Tizen 2.0:
Ein erster Blick auf Samsungs neues Betriebssystem

Samsung und Intel wollen mit Tizen eine weitere Alternative zu etablierten mobilen Betriebssystemen auf den Markt bringen. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona gab es ein Referenzgerät zu sehen, auf dem die neue Software einen guten Eindruck machte. Samsungs Handschrift bleibt dabei unverkennbar.

Tizen 2.0 Home Screen. Bilder: Engadget, CNet, TheVerge

Das Jahr der Alternativen läuft. Sailfish, Firefox OS und Ubuntu for Phones und Tablets sind bereits angekündigt, Blackberry will mit BB10 Marktanteile zurückgewinnen. Im Rennen um mobile Betriebssysteme wollen aber bald auch Intel und Samsung mit einer eigenen Lösung mitmischen: Tizen. Bereits seit anderthalb Jahren in Planung und Entwicklung war die erste Generation nicht angekommen. Tizen 2.0 allerdings (Codename “Magnolia”) gab es nun für ausgewählte Besucher in einer frühen Version auf dem Mobile World Congress zu sehen.

Tizen2_Unlock2_VergeTizen2_Vimeo_WebAppTizen2_TelefonApp_VergeTizen2_Unlock
Tizen2_Settings_VergeTizen2_TaskSwitcherTizen2_PictureViewer_CNetTizen2_Keyboard2_Verge
Tizen2_KeyboardTizen2_CameraAppTizen2_HomeTizen2_About
Tizen2_BrowserTizen2_1-1

Hinter Tizen stecken Intel und Samsung. Erstere brechen seit knapp einem Jahr mit Mühe eine Hintertür auf, um sich in die ARM-dominierte Smartphone-Welt einzuschleichen. Mit dem Motorola Razr i gelang das bisher eigentlich sehr gut und weitere Geräte sollen folgen. Und Samsung hat ohnehin Lust auf Experimente. Das eigene Nischensystem Bada, zu der Zeit längst vernachlässigt, hatte zwei Jahre nach dem Start noch höhere Marktanteile als Windows Phone. Samsungs Marketingmaschinerie hat das System befeuert. Offiziell ist es zwar noch nicht, aber Bada soll eingestellt werden, Tizen der Nachfolger sein. An Firefox OS haben die Koreaner offiziell kein Interesse. Samsung dürfte also alles Marketing für die Mobilfunksparte, was nicht Android zufällt, in Tizen stecken.

Irgendwo zwischen Bada, Android 2.1 und der Moderne

Die US-Techblogs TheVerge, CNet und Engadget haben Tizen 2.0 auf dem Mobile World Congress begutachtet. Die Bilder, die ihr oben in der Galerie seht, stammen von den drei Quellen und sind aktuell. Man sieht an vielen Stellen, dass Samsung dahinter steckt. Die virtuelle Tastatur, der Lockscreen und das Einstellungsmenü erinnern teilweise an Android, Bada und Samsungs TouchWiz-Oberfläche. Anderes wiederum, wie die Kamera-App mit zahlreichen Einstellungen, der Homescreen und das Multitasking sehen nach klugen Eigenentwicklungen aus. Bei TheVerge ist man wenig enthusiastisch, vergleicht die Oberfläche mit einer Mischung aus WebOS und – wenig schmeichelhaft – dem uralten Android 2.2/2.1. Tizen hinterlässt für mich im Hands-on-Video von Engadget allerdings einen ordentlichen ersten Eindruck:

Gute Chancen dank Samsung

Die ersten Geräte mit Tizen will Samsung irgendwann in diesem Jahr präsentieren. Laut CNet soll es dafür bereits tausende Apps geben, auch wenn nicht ganz klar ist, wo die herkommen sollen. Tizen setzt auf native Apps und Web-Apps. Den Entwickler Anomaly soll es nur zwei Stunden gekostet haben, eine Android-Anwendung auf Tizen zu portieren. Weil auch Firefox OS und Ubuntu Web-Apps unterstützen, könnten die drei Systeme sogar voneinander profitieren, weil Entwickler mit wenig Aufwand drei Systeme abdecken können. Allerdings bevorzugen Samsung und Intel auch für Tizen native Apps, die schneller laufen.

Tizens Chancen? In der Nische sieht es gut aus. Am Achtungserfolg von Bada hat sich gezeigt, dass nicht nur Bedarf für weitere Systeme da ist, sondern dass ein schwergewichtiger Hersteller zur Not auch alleine für den Erfolg sorgen kann. Samsung ist der weltgrößte Hersteller für Smartphones, der auch bei Carriern einen großen Einfluss hat. Die Position wird man nutzen, um die Plattform in den Markt zu drücken. Warum auch nicht, denn Tizen scheint ein solides System zu werden.

 

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