Nokia Lumia 620 im Test:
Das Gemütliche

Nokia bietet ein solides Einstiegsgerät in die Windows-Phone-Welt: das Lumia 620. Das hat eigentlich alles, was ein Smartphone braucht. Geschwindigkeitsrekorde stellt es nicht auf, aber das ist für die Zielgruppe vielleicht auch nicht so wichtig.

Lumia 620 im Test

Neulich im Bus kam ich mit einem vielleicht 10-jährigen Jungen ins Gespräch, der ein altes Samsung-Smartphone dabei hatte. Sein erstes, natürlich. Er zeigte mir seine Lieblings-Apps, fragte nach meinen. Ich war schon erstaunt, als ich sein Uralt-Telefon sah: die sehr schlechte Auflösung, die pixelige Darstellung, das klobige Gehäuse. Es hat sich doch einiges getan in den vergangenen Jahren, auch bei den Einstiegsgeräten.

Zu den besseren dieser Kategorie muss man das Nokia Lumia 620 zählen. Was mir an dem Gerät wohl besonders in Erinnerung bleiben wird: seine stoische Ruhe. Weckt man es aus dem Standby-Modus auf, lässt es sich Zeit – selten zu viel, aber immer einen kleinen Augenblick, als wolle es dem Benutzer raten, es etwas ruhiger angehen zu lassen. Pflichtschuldig seine Arbeit verrichtet es dann doch; nur mit der Geschwindigkeit von Nokias Spitzenmodell Lumia 920 halten Prozessor (immerhin ein Snapdragon S4 mit 2x 1,0 GHz) und Grafikchip des Lumia 620 nicht mit. Ansonsten halten sich die Nachteile in Grenzen.

Lumia 620 - Nokias Einsteiger-Smartphone
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Lumia 620 Gehäuse


Schon die Inbetriebnehme macht mehr Spaß als bei anderen Smartphones: Der solide verarbeitete Gehäuserücken aus Polycarbonat lässt sich abnehmen, indem man mit dem Zeigefinger auf das Kameragehäuse drückt und die Rückwand dabei festhält. Im Innenleben des Phones lässt sich in einer kleinen Halterung eine Micro-SD-Karte (bis 64 GB) einführen, unter den herausnehmbaren Akku legt man die Micro-SIM-Karte ein. Interessant dabei zu sehen: Der Kopfhöreranschluss ist eigentlich Teil des Gehäuserückens. Hier könnte sich bei langer Nutzung eine mögliche Schwachstelle ergeben. Augenscheinlich eine Schwachstelle nach zwei Wochen Test: Die Oberschale schließt nicht bündig mit dem Gerät ab. Zwischen Display und Oberschale bleibt eine kleine Rille, in der sich Staub fängt.

Zwiegespalten bin ich beim Lautsprecher. Der spielte Songs in mittlerer Lautstärke zwar tadellos ab und erzeugte genug Klang, um ein Zimmer zu beschallen, gab allerdings beim Weckruf nicht einmal den Originalton “Nokia Clock” flüssig wieder. Vielleicht kann HTCs Beispiel mit dem One hier Schule machen, Stereo-Lautsprecher einzusetzen und sie an der Vorderseite des Phones unterzubringen. Ein Schwachpunkt im Lumia 620 ist auch die Frontkamera. Bilder sehen arg pixelig aus, man sieht der Kamera an, dass sie nur eine VGA-Auflösung (0,3 Megapixel) hat. Immerhin: es gibt eine, und man kann mit ihr im Notfall Videotelefonate führen. Die wenigsten Phones in der Preisklasse haben überhaupt eine Frontkamera.

Ungewöhnlich, aber praktisch: Der Gehäuse öffnet man mit einem Druck auf das Kameragehäuse.

Durchschnitt+

Die Hauptkamera mit 5 Megapixeln und Autofokus ist nicht unbedingt ein Wunder an Farbtiefe, macht aber für die Preisklasse gute Fotos und Videos. Auch bei schlechten Lichtverhältnissen schlug sie sich erstaunlich gut. Die eingebaute LED-Lampe leuchtet das Objekt zuvor aus und schießt dann auch ohne Blitzlicht überdurchschnittlich helle Fotos. Ein dicker Pluspunkt ist auch das Display. 800 mal 480 Pixel Auflösung klingt nach wenig, reicht aber für die 3,8 Zoll aus. Farbtreue und Helligkeit sind enorm. Allenfalls die auch hier etwas langsame Reaktionszeit ist dem Gerät ein wenig abträglich. Wie alle Geräte der aktuellen Lumia-Serie lässt sich auch das Display des 620 mit Handschuhen bedienen.

