Bericht aus der Zukunft:
Meine Reise im Hyperloop von Los Angeles nach San Francisco

Am 12. August 2013 hat Elon Musk vorgestellt, was er schon Monaten zuvor unter dem Namen “Hyperloop” angekündigt hatte: ein neues Transportmittel, das schneller, billiger, umweltfreundlicher und sicherer als alle bisherigen sein soll. In nur 35 Minuten könnte man darin die 615 km von Los Angeles nach San Francisco zurücklegen. Aber wie wäre es eigentlich, damit zu reisen? Hier ein Bericht aus der Zukunft.

Visualisierung einer Hyperloop-Kapsel.

Visualisierung einer Hyperloop-Kapsel.

2013 hatte Elon Musk eine erste Version seiner Überlegungen zum Hyperloop vorgelegt. Er selbst wollte den Bau nicht übernehmen, hatte er gesagt. Aber er wollte eine Alternative aufzeigen zum geplanten Hochgeschwindigkeitszug für Kalifornien. Der gehöre nämlich zu den langsamsten und teuersten seiner Art. Zudem gäbe es die Chance, ein vollkommen neues System zu entwickeln.

Ganz neu ist die Idee des Hyperloop nicht, der sich in einer Doppelröhre von Los Angeles nach San Francisco zieht. Kapseln in Röhren auf hohe Geschwindigkeiten zu beschleunigen, wurde schon länger propagiert. Aber Elon Musk hat mit seinen Ingenieuren von Tesla Motors und Space X einige neue Ideen eingebracht. Vor allem ging es darum, das System preisgünstiger zu machen.

Hyperloop Alpha
Visualisierung einer Hyperloop-Kapsel.hyperloop-02hyperloop-03Fenster gibt es keine, aber einen Flachbildschirm auf dem Naturfilme laufen.
hyperloop-06Die Doppelröhre wird mit Stelzen durch die Landschaft geführt. Obendrauf Solarpaneele.Streckenvorschlag in Kalifornien zwischen Los Angeles im Süden und San Francisco im Norden.hyperloop-08

In Stoßzeiten fährt alle 30 Sekunden eine Kapsel ab

Ohne Anstellen geht es allerdings auch beim Hyperloop nicht. Dafür läuft alles schnell und geordnet ab. Bordkarten gibt es nicht, alles läuft elektronisch. Mein Gepäck gebe ich wie beim Flugzeug ab und bekomme es hinterher wieder. Während Flugzeuge und Züge möglichst große Menschenmenge pro Fahrt mitnehmen wollen, ist der Hyperloop anders organisiert: Nur 28 Personen passen in jede Kapsel. Die aber fahren alle zwei Minuten ab, in den Hauptverkehrszeiten sogar alle 30 Sekunden. Flüge oder Züge gäbe es auf einer ähnlichen Strecke wohl nur jede Stunde. Entsprechend bleibt man als Passagier flexibel und entsprechend schnell geht die Abfertigung vonstatten. Ohne Sicherheitskontrollen geht aber auch hier nichts.

Die Hyperloop-Kapseln haben Liegesitze. Man muss schon gelenkig sein, um sich hier elegant hinzusetzen. Aber sitzt man erst einmal drin, ist es sehr bequem. Für ältere Menschen, Familien mit kleinen Kindern oder gar Rollstuhlfahrer ist der Hyperloop allerdings nur bedingt geeignet. Ein Assistent kontrolliert, ob man sich korrekt angeschnallt hat. Dann gehen die Flügeltüren auch schon zu. Fenster gibt es keine. Aber in der Stahlröhre des Hyperloop gäbe es sowieso nichts zu sehen.

Höchstgeschwindigkeit 1.220 km/h

Auf dem Flachbildschirm vor mir wird ein Informationsfilm zur Sicherheit im Hyperloop angezeigt. Wir haben die Abfahrtshalle bereits verlassen und sind nun in der Luftschleuse direkt vor der Röhre.

Der Geschäftsmann neben mir liest auf seinem Tablet und tut so, als sei das alles nichts Besonderes für ihn. Ich frage ihn und erfahre: Er hat den Hyperloop tatsächlich schon mehrfach genutzt. Die Stationen liegen an beiden Enden verkehrsgünstig in der Stadt und die Fahrtzeit von nur 35 Minuten bei einem Fahrpreis von 20 US-Dollar sei eben unschlagbar.

Die Kapsel beschleunigt unterdessen bereits, ich werde nachhaltig, aber noch angenehm in den Liegesitz gedrückt. Trotzdem merke ich den Adrenalinpegel steigen… Ich rufe mir in Erinnrung: Die ersten knapp drei Minuten sind wir noch mit reduzierter Geschwindigkeit unterwegs: 480 km/h. Danach bekommen wir einen weiteren Schubs auf 890 km/h bis wir dann auf die Reisegeschwindigkeit von 1.220 km/h gebracht werden. Gut eine Viertelstunde geht es in diesem Tempo richtig Norden.

Fenster gibt es keine, aber einen Flachbildschirm auf dem Naturfilme laufen.

