IT-Welt im Wandel:
Post-PC ist keine Frage der Hardware, sondern unserer Daten

Ein erneuter Abgesang auf den PC-Markt, rosige Aussichten für Tablets: Die jüngsten Zahlen der Marktforscher von IDC scheinen eine deutliche Sprache zu sprechen. Dabei trifft eine vermeintliche Wachablösung der Laptops durch Tablets nicht den Kern der Sache: Welche Hardware wir benutzen, wird zunehmend egal. Wichtiger ist, dass uns unsere Daten überall zur Verfügung stehen. Eine mannshohe Herausforderung für App-Entwickler, die ein Umdenken erfordert.

Neue Geräteklassen sind nur ein Teil des Post-PC-Phänomens.

Neue Geräteklassen sind nur ein Teil des Post-PC-Phänomens.

Soll doch jeder nach seiner Fasson glücklich werden. Die einen lieben Tablets, die anderen wollen nicht von ihren Laptops los und genug Menschen benutzen beides. Ich persönlich brauche meine PC-Tastatur und meinen 23-Zoll-Bildschirm, um produktiv zu arbeiten, genauso wie mein Smartphone für unterwegs. Andere Kollegen schwören auf ihr Tablet, an das sie bei Bedarf eine Tastatur koppeln. Der heutige Technikmarkt gibt alles her. Und das ist das Schöne: Jeder kann sich aus dem Angebot an Tablets, Phablets, Smartphones, Hybriden, Laptops, bald auch Smartwatches nach Lust, Laune und Geldbeutel den bevorzugten Mix zusammenstellen.

Deswegen eigentlich müßig, was IDC jüngst vergleicht: Tablets laufen Laptops den Rang ab, lautet die Schlagzeile. Schaue ich mir die Linien genau an, kann ich allerdings keinen besonders nennenswerten Rückgang der Verkaufszahlen von Laptops und PCs erkennen. Die Dinger werden uns in einer Form erhalten bleiben. Einige Hersteller, die nur PCs und Laptops verkaufen und keine Tablets, könnten Probleme bekommen. Diebische Freude mag deswegen bei mir aber nicht aufkommen. Wichtiger finde ich ohnehin einen ganz anderen Aspekt: Wie bekommen wir Zugriff auf unsere Daten und Apps auf allen Geräten, die wir benutzen?

Tablet-Laptop-Hybriden - Phänomen der Post-PC-Ära
Neue Geräteklassen sind nur ein Teil des Post-PC-Phänomens.AcerIconia510AsusVivoTabAsusVivoTab2
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Dieses Detail wird in Zukunft immer wichtiger werden. Der Musikdienst, für den ich Geld bezahle, die To-Do-List oder das digitale Gedächtnis, die meine Aufgaben und Notizen in der Cloud speichern. Meine Chats auf Facebook oder Skype, meine Mails, interessante Textstellen oder Texte, die ich für später speichere, meine Office-Dateien, Bilder. Egal, welches System oder Gerät ich wo benutze, ich möchte meine Daten dort verwenden.

Die Herausforderung ist trotz zahlloser Angebote noch lange nicht gelöst. Die meisten Menschen etwa verwenden Windows PCs aber kein Windows Phone, sondern eher Android oder iPhone. Schon gibt es Inkompatibilitäten aufgrund unterschiedlicher Dienste. Würde man nur in der Windows-Welt bleiben, fehlten trotzdem einige Apps, die nicht für beide Systeme zur Verfügung stehen. Außerdem mag kaum ein Nutzer all seine Daten einem Anbieter anvertrauen. Bevorzugt wird ein Mix, der aber Apps auf allen Systemen voraussetzt.

Google setzt derzeit viel daran, einen Datenabgleich zwischen Chrome OS und Android zu schaffen (wie auf der Google I/O gezeigt). Doch während für Android fast jede erdenkliche App zur Verfügung steht, sind es für Chrome OS deutlich weniger. Die Nutzer setzen also weiterhin auf andere, nicht direkt kompatible Systeme, wenn sie zusätzlich zum Android-Gerät noch einen Laptop wollen.

Responsive Design für Apps

Mir ist es eigentlich egal womit, ich will nur zu Hause am Schreibtisch meine Tastatur und meinen 23-Zoll-Screen benutzen. Ob ein Desktop-PC, ein Laptop, ein Smartphone oder auch ein Tablet die Recheneinheit dafür darstellt, ist einerlei, solange es flüssig läuft. Gerne darf es auch ein Smartphone sein, das sich kabellos mit Tastatur, Maus und Bildschirm verbindet. Ich will dort nur meine Apps und meine Daten haben. Wenn ich unterwegs arbeite, hätte ich gerne Zugang zu allen Daten und Apps auch auf meinem Laptop.

