Sichler Fensterputz-Roboter im Praxistest:
Mehr Durchblick auf Knopfdruck?

Beim Fensterputzen ist schon so mancher von der Leiter und aus demselben gefallen. Außerdem sehen Geeks Fensterputzen oft als eine Tätigkeit unter ihrer Würde an, solange es sich nicht um Bildschirmfenster handelt. Deshalb war es interessant, einen speziellen Fensterputzroboter zu testen: Schafft er den ersehnten Durchblick?

Sichler Fensterputzroboter (Bild: W.D.Roth)

Sichler Fensterputzroboter (Bild: W.D.Roth)

Während die Staubsauger-Roboter wie der von uns getestete (ebenfalls von Sichler) gar nicht saugen, sondern nur kehren, saugt der Fensterputz-Roboter tatsächlich, und zwar ziemlich lautstark. Allerdings nicht zur Reinigung, sondern um nicht herunterzufallen! Dazu ist er auf das Fenster aufzusetzen und einzuschalten – dann startet der Saugmechanismus und man kann loslassen.

Sichler Fensterputz-Roboter
wr279993crwr279992crwr279994crwr279995cr
OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Geputzt wird allerdings erst nach Start des Putzprogramms mittels Fernbedienung. Dann klettert der Putzroboter bis ans obere Fensterende und arbeitet sich von dort im Zickzack wieder nach unten, wie unser Video vom Test zeigt:

Das funktioniert, allerdings dauert es. Da der Putzroboter sich schon einmal in Ecken festfrisst oder es gar nicht erst nach oben schafft, kann man ihn allerdings nicht wirklich unbeaufsichtigt putzen lassen, und nachdem die betreffende Glasfläche gesäubert ist, muss man ihn ausschalten, um ihn vom Glas nehmen und auf die nächste Scheibe setzen zu können.

Wir durften ein Fenster einer Kathedrale in der Nachbarschaft zum Test verwenden, das mit seiner Höhe besonders anspruchsvoll ist und normale Fensterputzmethoden vereitelt, sofern der Putzer nicht extrem schwindelfrei ist oder ein sehr langes Fensterputzgerät hat:

Die unteren Fenster waren dabei leicht geputzt, wenn auch nicht leise (dass im Video die Vögel und das Auto den Saugmotor übertönen, darf nicht täuschen – die Kamera war weit entfernt aufgestellt, um das Fenster komplett ins Bild zu bekommen). Spannend war es, ob der Fensterputzroboter auch die oberen Fenster schafft?

Dazu hatten wir auch beim Anbieter rückgefragt, ob wir dies wagen können, denn eigentlich soll der Fensterputzroboter, so wie ein menschlicher Fensterputzer, gegen Absturz angeseilt werden. Ein entsprechendes Seil mit Karabinerhaken ist bereits montiert. Doch ohne Auf-die-Bäume-Klettern war es uns nicht möglich, das Sicherungsseil in größerer Höhe anzubringen.

Tatsächlich ist das Seil aber weniger als Schutz gegen Absturz gedacht – wenn der Putzroboter den Kontakt zum Fenster verliert und auf Fensterbank oder Baum kracht, dürfte er auch mit Sicherungsseil zerspringen – sondern als “Reißleine”, um ein ganz oben am Fenster festsitzendes Gerät durch vorsichtiges Ziehen wieder herunterzubekommen.

Automatischer Helfer mit Schwächen

Vielmehr beendet der Fensterputzroboter das Putzprogramm, wenn er das Gefühl hat, fertig zu sein (worin er sich gerne mal täuscht) oder nicht mehr weiter zu kommen. Dann kann man es mit der Fernbedienung neu starten, doch wenn er sich dann wieder festfrisst, bleibt einem nur die Möglichkeit, das Putzprogramm zu beenden und den sich weiter ans Fenster saugenden Roboter vorsichtig herunterzuziehen, bis man ihn erreichen, abschalten und abnehmen kann.

Laut Anleitung soll man den Roboter einmal trocken über das Fenster jagen, damit er groben Schmutz entfernt, und erst dann die “Putzlappen” anfeuchten. Dabei kann man nur hoffen, keine Kratzer zu verursachen. Putzmittel dürfen nicht verwendet werden, sie machen das Ganze zu rutschig und der Putzroboter kommt das Fenster nicht hoch. Ebenso klappt es nicht, wenn die Putzlappen zu feucht sind.

An den oberen Fensterflächen scheiterte im Test auch das trockene Vorputzen – aus demselben Grund: Nur angefeuchtet schaffte der Putzroboter den Weg nach oben, ohne durchzurutschen. Ursache war, dass er hier Sicherungsleine und Stromkabel mit nach oben ziehen muss.