Fenster gibt es keine, aber einen Flachbildschirm auf dem Naturfilme laufen.

Reduzierter Luftdruck statt Vakuum

Ein Unterschied des Hyperloop zu früheren Konzepten ist, dass in den Röhren kein Vakuum herrscht, sondern der Luftdruck nur erheblich reduziert wird. Mit diesem Kompromiss kann man die Kapseln trotzdem mit deutlich geringerem Aufwand auf hohe Geschwindigkeiten bringen und spart zugleich viel technischen Aufwand, ein Vakuum in einer so langen Röhre aufrecht zu erhalten. Und die Luft wird noch genutzt, um die Kapsel in der Schwebe zu halten. In der Front jeder Einheit befindet sich eine Art Kompressor-Turbine: Sie saugt die vor der Kapsel angestaute Luft an, die dann unter und hinter dem Gefährt wieder freigegeben wird.

Der Sicherheitsfilm erklärt, dass man im Notfall jederzeit mit der Zentrale Kontakt aufnehmen kann. Sollte es einen Druckabfall in der Kapsel geben, schalten sich Notsysteme ein, die bis zu einem gewissen Grad für Ausgleich schaffen. Sollte es ein größeres Problem geben, fallen wie im Flugzeug Atemmasken aus der Decke. Nur bei ganz großen Katastrophen halten die Kapseln an und haben dazu mehrere redundante Bremssysteme. Normalerweise ist es aber die schnellste und einfachste Methode, schlichtweg die Fahrt zu beenden.

Bis zu 0,5 g wirken in Kurven auf die Fahrgäste

Die Hauptstrecke des Hyperloop führt fast komplett an der Interstate I-5 entlang, einer nahezu schnurgeraden Autobahn. Auf diese Weise wurden Kosten reduziert und es musste für das Projekt auch kaum Land gekauft werden. Die Doppelröhre ist alle 30 Meter auf Betonstützen gelagert und soll sowohl mit großen Temperaturunterschieden zurechtkommen, als auch bei einem Erdbeben genug Flexibilität bieten. Ich hoffe allerdings, das nicht ausgerechnet bei meiner Fahrt ausprobieren zu müssen… Um mich und andere von solchen Gedanken abzulenken, läuft ein beruhigender Naturfilm auf dem Display vor mir ab. Sanfte, wunderschöne, friedliche Landschaften sollen mich einlullen. Das Geräusch der Turbine, die vorbeifegende Luft und das gelegentliche leicht Schwanken der Kapsel erinnern mich allerdings immer wieder daran, wo ich gerade wirklich bin. Ich versuche, das nicht genauer zu visualisieren und konzentriere mich stattdessen auf den wunderbar klaren Bergsee, den ich auf dem Display vorgeführt bekomme.

Auf Kurven haben die Macher bei ihrer Streckenplanung verzichtet wo es nur ging. Aber dennoch wird man immer mal wieder mehr oder weniger stark in den Sitz gedrückt. Bis zu 0,5 g wirken auf die Passagiere ein, was ein durchschnittlicher Mensch auch für längere Zeit gut aushalten soll. Statt 80 kg wiege ich also vorübergehend 120 kg. Das Achterbahn-Gefühl wollen die Hyperloop-Macher natürlich vermeiden.

Die Doppelröhre wird mit Stelzen durch die Landschaft geführt. Obendrauf Solarpaneele.

Die Doppelröhre wird mit Stelzen durch die Landschaft geführt. Obendrauf Solarpaneele.

Seinen Strom produziert der Hyperloop selbst

Seinen Strom für den Betrieb produziert der Hyperloop selbst durch Solarpaneele auf der gesamten Strecke. Das produziert sogar einen Überschuss. Um für die Nacht und Tage mit Bewölkung gerüstet zu sein, gibt es überall im System Akkus. Interessanterweise ist so eine Hyperloop-Kapsel für 90 Prozent der Zeit antriebslos unterwegs: Sie wird zwischendurch immer mal wieder beschleunigt und saust dann mit diesem Schwung weiter durch die Röhre.

Noch zehn Minuten bis San Francisco und wir werden abgebremst auf 890 km/h, bald darauf geht es runter auf 480 km/h. Kurz vor dem Ziel kamen die Planer um einige engere Kurven nicht herum. Und trotzdem sind wir in verblüffend kurzer Zeit einmal durch Kalifornien gereist. Ein Flugzeug braucht eine Stunde und 15 Minuten. Der Schnellzug zwei Stunden und 38 Minuten. Ein Auto fünf Stunden und 30 Minuten. Alle diese Zeiten sind reine Reisezeiten ohne das Einchecken von Gepäck, Fahrten zum Flughafen, Staus, Verspätungen etc.

Für Strecken bis 1.500 km sei der Hyperloop geeignet, hatte Elon Musk erklärt. Er können auch auf noch längeren Strecken eingesetzt werden, aber Überschall-Flugzeuge seien dann wahrscheinlich überlegen.

