Filmkritik:
iSteve – Apple-Verfilmung aus dem Märchenland

Ryan Perez hat eine Parodie über Apple-Gründer Steve Jobs gedreht, die seit heute kostenlos im Web verfügbar ist. Für den 78-Minüter “iSteve” bedient er sich wild bei Ereignissen, Myhten und Persönlichkeiten der IT-Welt der vergangenen Jahrzehnte und kommt dabei manchmal ebenso platt wie witzig rüber.

iSteve mit Justin Long und Jorge Garcia. Bild: FunnyOrDie

iSteve mit Justin Long und Jorge Garcia. Bild: FunnyOrDie

“Ich verstehe nicht, was Computer sind”, sagt der weise Mann, der den jungen Steve Jobs die entscheidende Richtung für sein rastloses Leben weisen soll. “Sei der Mann, der Computer einfach macht und dann gehst du deinen Weg.” Was nach dieser Anfangsszene folgt, ist ein Sammelsurium an schrägen Geschichten, die alles aufs Korn nehmen, was über Apple-Gründer Steve Jobs bekannt ist.

Die Idee zu MacIntosh und iPad kam ihm demnach im LSD-Rausch, er und Bill Gates sind anfangs beste Freunde, die die ersten Platinen zusammen löten. Dann aber kommt Melinda ins Spiel, die die beiden Freunde entzweit. Sie heiratet Gates, bleibt aber Jobs’ heimliche Liebe und betrügt ihren Mann schließlich mit Jobs virtuell in einer Cybersex-Liaison. Und Apple-Mitgründer Steve Wozniak? Ein Mann ohne jegliches Selbstbewusstsein, auf den alle unnötigerweise immer nur herumhacken.

Hurley aus “Lost” in einer seiner schwächeren Rollen

Es sind diese und andere historisch nicht haltbaren Geschichten im Film “iSteve”, der seit heute auf der Comedy-Seite FunnyOrDie veröffentlicht wurde. Warum auch nicht? Zuletzt sahen wir Steifen, in denen Abraham Lincoln Vampire jagt und Hitler schon vor Kriegsende den Tod in einem Pariser Kino findet. Das Drehbuch zu iSteve hat die beiden Autoren angeblich in drei Tagen verfasst, die Dreharbeiten sollen nur fünf Tage gedauert haben.

Die Besetzung kann sich für diesen Low-Budget-Streifen auf dem Papier dennoch sehen lassen: Justin Long, bekannt als Mac aus Apples Mac-vs-PC-Werbespots, verkörpert Jobs. Jorge Garcia, den man als entspannter Tagträumer Hurley in der Kultserie “Lost” herzlich gerne sah, nervt in “iSteve” aber als trotteliger Steve Wozniak. John Ross Bowie, der schon in “Big Bang Theory” den widerlichen Barry Kripke spielt, darf auch in “iSteve” als John Sculley noch einmal als Intrigant ran.

Unfassbar platter Humor

Der Streifen will es mit historischen Ereignissen gar nicht so genau nehmen. Die Recherche für das Drehbuch beschränkte sich auf die gängigsten Klischees, den Fernsehfilm “Pirates of Silicon Valley” und Steve Jobs’ berühmte Begrüßungsrede an der Standford-Universität. So mischen sich denn auch herzlich komische Momente mit unfassbar plattem Humor. In der Szene etwa, in der Bill Gates den wahren Gründer Apples kennenlernen will, reichen Woz und Jobs ihm gleichzeitig die Hand. Jobs gewinnt, Woz wird ignoriert und steht Minuten später immer noch mit ausgestreckter Hand da.

Dann wiederum ertappt man sich dabei, wie man bei einigen Szenen laut loslacht. Etwa als Jobs in einer Kneipe vom abgehalfterten Michael Dell in ein Gespräch verwickelt wird oder sich Jobs bei George Lucas so lange über seinen Rausschmiss durch John Sculley ausheult, bis Lucas genervt in Pixar investiert.

Long haucht einem durchwachsenen Film Leben ein

Es ist typischer Funny-or-Die-Humor und das kann gar nicht jedermanns Sache sein. Wer keine Klamotte über Jobs möchte, der kann sich auf zwei Produktionen freuen, die sich viel ernster nehmen: den bald startenden “jOBS” mit Ashton Kutcher in der Hauptrolle und einen weiteren Hollywood-Film von Drehbuchschreiber Aaron Sorkin. Ferner sei an dieser Stelle, wie oben bereits kurzt erwähnt, auch noch einmal auf das spannende Filmporträt “Pirates of Silicon Valley” hingewiesen.

Großer Lichtblick in “iSteve” ist der brilliante Justin Long, der dem Film Charakter verleiht, auch bei peinlichsten Gags seine Würde bewahrt und sich hier für höhere Aufgaben empfiehlt. Verlängerte Mittagspausen kann man durchaus schlechter verbringen als mit diesem Low-Budget-Streifen, von dem ich weit Schlimmeres erwartet hätte.

Link: “iSteve” auf FunnyOrDie

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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