Android-Spielkonsole:
Ouya bekommt schlechte Noten in ersten Tests

Die ersten Exemplare der Ouya-Spielkonsole treffen bei den Unterstützern des extrem erfolgreichen Kickstarter-Projekts ein, aber die Testergebnisse sind eher ernüchternd. Bis zum offiziellen Marktstart im Juni bleibt offenbar noch einiges zu tun.

Offizielles Promofoto zur Kickstarter-Kampagne der Ouya.

Offizielles Promofoto zur Kickstarter-Kampagne der Ouya.

Das Erfolgsrezept der Ouya: eine minimalistische Spielkonsole für gerade einmal 99 US-Dollar, die auf das stark wachsende Ökosystem Android setzt und gar nicht erst versucht, die eierlegende Wollmichsau des Home Entertainments zu sein. Als Sven im Juli 2012 das erste Mal über die Ouya geschrieben hatte, gab es noch keinen Veröffentlichungstermin und wenige Daten. Aber die dann bald folgende Kickstarter-Kampagne hat mehrere Rekorde des Crowdfunding-Portals gebrochen. Sage und schreibe 8,5 Millionen US-Dollar kamen zusammen. Da stellt sich nicht nur Sven in seinem zweiten Beitrag die Frage: Was nun, Ouya?

Die gute Nachricht: Die Macher des Projekts sind mit dem Ansturm zurechtgekommen. Die Ouya erscheint wirklich. Die nicht ganz so gute Nachricht für die Kickstarter-Unterstützer: Diese frühe Version der Ouya ist wohl eher als öffentliche Beta anzusehen. Das legen jedenfalls die ersten Testberichte nahe.

Android-Konsole Ouya (10 Fotos)
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ouya-konsole-2ouya-konsole-3Offizielles Promofoto zur Kickstarter-Kampagne der Ouya.ouya-konsole
Das Testexemplar der Ouya von Engadget.Die Ouya von The Verge.

Engadget: “Ein Beta-Release”

Das Testexemplar der Ouya von Engadget.

Das Testexemplar der Ouya von Engadget.

Die Kollegen von Engadget kritisieren an ihren beiden Ouyas beispielsweise den Controller. Sein größtes Problem sind die austauschbaren Oberschalen. Sie sitzen nicht so fest und akkurat wie sie sollten und sorgen auch schon einmal dafür, dass die vier Buttons hängenbleiben. Zudem scheint es hier auch spürbare Qualitätsschwankungen bei der Produktion zu geben. Alles in allem sei der Controller “benutzbar, aber bei weitem nicht großartig”.

Bei den Spielen ist das Urteil ein wenig gemischt. Mit 104 Titeln soll die Ouya letztlich an den Start gehen, was im Vergleich zu anderen Konsolen erstaunlich viel ist. Allerdings werden regelmäßige Spieler wenig Neues finden, dafür viel Altbekanntes. Grundsätzlich kann man sich jedes Spiel erst einmal kostenlos herunterladen, aber was danach passiert, ist vollkommen offen. Die Ouya-Macher geben den Spiele-Produzenten hier alle Freiheiten, was es für die Nutzer aber undurchsichtig mache, heißt es bei Engadget. Generell sehe man den meisten Spielen natürlich stark an, dass sie eigentlich für Mobile konzipiert sind. Auf dem großen TV-Bildschirm sind sie entsprechend nicht so ansehnlich.

Fazit von Enagdget: Die jetzige Ouya-Version solle man als Beta-Release ansehen. “Wer mehr erwartet, sollte sich auf eine Enttäuschung gefasst machen.” Noch aber blieben schließlich zwei Monate, bis sie offiziell in den Verkauf kommt.

The Verge: “Keine 99 Dollar wert”

Die Ouya von The Verge.

Die Ouya von The Verge.

Im Test von The Verge wird der Controller in seinem aktuellen Zustand ebenfalls bemängelt. Und auch hier sind es wieder die schlecht sitzenden Oberschalen. Weil alles nicht besonders gut zusammenpasse, fühle sich der Controller “billig und zerbrechlich” an. Lob bekommen aber die Analogsticks, die perfekt funktionierten. Irritierend sei hingegen die gelegentlich auftretende Zeitverzögerung, bis ein Spiel auf eine Eingabe des Controllers reagiert. Diese Verzögerung hatte auch Engadget festgestellt.

Sehr schlecht kommt die Benutzeroberfläche der Ouya weg. Problem hier: Sie sei schlichtweg nicht fertig. Ouya setzt auf Android 4.1 und verpasst dem OS eine eigene Oberfläche – aber offenbar bislang noch sehr lückenhaft. Schlecht gelöst sei auch die Übersicht zu den bereits installierten Spielen, die man nicht sortieren könne. Es ist aktuell eine horizontale Auflistung aller Spiele, chronologisch sortiert. Seltsamerweise werden die ältesten Spiele zuerst aufgelistet.

