RobotCar:
Steuerung für selbstfahrende Autos soll nur 115 Euro kosten

Forscher der Universität Cambridge arbeiten an einer massentauglichen Steuerung für ein selbstfahrendes Auto. Gelingt die Fertigung mit einfachen Bauteilen, soll die Steuerung später nur 115 Euro kosten.

RobotCar: Foto: Department of Engineering Science, Uni Oxford

Google weist von Zeit zu Zeit gerne auf sein “Self-driving Car Project” hin. Es meisterte 500.000 Kilometer in einem Lexus RX450h unfallfrei. Bis eine solche Steuerung aber derart ausgereift ist, dass wir sie in unserem Auto einbauen oder einen Neuwagen damit werden kaufen können, wird noch einige Zeit vergehen. Klar ist natürlich, dass nicht nur Google an etwas derartigem arbeitet. Auf der CES in Las Vegas im Januar zeigten etwa auch Audi und Toyota erste Prototypen ihrer selbstfahrenden Autos. Und nun wollen auch Forscher der Universität Oxford mitmischen: Ihre Steuerung für das RobotCar soll nach Ende der Entwicklung später nur 115 Euro kosten. Werden Steuerungen für selbstfahrende Autos dann so billig und zahlreich wie heute Navis?

Robotcar - selbst fahrendes Auto
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Die Forschungsgruppe der Universität Oxford hat sich gleich zwei Ziele gesetzt: ein natürlich unfallfrei funktionierendes Roboterauto und einen Preis, der massentauglich ist. Das Sensorik-System, das sie heute verwenden, kostet derzeit noch fast 6.000 Euro. Die Forscher wollen aber versuchen, die Technik auch mit billigeren Bauteilen zum Laufen zu bekommen. Bisher verstehen die britischen Forscher das System in einem Nissan Leaf nur als Unterstützung: Es muss eingelernt werden, erkennt einmal gefahrene Strecken wieder und fragt, ob es übernehmen soll. Erkennt das Robotcar Personen oder andere Hindernisse auf der Strecke, verringert es selbständig die Geschwindigkeit oder bremst ab. Je länger man damit fährt, desto besser wird das System. BBC-Reporter sind bereits mit dem Robotcar gefahren und haben die Testfahrt gefilmt:

Was die Forscher zeigen, ist eine Mischung aus Bremsassistent und Autopilot. Sich ganz zurücklehnen und das Auto für sich in den Urlaub fahren lassen, geht nicht, da RobotCar die Strecken nicht kennt und weder GPS noch Kartenmaterial verwendet. Es kann nur auf solchen Strecken selbst fahren, die es schon abgetastet und gespeichert hat und für sicher erachtet, etwa, weil dort selten viel Verkehr herrscht. In allen anderen Fällen muss der Fahrer selbst fahren. Immerhin soll das RobotCar bei Nacht und Regen funktionieren, auch Stop and Go im Berufsverkehr hat es im Test bereits gemeistert. Erst in nächsten Entwicklungsschritten könnte das RobotCar Daten von vorbeifahrenden RobotCars beziehen und mit diesen abgleichen, um den Datenbestand selbständig zu erweitern. Dies könnte über Mobilfunknetze geschehen.

Kontrolle ist notwendig

Das RobotCar funktioniert derzeit über ein iPad, das dem Auto als Fahrerkonsole dient. Es kommuniziert mit 3D-Lasern und Stereokameras außen, die den Verkehr überwachen. Getestet wurde es bislang mit Geschwindigkeiten bis 40 Meilen pro Stunde (64 km/h). Professor Paul Newman von der Oxford Universität sagte dem Guardian, er erwarte, dass selbstfahrende Autos wie Robotcar in 15 Jahren zum Standard-Repertoire für Autos gehören, ähnlich wie heute Navis, und dann auch zu einem ähnlichen Preis zu haben sein werden.

Trotz der erweiterten Technik bleibe ich (und ich wette: ihr auch) erst einmal skeptisch. Sich von einem selbstfahrenden Auto chauffieren lassen, könnte ich nicht, ohne beide Hände am Steuer zu lassen und die Augen stets auf die Straße zu richten. Auch beim RobotCar bringt alle Robotik nichts, wenn man dem System nicht vertrauen kann und es die ganze Zeit kontrollieren muss. Für besser halte ich deswegen noch automatische Bremssysteme, die den Verkehr zusätzlich überwachen, wenn man selbst fährt, und im Notfall eingreifen. Rechnet aber damit, dass im Laufe eures Lebens die Mehrheit der Autos von selbst fahren wird und ihr den Robotautos auch irgendwann vertrauen werdet.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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3 Kommentare

  1. Wie funktionieren solche Systeme, wenn sie mal 10-15 Jahre alt sind? Kann/will man sich noch auf sie verlassen, wenn sie ins alter kommen?

    Ich fahre im Moment mit viel Liebe ein Auto, das dieses Jahr 50 Jahre alt wird. Solche haltbaren (auch weil simplen) Autos werden heute nicht mehr produziert …

    • Du hast Recht !! Wenn man so darüber nachdenkt… Lieber Ampeln, Lichtschranken in Fahrstühlen, Flugzeuge, ICE`s bzw. eigentlich sämtlichen Schienenverkehr (elektronische Weichenstellung), ect. meiden !

      Sch…sse, sogar Geschirrspühler verfügen über elektronische Überlaufsicherungen.

      Hier zwei kleine Statistiken :-)

      http://www.autokiste.de/psg/archiv/a.htm?id=5201

      http://link.springer.com/…2FBF02039197?LI=true

    • @Florian: Statt anderen Paranoia zu unterstellen würde ich mal darüber nachdenken warum mittlerweile die Elektronik die häufigste Pannenursache bei Autos ist und was wohl zu erwarten ist wenn noch mehr davon in sicherheitsrelevanten Bereichen eingesetzt wird …

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