Die Schlacht ums Wohnzimmer:
Tablets machen Smart-TVs und Mediacenter überflüssig

So mancher rätselt noch, wer wohl die Schlacht ums Wohnzimmer gewinnt und ob es das Internet denn jemals auf den Fernseher schafft – dabei ist diese Frage schon längst geklärt. Nur fiel die Antwort anders aus, als jahrelang gedacht wurde: Tablets und Smartphones haben diese Rolle übernommen, gemeinsam mit Streamingboxen.

Airplay und Apple TV machen jeden Fernseher zum zweiten Bildschirm für iPhone und iPad.

Airplay und Apple TV machen jeden Fernseher zum zweiten Bildschirm für iPhone und iPad.

Mediacenter-PCs und das Internet auf dem Fernseher stehen schon ungefähr so lange “kurz vor dem Durchbruch” wie der sagenumwobene Internet-Kühlschrank, der abgelaufene Lebensmittel selbst nachbestellt. Und wahrscheinlich wird beide Ansätze dasselbe Schicksal ereilen: Sie werden nie mehr ihren Durchbruch erleben. Die Zeiten, in denen das hätte klappen können, sind inzwischen vorbei. Die massenhafte Verbreitung von Smartphones und Tablets macht beide auf einen Streich überflüssig. Und das sind schlechte Nachrichten für so manchen hoffnungsvollen Hersteller.

Einige Lösungen für smarte Fernseher
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Smart-TVs sind dabei durchaus in aller Munde und werden im Gegensatz zum Internet-Kühlschrank tatsächlich gekauft. Die Frage ist nur, inwiefern sie wirklich wegen ihrer smarten Fähigkeiten angeschafft werden. Journalist Richard Gutjahr zeigte vor einiger Zeit an einem Beispiel, wie viel schneller bei ihm die Kombination aus Apple-TV und iPhone im Vergleich zu seinem Smart-TV funktioniert:

Und Apple sei es auch, die die Träume von Microsoft mit der Xbox, Sony mit der PlayStation und Nintendo mit der Wii (U) zunichte machen könnte, sich jemals wie erhofft in allen Wohnzimmern zu etablieren. Das sagt nicht etwa ein Apple-Fanboy, sondern ein ehemaliger Microsoft-Ingenieur, der an der Xbox mitgearbeitet hat. Microsoft habe es nie geschafft, ein Ökosystem aufzubauen, wie es Apple mit seinem App Store gelungen sei. Und da ist etwas dran.

Bei der Spielepower sind Spielkonsolen natürlich über jeden Zweifel erhaben. Aber Spielen ist eben nicht alles, was Menschen mit ihrem Fernseher im Wohnzimmer neben Fernsehen machen wollen.

Das TV-Programm ist nur eine Funktion unter mehreren

Die Inhalte kommen heutzutage aus zahlreichen Quellen. Das klassische TV-Programm ist dabei vermehrt nur noch eine Anwendung unter mehreren – so wie das Telefonieren bei einem Smartphone. Filme und Serien kommen darüber hinaus von einem physischen Medium, werden von diversen Portalen im Web gestreamt oder liegen als Datei im heimischen Netzwerk. Einen Fernseher kann man vielleicht mit der passenden Rechenpower ausrüsten, um ihn zu einem Computer zu machen, das löst aber beispielsweise nicht das Problem der umständlichen Bedienung. Und das ist ebenfalls das Problem eines Mediacenter-PCs. Will man wirklich mit zig Knöpfen auf einer Fernbedienung herumhantieren, um sich Stück für Stück durch schier endlose Menüs zu wählen?

Das Apple-TV wiederum bietet eine stark reduzierte Oberfläche, die sich zwar mit der simplen Fernbedienung einfach nutzen lässt, aber die Möglichkeiten sind im Vergleich zu einem PC stark eingeschränkt. Auch jedes iPhone und iPad kann mehr als das Apple TV. Kein Wunder, dass in der Gerüchteküche schon lange von einem App Store für Apples kleines Fernsehkästchen die Rede ist. Das wäre nur logisch, um dessen Funktionalität zu erweitern.

Tablets und Smartphones: Bei App-Auswahl und Bedienung haushoch überlegen

Aber auch dann bleibt ein Smartphone oder Tablet der Streamingbox überlegen. Ob Android, iOS, Windows Phone oder etwas anderes: Es gibt immer zahlreiche Apps für jede Gelegenheit. Die Geräte hat man locker in der Hand und sie lassen sich leicht bedienen. Sie holen ihre Inhalte aus dem Netz oder dem lokalen Netzwerk. Im Fall des Apple-Universums kann man Inhalte per AirPlay spielend leicht vom iPhone oder iPad auf den großen Bildschirm bringen – Filme, Musik, Spiele. Das ist das, was Richard Gutjahr in seinem Video oben vorgeführt hat. Wozu braucht man da noch ein Mediacenter oder ein Smart-TV? Ähnliches hatte Google mit dem Nexus Q vor, das dann vorerst doch nicht auf den Markt kam. Sie ist gedacht als kleine Box, die am Fernseher als Gegenstück zum Android-Gerät und zum Play Store fungiert. Und man kann davon ausgehen, dass Google diese Idee in seinen Labors weiterverfolgt.

