Closca, Overade und Carrera:
Faltbare Fahrradhelme kommen

Fahrradhelme setzen sich mehr und mehr durch, Probleme bleiben allerdings Ästhetik und Größe. Designer Michael Rose hat deswegen jetzt einen Helm erfunden, der sich falten und damit platzsparend verstauen lässt – und trotzdem noch gut aussieht. Er ist bei weitem nicht der erste, der sich an das Thema gewagt hat.

Faltbarer Fahrradhelm von Michael Rose. Eins von zahlreichen Konzepten.

Faltbarer Fahrradhelm von Michael Rose. Eins von zahlreichen Konzepten.

Wer vernünftig ist, greift auch für die Spitztour mit dem Fahrrad mittlerweile zum Helm. Eine allgemeine Pflicht gibt es dafür in Deutschland noch nicht, obwohl vieles dafür spräche. Nachteile sind eigentlich nur noch praktischer Natur: Fahradhelme sehen selten chic aus und sie lassen sich nicht platzsparend verstauen.

Der faltbare Fahrradhelm des Designers Michael Rose könnte das nun ändern. Das flexible und doch stabile Plastik lässt sich in der Mitte falten, der Helm dann an einem Kleiderhaken, in einer Schreibtischschublade oder einen Rucksack verstauen. Das Akkordeonprinzip.

Faltbare Fahrradhelme
Carrera_Helm-3CloscaClosca1Closca: Faltbarer Helm als modische Mütze
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Faltbarer Fahrradhelm von Michael Rose. Eins von zahlreichen Konzepten.Fahrradhelm5Fahrradhelm6Fahrradhelm7
OveradePango

Der Designer selbst vergleicht den Helm mit Origami: falten und damit gleichzeitig stabilisieren, was sonst zu groß wäre. Zwei harte Oberschalen an den Seiten bleiben jeweils stabil; es ist die Oberseite des Helms, die aus beweglichen Elementen besteht und sich zusammenfalten lässt. Im Kleinstform soll der Helm nicht mehr dicker und breiter sein als ein Buch. Die Sicherheit: trotzdem gewährleistet. Die Möglichkeiten der Aufbewahrung: plötzlich sehr flexibel. Man müsste sich anderen gegenüber nicht einmal mehr als spießiger Helmträger offenbaren. Man steckt den Helm einfach in die Tasche und niemand muss ihn sehen. Die Optik ist sicherlich Geschmackssache, aber in meinen Augen sieht das durchaus chic und tragbar aus.

Die Tweedmütze als Helm

Der Traum eines faltbaren Helms ist fast so alt wie der Fahrradhelm selbst. Vor Rose wagte sich etwa schon Safilo über die eigene Marke Carrera an das Thema: Der faltbare Helm des Sportartikelherstellers ist optisch nicht von anderen Fahrradhelmen zu unterscheiden, lässt sich aber nur ein klein wenig zusammendrücken. Ebenfalls kaum platzsparender, dafür recht merkwürdig aussehend, ist der Overade aus Frankreich. Beim Pango lässt sich der Innenhelm eindrehen, wodurch die Höhe des Helms fast halbiert wird.

Closca: Faltbarer Helm als modische Mütze

Closca: Faltbarer Helm als modische Mütze

Modische Akzente will derweil der Closca setzen, der wie eine Tweedmütze aussieht und derzeit noch für Unterstützer auf Kickstarter wirbt. Der Closca ist in mehreren Schichten aufgebaut, die sich von Hand eindrücken lassen, wenn gerade niemand die “Helmmütze” trägt. Und auch nur dann. Den beiden spanischen Gründern bleiben noch 23 Tage, um die gewünschten 45.000 US-Dollar einzusammeln. 16.000 Dollar sind bisher eingegangen, der Helm soll knapp 100 Dollar kosten.

Michael Roses Helm liegt bisher nur als Prototyp vor. Preise, Verfügbarkeit und ob der Helm überhaupt jemals gebaut wird, all das ist derzeit noch nicht bekannt. Dafür sehe ich gute Möglichkeiten, dass einige dieser teils durchaus modischen Konzepte so manchen Radfahrer zum Helmtragen animieren könnten, die noch ohne unterwegs sind. Sicherheit, Komfort und dabei auch noch gut aussehen: das wär’s.

Quellen: Yanko Design, Kickstarter

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

10 Kommentare

  1. Ausser für Radrennfahrer und Kinder bringt ein Fahrradhelm überhaupt keinen nachweisbaren Sicherheitsgewinn, auch wenn uns die Lobby aus ADAC und Verkehrsminister dies gerne weismachen möchte und in Deutschland vor Kurzem einem Radler ein Teil seines Schmerzensgeldes wegen einem skandalösen Fehlurteil abgesprochen wurde weil er keinen Helm getragen hatte obwohl er völlig unschuldig an dem Unfall war.

    Schwere Verletzungen kann ein Helm sowieso nicht verhindern und bei Fahrradfahrern liegt der Anteil von Kopfverletzungen sogar unter dem von Fussgängern.

    Also wenn schon dann bitte auch gleich noch Fußgängerrüstungen und allgemeine Helmpflicht beim Treppensteigen!

