Sonys Andocklinsen:
Das Objektiv als Kamera, das Smartphone als Steuerung

Smartphones fressen die Kompaktkamera auf, für gute Bilder greifen die Profis aber trotzdem zu hochwertigen Objektiven. Warum also nicht beides miteinander vereinen, dachte sich offenbar Sony und könnte in Kürze eigenständige Objektive vorstellen. Bilder werden direkt im Objektiv gespeichert. Eine Kamera? Nicht mehr notwendig. Nur die Bedienung erfolgt über ein Smartphone. Eine Idee mit Zukunft.

Objektiv fürs Smartphone: Sony könnte hier etwas Großes gelungen sein. Alle Bilder: Sony Alpha Leaks

Objektiv fürs Smartphone: Sony könnte hier etwas Großes gelungen sein. Alle Bilder: Sony Alpha Rumors

Der Leak des Blogs Sony Alpha Rumors hat alles, was ein gutes Gerücht braucht: eine clevere Idee, zahlreiche Infos, Fotos, die wie Pressebilder aussehen. Vor allem aber eins: zwei Objektive, die echt aussehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sony sie in Kürze wirklich vorstellen wird, vielleicht auf der IFA, ist hoch. Und falls nicht, dann sollte es jemand anderer tun. Denn diese Idee ist gut.

Selbst Kamera-Anbieter sehen kaum noch eine Zukunft in der Hosentaschenkamera (Point-and-Shoots). Warum auch, wenn dort bereits ein lichstarkes Smartphone mit Display und hoher Auflösung steckt? Geht es um wirklich gute Fotos, Detailtreue und räumliche Tiefe, kommen Profis um ein gutes Objektiv nicht herum. Und die dazu passende Kamera – Spiegelreflex oder spiegellose Systemkamera. Wenn Sony Alpha Rumors mit dem Leak recht behält, dann könnten wir uns Spiegelreflex und Systemkamera aber bald schenken. Ein Objektiv und ein Smartphone würden genügen.

Sony Andock-Linsen
Sony_Aufstecklinsen1Sony_Aufstecklinsen2Objektiv fürs Smartphone: Sony könnte hier etwas Großes gelungen sein. Alle Bilder: Sony Alpha Leaks

Es geht dabei nicht um Mini-Objektive, die man vor die Smartphone-Kamera steckt. Hiervon gibt es mittlerweile ja einige, zum Beispiel von Brando, Photojojo oder Rollei. Es geht um eigenständige Profiobjektive, die die Smartphone-Kamera außen vor lassen. Die kommt weiterhin nur für Schnappschüsse zum Einsatz.

Andocken, nicht aufstecken

Die Objektive, die Sony hier im Sinn hat, können auf Wunsch an das Smartphone angedockt werden, sie könnten aber auch drei Meter davon entfernt platziert werden. Die Linsen mit der Bezeichnung DSC-QX10 und DSC-QX100 sind fast schon eigenständige Kameras. Fast. Sie verfügen über einen Sensor, Prozessor, speichern die Bilder auf einer MicroSD-Karte, sind mit WLAN und NFC ausgerüstet. Zwei Dinge aber fehlen: Display und Steuerung. Hier kommt das Smartphone ins Spiel, das sich mit dem Objektiv via WLAN koppelt. Man sieht durch das Smartphone-Display, was das Objektiv sieht, und man steuert es auch darüber. Es wirkt wie eine Kamera, nur dass das eigentliche Kameragehäuse fehlt.

Sony Andocklinsen

Sony Andocklinsen

Linsenkamera, Kameralinse, Sony wird eine eigene Bezeichnung dafür finden. Auf den Bildern zu sehen sind zwei verschieden große Objektive mit Zoom, eins davon ein Tele-Objektiv. Die Bilder von Sony Alpha Rumors zeigen außerdem das Xperia Honami, ein neues Smartphone, an das die Objektive angedockt werden können. Noch ist nicht bekannt, ob die Objektive auch mit anderen Smartphones kompatibel wären. Zumindest mit solchen aus dem Hause Sony wäre eine Kompatibilität sinnvoll, wenn die Objektive ein Erfolg werden sollen.

Neue Impulse für die ganze Fotobranche

Die Profikamera ohne Kamera hätte gleich mehrere Vorteile. Eine einfache Linse ist leichter transportierbar, flexibler einsetzbar – sie muss eben nicht direkt auf dem Gehäuse aufgesteckt sein, sondern könnte auch aus der Ferne oder “um die Ecke” fotografieren. Sony erspart sich und den Anwendern ein Betriebssystem, das veraltet. Die Nutzer würden die Kamera mit ihrem Android-Smartphone steuern und regelmäßig Updates erhalten – etwas, was Samsung derzeit mit seinen Android-Kameras probiert. Fotos lassen sich mit einer flexiblen Linse schneller an einen eigenen Datenspeicher, per Mail, Cloud oder soziale Netzwerke verschicken. Und nicht zuletzt würden sowohl Sony als auch Kunden Material sparen und könnten – im Prinzip – eine Profilinse günstiger kaufen. Ein Preis ist allerdings noch nicht bekannt, Sony wird diese Neuentwicklung sicher nicht zum Schleuderpreis auf den Markt werfen.

Und viel mehr noch, ist eine Linsenkamera ein Konzept, das auch der Konkurrenz von Canon über Nikon bis Panasonic neue Impulse verleihen kann: Wer keine eigenen Smartphones hat, der stellt wenigstens die Objektive dafür zur Verfügung – und verdient auch weiterhin gut damit.

Wir wissen nicht, ob das ganze nicht doch eine – sehr gut gemachte – Ente ist. Allerdings wäre es im Prinzip egal, wer die Idee letztendlich umsetzt. Fest steht nur, dass es getan werden muss. Für viele Fotofreunde ist das die Erweiterung, die ihnen noch fehlt. Und für Kamerahersteller wie Nikon wäre es eine lukrative neue Einnahmequelle. Sony (oder auch Sony Alpha Leaks) könnte hier eine neue Idee in die Welt gesetzt haben, von der wir – so oder so – noch viel hören werden.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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Ein Kommentar

  1. Eher eine Idee mit Vergangenheit. Mein Siemens S55 verfolgte 2002 (!) einen ähnlichen Ansatz. Lustigerweise wäre es mit der ansteckbaren Kamera noch kleiner als heutige Smartphones, aber damals hielt man es für zu groß und machte die Kamera optional.
    Finde es gut, dass Sony die Idee in moderner Form wieder aufgreift. Allerdings fände ich es sinnvoller, der “Linse” keinen eigenen Akku und Speicherkarte zu geben. Zumindest für Gelegenheitsnutzer würde das die Handhabung erheblich vereinfachen.

Ein Pingback

  1. […] Sony großes Know-How im Kamera-Bereich hat, zeigt darüber hinaus das mögliche Pressebild von einer externen Kamera, die an eben das Xperia Z1 geklemmt wird und per WLAN mit dem Smartphone kommuniziert. Als Sucher […]

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