Coolship:
Desktop-Computer mit Android und austauschbarem Board

Auch die Chinesen versuchen sich jetzt im Crowdfunding: Die Technikschmiede FocusWill aus Shenzhen will sich die Produktion eines Desktop-Computers mit Android auf Indiegogo finanzieren lassen. Die Technik ist in der Tastatur untergebracht, das Board soll sich austauschen lassen. Das Projekt wirft die Frage auf, wie man bei Crowdfunding eigentlich Vertrauen erzeugt.

Nun ja, warum nicht. Es gibt Smartwatches mit Android, MediaCenter und auch Spielekonsolen wie die Ouya. Also warum dann nicht auch einen PC damit herausbringen? Dachten sich die findigen Köpfe von FocusWill aus der Technikhochburg Shenzhen in Südchina. Der Coolship soll im Prinzip nur aus einer Tastatur bestehen, in die die Technik integriert ist. Das Prinzip Brotkasten, wie vom C64 oder dem Amiga bekannt, nur deutlich schlanker. Schon das Finanzierungskonzept an sich stimmt allerdings skeptisch.

Coolship - Android-PC
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Zunächst sind Chinesen bislang kaum beim Thema Crowdfunding in Erscheinung getreten. In China wird heutzutage praktisch sämtliche Unterhaltungselektronik hergestellt. Immer mehr heimische Großkonzerne lösen sich von ihren Auftragfertigern in den USA, Europa, Japan, Taiwan und Südkorea. Aber, positiver ausgedrückt, als Startup-Gründer sind Chinesen bislang selten in Erscheinung getreten. Coolship scheint eins zu sein: CEO Steven Wang wirkt auf seinem Profilfoto sehr jung. Für ein Startup allerdings wundern mich der bereits für den April angekündigte Liefertermin und die geringe Finanzierungssumme, die FocusWill anstrebt: nur 10.000 US-Dollar sollen es sein. Sehr wenig für einen Hardwarehersteller, der ja für gewöhnlich teure technische Bauteile vorfinanzieren muss.

Wohl deswegen halten sich die Crowdförderer bislang vornehm zurück. Erst 885 der 10.000 gewünschten Dollar kamen zusammen, 24 Tage bleiben noch Zeit. Die technischen Eigenschaften, die FocusWill für das Coolship vorgsehen hat, klingen durchwachsen:

  • Ein nicht genauer benannter ARM-Prozessor mit 1,5 GHz Dualcore – vergleichsweise wenig Leistung für einen Desktop oder Laptop. Da haben die meisten Smartphones inzwischen mehr.
  • 1 GB DDR-RAM und 4 oder 8 GB Flashspeicher – ebenfalls sehr wenig für einen PC. Der Speicher soll sich mit einer SD-Karte aufrüsten lassen. Auch das System befindet sich – ähnlich wie beim Raspberry Pi – auf einer SD-Karte.
  • Auf Wunsch gibt es ein eigenes Coolship OS dazu, was ein angepasstes Android 4.0 mit eigener Oberfläche sein soll und laut FocusWill ein ähnliches Nutzererlebnis bieten soll wie Windows. Klingt ambitioniert, auch wenn nicht genauer beschrieben wird, an welchem Windows man sich da orientieren will.
  • Unterstützung einer 1.080p-Auflösung
  • WLAN ebenso wie ein Ethernet-Port
  • VGA- und HDMI-Ausgang, auf Wunsch sogar Betrieb auf zwei Screens gleichzeitig.
  • Aufrüstbare Hardware – man soll das ganze Board austauschen können, das in eine Handfläche passt und auf dem sich ROM und RAM befinden. So werde die Umwelt geschont. Das Gehäuse kann man immer weiter benutzen.
  • Ein integrierter Akku mit 300 mAh soll den Betrieb bei Stromausfall sichern.
  • Ebenfalls drin: Kopfhörerausgang, eingebautes Mikro, Stereo-Lautsprecher, auf Wunsch ein Mini-Touchpad.