Ich bin ausgestiegen und habe mein Gepäck wieder. Während ich mich noch wundere, dass ich nun tatsächlich bereits in San Francisco stehe, ist meine Kapsel bereits mit Passagieren auf dem Weg zurück nach Los Angeles. Gerade in diesem Moment wird sie auf atemberaubende 1.220 km/h beschleunigt…

Streckenvorschlag in Kalifornien zwischen Los Angeles im Süden und San Francisco im Norden.

Streckenvorschlag in Kalifornien zwischen Los Angeles im Süden und San Francisco im Norden.

Ein paar Anmerkungen zum Schluss

Was alles sehr phantastisch klingt, hat bei alldem einen durchdachten Hintergrund. 6 Millionen Menschen sind pro Jahr zwischen San Francisco und Los Angeles unterwegs, was der Hyperloop bewältigen könnte und noch Luft nach oben hätte. Bei einem Fahrpreis von 20 US-Dollar für eine Strecke hätten sich die Investitionen innerhalb von 20 Jahren wieder amortisiert. Sollte die Hauptstrecke erfolgreich sein, könnte das Netz erweitert und um Zwischenstationen ergänzt werden. Denn einen großen Nachteil hätte der Hyperloop zumindest zu Beginn: Er wäre ein singuläres Transportmittel auf einer einzigen Strecke. Ein Argument, das man beispielsweise ebenfalls gegen die Transrapidstrecke von Hamburg nach Berlin ins Feld geführt hatte. Der ICE ist heute zwar nicht so schnell wie der Magnetzug, fährt dafür aber auch jenseits von Hamburg und Berlin. Nicht zuletzt hat der Ausbau der Strecke auch andere Züge beschleunigt, was beim Bau des Transrapid nicht passiert wäre.

Elon Musk rechnet vor, dass der Hyperloop nach seinen Alpha-Plänen nur rund ein Zehntel von dem kosten würde, was für den Hochgeschwindigkeitszug in Kalifornien vorgesehen ist. Allerdings steht der Praxiseinsatz der propagierten Lösungen und Ideen noch aus. Das PDF zum “Hyperloop Alpha” ist umfangreich und geht auf viele Details ein. Und es sind nicht schlichte Phantasiegebilde, sondern zum Teil mit Computersimulationen belegt. Aber klar ist, dass sich in der Praxis noch Probleme ergeben werden, mit denen man heute nicht rechnen kann.

Verbesserungsvorschläge, Hinweise auf Fehler und andere Rückmeldungen zu den ersten Plänen sind gern gesehen. Die Überlegungen zum Hyperloop seien “so frei wie Linux”, hieß es bei der Vorstellung.

Elon Musk will wie erwähnt den Bau des Hyperloop nicht selbst organisieren, denn mit Tesla Motors und Space X hat er genug zu tun. Aber er habe schon große Lust, zumindest an einem Prototypen mitzuwirken, der die grundsätzliche Machbarkeit aufzeigen soll.

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Redakteur bei netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

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8 Kommentare

  1. 35 Minuten mit Schallgeschwindigkeit ohne Sicht nach außen im eigenen Sarg reisen? Ohne eine Nothaltemöglichkeit? Wer hat darauf Lust? Ich nicht.

  2. “In nur 35 Minuten könnte man darin die 615 km von Los Angeles nach San Francisco zurücklegen”.

    So ein Schwachsinn – Als hätte es in dieser Region noch nie Erdbeben gegeben. Warum die Strecke nicht gleich parallel zur San Andreas Spalte anlegen…:-)

  3. Ich glaube auch dass das groesste Problem des Konzeptes das Fehlen von Fenstern ist. Flugzeuge koennte man wesentlich billiger und stabiler ohne Fenster bauen, macht man aber aus psychologischen Gruenden nicht. Wenn man die Roehre aus einem durchsichtigen Material bauen koennte dann haette es vielleicht bessere Chancen auf Erfolg.

    • Ich habe mich auch schon immer gefragt wozu es in U-Bahnen Fenster gibt wenn nicht aus rein psychologischen Aspekten? Und im Eurotunnel vermisst auch niemand die fehlende Aussicht während der etwa gleich lang dauernden Fahrt …

  4. Alternativ während Bildschirme anstatt der Fenster mit einer “simulierten Fahrt” denkbar.

    LG
    Flo

  5. Ich finde ein Amortisationshorizont von 20 Jahren extrem lange. Darin liegt eine ziemlich grosse Portion Risiko (wie neue Technologien, Unfälle, Änderungen in der Gesetzgebung, etc.)

    Ein (eher kritischer) Kommentar findet sich ausserdem hier:
    http://tagesanzeiger.ch/w…dacht/story/29287395

  6. Ich habe mal die (beachtliche) Geschichte dieser Transportmethode recherchiert und das Resultat Online gestellt:

    http://buch-der-synergie.…_1.htm#Vakuumroehren

    Die Vorläufertechnologie läuft unter dem Namen ‘Kapsel-Pipelines’:

    http://buch-der-synergie.…htm#Kapsel_Pipelines

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