Aber es geht nicht nur um die Flexibilität bei den Inhalten: Auch das Web ist via Smartphone und Tablet während des Fernsehens jederzeit verfügbar – mit leistungsfähigen Browsern, ohne Splitscreen und mit simpler Bedienung. Und mal ehrlich: Den Twitterstream muss man nun nicht wirklich in 85 Zoll neben dem laufenden Tatort eingeblendet bekommen, den kann man doch gern in der Hand haben. Da muss man auch nichts Neues erfinden. Das ist alles schon da.

Ob der Apple-Fernseher jemals das Prototypenstadium verlässt, das er möglicherweise hat? Es stellt sich die Frage, was es Apple eigentlich bringen sollte. Sie sind mit Apple TV, iPhone und iPad schon bestens aufgestellt. Die Kombination aus Smartphone/Tablet und Streamingbox ist das, worauf all die Jahre gewartet wurde.

Welche Rolle wird die nächste Spielkonsolen-Generation haben?

Jetzt stellt sich die Frage, ob die Konsolen von Microsoft, Sony und Nintendo nicht doch noch ihren Part spielen dürfen. Wie gut die nächste Generation von Xbox und PlayStation ankommen, wird man sehen. Aber dass sie nicht mehr die Pferde sind, auf die man in Sachen Wohnzimmer-Computer wetten sollte, scheint mir eindeutig. Smartphones und Tablets sind in immer mehr Haushalten vorhanden und haben vor allem viele weitere Anwendungsfälle. Sie können dabei alles, was ein Internet-Fernseher und ein Mediacenter-PC mal können sollte.

Oder glaubt ihr, dass Mediacenter-PC, Spielkonsole und Smart-TV eine Zukunft haben, wenn es um diese Funktionen geht? Habt ihr Anwendungsfälle, bei denen euch Smartphone, Tablet und Streamingbox im Stich lassen?

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Redakteur bei netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

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14 Kommentare

  1. Auf jeden Fall !!!
    Wir nutzen ebenfalls die “Drillingsmethode”.

    -Apple-TV = HD Inhalte aus den iDevices

    -Airport-Express = Musik Inhalte für sämtliche Räume

    -T@Home – Entertain = HD Fernsehen / Aufnahmen
    Hier lässt sich der Telekom Media Receiver per iPhone von überall steuern (Programm Manager) und sogar als Touchscreen-Wischgesten Fernbedienung und oder Sprachsteuernd nutzen.
    Und das Funktioniert fast immer und ohne Zeitverzögerung, da sich im iPhone und nicht im 3 Meter entfernten TV das Mikrofon befindet.

    Wir haben die Smart-TV Funktionen noch nie genutzt. Allerdings Bekannte von uns. Die hantieren dann ewig mit Ihren Festplatten oder W-Lan Sticks hinter dem Teil rum. Und dann diese eeeewwwiiigg langsame Bedienung und grottenschlechte Auflösung (Youtube).

    Ich bin der Meinung die Kohle für diese Technik sollte IM LCD-Panel oder wahlweise aus dem Produkt rauswählbar sein.

    LG
    Flo

  2. Ich denke mit XBMC habt ihr in dem Artikel eine Größe vergessen, die einige Aussagen relativiert. Gerade mit Erscheinen der ARM-Version hält XBMC nämlich einzug auf Android-HDMI-Sticks und Minicomputern. Das Android-Tablet wird gleichzeitig zur Komfort-Fernbedienung was kaum noch Wünsche offen lässt.

    • Genau meine Meinung!

      XBMC war ein Geschenk für Android-Systeme. Bei mir läuft es zwar immernoch auf einem HTPC unter Windows, aber ein Android Stick lässt sicher nicht mehr lange auf sich warten. Allein schon des Strongverbrauchs wegen.

  3. Typisch, dass wieder nur auf Apple-Produkte verwiesen wird.
    Dass das ganze auch mit Windows oder Android möglich ist, wird mit keinem Wort erwähnt…

    Und zusammen mit meinem Panasonic Fernseher brauche ich noch nicht einmal eine Streamingbox, das macht der ganz von selbst…

    Was mich an dem ganzen aber stört ist, dass dabei natürlich der Akku sehr schnell leer wird.

    Für mich kommt daher nur ein kleiner PC mit XBMC in Frage.
    Den kann ich dann auch übers Smartphone steuern, das verbraucht dann aber deutlich weniger Akkuenergie.

    Grüße
    Jonas

    • “…Ob Android, iOS, Windows Phone oder etwas anderes: Es gibt immer zahlreiche Apps für jede Gelegenheit…”

      Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. ;-)

  4. Ok, ich muss gestehen ich kenne nur dieses.
    Ich war seit den 80ern bis 2000 Windows User.

    Ich wechselte und schwups vergass ich den Rest. Hatte keine Wertung und ich denke das dies mit Android ganz genau so gut läuft.

