Kinect for Windows SDK 1.7:
Microsoft hat die Zukunft in der Hand

Tatschen oder Winken? Wenn es darum geht, wie wir künftig Computer bedienen, konkurrieren derzeit mehrere Ideen und Produkte um die besten Plätze. Mittendrin: Microsoft Kinect. Zwei sinnvollen Erweiterungen des Entwicklerkits von Kinect for Windows zeigte das Unternehmen jetzt in San Francisco.

Gesten wie eine geballte Faust, um Gegenstände "anzufassen" und zu bewegen, sind nun Teil des SDK.

Gesten wie eine geballte Faust, um Gegenstände “anzufassen” und zu bewegen, sind nun Teil des SDK.

“Minority Report” dürfte zu den einflussreichsten Filmen gehören, wenn es darum geht, wie wir uns die Bedienung von Computern in der Zukunft vorstellen. Kein Wunder: Die futuristische Benutzeroberfläche, die auf zahlreiche Handgesten reagiert, wurde von Fachleuten erdacht und inzwischen haben dieselben Personen eine passende Firma dazu gegründet. Viele andere versuchen ebenfalls, diese Zukunft in unsere Gegenwart zu holen. Man denke an den Leap Motion Controller, das Myo Armband oder auch die etwas unelegante Gesture Glove Mouse. Ganz vorn dabei: Microsoft mit Kinect. Und das Unternehmen lässt keinen Zweifel daran, dass sie (auch) auf Kinect setzen, wenn es um die Zukunft von Windows geht. Vor gut einem Jahr hatten sie das SDK von Kinect for Windows veröffentlicht und nun wurde es um zwei interessante Features ergänzt.

Microsoft Kinect for Windows auf der Engadget Expand
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Der Nutzer muss die Hand nicht weit ausstrecken, um das System zu bedienen.Gesten wie eine geballte Faust, um Gegenstände "anzufassen" und zu bewegen, sind nun Teil des SDK.kinect-windows-sdk-expand-11kinect-windows-sdk-expand-12

“Fusion” und “Interactions”: Kinect als 3D-Scanner und mit komplexeren Gesten

Auf der Konferenz Engadget Expand hier in San Francisco zeigte Bob Heddle, Director von Kinect for Windows, die beiden Neuerungen des Entwicklerkits, die ab sofort in der aktuellen Version 1.7 zur Verfügung stehen.

Kinect Fusion dürfte dabei vor allem 3D-Interessierte ansprechen. Darüber kann man nun seine Kinect-Kamera nutzen, um Objekte oder auch Personen dreidimensional einzuscannen. Auf der Bühne wurde dazu Moderator Tim Stevens von Engadget eingescannt. Über die Qualität der Daten kann man ohne eigene Tests natürlich nichts sagen. Die vergleichsweise günstige Kinect-Hardware auch für solche Zwecke zu nutzen, erscheint aber auf jeden Fall spannend.

Bei Kinect Interactions wiederum geht es darum, Elemente einer Benutzeroberfläche mit Handgesten zu steuern. Dazu gehört die Möglichkeit, Buttons zu “klicken” sowie Dinge festzuhalten und zu bewegen. Bislang mussten Entwickler solche Funktionen selbst integrieren. Das kostete nicht nur viel Zeit, sondern sorgte auch für uneinheitliche Lösungen. Nun haben sie passende Elemente im Kinect-SDK dafür.

Wie sich gezeigt hat, wird Kinect for Windows offenbar vielseitiger eingesetzt, als Microsoft zunächst vermutet hatte. Entwickler wollen dabei oftmals komplexere Benutzeroberflächen umsetzen, als sie bislang vom Kinect-SDK vorgesehen waren. Wenn man so will, emanzipiert sich die Windows-Version von Kinect damit von der Xbox-Version. Während es auf der Xbox naturgemäß ums Spielen geht, denkt Microsoft bei der Windows-Version vor allem an Business-Anwendungen beispielsweise in Ladengeschäften.

Kinect Interactions in der Livedemo

Auf der Bühne der Engadget Expand führten sie das System anhand eines fiktiven Kiosk-Systems vor. Solange Kinect keinen Nutzer im Sichtfeld hatte, wurde in dem Beispiel schlichtweg eine Diashow abgespielt. Das könnte im realen Einsatz ein Promovideo oder eine Werbung sein. Wurde eine Person erkannt, wechselte das System in eine andere Ansicht und stellte die Person als Umriss dar. Hebt man eine Hand, wird diese als Signal erkannt. Kinect unterscheidet dabei Rechts- und Linkshänder und blendet eine passende Mauszeiger-Hand auf dem Display ein.

Für das Äquivalent zu “drag and drop” ballt man die Hand zur Faust, um das Objekt sozusagen zu greifen. Im Beispiel wurde damit eine Weltkarte verschoben oder ein Artikeltext gescrollt.

Tritt eine zweite Person ins Sichtfeld von Kinect, wird diese erkannt, aber solange die erste Person mit dem System interagiert, kann diese nicht dazwischenfunken. Erst wenn man die Hand senkt, kann die zweite Person übernehmen.

Zeichensprache als Vorbild der Entwickler

Der Nutzer muss die Hand nicht weit ausstrecken, um das System zu bedienen.

Der Nutzer muss die Hand nicht weit ausstrecken, um das System zu bedienen.

Im Gegensatz zum Herumwedeln des Tom Cruise in “Minority Report” sind die Gesten dabei bei weitem nicht so raumgreifend. Man habe sich daran orientiert, in welcher Armhaltung Zeichensprache genutzt wird, erklärte Bob Heddle. Das stelle sicher, dass man auch über längere Zeit ohne Ermüdung das System nutzen könne. Tausende Stunden Usability-Tests seien in die Entwicklung geflossen.

Zu der Frage, in welcher Form man Kinect in einer künftigen Version von Windows erwarten könne, gab es wenig überraschend keine genauen Angaben. Dass Microsoft in diese Richtung forscht, dürfte aber klar sein.

Noch ist die Kinect-Kamera ein großes und klobiges Zubehör. Ein paar Jahre weitergedacht, könnte man sie sich im Laptop-Deckel vorstellen.

Und wie Jürgen gerade kürzlich über Kinect schrieb, will Microsoft demnächst auch einzelne Finger präzise erkennen können.

Mit der “Modern UI” von Windows 8 ist Microsoft derweil nicht nur auf Touch, sondern auch auf eine Gestensteuerung vorbereitet. Während ich Touchscreens in Laptops noch immer für ein seltsames und unbequemes Feature halte, wäre ich für eine Gestensteuerung à la Kinect sofort zu haben. Das scheint mir einfach viel besser zu passen. Mit einer lässigen Handgeste durch Artikel und Feeds scrollen? Gerne. Auf meinem Laptop-Screen rumfingern? Weniger.

Touch für Tablets und Gesten für Laptops – so würde aus meiner Sicht ein Schuh draus. Und da hat dann Microsoft wieder einige Trümpfe in der Hand.

Weiterlesen zum Thema

Video: Kinect for Windows auf der Engadget Expand

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Leitender Redakteur von neuerdings.com und Autor auf netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

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