PS4:
Das bietet Sonys neue Spielkonsole

Die Gerüchte überschlugen sich die letzten Wochen, jetzt haben sie ein Ende. Die PlayStation 4 kommt, bereits Ende des Jahres. Zumindest in die Staaten. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Details über die erwartete Spielkonsole, die jetzt nur noch PS4 heißt.

Immerhin zeigte Sony den neuen Controller. (Foto: Sony)Es geht weg vom doch speziellen Cell-Prozessor der PlayStation 3, hin zur programmierfreundlichen x86-Architektur. Die PS4 erhält einen 8-Kern-Prozessor von AMD, der bisher noch nicht näher beschrieben wurde. Er erhält Unterstützung von einer AMD Radeon-GPU mit 18 Computing Units, die bis zu 1,85 TFLOPS erzielen können. Inwieweit diese Zahl zum Beispiel mit der erst kürzlich vorgestellten Nvidia-Grafikkarte GeForce GTX Titan mit 4,5 TFLOPS verglichen werden kann? Unklar.

Sowieso hielt sich Sony bei der nächtlichen und zweistündigen PS4-Präsentation mit Feinheiten zurück. Nicht einmal die Konsole selbst wurde der Öffentlichkeit gezeigt, vermutlich existiert noch kein finales Design dieser. Verraten wurde dagegen offiziell, dass ein 6-fach-Blu-ray-Laufwerk integriert wird, genauso gibt es übliche Anschlüsse wie GBit-Ethernet, WLAN, USB (3.0), Bluetooth 2.1, Analog-AV, SPDIF und HDMI-Ausgang. Ob und inwieweit die PS4 3D-Ausgabe (wahrscheinlich) und 4K oder Ultra-HD unterstützt? Keine konkreten Aussagen seitens Sony.

PS4
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Immerhin zeigte Sony den neuen Controller. (Foto: Sony)ps4-controllerps4-camera-3ps4-camera-1
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Deutlich präziser wurden die Verantwortlichen beim neuen DualShock 4-Controller. Dieser ähnelt seinen Vorgängern, bietet aber neben einem Kopfhörer-Ausgang, integrierten Lautsprechern und einem besseren Rumble-Effekt auch ein Touchpad auf der Vorderseite. Dieses wird wohl, ähnlich wie bei der PlayStation Vita (auf der Rückseite) für Berührungseingaben verwendet. Ebenso findet man auf der Gamepad-Oberseite eine LED-Leiste, die farblich leuchtet. Hier werden vermutlich bestimmte Ereignisse visuell dargestellt.

Nebenbei gab es die neue Kamera für die PS4 zu sehen. Die PlayStation 4 Eye kann bis zu 60 3D-Bilder pro Sekunde (1280 x 800 Bildpunkte) schießen und ist damit deutlich schneller aus Microsofts Kinect. Weiterhin verfügt die Cam über ein 4-Mikrofon-Array für Sprachaufnahme. Objekte können sich mindestens 30 Zentimeter vor der PS 4 Eye befinden – das dürfte ein großer Fortschritt gegenüber der Vorgänger-Kamera (in Kombination mit Move) sein.

Voll auf Social ausgelegt

Ein wichtiger Aspekt ist der sogenannte Share-Button am Controller. Auf Knopfdruck kann man während des Spielens Screenshots erstellen, Videos aufnehmen und diese mit Freunden teilen. Es ist sogar möglich, dass sie in das eigene Spiel eingreifen und bei Schwierigkeiten behilflich sind. So die Theorie. Sowieso setzt Sony gänzlich auf Vernetzung mit Leuten auf der ganzen Welt – mehr als schon die PlayStation 3: Selbsterstellte Videos veröffentlicht man über Ustream, andere Spieler kann man an eigenen Erfolgen teilhaben lassen. Die PlayStation 4 soll hierbei der „Mittelpunkt des Gaming-Ökosystems“ darstellen, so Sony. Dazu passt, dass Apps für iOS und Android geplant sind, mit denen man auf die Konsole bzw. die eigenen Nutzerdaten oder auf Spiele-Inhalte zugreifen kann.

