Kriterien & Marktübersicht:
So findet man das passende Studiomikrofon

Wer ein Mikrofon für Aufnahmen im Homestudio oder für das Podcasting sucht, steht vor einer schwierigen Entscheidung. Schließlich gibt es unzählige Hersteller, eine noch viel unübersichtlichere Zahl von Mikrofonen und dann auch noch die unterschiedlichsten Charakteristika und Ausstattungsmerkmale. Dann stellt sich die Frage, für welchen Zweck ein Studiomikrofon besonders geeignet sein könnte – bestimmte Instrumente oder doch für die Stimme?

Marktübersicht Studiomikrofone. Bild: delamar.de

Marktübersicht Studiomikrofone. Bild: delamar.de

Dieser Post ist ein Wegweiser durch den Dschungel, der sich auftut, wenn man sich im Preisbereich bis 500 Euro umschaut – 35 Studiomikrofone in der Marktübersicht, zudem einige Anmerkungen zu den Testbedingungen und -ergebnissen sowie die grundlegenden technischen Erläuterungen.

In der Übersicht tauchen sowohl Kondensatormikrofone (am häufigsten beim Sprache, Gesang und Stimme aufnehmen verwendet) als auch dynamische und Bändchenmikrofone auf. Im Folgenden seien die drei Bauweisen kurz erläutert.

1. Kondensatormikrofone

Die Bezeichnung dieses Mikrofontyps rührt von der Verwendung eines Plattenkondensators her. Um diesen statisch zu laden, ist es nötig, eine so genannte Phantomspeisung mit 48 Volt anzulegen; diese kann in vielen Fällen an einem Audio Interface, einem Mischpult oder an sonstigen Audiogeräten zugeschaltet werden, in die das Kondensatormikrofon gesteckt wird.

Eine Unterart stellt das Röhrenmikrofon dar, in dem eine Vakuumröhre (ähnlich wie etwa bei Gitarrenverstärkern) zum Einsatz kommt, um das Signal bereits intern zu verstärken. Dafür benötigen diese Geräte zusätzlichen Strom, der über ein eigenes, externes Netzteil bereitgestellt wird.

Kondensatormikrofone reagieren empfindlicher als dynamische Mikrofone und bieten in den höheren Frequenzlagen im Allgemeinen eine sehr gute Auflösung. Im Durchschnitt sind Kondensatormikrofone auch die neutralsten, was den Frequenzgang (die Balance zwischen Bässen, Mitten und Höhen) angeht.

2. Dynamische Wandler

Diese Art von Mikrofonen wandelt den Schall mit Hilfe des Induktionsprinzips in elektrische Spannung um. Dabei treffen die Schallwellen auf die Membran, die mit einer Spule verbunden ist, die sich in einem Magnetfeld bewegt und dadurch Spannung erzeugt.

Durch das recht hohe Gewicht der Membran fällt das Impulsverhalten – die akkurate, schnell reagierende Erfassung der Dynamikunterschiede zwischen laut und leise – für gewöhnlich schlechter aus als bei den anderen Mikrofontypen. Dadurch werden die Höhen nicht so gut eingefangen – bei Stimm- und Gesangsaufnahmen im Studio nicht optimal.

Andererseits ist ein dynamisches Mikrofon durch seine Bauweise wesentlich robuster und damit für den knallharten Einsatz auf der Bühne bestens geeignet. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass ein dynamisches Mikro mit einem hohen Grenzschalldruckpegel zurechtkommt und somit auch sehr laute Signale ohne Verzerrungen aufzeichnen kann – tauglich für laute Gitarrenverstärker und Kick Drums.

3. Bändchenmikrofone

Grundsätzlich zu den dynamischen Mikrofonen zählend, wird bei Bändchenmikrofonen statt einer Schwingspule ein gefaltetes Aluminiumbändchen eingesetzt, um den eintreffenden Schall in elektrische Signale zu wandeln. Das Ergebnis ist ein verbessertes Impulsverhalten.

