desktop werden Smartphones oder Tablets wohl nie erreichen können. Dafür sind die einfach zu platzsparend gebaut.

      Ich bin auch auf die ersten Ultrabooks mit “nativem” Android gespannt. Davon werden wir ja im Herbst auch hier die ersten Geräte sehen.

      Dann bin ich also nicht der einzige, der mit der Bluetooth-/WLAN-Geschichte Probleme hatte. Schade, aber vielleicht finde ich noch ein Gerät, das damit kompatibel ist.

  4. Bei meinem Galaxy Tab 2 hatte ich mit Tastatur und Maus auch noch keine Probleme mit dem WLAN.

    Vielleicht war das WLAN-Kabel defekt? ;-)

    • WLAN-Kabel, haha. ;)

      Ja, ich glaube, es lag am Xperia Z. Will dem jetzt aber auch nicht die alleinige Schuld geben. Wollte nur deutlich machen, dass schon eine Kleinigkeit so einen Test schon erschweren bis unmöglich machen kann, wenn ein System “zweckentfremdet” wird.

  5. Als ich Teil 1 las habe ich mir gleich Hardware bestellt um auch einen Test durchzuführen (mit meinem Xperia ZL).
    Finde die Vorstellung das Smartphone als Desktop PC zu nutzen echt praktisch.

    Hat bis auf die geringe Auflösung und die Tastatur ganz gut funktioniert.
    Ich habe mir auch die gleiche Bluetooth Tastatur bestellt (http://amazon.de/gp/produ…0?ie=UTF8&psc=1), ohne zu wissen das diese hier auch benutzt wird.
    Die Inbetriebnahme lief gut, Wlan und mobiles Internet hat in kombination mit der Bluetooth Maus und Tastatur ohne einschränkung funktioniert.
    Probleme gab es nur, wenn die Tastatur ca 1 Minute nicht benutzt wurde. Ständig war die Verbindung zum ZL verloren und musste neu aufgebaut werden, was jedesmal ca. 5 sec. dauerte, Schade!
    Habe diese am 3.8. zurück geschickt und seither vom kompetenten Verkäufer CSL-Computer immernoch kein ersatz erhalten.

    Vielleicht liegt das Problem des xperia Z und der Schlechten Wlan-Verbindung in zusammenhang mit der Billigtastatur.

    Sehr begeistert war ich von Blue Ray Filmen, welche ich als .mkv auf meinem Handy gespeichert oder via Stream vom Nas-Server gezogen habe.
    Die Quallität war beim anschauen mit dem MX-Player überraschend gut.
    Auf meinem 24Zoll PC Bildschirm konnte ich keinen Unterschied feststellen, ob ich es vom PC schaue oder vom Smartphone.

    Liebe Grüße

    Matze

    • “Als ich Teil 1 las habe ich mir gleich Hardware bestellt um auch einen Test durchzuführen (mit meinem Xperia ZL).”

      Ich konnte jemanden dafür begeistern, das mal selbst zu testen?! Absolute Awesomeness! :)

  6. Ich habe ein Xperia Tablet Z, dadurch kann ich mir den Anschluss eines Monitors sparen. Zusätzlich habe ich dadurch automatisch die Tablet Oberfläche von Android und dadurch obowhl die Auflösung gleich ist mehr Fläche für Symbole und Programme übrig.

    Wenn ich eine Bluetooth Tastatur und Maus anschließe kann man fast wie auf einem Notebook arbeiten, auch in Chrome gibt es echte Tabs wie am Desktop.

    Übrigens beim Tablet Z gibt es keine Probleme mit WLAN in Verbindung mit Maus/Tastatur

  7. Android als Desktop OS wäre nicht schlecht. Es kann dann aber auch nicht mehr als ein Chromebook, und das ist verdammt schnell.
    Aber alles über das Smartphone laufen lassen ist mit Sicherheit die Zukunft. Bin gespannt ob Ubuntu vom Markt angenommen wird. Da fehlt Canonical einfach die Marktmacht um es zu verbreiten.

  8. hätte gern einen ähnlichen test, wenn das ubuntu OS raus ist.

  9. Aber gut, dass der Akkustand von 28% auf 27% gesunken ist, sogar auf dem xperia. Weiß ich wenigstens, dass ich nicht alleine bin. Ich finde das sowas vonn sinnfrei, das Handy dabei nicht laden zu können!

  10. Funktioniert mit meinem Blackberry Z10 ohne Probleme. Wie auch bei Android ist die Auflösung etwas Gering. Ich kann E-Mails bearbeiten und auf Netzlaufwerke zugreifen.

  11. Hey,
    man kann doch auch Androidx86 oder den bluestacks Android-Emulator zum “Spielen” und Testen einsetzen !
    Die haben zwar auch Limitierungen,
    aber man scheitert nicht am WLAN/BT Parallelbetrieb ;-)))

  12. Hallo,

    ich fand den Test ursprünglich sehr vielversprechend und war gespannt. Bin nun leider etwas enttäuscht, auch aufgrund der Kommentare des Autors, dass dieser Test zu sehr an der Hardware eines Smartphones festgemacht wurde und zu wenig am Betriebssystem.

    Ich denke, Android an sich ist durchaus benutzbar als Desktop-System, einzig die Hardwareanbindung an externe Geräte ist noch ausbaufähig.

    Ich selbst besitze eine Android Smart-TV-Box mit USB-Anschlüssen, da gehen ganz einfach Tastatur und Maus ran. Angezeigt wird die Tablet-Version und die Vorteile der gleichen Apps pro Konto sind auch gegeben.
    Ist aber auch bei mir noch kein vollwertiger Desktop-Ersatz, dazu ist noch zu wenig Multitaskingfähigkeit vorhanden.

    • Hey. Da sind wir uns ja im Prinzip einig. Die Hardware des Xperia Z war nicht das Problem. Es war eine falsche Konfigurierung – die auch deutlich macht, dass eben das eine Bewertung von Android als Desktop-System heute noch schwer macht: Es kann an solchen Kleinigkeiten scheitern.

      Dass es an der Oberfläche und der Usability NICHT liegt, habe ich, meine ich, im Video deutlich gemacht. Danke für die konstruktive Kritik!

  13. Hallo Pascal,

    das danke für deinen Bericht.
    Könntest du kurz erwähnen welche Hardware du benutzt hast?
    Also welche Tastatur, Maus und welchen MHL Adapter, bzw. wo die diese gekauft hast.

    Liebe Grüße

    Matze

    • Klar, gerne:

      Maus: VGP-BMS 11
      Tastatur: SGPWKB1
      TV: KDL-55W905
      Kabel: MHL Adapter IM750 + ein USB Kabel zum laden

      Gekauft im Expert Bielinsky, Bonn

  14. alter is ja cool das das geht

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