Alternative in Sicht:
Android ist auf ersten PCs und Laptops angekommen

Windows 8 ist nicht für jeden, Tablets verkaufen sich bald besser als Laptops und die PC-Hersteller stecken deswegen in Schwierigkeiten. In ihrer Not statten sie Tablet-Laptop-Hybriden mit immer besserer Hardware aus – und mit Android. Erste Hersteller verwenden Googles mobiles Betriebssystem auf Laptops und PCs. Sie verlieren die Scheu, eine Alternative zu Windows anzubieten. Dabei kommt ihnen der Trend zu Tablet-Laptop-Hybriden gelegen.

Android auf einem Acer All-in-One-PC. Bilder: Hersteller

Android auf einem Acer All-in-One-PC. Bilder: Hersteller

Nein, von einem Frühling kann man vielleicht noch nicht sprechen. Aber die ersten zarten Pflänzchen brechen durch die Eisdecke: Android, das vielleicht vielseitigste aller Betriebssysteme, ist auf den ersten PCs und Laptops angekommen. Während die einen ungläubig mit dem Kopf schütteln, fragen sich die anderen: “Warum erst jetzt?” Noch kann niemand absehen, was aus den ersten zaghaften Gehversuchen wird.

Aber der Schritt ist getan. Android für den Desktop oder den Laptop – das war in der Vergangenheit eigentlich nur etwas für Hacker und unerschütterliche Fans des Systems. Die Hersteller selbst haben sich nicht so recht getraut. Wer mit Windows 8 unzufrieden war, hat drauf geschimpft, sich vielleicht sogar mal zu Testzwecken mit Google zusammen an einem Chromebook probiert. Aber an einer echten Alternative hatte man sich nicht versucht. Nun aber zeigen die ersten PC-Hersteller ihren ersten Experimente.

PCs und Laptops mit Android
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Stolz wie Oscar etwa führte Asus das Transformer Book Trio vor. Zwar lässt sich auch hier der Touchscreen abnehmen und als Tablet benutzen. Größe (11,6 Zoll) und Gestaltung des Geräts lassen das Trio aber in erster Linie wie ein Ultrabook aussehen. Davon zeugt auch die eigene Recheneinheit mit Festplatte in der Tastatur-Hälfte. Das Trio lässt sich gleichermaßen als Ultrabook oder Tablet verwenden oder an einen größeren Bildschirm anschließen und dann als PC benutzen. Ist das Tablet angedockt, kann der Nutzer statt Windows Android als System verwenden – wie auf einem gewöhnlichen Laptop mit physischer Tastatur, Trackpad und Maus.

“Dutzende Notebooks mit preiswerten Intel-Chips und Android”

Schon im Vorfeld der Computex hat Mitbewerber Acer einen All-in-One-PC vorgestellt. Einziges Betriebssystem beim DA220HQL: Android. Dem Tisch-PC mit 21,5-Zoll-Touchscreen kommt zu Gute, dass er mit einem Android-erprobten ARM-Chip funktioniert, wenn auch mit einem für einen PC dieser Größe eher schwachbrüstigen Cortex-A9-Dualcore mit 1,0 GHz. Acer verlangt dafür im eigenen Shop knapp 500 US-Dollar. Es dürfte der erste All-in-One-PC mit Android eines namhaften PC-Herstellers sein. Kritiker dürften außer dem schwachen Prozessor die leicht veraltete Android-Version 4.0 (Ice Cream Sandwich) in die Waagschale werfen. Aktuell ist mittlerweile 4.2.

Bei Hybriden sind die Übergänge fließend: 10- oder 11-Zoll-Tablets werden von den Herstellern inzwischen gerne mit einer physischen Tastatur ausgestattet. Das Tablet lässt sich dann wahlweise als Netbook benutzen. Und weil bei den meisten Tablets Android zum Einsatz kommt, sehen wir inzwischen gleich einige Androidbooks in spe. Als Beispiel sei hier das Slatebook X2 genannt, das HP im Mai vorstellte. Und Gerüchte runden einen möglicherweise kommenden Trend erst ab: Das Blog 9to5Google hat einen Analysten gefunden, der Samsung-Notebooks mit Android kommen sieht. Demnach schon im September – vielleicht auf der IFA? Kein Wunder eigentlich, wenn man Intel-Manager Dadi Perlmutter glauben mag, der schon Ende April gegenüber CNet dutzende Androidbooks mit Low-Cost-Chips von Intel prognostizierte.

Immer mehr Menschen nutzen Android mit einer physischen Tastatur

Android auf Laptops und dann auch noch auf Intel-Chips? Mittlerweile scheint alles möglich. Es ist vielleicht nur eine Frage der Größe. Bei den 10-Zoll-Tablets sind Androidbooks – wenn man sie als solche betrachtet – nichts Besonderes mehr. Asus Transformer Pads mit ARM-Architektur seien hier beispielhaft genannt. Deutlich seltener trifft man ins Schwarze, wenn man bei 11,6-Zöllern nach Androidbooks sucht, oder gar bei 13-Zöllern. Hier würde ich übrigens die Grenze zwischen einem Notebook und einem Tablet ziehen: Sitzt die CPU nur in der Tablet-Einheit, ist es eindeutig ein Tablet. Verfügt die andockbare Tastatur über einen eigenen Chip und eine Festplatte und ist gar ohne den Touchscreen noch lauffähig – dann ist es für mich ein Laptop.

