Nikon Coolpix A:
Held der Abenddämmerung

Nikon steckt den Sensor einer Spiegelreflexkamera in den Körper einer Kompaktkamera: Die Coolpix A mit Festbrennweite soll die ideale Urlaubskamera sein und entfaltet ihre Stärke vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen. Für den Spaß verlangen die Japaner allerdings von Haus aus über 1.000 Euro. Zu Recht? Wir haben sie getestet.

Nikon Coolpix A

Nikon Coolpix A

Warum nicht gleich so? Seit Jahren droht der klassischen Kompaktkamera der “Tod durch das Smartphone”. Panorama-Funktion, HDR, Autofokus, Lichtstärke ab f/1.8 – wozu noch eine Kompaktkamera mitnehmen, wenn die Kameras besserer Smartphones das alles beherrschen? Sehr spät besinnen sich jetzt die etablierten Hersteller auf die eigentlichen Stärken der Point-and-Shoots: Wenn schon kompakt, warum dann nicht wenigstens einen starken Sensor dort einbauen und der Kamera die Funktionalität einer Spiegelreflex- oder Systemkamera mit auf den Weg geben?

Gesagt getan: Fujifilm spendierte der X100S ebenso den APS-C-Sensor einer Spiegelreflexkamera wie nun Nikon mit der Coolpix A. Kompakt, unauffällig und doch solide. Der Sensor hält, was er verspricht. Die Kamera lieferte bei uns im Test starke Bilder. Schwierig allerdings wird die Suche nach der passenden Zielgruppe werden.

Nikon Coolpix A
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DSC_0439DSC_0453Nikon Coolpix A_2Nikon Coolpix A_3
Nikon Coolpix A

Die Coolpix A bietet eigentlich alles, was man von einer handlichen Urlaubskamera erwartet: ein kompaktes, starkes Metallgehäuse, schnelle Bereitschaft für den perfekten Schnappschuss, ein gutes Automatikprogramm und daneben doch die Möglichkeit, Blende, Verschlusszeit, Lichtempfindlichkeit (ISO) frei zu wählen und sich gewünschte Funktionen selbst auf zwei Programme sowie zwei Schnellwahlknöpfe zu legen. Ein ausklappbares Blitzlicht ist wie für Nikon-Kompaktkameras obligatorisch. Hinzu kommt noch die Wahl zwischen Autofokus und manueller Fokuswahl, sowie einem Makromodus.

Coolpix A

Tolle Bilder gerade bei wenig Licht

Die automatisch belichteten Bilder überzeugten bei uns im Test durch geringes Rauschen und hohe Farbtiefe. Hier schlägt die Coolpix A praktisch jede uns bekannte Komptaktkamera; der DX-Sensor macht sich bezahlt. Im Test überzeugte besonders die Aufnahme bei Dämmerung. Verblassendes Tages- und Kunstlicht stellt der Sensor farblich genau dar. Die hohe Lichtstärke (automatisch bis ISO 6.400 und über eine Spezialwahl bis 25.600) sorgt selbst bei schlechten Lichtverhältnissen noch für gut ausgeleuchtete, nur sehr selten verwackelte Bilder.

Urlauber allerdings dürften an der Festbrennweite (ohne Zoom) des Weitwinkelobjektivs (18mm entspricht 28mm Kleinbildformat) wenig Freude haben. Für Routiniers allerdings eignet sich gerade diese Brennweite hervorragend für die Aufnahme in Häuserschluchten, während Landschaftsaufnahmen auf die Dauer fad wirken können. Nikon hebt die Diskretion der Kamera hervor: Profis wirken mit der Coolpix A wie Touristen und schießen trotzdem Bilder von der Qualität einer Spiegelreflex.

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Menüstruktur umständlich, Videofunktion fast unbrauchbar

Minuspunkte sammelt die Kamera beim Finetuning. Im Automatik-Modus und auch bei den voreingestellten Programmen macht man als Anwender wenig falsch. Einschalten, draufhalten, eventuell über das Funktionsrad noch einige Einstellungen vornehmen, und gut. Nicht leicht durchschaubar dafür die Anordnung der Einstellungen in gleich zwei Menüs unter “i” und “Menu”, deren Menüpunkte sich zum Teil überschneiden.

