Tolino Shine E-Reader:
Die deutsche Kindle-Alternative im Test

Gegen die Übermacht von Amazon im E-Book-Markt tritt die “Tolino-Allianz” an. Der Glowlight-Reader Tolino Shine soll dabei dem überaus erfolgreichen Kindle Konkurrenz machen. Aber kann das gelingen? Gastautor Ansgar Warner hat sich den Reader für euch angesehen.

Der Tolino Shine soll Amazons Kindle Paroli bieten. Bilder: Ansgar Warner

Der Tolino Shine soll Amazons Kindle Paroli bieten. Bilder: Ansgar Warner

Gemeinsam gegen Amazon lautet die Devise der “Tolino-Allianz” zwischen Thalia, Weltbild &.Co und der Deutschen Telekom. Die Rolle des Kindle-Killers soll dabei der Anfang März gestartete Glowlight-Reader Tolino Shine übernehmen, ergänzt durch ein cloudbasiertes App-Universum. “Maximale Freiheit, Mobilität und Sicherheit” wird dem Nutzer versprochen, denn einmal gekaufte E-Books bleiben “lebenslänglich” in der Telekom-Cloud gespeichert. Der Tolino-Verkaufspreis von 99 Euro klingt verlockend: Immerhin glänzt das Gerät mit XGA-Auflösung, 2 GB Speicher und langer Akkulaufzeit. Doch wirklich erfüllen kann das speziell für den deutschen Markt entwickelte Lesegerät die hohen Erwartungen zur Zeit noch nicht. Insbesondere die Benutzeroberfläche lässt doch einiges zu wünschen übrig, zum Teil aber auch der Einkaufs-Service. Unser Tipp: Solange es kein Firmware-Update gibt, sollte man besser auf Alternativen wie etwa den Cybook Odyssey HD FrontLight zurückgreifen.

Tolino Shine (11 Bilder)
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Wo sind sie, die 11.000 Hotspots?

Schon von außen wird auf den besonderen Clou des drahtlos funkenden Tolino Shine hingewiesen: “Gratis-Zugang zu über 11.000 Hotspots der Telekom” steht auf der Vorderseite der Verpackung, zudem wird die “Telekom-Cloud” erwähnt. Auf der Rückseite findet man unter der Abbildung des Readers noch den Hinweis: “Powered by Deutsche Telekom”. Wo die einzelnen Hotspots zu finden sind, zeigt eine interaktive Karte, die auch die Eingabe des Standorts mit Postleitzahl und Adresse ermöglicht.

Extra-Taste für die Glowlight-Aktivierung

Öffnet man die Verpackung, lacht einem bereits das E-Ink-Display des Readers entgegen, versehen mit einem Smiley und dem Text: “Ich bin Tolino”. Unter dem Gerät liegt neben Kurzanleitung und Garantiekarte auch ein USB-Kabel. Besonders auffällig am Äußeren ist der Home-Button unter dem Display. Der Mikro-USB-Port wie auch der SD-Kartenslot verstecken sich unter einer kleinen Klappe an der Unterkante – keine besonders stabile Lösung. Zum Einschalten bzw. “Aufwecken” dient eine Slidertaste an der linken Oberkante. Im Schlafmodus steht auf dem E-Ink-Screen die Nachricht: “Psst… Tolino schläft.” Daneben gibt’s an der rechten Oberkante noch einen Extrabutton zum Aktivieren des Glimmerlichts in der zuvor festgelegten Helligkeitsstufe.

Tolino Shine ist leichter als Kindle Paperwhite

Besonderes Augenmerk wurde beim Design auf die Haptik gelegt: Abgerundete Kanten wie auch die speziell beschichtete Rückseite lassen den Tolino Shine gut in der Hand liegen. Mit einem Gewicht von 183 g bleibt der Tolino Shine zudem unterhalb vergleichbarer Konkurrenzprodukte. Pluspunkt in Sachen Hardware ist der SD-Kartenslot: Amazon verzichtet bei den Kindle-Modellen leider auf diese Möglichkeit der Speichererweiterung. Bei der Touchscreen-Technik wiederum wurde beim Tolino gespart: Hier kommt Infrarot-Technik zum Einsatz, die nicht ganz so exakte Ergebnisse liefert wie das kapazitive Display des Kindle Paperwhite. Doch immerhin werden Eingaben mit der virtuellen Tastatur oder Fingertipps auf Menübuttons ohne große Verzögerung umgesetzt, und auch das Umblättern per Fingerwisch geht schnell vonstatten.

In Thalias Tolino-Store nur Kreditkartenzahlung?

Nach dem Einschalten gelangt man in wenigen Sekunden auf den Homescreen. Dort warten bereits drei vorinstallierte E-Book-Klassiker: “Frau Bovary”, “Die Verwandlung” sowie “Max und Moritz”. Im unteren Bereich des Homescreens wird man zur Anmeldung bzw. zum Anlegen eines Kundenaccounts beim jeweiligen Anbieter aufgefordert. Sobald der Tolino Shine registriert ist, findet man an dieser Stelle des Homescreens Buchempfehlungen sowie einen Link zum E-Store.

Vom Content her unterscheiden sich die einzelnen Stores nicht – beim Layout wie auch Service jedoch schon. Die E-Stores von Weltbild und Hugendubel befinden sich sichtbar noch im Aufbau. Thalias E-Store ist schon länger in Betrieb, hat aber auch seine Macken. So ermöglicht er (offenbar abhängig von der jeweiligen Wohngegend) nur die Bezahlung mit Kreditkarte oder Vorkasse, bei Weltbild, Hugendubel und Pageplace kann man grundsätzlich auch via Bankeinzug oder mit PayPal zahlen. Vorteil bei Thalia ist aber wiederum die in Zusammenarbeit mit der Thalia-Tochter textunes entwickelte App für Mobilgeräte – sie ist grafisch weitaus besser gelungen als die “Out of the box”-Lösungen der anderen Anbieter.