Stromkabel? Ist das Gerät denn nicht akkubetrieben?

Doch, der Fensterputz-Roboter enthält einen Lithium-Ionen-Akku. Der ist allerdings nur als Sicherheits-Stromversorgung gedacht, damit die Saugfunktion bei Stromausfall nicht ausfällt und der Roboter auf den Boden kracht. Er kann sich so bis zu einer halben Stunde ans Fenster klammern, bis Rettung unterwegs ist (bitte nicht 112 wählen!). Putzen kann er aber nur mit Netzstrom, von dem er 80 Watt benötigt.

Nicht schnell und nicht sonderlich gründlich

Das Putzen des abgebildeten Fensters innen und außen benötigt so insgesamt weit über eine Stunde (5 Minuten pro Glasfläche, 4 außen, 4 innen, plus Umsetzen, plus Trocken- und Feuchtreinigung). Das geht mit einem langen Schrubber und feuchten Tuch dann wohl doch schneller – und mit besserem Ergebnis in den Ecken, in die der Fensterputzroboter prinzipbedingt nicht kommt. Hinzu kommt das Leitersteigen, um die oberen Glasflächen zu erreichen. Hier ist der Fensterputzroboter also nicht wirklich in seinem Element und mit knapp 300 Euro Verkaufspreis viel zu teuer.

Anders sieht es bei sehr großen Scheiben ohne Unterbrechung aus. Der Anbieter denkt hierbei an Wintergärten oder Schaufenster, bei denen der Putzroboter natürlich den Vorteil hat, die Sicht nicht so zu verdecken wie eine Putzkraft und ein echter Hingucker wäre. Allerdings könnten Kabel und Sicherungsleine im Schaufenster spontane Umdekorationen auslösen. Muss erst ausgeräumt werden, ist die Aufgabe dagegen verfehlt, wenn der Fensterputzroboter den Blick auf ein leeres Schaufenster lenkt…

 

Mehr lesen

Takara Tomy AutoMee S: Putzroboter für Smartphone und Tablet

6.2.2013, 3 KommentareTakara Tomy AutoMee S:
Putzroboter für Smartphone und Tablet

Der japanische Spielzeughersteller Takara Tomy hat einen Putzroboter für Smartphones und Tablets vorgestellt, der deren Displays selbständig reinigt, während der Besitzer keinen Finger rührt.

Sichler Reinigungs-Roboter PCR-3350.UV im Test: Rotes Putz-UFO

29.9.2012, 2 KommentareSichler Reinigungs-Roboter PCR-3350.UV im Test:
Rotes Putz-UFO

Staubsauger-Roboter sollen die Realisation des Heinzelmännchens sein, das große Ding in Sachen Heimautomatisierung. Ich habe mir ein Modell vorgeknöpft, das auch feucht wischen kann, den Sichler Reinigungs- und Staubsauger-Roboter PCR-3350.UV.

3 Kommentare

  1. Hm.. -da schaut der hier etwas professioneller aus: http://haushalts-robotic.…tertest-winbot-w710/
    , gibt’s angeblich jetzt die Tage.
    Allerdings: €300,- für ein Gadget, das einem unterm Strich doch keine Arbeit abnimmt (wenn man mal zusammenrechnet, wie lange es dauern dürfte, so einen Roboter innen anzusetzen, aussen anzusetzen, immer schön das Fangkabel anzubringen, den Akku zu pflegen, die Reinigungspads auf- und abzuziehen und zu reinigen, das ganze Teil zu kalibrieren, …)???

  2. Lustige Gadgets sind es auf jeden Fall. Wir haben in unserem Büro (Programmiererklitsche, 5 Räume a 3 Fensterblöcke) den Winbot w710 im Einsatz. Den darf sich dann jeder Kollege mal holen und ein wenig rumspielen. :-) Nach 17 Uhr versteht sich, denn das Gerät ist sehr, sehr laut! Neben dem Sichler und dem Winbot gibt es noch den Windoro Top für schlappe 400 EUR. Soll was das “Königsmodell” sein, wenn man dieser Übersicht hier glauben mag: http://www.fensterputzroboter-test.com/

    Vom Sichler waren wir nicht so überzeugt (siehe dieses Test-Video vom Focus: http://focus.de/digital/v…eiben_vid_36609.html ) und der Windoro war uns zu teuer. Mit dem Winbot macht man nichts falsch. :-)

2 Pingbacks

  1. […] Wolf Dieter Roth von neuerdings.com hat den Fensterputzroboter Ende April 2013 getestet. […]

  2. […] Wolf Dieter Roth von neuerdings.com hat den Fensterputzroboter Ende April 2013 getestet. […]

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder

 
vgwort