Cardboard Concept:
Auto aus Pappe mit Dreifach-Hybrid-Antrieb

Der Kunstlehrer Thierry Dumaine aus Nizza hat die Macher eines Designwettbewerbs mit dem Konzept eines minimalistischen Autos verblüfft, das fast komplett aus Pappe besteht. Und das ist nicht die einzige überraschende Idee seines Entwurfs.

Minimalistisch und voller interessanter Ideen: das Cardboard Concept von Thierry Dumaine.

Minimalistisch und voller interessanter Ideen: das Cardboard Concept von Thierry Dumaine. (Klicken für eine größere Version)

Es kommt immer mal wieder vor, dass Laien mit ihren Ideen und Überlegungen auch Profis überraschen oder sogar überzeugen. Die Sache ist schließlich die: Wer beispielsweise von Berufs wegen mit dem Entwurf von Autos beschäftigt ist, wird nach einigen Jahren Studium und praktischer Erfahrung sehr genau wissen, was realistisch umsetzbar ist und was nicht. Aber manchmal ist eben das, was zunächst unmöglich erscheint, die nächste Revolution… Eine vollkommen absurde Idee führt dann im nächsten Schritt zu etwas vollkommen Neuem.

Ob das beim “Cardboard Concept” von Thierry Dumaine zutrifft, lässt sich schlecht beurteilen. Auf jeden Fall hat er einige Ideen, die man in anderen Entwürfen für ein Auto der Zukunft so noch nicht gesehen hat.

Cardboard Concept, das Auto aus Pappe (8 Bilder)
cardboard-concept-01cardboard-concept-02Minimalistisch und voller interessanter Ideen: das Cardboard Concept von Thierry Dumaine.cardboard-concept-04
Aufbau des Papp-Autos und seiner Räder.cardboard-concept-06cardboard-concept-07cardboard-concept-08

So ist sein Konzept, wie der Name schon suggeriert, weitgehend aus Pappe – bis hin zu den Sitzen. Was sich im ersten Moment kurios anhört, muss es nicht unbedingt sein. Man muss nur wissen, wie man Pappe so verarbeitet und behandelt, dass sie stabil ist und auch unempfindlich(er) gegen Wasser und Feuer wird. Vor einigen Monaten hatte ich euch das Alpha Cardboard Bike eines israelischen Ingenieurs vorgestellt – ein Fahrrad aus Pappe für 20 US-Dollar. Er hat jahrelange Forschung in das Projekt gesteckt und am Ende gezeigt: Ja, es ist möglich. Der Entwurf des Cardboard-Autos sieht dabei ein Chassis aus Kunststoff vor. Selbstredend stammen alle Materialien aus Recycling.

Das Cardboard Concept des Kunstlehrers aus Nizza ist bei alldem im Gegensatz zum Papprad bislang nur ein Gedankenexperiment, mit dem er an der Michelin Design Challenge teilgenommen hat. Das Motto der Ausschreibung: “Half! Lightweight With Passion”. Und leicht ist das Auto aus Pappe: Gerade einmal 300 kg würde es in natura wiegen.

Dabei würden die Fahrer auf ein paar Dinge verzichten, wie beispielsweise Türen oder ein Armaturenbrett. Als Instrumententafel schlägt Thierry Dumaine ein iPad vor (Android-Varianten wären sicher denkbar).

Aufbau des Papp-Autos und seiner Räder.

Aufbau des Papp-Autos und seiner Räder. (Klicken für eine größere Version)

Aber Cardboard-Fahrer würden im Gegenzug auch einiges bekommen, wie beispielsweise einen Dreifach-Hybrid-Antrieb: Benzin, Elektro und Druckluft sieht der Entwurf vor. Wie man in der Bildergalerie oben sieht, stellt sich Thierry Dumaine dabei Tankstellen vor, die alles gleichzeitig anbieten und dabei Strom und Druckluft umweltfreundlich per Windrad selbst erzeugen.

Einen besondern Trick haben nicht zuletzt die Räder in petto: Sie können zugleich als Turbinen dienen, um während der Fahrt den Akku für den Elektroantrieb wieder aufzuladen. Zu einem perpetuum mobile wird es aus bekannten Gründen nicht reichen. Wahrscheinlich muss man sich sogar die Frage stellen, ob diese Idee nicht sogar mehr Energie kostet, als sie einbringt. Aber genau das ist diese Art von verrückten Denkansätzen, die ein Profi gar nicht erst in Betracht ziehen würde. Und wer weiß, was sich daraus noch entwickeln ließe oder auf welche Ideen es jemand anderen bringt.

Interessant wäre noch zu wissen, inwiefern sich das Auto am Ende seiner Nutzung dann irgendwann einmal auseinanderbauen und Stück für Stück wieder in den Recycling-Kreislauf überführen ließe. In einer der Grafiken sieht man jedenfalls die benötigten Einzelteile.

Es ist klar, dass das Konzept viel Fragen aufwirft, beispielsweise nach der Haltbarkeit oder wie sicher das Auto bei einem Unfall ist. Es ist auf der anderen Seite auch klar, dass Thierry Dumaine seine Idee nicht als Ersatz für unsere heutigen Autos ansieht. Eher ist es eine Ergänzung, vielleicht denkbar in bestimmten Einsatzgebieten.

Und so oder so ist diese moderne Form der “Rennpappe” eine interessante Anregung.

Quelle: Cardboard Concept bei der Michelin Design Challenge,

Gefunden bei Yanko Design.

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Leitender Redakteur von neuerdings.com und Autor auf netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

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Ein Kommentar

  1. Das mit der Energierückgewinnung aus der Fahrtluft war damals bei dem chinesischen Bauern mit seinem “windgetriebenen” Elektroauto schon unerträglich: Das macht keinen Sinn! Einfach nur lächerlich!
    Es wäre allenfalls eine Möglichkeit, Energierückgewinnung beim Bremsen zu bewerkstelligen. Mit einem mießerablen Wirkungsgrad im Vergleich zu einem Generator an der Achse.

3 Pingbacks

  1. [...] Hybridauto aus Pappe: Lehrer sollte man nicht unterschätzen! Das beweist Thierry Dumaine aus Nizza. Der Kunstlehrer hat bei einem Designwettbewerb mit seinem “Cardboard Concept” den Entwurf eines Hybridautos aus Pappe und Dreifach-Hybrid-Antrieb mit Benzin, Elektro und Druckluft präsentiert. neuerdings.com [...]

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