Was fehlt:
Warum gibt es bei Smartphones keinen Hardware-Konfigurator?

Wer sich ein Laptop kauft, kann sich nicht nur zwischen verschiedenen Display-Größen entscheiden, sondern auch beim RAM, dem Massenspeicher, der Auflösung, dem Prozessor… Bei Smartphones gibt es das hingegen nicht. Warum eigentlich?

Friss oder stirb: Das aktuelle iPhone gibt es in zwei Farben und drei Speichervarianten. Das war's.

Friss oder stirb: Das aktuelle iPhone gibt es in zwei Farben und drei Speichervarianten. Das war's.

Einer der Erfolgsfaktoren des iPhones ist wahrscheinlich die Schlichtheit und Einfachheit des Angebots. Wer sich für ein iPhone interessiert, bekommt exakt ein aktuelles Modell in zwei Farben und drei verschiedenen Speichervarianten angeboten. Wer nicht so viel für sein iPhone ausgeben will, kann sich zwischen den beiden Vorgängern unterscheiden, die es in zwei Farben und in jeweils einer einzigen Konfiguration gibt.

Und, ja: Das ist durchaus eine bewährte und gangbare Strategie. Apple hält die Varianten klein und kann seine Bauteile dadurch in riesigen Mengen einkaufen und muss die Fertigungsstraßen nicht laufend umstellen. So mancher Interessent ist vielleicht sogar eher erleichtert, dass man sich nicht tagelang durch Vergleichstabellen für technische Daten wühlen muss. Was aber ist mit solchen Kunden, die sehr genau wissen, was sie brauchen und was sie nicht brauchen?

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Die-Samsung-Galaxy-Familie

Wer etwas mehr Auswahl haben möchte, schaut sich bei Windows Phone um. Hier begrenzt Microsoft zwar die Vielfalt, aber es gibt immerhin mehrere Hersteller. Und wer das vollkommene Auswahl-Dilemma haben möchte, wirft einen Blick auf Android. Neulich erst hat Kollegin Ricarda die Samsung Galaxy Familie vorgestellt. Und seitdem sind schon wieder einige neue Varianten auf den Markt gekommen. Man hat das Gefühl, bei Samsung sei da ein Zufallsgenerator am Werk, der jede Woche ein neues Gerät ausspuckt, das Samsung dann mal versuchsweise auf den Markt wirft und hofft, dass es jemand haben will.

Was aber bei allen fehlt, ist eine Sache, die wir bestens von Desktop- und Laptop-PCs kennen: der Hardware-Konfigurator.

Denn wer sich schon einmal auf die Suche nach einem Smartphone begeben hat, der weiß doch eines: Das perfekte Gerät gibt es nirgends. Immer ist irgendwas. Wenn das Display gut ist, ist die Kamera schlecht. Wenn Display und Kamera gut sind, kann man den Akku vergessen. Ist der Akku gut, ist der Prozessor lahm. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Hersteller wie Samsung, HTC oder Sony versuchen es mit diversen Modellreihen, die man in Einsteiger, Mittelklasse und High-End einteilen kann. Was aber macht man, wenn man einfach eine richtig gute Kamera haben will, einem der Rest des Smartphones aber egal ist? Dann hat man praktisch keine Chance oder kann nur darauf hoffen, dass irgendein Hersteller an diese Kombination denkt.

Bei Samsung scheint manchmal ein Zufallsgenerator am Werk, der aufs Geratewohl Modelle produziert.

Bei Samsung scheint manchmal ein Zufallsgenerator am Werk, der aufs Geratewohl Modelle produziert.

Natürlich ist es eine Herausforderung, einen solchen Hardware-Konfigurator anbieten zu wollen. Aber letztlich ist es das bei PCs ja auch. Nutzer werden dann nicht jede Komponente mit jeder anderen kombinieren können. Aber zumindest hätte man eine Chance, auf das Gerät Einfluss zu nehmen. Und vor allem müsste man sich nicht bei jedem Hersteller durch irre lange Listen von Modellvarianten wühlen, nur um herauszufinden, welche denn den eigenen Bedürfnissen am nächsten kommt.

Vor einigen Jahren waren Handys vielleicht noch Nebenbei-Geräte, bei denen man sich alle paar Jahre etwas Neues ausgesucht hat – ein wenig wie bei Toastern oder Kaffeemaschinen. Man sucht sich aus, was halt am besten passt.

