Bing Now:
Vor dem Besuch eines Restaurants noch kurz den Geräuschpegel kontrollieren

Clevere Idee, die derzeit bei Microsoft Research entsteht: Bing Now kann einem Windows-Phone-Besitzer mitteilen, wie viel in einer Lokalität gerade los ist. Die App wertet dafür Audio-Signale aus, die andere Nutzer bei einem Foursquare-Checkin automatisch aufzeichnen.

Daten, die von Umgebungsgeräuschen stammen. Bilder: Microsoft

Daten, die von Umgebungsgeräuschen stammen. Bilder: Microsoft

Es ist Samstagabend. Ihr wollt ausgehen, aber euch ist eher nach gediegener Atmosphäre zu Mute? Kein Problem: Die Windows-Phone-App Bing Now kann das für euch herausfinden, auch wenn ihr noch gar nicht vor Ort seid. Wie viel ist in der Bar eures Ziel gerade los? Wie laut ist die Musik? Ist der Geräuschpegel hoch oder unterhalten sich die Gäste eher ruhig und gedämpft? Das Spiel lässt sich natürlich auch umdrehen: Wenn ihr dorthin wollt, wo richtig etwas los ist, kann euch Bing Now das ebenfalls mitteilen.

Die App wird derzeit bei Microsoft Research entwickelt und soll bereits mit einer Genauigkeit von 80 Prozent arbeiten. Das Prinzip ist einfach: Wenn ein anderer Nutzer via Foursquare in eine Lokalität eincheckt, nimmt die App für sechs bis zehn Sekunden die Umgebungsgeräusche auf. Foursquare verarbeitet die Informationen noch auf dem Smartphone und schickt sie an Bing Now. Nutzer können dann nur solche Lokalitäten in der Umgebung suchen, die dem gewünschten Lautstärkepegel entsprechen.

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Microsoft-Entwickler Dimitrios Lymberopoulos führt in diesem Video vor, wie Bing Now funktioniert:

Die Informationen für eine Echtzeitsuche heranzuziehen, wäre natürlich erst der Anfang. Man könnte die Daten über einen längeren Zeitraum auswerten und so etwa herausfinden und in Branchenverzeichnissen anzeigen, was die lauteste oder die ruhigste Bar einer Stadt ist. Der Trend, schreibt Technology Review, geht in Richtung Echtzeitsuche. Der Nutzer will aktuell vor Ort wissen, wo er hingehen kann, welches Gericht heute besonders gut schmeckt (tagesaktuelle Bewertungen), ob der Lieblingskellner Dienst schiebt oder eben, wie viel denn eigentlich vor Ort los ist. Verknüpfen ließe sich das auch mit Musikerkennungs-Tools wie Shazam, die sogar das aktuelle gespielte Lied an Bing Now schicken und damit einen Hinweis auf die aktuelle Playlist liefern könnten. Google hat mit Google Now bereits die ersten Möglichkeiten der Echtzeit-Informationen aufgezeigt. Microsoft hätte mit Bing Now und derartigen Informationen die Möglichkeit, dem etwas entgegen zu setzen.

Echtzeit und Big Data

Die Idee der Echtzeitanzeige gibt es schon länger, auch wenn sie sich bisher mangels Daten selten durchgesetzt hat. Startups wie EyeQuest oder LocalUncle versuchten und versuchen, derartige Infomationen mit Bildern oder Echtzeitchats zu liefern. Beides erfordert jedoch eine hohe Nutzerinteraktion, womit die Apps ihrer Zeit ein wenig zu weit voraus sind. Die Idee, die Stimmung nebenbei mittels Akustik zu messen, erfordert hier weniger Aufwand.

Das Problem bleibt natürlich die Praxis: Zum einen lassen sich minutenaktuelle Informationen auch mit Bing Now kaum erzielen. Die App ist darauf angewiesen, dass möglichst viele Menschen am gleichen Abend via Foursquare oder ähnlichen Apps in einer Lokalität einchecken. Tut dies keiner, wird die App in der Hinsicht unbrauchbar. Zum anderen ist oft schlechter Empfang in Lokalitäten das Problem. Bing Now würde den Versand von noch mehr Daten erfordern, was in Kellerbars schlecht funktioniert. Ich stimme deswegen Daniel Rubino von WP Central zu, dass wir die App in der Praxis wohl so schnell nicht zu sehen bekommen. Sie ist tatsächlich eher als Möglichkeitsstudie zu sehen. Und, wer weiß, eines Tages, wenn dank LTE das Überallbreitband zu erschwinglichen Preisen da ist, Smartphone-Akkus eine Woche halten und der Empfang in Gebäuden besser wird, ergeben sich vielleicht ganz neue Möglichkeiten mit Big Data.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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