    Mir ging es im Grunde nur um die Systeme in den Fernsehern selbst und da kenne ich keine die rund liefen.

    LG
    Flo

  5. RaspPi + XBMC, lässt sich per Fernbedingung des Fernsehers steuern (Laut, Leiste, Start, Stop, Pause usw.)
    Musik und Filme kann ich per App oder Webseite starten.
    Youtube (in HD) gibts auch …
    Alles ohne Apple aber dank RaspPi (40,-) fürn Appel und n Ei

    • @Sascha
      Wie funktioniert denn das Steuern deines RasPis mit der Fernbedienung des Fernsehers? Laut + Leise leuchtet mir noch ein, aber Start Stopp usw?
      Gruß,
      Thorsten

  6. Klingt alles sehr einseitig. Ich habe inzwischen 2 (!) Samsung Smart TVs, auch den Apple Player und Google TV installiert. Welchen Mehrwert Apple liefern soll, verstehe ich bis heute nicht. Das kriegt man auch überall im Smart TV – bei mir ohne lästiges buffern. Bei einem ganz normalen ISDN/DSL Anschluss.

    Wir können ja mal das nächste Formal 1 Rennen oder Fußball-Deutschland-Spiel parallel auf Tablets und im TV schauen. Oder andere Programme. Wo schaut man “Fernsehen” wohl lieber?

  7. Ich habe seit 2005 keinen klassischen Fernseher mehr, sondern ein MediaCenter. Erst MCE, dann MediaPortal.
    Habe zur Zeit einen zentralen TV-Server (der alles streamt oder aufnimmt, was über SAT reinkommt) und drei Clients laufen. Die müssen zur Zeit leider alle Windows-basiert sein. Aber im Wohnzimmer habe ich damit einen updatefähigen, massiv individualisierbaren Streaming-Client für Audio, HD-Video und -TV und integriertem BluRay-Player. Eine Android-App gibt es dafür auch.
    Demnächst kommt noch ein Android-Tablet dazu, das auf den gleichen lokalen Server zugreifen wird – über XBMC (kann seit neuestem mit MediaPortal).

    Das Tablet macht für mich SmartTV schon überflüssig – SmartTV ist einfach ein lahmer, proprietärer und benutzerunfreundlicher Mist. Gegen ein gutes MediaCenter kommen Tablets aber bei weitem nicht an – müssen sie aber auch nicht, denn sie sind als ein weiterer Client bzw. Controller leicht in die Infrastruktur integrierbar.

  8. Ich habe einen Samsung LEDTV mit echt netten Internetfunktionen. Es lassen sich alle möglichen Apps installieren, die bisher alle recht gut funktionieren. Für die Texteingabe verbinde ich dann aber doch lieber das Androidphone per WLAN – auch das geht problemlos.
    Ansonsten ist Samsung SmartTV eine recht gute Standalone-Variante.

  9. Ok, ok. Jetzt dürfen wir natürlich nicht vergessen, dass viele einen Haufen Geld in Ihre Smart TV`s investiert haben.

    Man müsste über seinen Schatten springen um zu reflektieren eine Apple-TV für € 99.- hätte einen grösseren Mehrwert.

    Wir diskutierten damals an der Uni über ein Phänomen welches sich ,,Kognitive Dissonanz” schimpfte. Ist recht interessant und Unterhaltsam.

    LG
    Flo

  10. Aus meiner Sicht sind die Smart-TV-Funktionen wie HD-Text oder im Internet surfen überflüssig. Die Bedienung ist zu unkomfortabel.
    Second Screens wie Smartphones oder Tablets gehört hier die Zukunft. Was nicht heißt, dass die Fernseher überflüssig werden. Sie sind der first Screen, auf dem ich Filme, Serien etc. konsumiere. Wenn ich Kommentare abgeben will oder Zusatzinfos brauche, nehme ich mein Tablet oder Smartphone und hol sie mir darauf.

    Bei entsprechender Geschwindigkeit könnte aus meiner Sicht nur das Thema integrierte Sender-Mediathek interessant sein – nach aktuellem Stand ist sie das aber nicht.

  11. Tatsächlich ist auch für mich das Apple-TV die erste (preisgünstige) Streaming-Box ,die einigermassen in die richtige Richtung geht.
    - Filme darüber bei itunes kaufen funktioniert erstaunlich gut
    - vom ipad per Airplay Inhalte auf den Fernseher senden läuft oft gut, z.T. auch von Apps (ZDF Mediathek –> TV)
    - Musik vom iphone über das Apple-TV auf die Hifi Anlage im Wohnzimer senden ist fast stabil (ohne den TV anzuhaben! Apple-TV –> optisches Kabel –> Hifi)
    - die Remote-App dient als Fernbedienung für alle öffentlichen itunes-Mediatheken –> Hifi-Anlage oder TV

    Das klappt schon ganz gut! Und da habe ich für diverse Philipps/Steamium/Rombas/…. Hardware schon ein vielfaches ausgegeben und bin schneller gescheitert… Oder es war extrem hakelig….

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