Heutige Smartphones aber sind kleine Computer in der Hosentasche und können je nach Nutzer zahlreiche Aufgaben erfüllen. Anstatt den Markt mit einer undurchschaubaren Modellvielfalt zu übrschwemmen, wäre ein Hardware-Konfigurator doch eine viel sinnvollere Idee. Schließlich ist es für ein Unternehmen wie Samsung heute ebenfalls nicht gerade billig und zielführend, zahlreiche Größen, Formen und Featuresets anzubieten.

Aus meiner Sicht wäre das der perfekte Gegenentwurf zu Apples iPhone-Strategie. Es gäbe dann zwei oder drei Geräteklassen, bei denen man Display-Auflösung, Kamera, Prozessor und andere Eckdaten selbst festlegen könnte.

Und wer das alles nicht will, kauft sich halt die empfohlene Konfiguration.

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Leitender Redakteur von neuerdings.com und Autor auf netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

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8 Kommentare

  1. Ganz schlimm ist es, dass es keine Smartphones ohne Kamera gibt, ich darf beruflich nur kamerafreie Handies benutzen. Jetzt werden schon Rentnertelefone ausgegeben :(

    • > nur kamerafreie Handies

      Wenn schon dieses Unwort, dann aber richtig: Handys.
      Es heisst ja auch Babys, Partys und Hobbys. Wir sind hier in Deutschland und nicht in England!

  2. Das wäre eine Spitzenidee aber ich zweifel daran das sie Umsetzbar ist. Wo bei einen Rechner Ram oder CPU einfach ausgetauscht werden kann gestaltet sich das bei einen Smartphone doch etwas komplizierter. Die Teile am Rechnung sind dafür gefertig um sie tauschen zu können. Beim Smartphone werden diese Elemente auf die Platine gelötet und sind somit fest verankert. Wie gesagt, die Idee ist klasse und ich bin sehr dafür aber sie ist meiner Meinung nach nicht Realisierbar.

  3. Vor Allem, warum ?
    Apple stand schon immer Garant für einfache Handhabung und ,,Nichtbastler”.

    Wäre dies so, müsste ich mir darüber Gedanken machen welche App welche Ressourcen benötigt. Nutze ich GPS, benötige ich ein Retina Display, stärkere Akkukapatzitäten oder doch ein 5″ Display, etc.

    Nein, ich möchte dass die Masse genau das System nutzt welches ich nutze. So entstehen auch weiterhin Shops welche Alle gleichermaßen nutzen können. Ich möchte mich auch nicht alle 2 Jahre neu einstellen müssen.

    LG
    Flo

  4. Eine wirklich interessante Überlegung, an die ich bisher so noch garnicht gedacht habe.

    Allerdings ist die aktuelle Situation bei genauerer Betrachtung nicht so dramatisch wie im Artikel dargestellt. Die Vielfalt an Geräten ist ohne Konfigurator nicht zwangsläufig geringer.

    Nehmen wir das populäre Beispiel Apple.
    Hier bekommt man das aktuelle iPad (ja, ich weiß, dass das kein Smartphone ist), in zwei verschiedenen Farben, mit vier verschiedenen Speichergrößen und mit oder ohne 3G. D.h. du hast hier sehr wohl die Möglichkeit das Gerät zu “konfigurieren”, wenn ich nicht über einen Konfigurator im eigentlichen Sinne.

    Schauen wir uns zum Vergleich ein aktuelles MacBok Air an. Das kann zwar auf der Seite von Apple wirklich konfiguriert werden, bietet aber dennoch keine Vielfalt. Display-Größe, Größe der Festplatte und Arbeitsspeicher. Der Rest im Apple-Konfigurator* ist lediglich Zubehör.

    Das zeigt: Das Gerät kann also auch ohne Konfigurator verschiedenen Nutzungsszenarien entsprechen. Und ein Konfigurator macht die Abstimmung auf die eigenen Bedürfnisse nicht unbedingt vielseitiger.

    Aber dennoch stimme ich dir natürlich zu. Für einige Smartphone-Hersteller (bspw. Samsung) wäre das evtl. eine innovative Lösung.

    * Der eigentlich den Namen Konfigurator nicht mehr verdient, wie übrigens auch bei Dell. Siehe http://goo.gl/DiBTk

  5. Niemand bezahlt mehr Geld um weniger RAM in seinem Phone zuhaben. Dazu interessiert so etwas auch niemanden der breiten Masse

  6. Ich würde mir vor allem wünschen, dass es auch im 3,5Zoll-Bereich noch neue Highend-Telefone gibt… Nur weil ich kein Dumbo-Telefon will, heißt es ja noch lang nicht, dass ich nicht gerne eines hätte, dass nen schnellen Prozessor und ein gutes Display hat. Ich weiß momentan nicht, was meinem iPhone 4s folgen soll, wenn es denn zur Vertragsverlängerung geht….

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