Um die eingebaute Videofunktion überhaupt zu finden, musste ich das Handbuch zu Rate ziehen. Es gibt keinen eigenen Funktionsknopf und auch keine Wahlmöglichkeit im Programmrädchen dafür. Ferner fehlt die Möglichkeit, den Videomodus auf eine der Schnellstartknöpfe oder die frei programmierbaren Programme zu legen. Die Videofunktion soll man laut Handbuch tatsächlich starten, indem man das “i”-Menü aufruft, dort “Aufnahmebetriebsart” auswählt, zum letzten Menüpunkt herunterscrollt und dort “Videoaufnahme” auswählt. (Alternativ lässt sich die Aufnahmebetriebsart auch über das Hauptmenü aufrufen, aber das verrät die Anleitung nicht.) Der Weg zurück zum Foto-Modus erfolgt über die gleiche Einstellungsarie. Enttäuschend auch die Videofunktion als solche: Läuft die Kamera, ist man auf die einmal gewählten Einstellungen festgelegt. Der Lichtempfindlichkeitssensor kann bei der Aufnahme nicht mehr korrigieren und auch der Autofokus setzt aus: Scharf bleibt stets der gleiche Bildausschnitt. Immerhin: Die Kamera nimmt in Full HD auf (1080p).

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Tolle Kamera, zu hoher Preis

Nikon lud uns und zahlreiche weitere Journalisten aus ganz Europa zur Präsentation und einem zweitägigen Test der Kamera nach Lissabon ein. Gleichzeitig im Test: die Spiegelreflexkamera D7100. Mit beiden Kameras zur Hand griff ich gerade bei schlechteren Lichtverhältnissen eher zur Coolpix A. Für die meisten Bilder war hingegen die Spiegelreflex mit Vario-Tele meine bevorzugte Wahl. Für wen genau ist die Coolpix A also gedacht? Nikon ließ als Zielperson einen Kriegs- und Konfliktfotografen zu Wort kommen. Für einige seiner Recherchen sei es besonders wichtig gewesen, nicht aufzufallen, so sein Tenor. Hier hätte er sich schon früher eine Kamera wie die Coolpix A gewünscht, mit der er für wenig Aufsehen sorgt und undercover doch hochklassige Bilder schießen kann.

Dass die Kamera dazu taugt, bewies sie in unserem Test. Wem der geneigten Leser allerdings ist das um die 1.000 Euro wert, wenn er dafür gut ausgestattete System- oder Spiegelreflexkameras bekommen kann? Der Coolpix A fehlen von Haus aus ein integrierter Sucher, GPS-Funktionalität und ein WLAN-Modul. Diese stehen als ansteckbares Zubehör zur Verfügung und kosten jeweils etwa 300 Euro (Sucher und GPS-Modul) und 70 Euro (WLAN-Adapter) extra, schlagen also ein weiteres Loch ins Portmonee. Gute Bilder, ein starker Sensor und die solide Verarbeitung sind die Vorteile. Rätsel geben dafür die kaum brauchbare Videofunktion, die fehlende integrierte GPS-Funktionalität und der gemessen an diesen Nachteilen unverständlich hohe Preis auf.

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Großer Sensor, teuer erkauft

Wenn man die Kompaktklasse retten will, dann hat Nikon bei der Funktionalität das meiste richtig gemacht. Doch auch hier die Frage: Wenn eine spiegellose Kamera mit großem APS-C-Sensor die Rettung sein soll, warum soll man sich dann mit einem fest installierten Weitwinkelobjektiv behelfen und nicht gleich zur flexibleren und selten teureren Systemkamera greifen? Zur Rettung der Kompaktklasse gehört auch ein erschwinglicher Preis, den die Coolpix A leider vermissen lässt. An der Bildqualität und auch der Programmautomatik ist indes nichts auszusetzen.

Die Idee, eine bekannte Kameraklasse mit neuer Funktionalität aufzuwerten, erinnert mich an Samsungs Galaxy Camera. Die Kompakte mit modernem Android-Betriebssystem, WLAN und Mobilfunkmodul überzeugte bei der Ausstattung; Bildqualität und Preis waren dafür mäßig. Loben allerdings musste man die Funktionalität und Samsungs Mut, neue Wege zu gehen. Mittlerweile ist der Einführungspreis von 500 Euro in den meisten Online-Shops deutlich auf rund 350 Euro gesunken. Nur mit einem deutlich günstigeren Preis hätte auch die Coolpix A die Chance, der Kompaktklasse wieder Sinn einzuhauchen.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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3 Kommentare

  1. Sony rx100. Halber Preis. Ziemlich großer Sensor aber noch Zoom dabei! Tolle Bilder auch in Dämmerung

  2. Für 500€ wäre es ganz okay, würde trotzdem noch eine DSLR bevorzugen.
    Ich bin mit meiner Canon EOS 550D aber voll zufrieden und das Sigma 17-70 vervollständigt das Packet.

    Hier frage ich mich noch, warum das Gehäuse von Canon geklaut ist (Power Shot)

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