Alle Anschlüsse des Geräts befinden sich auf der Rückseite. Etwas verwunderlich ist, dass die Beschriftung der Anschlüsse hier auf dem Kopf steht. Möglicherweise dachten die Entwickler, dass man das Coolship beim Anschließen in die Hand nimmt und dann von oben drauf schaut. Kritisch sei angemerkt, dass der Gehäuseboden nicht nach hochwertige Plastik aussieht. Das Touchpad wirkt arg klein geraten. Die Beschreibung des Projekts in holprigem Englisch, der sehr frühe Auslieferungstermin und die geringe Finanzierungssumme, die angeblich dazu verwendet werden soll, um die Massenproduktion (!) zu starten, verwundern. Von der angepassten Android-Oberfläche ist bislang ebenfalls noch kein Bild zu sehen. Und nicht zuletzt stellt sich die Frage nach der schwachen Motorisierung.

Einen Pluspunkt sammelt das Coolship-Team bei mir mit der Idee, bei Bedarf das ganze Board auszutauschen. Den Umweltaspekt kann man gelten lassen. Allerdings zeigt sich schon jetzt, dass man von der Möglichkeit recht schnell wird Gebrauch machen müssen. Denn Prozessor, RAM und Speicher entsprechen schon jetzt nicht mehr den heutigen Standards für PCs. Und dann wären da noch Kleinigkeiten wie die Frage nach der Beschriftung der Anschlüsse und der (alten) Windows-Taste auf dem Keyboard:

Dafür beginnen die Preise auch schon bei 89 US-Dollar in der Standardkonfiguration mit einem nackten Android 4.0 und angeblich kostenloser internationaler Lieferung. Für 11 Dollar mehr legt FocusWill noch eine SD-Karte mit 16 GB obendrauf. Für 119 Dollar erhält man das Coolship OS, 8 statt 4 GB Speicher und noch eine USB-Maus dazu. Für 139 Dollar fasst die mitgelieferte SD-Karte 32 statt 16 GB.

Teuer ist das eigentlich nicht, aber Zweifel bleiben. Kann das Team liefern und das wirklich schon im April, wird das etwas taugen, mag man damit arbeiten? Wir sind gespannt, wie die Aktion verläuft.

Gefunden auf Golem.de

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist freier Technikjournalist, Innovationsberater und Skeptiker.

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5 Kommentare

  1. Erinnert mich etwas an das WeTab (Pad).
    Hohe Versprechungen und wird nicht eingehalten.
    Zu leistungfähig ohne Kühler kann es auch nicht werden.

  2. Grundsätzlich ein gute Idee, einen Android PC in der Tastatur. Leider ist die Technik nicht aktuell und wie die angepasst Oberfläche aussehen soll und wie die Bedienung mit Maus und Tastatur funktionieren soll ist auch nicht klar.

  3. Na endlich, wurde auch Zeit das so ein System (hoffentlich) auf den Markt kommt. Wenns nicht klappt kommt vielleicht Apple irgendwann damit auf den Markt. Dann wirds auch gekauft.

    • Nein, von Apple kann das nicht mehr kommen. Schließlich können sie ja nun nicht mehr behaupten, dass sie die Erfinder dieses Konzepts sind, um somit fadenscheinige Patente beantragen zu können ;).

      mfg SCORPiON

  4. Mir scheint, da hat jemand gute Ideen (geklaut), aber nicht zu Ende gedacht!
    - Als Desktop-Ersatz viel zu schwach und durch falsches OS nicht wirklich nützlich – die meisten möchten ja doch aufm Desktop ihr Microsoft Office Paket nutzen.
    - Als Spiele-PC ebenfalls zu schwach
    - Als Internet-PC, evtl mit ein paar Apps, allerdings ganz nett –> Dann allerdings müsste das Ding bequem mit mir aufm Sofa liegen und das Bild möglichst kabellos auf den Fernseher kommen – das scheint mir nicht so einfach zu sein…

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