Und hier hat Asus mit dem Transformer Book Trio ein Zeichen gesetzt. Für mich der erste echte Laptop eines bekannten Herstellers, auf dem Android läuft. Zumindest als Variante neben Windows 8. Ich hätte gerne mehr davon, auch in 13 Zoll. Doch egal in welchen Größen und Formen: Wir werden in Zukunft immer mehr Menschen sehen, die Android mit einer physischen Tastatur und Trackpad, vielleicht sogar einer Maus, bedienen. Android als Desktop-Betriebssystem wird damit von immer mehr Menschen als Alternative zu Windows und Mac OS getestet werden – ein spannendes Experiment.

Was plant Google?

Zum Abschluss dieser Zeilen noch ein Gedankenspiel: Was wäre, wenn Googles Bemühungen um Chrome OS nur ein grandioses Ablenkungsmanöver sind? Man tut so, als wolle man mit Chrome OS ein neues System etablieren und arbeitet in Wahrheit an einem ganz anderen. Unterdessen bringt man das erste Ultrabook aus eigenem Hause (das Chromebook Pixel) schon einmal in Stellung, während im Hintergrund längst die Planungen für Android 5.0 laufen. Eine neue Version des Systems, das dann nicht mehr nur auf Smartphones und Tablets läuft, sondern auch auf Laptops. Für das es ein besseres Window-Management gibt (Vollbild nicht mehr notwendig), das dann keine Schwierigkeiten mehr mit Intel-Chips hat und für das bereits über 800.000 Apps zur Verfügung stehen – weit mehr als für Windows 8.

Irgendwann im Herbst könnte Google dann Android 5 offiziell vorstellen und bei Microsoft die Kinnlade herunterklappen sehen: “Ach übrigens, Android läuft jetzt auch auf dem Chromebook Pixel und einer Vielzahl weiterer Notebooks. Und den Preis haben wir passend dazu halbiert.” Ein Traum, sonst nichts? Wir werden sehen.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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6 Kommentare

  1. Hi,
    ganz ehrlich ich versteh das nicht. Ich habe jetzt beide OS als Privatanwender im Einsatz. Android auf Tablet /Handy und Win8 auf einem Ultrabook.

    Beide Systeme haben ihre vor und nachteile. Wenn ich mich aber entscheiden müsste, würde ich zu Win8 greifen. Das einzige was dort ein kleiner Nachteil ist, ist dass viele Apps nicht für die Toucheingabe konzipiert sind. Beispiel Spotify: muss man halt die Desktopvariante nutzen. Aber hey die ist doch eh viel besser als die Handyapp? Also wo ist der Nachteil?
    Anzahl der Apps? Das ist sicher manchmal ärgerlich, wenn man liebgewonnene Android/iOS Apps nicht 1:1 auf WIn8 hat. Sollte aber nur noch eine Frage der Zeit sein bis die Entwickler für Abhilfe sorgen und bis dahin halt Desktoplösung.
    Einzig die Orginal Google Apps sind ein Problem, da die beiden Konzerne sich ja unbedingt “bekriegen” müssen und den Kunden zwingen wollen nur in Ihrer Welt zu bleiben.

    Alles was nicht als App zur Verfügung steht hat man in der “alten” Desktop-Variante und damit am Ende des Tages mehr auswahl als am Tablet.

    Auch die Bedienung der Metro sorry Modern-Oberfläche läuft flüssig von der Hand. Viele gesten die bei MS gehen habe ich jetzt auch schon am Tablet (ohne erfolg) machen wollen.

    Wenn man sich mal auf das neue Konzept einlässt, stellt man schnell fest das es gut ist. Der Mensch ist aber halt ein Gewohnheitstier und neu ist immer erst mal sch…..

    • Wenn dir Win 8 gefällt und du gut damit klar kommst, dann bleib dabei! Vielen, ich eingeschlossen, gefällt das System aber nicht. Und ich bin ehrlich gesagt ganz froh, dass ich ein paar Alternativen habe und jetzt wahrscheinlich noch eine mehr bekomme.

  2. Interessante Gedanken. Schon gut möglich, dass Google auch den Notebookmarkt anvisiert. Damit wird sicher auch Apple weiter unter Druck geraten.

  3. So langsam hat Microsoft die Viren-Problematik auf dem Desktop im Griff und jetzt wechseln die Anwender zur nächsten Plattform mit Unmengen Malware. Wollen User Malware? Solange Google die Update-Problematik nicht in den Griff kriegt rate ich jedem die Finger davon zu lassen. (Bastler ausgenommen)

    • Achja… mal wieder den Hersteller verklagen, wenn ein Unfall durch Eigenverschulden durchgeführt wurde.

      http://heise.de/newsticke…Windows-1875749.html

      Ich will damit nicht sagen, dass Android in dieser Hinsicht besser abschneidet – aber pauschal zu sagen: “Android = Malware”, halte ich für dumm. Malware richtet sich immer nach dem Verbraucher & nach dem Absatz eines Systems. Das ist auch der Grund, weswegen es für Windows noch immer mehr Mist gibt, als für jedes andere System.

  4. Kann sicherlich klappen, wenn es dazu passende Office Apps gibt, mit denen man auch mal offline Dateien öffnen kann und die einen vernünftigen Funktionsumfang besitzen.

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