Der Remote Play-Aspekt wird weiter ausgebaut. Zukünftig soll man im Optimalfall alle PS4-Spiele auch auf der Sony-eigenen Handheldkonsole Vita erleben können. Bereits seit PSP/PS3-Zeiten ist das in Ansätzen möglich, mehr als halbherzig konnte Sony das nie umsetzen. Jetzt soll die Vita als externer Controller und Streaming-Maschine optimal funktionieren. Vielleicht besser als bei der noch jungen Wii U?

In der Cloud

Und noch eine Besonderheit: Der im Juli 2012 gekaufte Cloudgaming-Dienst Gaikai wird mit der Spielemaschine von Sony vereint. Innerhalb von Sekunden soll man ein Spiel starten können, aus der „Wolke“ wird dieses auf den heimischen Fernseher gebracht. Entsprechende Bandbreite vorausgesetzt. Auch hier macht Sony keine Angaben, welche Internetverbindung benötigt wird. Fakt ist, dass Gaikai zum Streamen von Demos und anderen Inhalten genutzt wird, höchstwahrscheinlich auch zum Abspielen von PS1-, PS2- und PS3- Spielen. Denn abwärtskompatibel ist neueste PlayStation 4 – auch aufgrund der neuen Hardware-Architektur – nicht. Das dürfte so manchen Fan verärgern.

Apropops Wartezeiten: Ein spezieller Chip in der PS4 soll dafür sorgen, dass man nicht mehr lange warten muss, bis die Konsole einsatzbereit ist. Innerhalb kürzester Zeit wird diese aus dem Standby-Modus geholt. In diesem oder während des Spielens lädt sie auch Games und Updates herunter. Ein separater Prozessor für mögliches Patches? Das gibt einem schon etwas zu denken, könnte aber in der Praxis sinnvoll sein.

Lineup

Auf dem Pressetermin hatte Sony freilich noch allerlei Software im Angebot. Die neue Benutzeroberfläche erstrahlt in einem zeitgemäßen Glanz und erinnert sehr an den aktuellen PlayStation Store der PS3. An Spielen wird es – vermutlich schon zum Launch – Fortsetzungen der Sony-Marken Killzone („Shadow Fall“) und Infamous („Second Son“) geben, ferner auch Neuentwicklungen wie das Action-Adventure „Knack“ oder das Online-Rennspiel „Driveclub“. Dritthersteller steuern Umsetzungen bei, darunter Watch Dogs (Ubisoft), Destiny (Activision Blizzard) von den Halo-Schöpfern von Bungie oder Blizzards Diablo 3 (das auch für die PS3 erscheint). Für kleineres Aufsehen sorgte Quantic Dream mit einer neuen Engine, die Gesichter von Spielfiguren noch realistischer darstellen soll. Und Capcom hatte mit Deep Down ebenfalls ein potentielles PS4-Spektakel im Gepäck. Das eher kleine Adventure The Witness von Braid-Schöpfer überraschte dagegen ein größeres Publikum, obwohl es sich wohl letztlich um einen preisgünstigen Download-Titel handeln und weniger um einen Systemseller handeln wird.

Persönliche Meinung

Ich bin zugegeben etwas unschlüssig. Zwei Stunden benötigte Sony, um die PS4 der Öffentlichkeit zu zeigen. Viel zu lang(atmig) wurde das Gerät routiniert und gar nicht mal so aufgeregt enthüllt. Dank der Gerüchte der letzten Zeit blieb die Begeisterung aus, eher das Gegenteil war der Fall. Bei Twitter und Facebook schrieen die Profis und Early Adopters lauthals ihren Unmut aus. Es fehle Sony an frischen Ideen und Innovationen, man hätte auch nicht aus den Fehlern der PS3 gelernt. Das intensive Setzen auf Cloudgaming und Streaming, sowie der Verzicht auf eine Abwärtskompatibilität dürften auch nicht jedem munden. Denn was, wenn man keine schnelle Internetverbindung besitzt? Wie viel Spaß hat man dann mit der Konsole? Außerdem blieben so viele Fragen unbeantwortet: Erscheint die PS4 noch dieses Jahr? Bisher ist nur vom Weihnachtsgeschäft 2013 die Rede – für den US-Markt. Was sich hinter den zwei geplanten Bundles für 429 bzw. 529 Dollar verbirgt? Das wissen wohl nur ausgewählte Sony-Mitarbeiter.