Diese Mikrofone liefern einen eher sanften und warmen Sound mit etwas verminderten Höhen. Ein guter Vorverstärker mit geringem Eigenrauschen sollte genutzt werden, um die relativ geringe Spannung zu verstärken, die ein Bändchenmikro erzeugen kann.

Richtcharkateristik

Die Richtcharakteristik eines Mikrofons gibt an, aus welcher Richtung der Schall in welcher Intenstität aufgenommen werden kann. Anders gesagt: wie empfindlich das Mikro gegenüber der Schallquelle aus einem bestimmten Winkel ist.

Bei der oft eingesetzten Charakteristik “Niere” nimmt das Mikrofon den Schall am stärksten von vorne auf, während die Empfindlichkeit gegenüber den seitlich auftreffenden Klängen niedriger und den von hinten auftreffenden fast nicht mehr existent ist. Bei den Charakteristika “Hyperniere” und “Superniere” ist dieser Effekt noch stärker ausgeprägt. Bei der Richtcharakteristik “Kugel” nimmt das Mikrofon rundherum gleichstark auf, während bei der “Acht” der vordere und hintere Schall sehr gut, der seitlich aber kaum registriert wird.

Manche Mikrofone – darunter auch einige in der Marktübersicht weiter unten – können in mehreren Richtcharakteristika betrieben werden, dabei muss lediglich ein kleiner Mehrweg-Schalter betätigt werden.

Marktübersicht

Soweit zu den wichtigsten technischen Merkmalen von Mikrofonen. Es folgen allgemeine Erkenntnisse aus der Gegenüberstellung der 35 Mikrofone und die großen Tabellen der Marktübersicht selbst.

Zunächst ist festzustellen, dass alle getesteten Mikrofone gut genug geeignet sind, um Gesang oder Sprache aufzunehmen. Einige sind jedoch in mindestens genauso hohem Maße tauglich, den Klang gewisser Instrumententypen einzufangen – in der Tabelle sind bei jedem Mikrofon die empfohlenen Anwendungsgebiete verzeichnet.

Alle Mikrofone wurden im selben Raum unter identischen raumakustischen Bedingungen getestet. Bei der Einordnung der Klangqualität insgesamt sowie der bevorzugten Einsatzgebiete – Vocals und/oder gewisse Instrumente – schwingt stets eine gewisse Portion Subjektivität mit, eine rein wissenschaftlich-trockene Analyse ist auch gar nicht möglich. Wer die Messwerte studieren möchte, kann auch das in der Tabelle tun.

Tabellarische Ansicht 01

Tabellarische Ansicht 01

Diese Tabelle in Originalgröße auf delamar.de…

Grundsätzlich ist zu beachten, dass erst eine passende Kombination aus Stimme und Mikrofon eine gute Aufnahme möglich macht. Ein Mikro, das zu der Stimme von Sänger A wie die Faust aufs Auge passt, klingt bei Sänger B möglicherweise enttäuschend.

In der Zeile “Verarbeitung” ist eine Auszeichnung in Form eines Sternchens zu sehen, wenn es sich bei dem Mikrofon um ein besonders robustes, straßentaugliches Modell handelt. Die übrigen Geräte sind als mindestens befriedigend verarbeitet zu bezeichnen.

Abschließend noch der Tipp, ein Probehören zu veranstalten – vorzugsweise ein vergleichendes mit mehreren Kandidaten. Dazu kann man sich Mikrofone bei vielen Fachhändlern für etwa einen Monat ausleihen und intensiv testen.

Tabellarische Ansicht 02

Tabellarische Ansicht 02

Diese Tabelle in Originalgröße auf delamar.de…

Mehr Informationen im delamar Homerecording Special

Noch mehr Tipps und Hinweise gibt es im delamar Special “Musik selber machen“, aus dem auch dieser Artikel stammt.

Dort finden sich weitere Artikel und Workshops für Interessierte und Einsteiger sowie eine Marktübersicht zu Audio Interfaces aus dem unteren Preissegment. Das gesamte delamar Special kann kostenlos online gelesen oder als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

 

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Ein Kommentar

  1. Da hat man es mal wieder. Lieber etwas mehr bezahlen, um langfristig Freude an der Qualität zu haben.

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