Geliebt und gehasst:
Goodbye Windows XP

Ein Nachruf auf Windows XP? Dafür scheint es noch viel zu früh zu sein. Dennoch: Microsoft will den Support für das altgediente System in einem Jahr auslaufen lassen und empfiehlt Nutzern einen Wechsel auf Windows 8 – oder Windows 7. Ein Porträt.

Windows XP - Bilder: Microsoft

Windows XP – Bilder: Microsoft

Nicht jedem schmeckte die bunte Luna-Oberfläche, die man auf die klassische Variante umstellen konnte. Aber alles in allem fluchten die Kritiker bei Windows XP weniger als noch bei Windows 98 und Windows ME. Anders als die beiden genannten Systeme, setzte XP nicht mehr auf MS-DOS auf, sondern auf das stabilere Windows NT. In Sachen Stabilität gab es bei XP deswegen weniger zu meckern, in Sachen Sicherheit dafür umso mehr.

Windows XP (NT 5.1) war damit eigentlich ein Nachfolger des durchaus angesehenen Windows 2000 (NT 5.0). Einige Endgeräte des inzwischen mehr als elf Jahre alten Systems kann man bis heute kaufen. So etwa Restbestände des Asus EeePC 1001PX. Bei einer Stichprobe auf Google Shopping fanden wir mehr originale Modelle mit Windows XP als noch mit dem Nachfolger Windows Vista.

Windows XP
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Schwierigkeiten des Nachfolgers

Windows XP stand in dem Ruf, durchaus stabil zu laufen – dabei aber voller Sicherheitslücken zu sein. Nutzern und vor allem Admins werden beinahe wöchentliche Sicherheits-Updates wohl für immer in missliebiger Erinnerung bleiben. Ingesamt viermal besserte Microsoft mit Service Packs nach (1, 1a, 2 und 3). Das letzte große Update, Service Pack 3, erschien noch im April 2008, als der Nachfolger Windows Vista bereits seit über einem Jahr auf dem Markt war.

Vista handelte sich den Ruf ein, ressourcenhungrig zu sein. Die Hersteller der eher schwach motorisierten Netbooks, die in dieser Zeit ihren Durchbruch feierten, setzten deswegen vielfach auf Windows XP. Die Arbeit an den notwendigen Bug-Fixes und Service Packs benötigten im Hause Microsoft derart viele Ressourcen, dass Entwickler von der Arbeit am Nachfolger Vista (Codename: “Longhorn”) abgezogen wurden. Vista brauchte damit insgesamt über fünf Jahre in der Entwicklung, verpasste das Weihnachtsgeschäft 2006 und wurde von Anfang an von der Presse kritisiert.

Warnung vor Sicherheitslücken

Aufgrund des schlechten Rufs von Vista verlängerte Microsoft den Verkauf von XP auf Juni 2008, für Netbooks sogar noch auf 2010, als es den Vista-Nachfolger Windows 7 bereits zu kaufen gab. Laut einer Analyse von Net Applications auf Basis von Zugriffen aus dem Web, soll Windows XP noch bis zum September 2012 das meist genutzte Betriebssystem gewesen sein. Erst dann überholte Windows 7. Ein Nachruf wäre deswegen heute reichlich verfrührt. Microsoft warnt aus Sicherheitsgründen dennoch vor einer Weiterbenutzung.

Der Anbieter will den Support des dann gut zwölf Jahre alten Systems am 8. April 2014 einstellen und hat dafür eine Info-Seite gestartet. Unternehmen und Privatanwender erfahren darin, wie sie auf neue Windows-Versionen updaten können. Microsoft empfiehlt dafür das neue Windows 8 und den beliebten Vorgänger Windows 7. Zeitgleich mit XP will Microsoft auch den Support von Office 2003 beenden.

Kein Herz für Rover

Ich werde XP wohl keine Träne nachweinen. Nicht, weil das System schlecht gewesen wäre, das war es nicht. Es war ganz einfach da, spielte sich manchmal etwas zu sehr in den Vordergrund und löste dabei schlicht keine Sympathien aus. Wohl für immer in Erinnerung bleiben werden mir die unsäglichen Sprechblasen-Pop-Ups am unteren rechten Bildrand, die gerne einmal gehäuft und chronologisch willkürlich auftraten, besonders, wenn man den Rechner einmal für längere Zeit nicht genutzt hatte. Und dann dieser elendige Hund, ja, Hund – das Maskottchen der Systemsuche namens Rover, der einem mit seinen knuffigen Augen am Schluss nur noch Leid tat, weil er nie etwas fand. Windows XP, das war weder Liebe noch Hass. Es war wie der Kollege, mit dem man im Privatleben nichts zu tun haben will, sich auf der Arbeit aber irgendwie arrangieren muss.

2007 schoss ich meinen alten XP-Laptop in den Wind, stieg nach einem misslungenen Experiment mit einem Vista-Laptop auf ein MacBook und damit Mac OS X 10.6 um – womit ich bis heute im Home Office arbeite. An meiner alten Wirkungsstätte hatte ich einen Desktop-PC mit Windows 7 – was bis heute mein Lieblings-Windows geblieben ist: stabil, schlicht, angenehm unauffällig, so wie ein System eigentlich sein sollte. Etwas langweilig mag es gewesen sein, weswegen Microsoft nun wieder auf bunt setzt: Windows 8 – ein, wie immer, umstrittenes System.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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5 Kommentare

  1. Da ist wohl jemand etwas gefühlsduselig geworden. Ich frage mich, wie man Liebe zu einem Betriebssystem empfinden kann?
    Es geht hier um ein Werkzeug oder eine Plattform, mit der man arbeiten, spielen und Zugang zum Internet finden kann.

    Windows XP war das erste OS, was nahezu ohne Bluescreens auskam. Vorbei die Zeiten, in denen man auf Bill Gates geschimpft hat – und dabei sind ja viele Fehler eher durch Drittsoftware oder Anwenderfehler hervorgerufen worden…

    WindowsXP hat das getan was es sollte, genauso wie es heute Windows7 tut. Je weniger man vom OS mitbekommt, desto besser erscheint es einem vermutlich.

    Ich weiß nicht, ob ich “mein Windows7″ liebe, aber ich wüsste nicht, was man besser machen könnte. Vermutlich geht es den MacOS-Benutzern genauso. So hat jeder seinen Kollegen, mit dem er auch sein Privatleben teilt ;-) ich habe das auch damals mit WindowsXP gerne getan.

  2. Früher oder später musste es ja so kommen. Ich bin schon lange weck von XP und finde es jetzt auch nicht wirklich schade.

  3. … leider wechseln die Benutzer von XP nicht vom Webbrowser MS IE 8 auf einen vernünftigen Browser …

  4. Jaa da könnte man gleich sentimental werden.
    Ich erinnere mich noch ganz genau an mein erstes Windows XP

    http://harshj.com/wp-cont…xrkt-8tg6w-2b7q8.jpg

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