Andererseits: Die PS4 wird vermutlich im November 2013 erscheinen. Bis dahin stehen noch etliche Großveranstaltungen an – von der E3, über die Tokyo Game Show bis hin zur gamescom in Köln. Es bleibt also noch viel Zeit, um das Konzept der PS4 zu finalisieren, vielleicht sogar auf die Kritik der Coregamer-Fraktion zu hören. Ich bin bis dahin skeptisch-optimistisch. Ich hatte und habe mit meinen Sony-Konsolen sehr viel Spaß, wieso sollte sich das mit der neuesten Ausgabe schlagartig ändern? Die Ideen klingen bisher gut, jetzt liegt es an dem japanischen Konzern, das Beste aus diesen zu machen und vielleicht so wieder Millionen Spieler zu begeistern. Ich kauf sie mir sowieso – das bringen Job und Verrücktheit nun einmal mit sich….

 

Sven Wernicke

Sven Wernicke hat eine Vorliebe für verspielte Gadgets, kunterbunte LEDs und Technik, die unterhalten möchte.  Wenn ihm als Freiberufler noch etwas Freizeit bleibt, bastelt er an seinen eigenen Projekten wie zum Beispiel Polygamia.de.

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8 Kommentare

  1. Guter Artikel, spiegelt auch meine verhaltene Einstellung wider.
    Meiner Meinung nach stellt sie eine gute Evolution hinsichtlich der Technik dar, jedoch mit krampfhaft anmutenden “Innovationen” (Share-Button, Touchpad).
    Die Cloud-Funktion birgt Potential, der Formfaktor der Konsole sollte am Ende aber nicht unterschätzt werden.

    Eine Frage noch: Woher kommen die Angaben zu den Preisen von 429 bzw. 529 Dollar? Ich habe diesbezüglich keine Quellen ausfindig machen können.

    • Danke. Das mit dem Preis wurde seitens Sony kommuniziert. Du kannst es auch an anderen Stellen nachlesen, z.B. Heise. Persönlich würde ich mich allerdings nicht auf diese Angaben verlassen, denn: Microsoft hat ja noch den Xbox 360-Nachfolger parat. Und ich denke, dass dies den realen, endgültigen Verkaufspreis der PS4 noch ändern könnte – nach oben oder unten. Von der 400 Euro-Preisklasse würde ich schon ausgehen..

  2. Warum wird das mit dem Streaming und Cloud so negetiv gesehen? Ich versteh es nicht ganz.

    Klar, nicht jeder hat einen Internet-Anschluss – oder zumindest keinen schnellen. Aber bis die PS4 erscheint – besonders in Deutschland – vergehen noch viiiiele Monate. Bis dahin dürfte selbst in Deutschland jeder Gamer einen schnellen Anschluss haben!
    Außerdem: Die PS4 richtet sich zuerst an den Early Adopter, also an die Techfreaks wie wir – und davon hat doch jeder einen (schnellen) Internet-Anschluß.

    Und: Internet/Streaming/Cloud ist die Zukunft (die eigentlich schon lange begonnen hat, auch wenn das viele nicht wahrhaben wollen). So wie es bei der PS3 & Xbox 360 HD-Gaming war (und die meisten zu dem Zeitpunkt noch keinen Full-HD-Fernseher hatten), ist es nun eben Cloud/Streaming.

    Also: Bis die PS4 sich im Massenmarkt etabliert hat, vergehen noch mind. 1-2 Jahre – bis dahin dürfte es selbst im kleinsten Kihdorf schnelles Internet geben!

