August Smart Lock:
Bluetooth ist der Schlüssel

August ist ein cleveres Türschloss, dass nur berechtigten Personen via Smartphone und Bluetooth Einlass gewährt. Aber wie sicher ist das Smart Lock und was unterscheidet es von dem sehr ähnlichen Projekt Lockitron?

August Smart Lock - per App bestimmen, wer ins Haus darf

August Smart Lock – per App bestimmen, wer ins Haus darf

Wer hätte gedacht, dass wir eines Tages einmal in einer Welt leben würden, in der sogar Türschlösser Spaß machen? Aber ja, es ist so weit: Smart Locks wie Lockitron und das neue August zeigen, wie es gehen könnte. Per App verschickt man Einladungen und entscheidet so, wer Zugang zur eigenen Wohnung bekommen darf. Oder man legt ganze Listen an – etwa für alle Gäste, die sich zu einer Party angemeldet haben. Wenn man sich mit dem Partner oder Mitbewohner verkracht hat und ihn nicht mehr hineinlassen möchte, löscht man einfach seine Berechtigung.

August funktioniert via Smartphone und Bluetooth. Wer eingeladen wird, muss nicht einmal die App installieren, sondern nur Bluetooth einschalten. Auf kurzer Distanz erkennt das Schloss dann angeblich automatisch, wer gerade kommt, und verschafft der Person Zutritt. Das wirft natürlich automatisch Fragen über die Sicherheit auf.

August Smart Lock
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Nicht sicherer als ein Türschloss aber komfortabler

August verwendet eine Verschlüsselung, die einen bestimmten Code mit dem Empfänger abgleicht. Das biete mehr Variationen als jeder herkömmliche Schlüssel und sei damit sicherer, schreiben die Anbieter auf ihrer Website. Das Gehäuse besteht aus Aluminium, wird innen auf das herkömmliche Türschloss aufgesetzt und mit vier handelsüblichen AA-Batterien mit Strom versorgt. Wenn die Batterien schwächer werden, meldet sich die App mit einer Push-Nachricht. Auch bei der Einrichtung kommuniziert man mit August via Bluetooth und Smartphone; ein WLAN- oder Mobilfunkmodul ist nicht enthalten. Wie das ganze in der Praxis funktioniert, erklären die Macher im Video:

Von außen lässt sich August auf Wunsch auch weiterhin mit einem herkömmlichen Schlüssel öffnen – was im Notfall sicher nicht schaden kann. Lockitron ist damit nicht wirklich sicherer als ein gewöhnliches Türschloss, aber es ist angenehmer zu bedienen – gerade wenn viele Bewohner oder Besucher ein- und ausgehen. August soll nach Angaben der Anbieter noch im Laufe dieses Jahres erscheinen und 199 US-Dollar kosten. Reservierungen werden bereits entgegen genommen.

Mitgründer bereits für Ouya und Jawbone aktiv

Auch immer ganz interessant zu erfahren, wenn es um das Thema Sicherheit geht: Wer steckt eigentlich hinter dem Projekt? In diesem Falle Techunternehmer Jason Johnson und Produktdesigner Yves Behar, die ganz und gar keine Unbekannten in der Szene sind. Johnson hat bereits mehrere Startups begleitet, mitgegründet und verkauft, darunter die Mobile-Security-App AirCover. Er ist Vorsitzender des Konsortiums des Internets der Dinge, zu dem sich Anfang des Jahres mehrere Unternehmen zuammengeschlossen haben. Behar arbeitete zuletzt beim kreativen Technikhersteller Jawbone (unter anderem verantwortlich für die Jambox und das Fitnessarmband “Up”). Außerdem designte er die Spielkonsole Ouya mit.

Konkurrent Lockitron

Konkurrent Lockitron

Konkurrent Lockitron mit WLAN, Arduino und SMS

Mit so viel Prominenz im Rücken hat man gute Chancen in dem jungen Markt der Smart Locks. Hier stößt August auf den Mitbewerber Lockitron, den wir euch im vergangenen Oktober erstmals vorgestellt haben und der etwas ganz Ähnliches anbietet. Automatisches Türöffnen mit Hilfe von Bluetooth, die Installation auf das bestehende Türschloss – bei einigen ihrer Ideen, so scheint es, haben sich die August-Erfinder bei Lockitron inspirieren lassen. Auffälligste Unterschiede: Im Lockitron steckt ein Arduino-Mini-PC, der Bastlern Hacks für weitere Sicherheitsfeatures ermöglicht. Anders als der August verfügt Lockitron über ein WLAN-Modul (mit starker Verschlüsselung), der auch einen Fernzugriff erlaubt. Das Schloss lässt sich bei Bedarf auch via SMS öffnen. Preislich ordnet sich der Lockitron mit 179 Dollar leicht unterhalb des August an. Er soll ab Mitte Juli in den Verkauf gehen.