Generell kritisiert auch The Verge die aktuelle Auswahl an Spielen. Vieles sehe in 1.080p auf dem großen TV einfach nicht gut aus.

Alles in allem sieht The Verge in der Ouya ein großes Potenzial. Vieles sei möglich. Nur sehen auch sie die jetzige Version als Beta an, vielleicht sogar als Alpha. Die Ouya sei “Millionen Meilen” von einem Produkt entfernt, für das man Geld ausgeben möchte. “Ouya ist keine brauchbare Gaming-Plattform, keine gute Konsole und nicht einmal ein nettes TV-Interface. Ich weiß nicht, was es ist, aber bevor Ouya das nicht herausfindet, ist es keine 99 Dollar wert.”

Phandroid: “Viel Platz für Verbesserungen”

Bei Phandroid kommt die Ouya da sehr viel besser weg. Die Menüs seien klar und elegant. Allerdings war hier auch gleich schon von Beginn eine Oberschale des Controllers lose. Das folgende Video zeigt das Auspacken und zieht dabei auch den Vergleich zur Developer-Version:

Und hier bekommt ihr Einblicke in die Benutzeroberfläche:

Alles in allem biete die Ouya schon ein tolles Nutzungserlebnis, wenn auch “viel Platz für Verbesserungen” bleibe.

Fazit

Wenn man sich diese Berichte durchliest, muss man aus meiner Sicht zwei Dinge im Hinterkopf behalten: An wen richtet sich die Ouya? Schließlich treffen manche Kritikpunkte wie die Spieleauswahl eher für die Dauer-Gamer zu und weniger für den Gelegenheitsspieler. Und: Was kann man von der Version 1.0 eines neuen Projekts erwarten? Selbst gestandene Unternehmen bringen bisweilen halbfertige Produkte auf den Markt, die erst nach und nach den eigenen Werbeaussagen entsprechen.

In vielen Medienberichten wurde die Ouya zur Revolution des Spielkonsolenmarkts hochgejazzt. Und es wäre schließlich auch zu schön, wenn ausgerechnet ein 99-Dollar-Konsölchen den Riesen vom Schlage eines Sony, Microsoft und Nintendo in diesem Jahr die Schau stehlen könnte. Aber wirklich wichtig ist das nicht. Viel wichtiger ist: Macht die Ouya Spaß?

Mein neuerdings-Kollege Sven gehört übrigens auch zu den Kickstarter-Unterstützern und hofft, seine Ouya bald auspacken zu können. Wenn das der Fall ist, bekommt ihr natürlich Informationen und Einschätzungen dazu aus erster Hand.

Gefunden via Geeky Gadgets.

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Leitender Redakteur von neuerdings.com und Autor auf netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

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4 Kommentare

  1. Ich kann nur hoffen, das solche Konsolen nicht die Xbox und PS ablösen.
    Ich bin ein Fan der Vollpreisspiele, mit echter Story und Atemberaubenden Inszenierungen.

    Angry Birds Star Wars auf dem HD Fernseher, weckt sicherlich keine Gefühle in mir.

  2. Ich in mal gespannt, wie es mit der kleinen Konsole weiterght. Für mich soll sie eh eine Alternative zum SNES sein und ich denke dafür eignet sie sich hervorragend.

  3. @Rick
    dem kann ich nur voll zustimmen, dass ist genau meine Meinung.

    Zur Ankündigung habe ich mir auch einiges erhofft, jedoch muss man doch ehh z.Z darauf hinweisen das die ARM-Prozessoren in jeder Generation solche Leistungssprünge machen das der Tegra 3 mit der nächsten Tablet Gen. veraltet sein wird.

    Ich könnte mir die Konsole immernoch als praktischer Emulator für ältere Konsolen Titel vorstellen. Natürlich wäre da ein schlecht verarbeiteter und reagierender Controller ein K.O. Kreterium.

  4. Natürlich kann man nicht erwarten das die Konsole die “großen” ärgern kann. Ich denke aber das der Handyspiele Markt große Sprünge macht wovon die Ouyo durchaus profitieren könnte und sie dadurch auch für mich sehr Interessant wird. Was den Controller angeht muss ich voll und ganz zustimmen. Ein schlechter Pad wäre ein NoGo.

Ein Pingback

  1. [...] im Juni erscheinen. Ja, Ouya besitzt noch keine finale Betriebssoftware, wodurch sich manche erste Testberichte relativieren. Freilich, auch ich bin skeptisch und warte geduldig auf mein Exemplar – aber im [...]

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