Der Akku fasst zwar nur 1.300 mAh – andere Smartphones haben mittlerweile die doppelte Ladekapazität. Er fiel aber trotzdem weder positiv noch negativ auf. Durchschnitt. Mit 11 Millimetern ist das Lumia 620 nicht das dünnste seiner Art – Durchschnitt – und auch das Gewicht mit 127 Gramm liegt für die Größe im Mittel. Durchschnittlich sind Prozessor, Hauptkamera und Display-Auflösung. Gehäuse, Farbtiefe und Lichtstärke des Displays dürften die Pluspunkte sein. NFC ist drin, LTE nicht, dafür aber HSPA+. Der einzige echte Ausreißer nach unten ist die Frontkamera – aber wie gesagt: andere Phones dieser Preisklasse haben gar keine.

Staubfänger: Weil eine kleine Lücke bleibt, dringt Staub in das Gehäuse ein.

Alle Apps laufen, auch wenn einige ruckeln

Das vielleicht Beste am Lumia 620: Es stehen die gleichen Services wie auch für die teureren Modelle zur Verfügung, also CityCompass, Drive + Beta, Mix Radio, Here Transit oder Foto-Apps wie Cinemagram, Kreativstudio oder Panorama. Nokia wiederholt hier den Fehler vom Vorgängermodell Lumia 610 nicht, das für einige Anwendungen zu wenig Arbeitsspeicher hatte. Beim Lumia 620 reichen die 512 MB RAM für alle Anwendungen aus. Aufwändige Apps wie die Augmented-Reality-Welt CityCompass ruckeln allerdings ein wenig.

Ich bezeichne das Lumia 620 als “das Gemütliche” unter den Smartphones. Das ist durchaus positiv gemeint. Es hat es nicht ganz so eilig, weil es das nicht nötig hat. Es ist einem irgendwie sympathisch, weil es so unaufgeregt daher kommt. Gedacht ist es für Einsteiger, die ein handliches, zuverlässiges Gerät suchen, mit dem man hin und wieder ordentliche Fotos schießen und eben alles erledigen kann, was man mit teureren Smartphones auch kann. Wer es ebenfalls nicht ganz so eilig hat, nicht zwingend das größte und schnellste Phone auf dem Markt braucht, und wer eben Windows Phone 8 möchte, dem kann ich das Lumia 620 ohne Bedenken empfehlen. Zumal es in einigen Online-Shops nur rund 250 Euro kostet. Vielerorts allerdings scheint es im Moment vergriffen zu sein. Wundert mich nicht.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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6 Kommentare

  1. Mein 620 läuft schnell und flüssig. Von Gemütlichkeit keine Spur. City lens läuft wie geschmiert. Vielleicht hängt die Geschwindigkeit mit Ihrem Provider zusammen und nicht mit dem Telefon. Viele Grüße Thomas

    • Moin. Nein, das ist nicht der Provider. Habe CityLens im WLAN und draußen auf der Straße (Congstar, D1, HSPA+-Empfang) getestet. Liegt ganz sicher am Telefon selbst. Ist aber auch nicht so, dass es besonders störend ruckelt. Es ist auch trotzdem gut benutzbar. Aber im Vergleich zum Lumia 920 ist der Unterschied schon auffällig.

  2. ich wundere mich auch ein wenig, von diesem umstand war bisher in keinem test die rede.

    grüsse, ralf

    • Ich kann das “gemütliche” Verhalten bestätigen. Meine Frau hat das Lumia 620 seit dem WE und ich hatte bei der Einrichtung permanent genau diesen Eindruck. Aber nichts, was sonderlich stören würde, alles im grünen Bereich! Insgesamt ein Gerät das mir sehr gut gefällt, schlichtes Design, an WP8 muss man sich allerdings erst gewöhnen…

    • Könnte am fehlenden Gyroscope liegen das es ruckelt ;)

  3. meins ist 1 woche alt , und nein disply bleibt trotz hardware reset schwarz ( außer akku- und netztanzeige ?
    kann jemand ein tip geben ?

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