Textfunktionen hart am unteren Limit

Kontrast und Auflösung des Tolino Shine sind durchaus vergleichbar mit Konkurrenzprodukten vom Amazon bis Kobo. Beim Bedienkomfort jedoch hapert es – die Leseansicht bietet nämlich kaum Optionen. Tippt man in einem geöffneten E-Book auf den Seitenkopf, erscheinen fünf Symbole. Sie führen zur Kapitelübersicht, zu den Lesezeichen, zu den Schrifteinstellungen, der Helligkeitsregulierung sowie einer Suchfunktion. Da man zwar zwischen verschiedenen Fontarten wählen kann, Zeilenabstand sowie Zeilenbreite sich aber nicht verändern lassen, bleibt man der jeweiligen Formatierung ausgeliefert. Textzoom mit Zweifingergeste wie etwa beim Kindle Paperwhite gibt es nicht, hier hilft nur der Umweg über das Menü, wo sieben Zoomstufen zur Verfügung stehen. Leider fehlt momentan auch noch die Möglichkeit, Text zu markieren oder Anmerkungen zu machen, allerdings soll es in Kürze ein Firmware-Update geben, das diese Funktionen zur Verfügung stellt. Auf eine Wörterbuchfunktion muss man offenbar noch etwas länger warten. Bei der Regulierung der Helligkeit scheint sich ein Softwarefehler eingeschlichen zu haben: Im oberen Drittel nimmt die “stufenlose” Einstellung gleich mehrere Stufen auf einmal, so dass nur die Wahl zwischen dunkel und sehr hell bleibt.

Wenn die Cloud zur Einbahnstraße wird

Eigentlicher Clou des Tolino Shine ist natürlich der Cloud-Speicher. Der größte Nutzen beschränkt sich jedoch momentan auf E-Books, die man dort gekauft hat, wo auch der Reader erworben wurde – diese Titel lassen sich aus der Rechnerwolke wiederherstellen, falls man sie auf dem Reader selbst gelöscht hat. Andere E-Books dagegen, die man etwa via USB-Kabel auf den Reader übertragen hat, kann man lediglich vom Tolino Shine aus drahtlos in die Cloud hochladen, um sie mit der zugehörigen App auf Smartphone oder Tablet zu lesen. Der Weg von der Cloud zurück auf den Reader ist jedoch in diesem Fall versperrt. Immerhin lassen sich mit dem “Side Loading” via USB-Kabel aber auch E-Books im epub- oder PDF-Format in die Cloud befördern, die man bei anderen Portalen gekauft hat. Amazon bleibt hier ausgeschlossen, denn so lange die großen Verlage auf harten DRM-Schutz bestehen, lässt sich die Kluft zwischen epub- und Kindle-Format auch durch “offene” Konzepte wie beim Tolino nicht überwinden.

Fazit: Kein Kindle-Killer

Zum veritablen Kindle-Killer taugt der Tolino Shine augenblicklich kaum. Technisch mag das Display zwar in punkto Auflösung und Kontrast mit dem Paperwhite vergleichbar sein. Doch der Bedienkomfort fällt deutlich hinter andere Glowlight-Reader zurück (warum sind nicht einmal Markierungen möglich?). Selbst der Gebrauchswert der Telekom-Cloud bleibt etwas wolkig, wozu auch die nicht besonders intuitive Benutzerführung beiträgt. Ein komplexes „Download/Upload“-Menü hätte man sich sparen können. Viel eleganter scheint da Amazons Lösung, die auf zwei getrennte Bibliotheksansichten für Gerät und Cloud setzt. Doch ohnehin ist die Telekom-Cloud ja eher ein Extra, zum Lesen selbst ist der Reader da – doch dessen Benutzeroberfläche kann momentan noch nicht überzeugen. Wer jetzt schon die Telekom-Cloud mit einem Glimmerlicht-Reader nutzen möchte, dem sei deswegen bis auf weiteres Thalias Cybook Odyssey HD FrontLight empfohlen – via Firmware-Update soll dieses Lesegerät demnächst ebenfalls den direkten Draht in die Tolino-Wolke bekommen.

Technische Daten

  • Display: 6 Zoll Touch-Screen E-Ink Display, 1.024 x 758 Pixel (16 Graustufen)
  • Gewicht: 183 g
  • Schnittstellen: Mikro-USB, SD-Slot, WLAN
  • Speicher: 4 GB intern (2 GB verfügbar)
  • E-Book-Formate: epub, PDF, etc.
  • Zusätzlich Features: Glowlight-Funktion, Cloud-Up/Download
  • Betriebssystem: Android
  • Preis: 99 Euro (z.B. via Thalia)

Dieser Beitrag erschien zuerst auf e-book-news.de.

 

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Ein Kommentar

  1. Tut mir leid, ich kann den Argumenten nicht folgen. Mir reicht der Tolino völlig aus. Lesen geht wunderbar, blättern und suchen ist auch kein Problem.
    In meine Bücher habe ich noch nie Anmerkungen oder Notizen geschrieben, wieso sollte ich jetzt damit anfangen?

    Es kommt natürlich immer auf den Verwendungszweck an. Für Fachliteratur ist er sicher nicht die erste Wahl. Aber für alle, die “nur” lesen wollen, ist er gut geeignet. Gerade die Möglichkeit, auch andere Quellen zu nutzen ist für mich ein Vorteil.

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