    • Also, Fußgängerrüstungen fände ich toll. ;)

      Nun ja, wenn ich sehe, mit welchem Affenzahn manche Radler hier unterwegs sind und sich damit zwischen Autos her schlängeln… Zumindest die würden von einem Helm profitieren. Aber klar: Wenn du mit 40 Sachen unterwegs bist und auf die Idee kommst, dich mit einem LKW zu duellieren, bringt dir ein Helm alleine auch nicht mehr viel.

    • Als KFZ Führer bist auch immer mit schuld, sobald vermeindlich Schwächere in einen Unfall mit diesem Involviert sind. Willkommen in der Realität sag ich da nur. Betriebsgefahr des KFZ – warum diese nicht auch auf Radfahrer ausdehnen?

    • @ Tom: Woher stammt die Behauptung, dass der Anteil der Kopfverletzungen unter denen von Fussgängern liegt? Aus meiner eigenen Erfahrung würde ich nicht vom Helm tragen abraten. Was der Verkehrsminister zum Thema Fahrrad hervorbringt ist nahezu lückenlos grober Unfug und Zeugnis mangelnden Sachverstands. Das ein Helm aber Erwachsenen nicht-Rennradfahrern keinen Nutzen bringt wäre mir neu.

    • Wer solche Behauptungen in den den Raum stellt, sollte sie bitte auch belegen!

      …und zwar mit seriösen Studien und nicht mit der angeblichen Abwesenheit solcher! Andernfalls ist „Fahrradhelme wirken nicht“ nämlich nichts anderes als eine Verschwörungstheorie.

      P.S.: Ich selbst bin übrigens aus gutem Grund mit einem Helm unterwegs ist, halte aber gleichzeitig wenig von einer gesetzlichen Helmpflicht.

    • Hallo Tom,
      abgesehen davon, daß ich meinen Helm ungern trage (aber immerhin trage) kann ich aus eigener Erfahrung sagen (bin bei ca. 25-30 km/h unfreiwillig abgestiegen – Schienen im Radweg!), daß ich heilfroh war, einen Helm zu tragen.
      Ab wann ist denn eine Verletzung schwer? Schädelbruch? Ich bin sicher, ich hätte mindestens eine Gehirnerschütterung gehabt nach dem Sturz. Mit Helm: Nix am Kopf was nicht vorher schon da gewesen wäre ;-) (Schienbeinschützer hätten geholfen, das Hämatom war sehenswert! Das fordert keiner…).Daher: Nutzlos ist so ein Helm keineswegs, aber natürlich auch nicht die Wunderwaffe.
      Keiner hält einen aber davon ab, einen Motorradhelm zu tragen, hehe…

  2. Ich sah mal einen Rentner mit Damenklapprad der einen Vollvisierhelm für Motorradfahrer auf hatte. Sehr martialisch! Ein echt Hingucker.

    • Ach Leute, glücklicherweise wird ja niemand gezwungen, einen Helm aufzusetzen. Ich bin einfach der Ansicht, dass mir ein hässlicher Helm immernoch besser steht als ein raushängendes, zermatschtes Gehirn. Mir ist mein Kopf einfach zu schade. Wenn ich Auto fahre, schnalle ich mich an, wenn ich radfahre, setze ich den Helm auf. Wem das zu uncool ist, soll doch machen. Und sich nicht so aufregen, wenn jemand einen Helm empfiehlt. Und sich lächerlich machen, wenn jemand sagt, es wäre schon etwas sicherer, wenn man mit Helm am Kopf aufs Plaster aufschlägt und dann behauptet, das wäre nicht bewiesen. Augenroll.

  3. Es werden immer Äpfel mit Birnen verglichen wenn es um Radfahrer vs. Autofahrer geht. Auch wenn Radfahrer aus meiner Sicht die undiszipliniertesten Verkehrsteilnehmer sind, bin selber schon seit über vierzig Jahren passionierte Radfahrerin, es entbindet Autofahrer aber nicht durch falsches Verhalten der Radfahrer, ihre eigene verkehrsgerechte Sorgfaltspflicht auch zu beachten. Radfahrer sind das schwächste Glied im Verkehrsgeschehen.
    Eine Helmpflicht würde ich befürworten, Argumente wie, sie sind unhandlich und/oder nicht genug schützend bei Unfällen, kann unter Umständen greifen, aber das ist doch eher eine hypothetische Annahme.

  4. Ein Fahrradhelm bringt nichts?

    Also wer das behauptet, soll sich mal die folgende Geschichte geben:

    Fahrradfahrer fährt auf Kreuzung zu, Ampel wird grün Kreuzung will gerade gequert werden.
    Quer fahrendes Auto sieht rote Ampel und Fahrradfahrer nicht, weil Kastenwagen vor ihm bei oranger Ampel einbiegt.
    Fahrradfahrer sieht Auto nicht wegen Kastenwagen (Ampel für Fahrradfahrer wie gesagt dann schon grün).

    Auto schießt Fahrradfahrer ab (drück natürlich noch aufs Gas, damit er über die Kreuzung kommt, weil er dann doch checkt, dass er schon rot hat).

    Fahrradfahrer knallt mit Kopf in die Windschutzscheibe und zwar so, dass diese eingedellt ist.

    Der Fahrradfahrer war ICH. Ich hatte einen Helm auf, der Helm war in der Mitte entzweigebrochen.
    Wenn ich keinen Helm getragen hätte wäre ich nicht mehr am Leben!!!

    Also wer behauptet, dass ein Helm nichts bringt, kann ja weiterhin ohne fahren – aber bitte nicht andere dazu überreden!!!

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