    • Na, was heißt negativ? Du sagst es schon selbst – nicht jeder hat schnelles Internet, gerade in Deutschland ist der Ausbau vielerorts unbefriedigend. Ich wohne in einer Großstadt, in bester Lage. Ich warte seit so vielen Jahren auf 16000er-DSL oder Vergleichbares. Habe immerhin einen lokalen Anbieter gefunden, der mir über Funk 6000er zu einem bezahlbaren Preis anbieten kann. Nur das ist nicht immer stabil. Sony verrät mir aber nicht, was für ne Leitung ich brauche. Reichen 6000 für HD-Streaming? Bezweifle ich persönlich schon, das schaffen ja kaum Video-Anbieter (HD-Auflösung)…

      Persönlich seh ich das alles nicht so tragisch, wenn (!) die Leitung stimmt. Und so viele Monate vergehen übrigens nicht, bis die PS4 hierzulande erscheint. Rechnen wir mal mit 9 Monaten. Bis dahin ist der Breitband-Ausbau in Deutschland fertig? :) Ich selbst kenne übrigens viele Leute, die zwar “Freaks” bzw. Early Adopters sind, aber keine so schnelle Internetleitung haben. Mich inbegriffen. :)

      Wo ich zustimmen kann: Wenn die PS4 den Massenmarkt erreicht hat, sieht es mit der Situation sicherlich besser aus (und/oder LTE ist bezahlbar). Vergessen sollte man aber nicht: Die PlayStation ist gerade hierzulande schon seit jeher ein Produkt für die Massen. Sehr viele Wenigspieler besitzen eine PlayStation..sie sind damit sozusagen aufgewachsen….

    • Ich bin vielleicht froh, das doch noch ein Laufwerk (BluRay) verbaut wurde.
      Die Cloud hat so einige Nachteile:
      - benötigt schnelle Internetverbindung
      - Vollpreisspiele sind wahrscheinlich nicht gebraucht erwerbbar bzw. verkaufbar
      - Angebote aus lokalen Shops, kann man dann wahrscheinlich auch vergessen, da die Spiele nur direkt von Sony zu erwerben sind.

  3. Stellt sich die Frage, in wie weit die Streaming/Cloud-Sachen ein MUSS sind. Denn schon deine PS3/Xbox360 besitzen einen Onlineservice – und wie oft nutzt du sie? Oder wie traurig bist du, dass du sie nicht benutzen kannst?

    Wie gesagt, warten wir’s ab, was Sony bis zum Release noch alles ankündigt, anstatt nur herumzuunken.

    Jeder erwarte von Sony etwas Revolutionäres – aber wenn sie dann mal etwas modernes Ankündigen (wie gesagt, sooooo innovativ ist Streaming/Cloud jetzt auch nicht mehr), wird gemault. Man muss ja auch bedenken, dass die PS4 für mind. 4-5 Jahre halten muss, bis Sony die nächste Konsole (wenn überhaupt) nachschiebt – da müssen sie eben der Zeit etwas voraus sein.

  4. Die grösste Innovation ist, dass man eine Wahl hat! Man kann die Onlinefunktionen nutzen, man muss aber nicht. Ich bin sehr froh das die neue PS4 mir eine Wahlmöglichkeit gibt. Mit Streaming kann ich gar nichts anfangen, wäre für mich ein Grund das Gamen aufzugeben. Ich will einfach nur gamen, Filme schauen und eine Unterstützung aller Formate. Die grösste Innovation aller Zeiten wäre, wenn man endlich fotorealistische Grafik hätte.

  5. Ich habe in einen Interview, im Zusammenhang mit der PS4 Präsentation, ein Kommentar gehört: ” … die PS4 ist eine Konsole für Entwickler …”. Was an diesem Kommentar dran ist kann ich leider nicht sagen aber ich denke, sollte es tatsächlich Wahr sein, werden uns heiße Titel mit Bombastischer Grafik erwarten und Sony würde ihren guten Ruf wiederherstellen können (für mich hat Sony nicht den besten Ruf nach den Konkurrenzkämpfen ps2 – xbox, ps3 – xbox360).

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