Das stellt immer höhere Anforderungen an App-Entwickler; eigentlich so viele, dass es kaum noch tragbar ist. Denn auch wenn Tablets und Smartphones immer wichtiger werden: Laptops und PCs werden so schnell nicht verschwinden. Statt dessen werden weitere Kategorien hinzu kommen, wie Smartwachtes, Wohnzimmerkonsolen, Media Server, Bordkonsolen (im Auto), Wearables mit eigenem Ökosystem. Und auf allen wollen wir möglichst ohne viel Aufwand Zugriff auf unsere Daten haben.

Post-PC? Ja, meinetwegen. Aber Datenabgleich und Multiplattform heißen die Zauberworte für die Zukunft. Angesichts begrenzter Entwickler-Ressourcen und heute schon mehr als genug Betriebssystemen auf dem Markt, liegt die Herausforderung hier. Und eine Lösung führt unweigerlich über offene Standards. Eine App-Entwicklung muss mit möglichst vielen Systemen kompatibel sein, im besten Fall mit allen. Es muss reichen, ähnlich wie beim Responsive Webdesign eine App zu programmieren, die sich automatisch allen Systemen anpasst. Ein weiter Weg.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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7 Kommentare

  1. Ich denke auch das man zukünftig entsprechend der Situation das passende Device auswählt. Bin ich unterwegs schau ich aufs smartphone, sitz ich im Meeting liegt das Tablet vor mir, im Büro dann der Desktop oder Laptop. Das Einzige was alle miteinander verbindet sind meine Daten… und damit das Problem derer Verfügbarkeit.

    Online ist grad schick, jeder legt es was in die Cloud, in der Hoffnung das es sich nicht in Luft auflöst ;-) Online kommt für mich nur in Frage wenn es immer und überall zuverlässig verfügbar ist. Noch wichtiger ist allerdings das ich bestimme wer Zugang hat und niemand sonst mitlesen kann.

    An der Stelle könnte ich mir vorstellen das man in Zeiten von immer kleineren Speichermedien diese mit wearables verbindet. So könnte eine smartwatch meine eigene verschlüsselte Cloud sein. Egal wo ich bin, ich kann sie von jedem Device in meiner Nähe ansprechen (BT/wifi) und hab meine Daten immer dabei.

    In Kombination mit verschlüsselten Backups (lokal/cloud) habe ich souzusagen meinen “wearable user memory” immer dabei

  2. Ich prophezeie, dass Smartphones schon bald so leistungsfähig sein werden, dass man mühelos Tastatur, 23-Zöller, Drucker, Mouse etc. anschließen kann, um (auch) damit zu arbeiten. Die Daten liegen auf dem Gerät oder zur gemeinsamen Nutzung in der Cloud. Die Anwendungen laufen im Browser as a Service. Andere Geräte wie unhandliche Tablets und Schlepptops braucht man dann im Prinzip nicht mehr.

    • Für Zuhause gebe ich dir Recht – falls die Technik nicht sogar heute schon so weit ist. ;) Geht es ums unterwegs Arbeiten, bietet mir ein Smartphone allerdings zu wenig Bildschirm. Da will ich mindestens 11 Zoll haben.

    • für unterwegs gibts dann ein “Lapdock” mit Tastatur und Display nach Wunsch von 7″ bis 17″ kombiniert mit Touchscreen so das man die Wahl hat ob man es als Tablet oder Laptop nutzt. Einfach das smartphone einschieben und los gehts…

    • Hätte was. Ist nur leider im Falle von Motorola grandios schief gegangen.

  3. Datensynchronisation? – Da fangen doch schon die Probleme an, wenn man Outlook vom PC-Rechner mit dem Androis-Smartphone synchronisieren will! MyPhone, Missing Link …. das klappt alles nicht so gut wie damals “Microsofts Mobile Device”.
    Ich kann auch weiterhin nicht auf das Laptop unterwegs verzichten – das ist auch Windows und problemlos mit den Daten des Heimrechners synchronisiert …

    Betriebssystem-übergreifende Datensynchronisation wird das zukünftige Problem …

  4. Wenn man sich den Tablet-Markt in Deutschland mal anguckt, sieht man auch das Notebook und PC bald passé sind. Zumindest was den Otto-Normal-Verbraucher angeht. Experten gehen ja schon davon aus das 2015 doppelt soviele Tablets verkaufen werden wie PC’s und Laptops zusammen. (Quelle) Ich persöhnlich kann diesen Tablet-Trend nicht so wirklich verstehen. Und Clouds machen für mich auch nur bei der Arbeit Sinn. Ich schätze ich bin altmodisch :)

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