Beide Konzepte eignen sich gut für WGs, kleine Büros, Pensionen oder auch Menschen, die ihre Wohnungen über AirBnB und Co. untervermieten. In meinen Augen sind die Lösungen noch etwas teuer, aber erfrischend vielseitig.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist freier Technikjournalist, Innovationsberater und Skeptiker.

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11 Kommentare

  1. Interessant, wenn jemand mein Handy klaut, kann er direkt meinen Computer mitnehmen.
    Für mich wäre eine gute Lösung mit Fingerabdruckscanner eigentlich interessanter.
    Wenn das nicht sicher ist, greife ich auf den Schlüssel weiter zu. Da weiß ich zumindest, wenn ich ihn verloren habe.

  2. Mein erster Gedanke war “Verdammt JETZT kommt so etwas und ich habe bereits auf ein anderes System gesetzt!”
    Vor zwei Jahren habe ich das Eingangsschloss gegen eines mit Fingerabdrucksensor.getauscht. Preispunkt >300€. Man gewöhnt sich daran, nie einen Schlüssel zu benötigen. Schlägt der Wind die Pforte hinter mir zu – kein Problem.
    Schon seit Jahren reizten mich Handy-gekoppelte Systeme, aber das passende Gerät zum akzeptablen Preis fand ich nie. Und was heute hinzu kommt: Mein Smartphone ist oft leer. Dann ausgesperrt sein? Nein, danke.

  3. Wenn mein Smartphone weg ist, merke ich das meist schneller, als wenn mein Schlüssel weg ist. Und ich bin kein Hipster, der immer am Telefon hängt — mein Smartphone ist ein paar Jahre alt …

  4. Fällt euch auch auf, mit was für billig-Türen das nur zu funktionieren scheint? Kein Ziehschutz, nichts. In Deutschland freut sich jede Versicherung, wenn man so was benutzt, dann muss die wegen grober Fahrlässigkeit nicht zahlen.

  5. Akku alle -> Du kummst hier net rein! Wie beim Safe sollte man mitdenken, um zumindest hybride Geräte zum Einsatz zu bringen, um im Ernstfall noch mit einem Schlüssel in die Wohnung zu kommen.

  6. Wenn ich als Notlösung (Handybatterie leer z.B.) eh einen (batterielosen) Schlüssel dabei haben muss, dann nehm ich doch gleich lieber den statt Handy raus, Handy an, Sperrbildschirm weg, App öffnen, Tür öffnen.

    Und wie AlphaOrb ganz richtig bemerkte, ist das Ganze ein versicherungstechnisches Himmelfahrtskommando.

    Abgesehen davon ist nicht alles sinvoll, nur weil es technisch machbar ist.

  7. @SCORPiON: auf Bild 7 kann man erkennen, dass man das Schloss von außen auch mit Schlüssel bedienen kann.

    • Wie man sehen kann, ist diese Funktion nur für die Innenseite – nicht aber als Hybride für Außen.

    • So richtig geht aus den Bildern leider nicht hervor was innen und außen ist. Theoretisch müsste die Türklinke innen sein, dann wäre das Schloss außen, aber der Sensor wiederum innen was nicht viel Sinn macht.

    • Die Frage ist berechtigt. So ganz konnte ich ebenfalls nicht klären, ob das Schloss nun zwingend innen angebracht ist (sicherer, aber wie zuverlässig funktioniert dann noch Bluetooth?) oder außen (schnapp dir ein Brecheisen und weg ist das Ding).

      Ich hab bei den Anbietern noch einmal nachgefragt und werde hier updaten, sobald ich Genaueres weiß!

    • Hab Antwort erhalten: Lockitron wird innen angebracht. Das Bluetooth-Signal ist nach Aussage der Hersteller auch stark genug, um Türen aus sehr solidem Material zu durchdringen. Es käme, je nach Material, schwächer außen an und würde damit in der Reichweite variieren. In Tests habe man aber eine Vielzahl von Materialien so umschifft. Wobei ich so meine Zweifel habe, dass das auch bei Eisentüren funktioniert…

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