IndieGO!:
Retro- und Indie-Konsole mit Linux

Noch eine Spielkonsole, die im Internet dank Schwarmfinanzierung geboren werden soll? Ja, aber IndieGO! möchte mit einem vielversprechenden Konzept Retro- und Indie Games-Fans begeistern. Und das ausnahmsweise mal nicht für 99 Dollar, wie wir es von den Android-basierten Konsolen der letzten Monate kennen.

Viele Bilder gibt es von der Konsole noch nicht.OUYA und GameStick zeigen, dass Spielkonsolen heutzutage über Crowdfunding finanziert werden können. Das kann auch schief gehen, wie eSfere und OTON verdeutlichen. Was aus der kürzlich vorgestellten Konsole IndieGO! wird? Das sehen wir gewiss in den nächsten Monaten. So oder so sind die Schöpfer der Konsole motiviert, das Gerät im Mai 2013 in den Handel zu bringen – unabhängig davon, ob sie die 700.000 Euro bei dem Crowdfunding-Portal Indiegogo zusammen bekommen oder nicht. Wer schon jetzt Geld vorschießt, sorgt aber womöglich dafür, dass IndieGO! eine bessere Ausstattung erhält, der finale Verkaufspreis sinkt oder man sich rechtzeitig ein Exemplar sichert. Ob dies ausreichende Argumente sind? Das muss jeder für sich entscheiden. In jedem Fall gibt es ab 349 Euro die Chance, an einem Betatest mit der eigenen Konsole teilzunehmen. In dieser Preisregion soll sich das finale Produkt bewegen, eine genaue Summe nennen die Verantwortlichen nicht, darunter Pascal Papara vom Open Invention Network.

IndieGO!
Viele Bilder gibt es von der Konsole noch nicht. (Foto: Indigogo)indiego_2igo3indiego_p_box
20130210110222-IndieGO_colorsEine frühe Version der geplanten Benutzeroberfläche. (Foto: Pascal Papara)

Open Source

Eine frühe Version der geplanten Benutzeroberfläche. (Foto: Pascal Papara)Das aus Duisburg stammende Team möchte mit IndieGO! eine Konsole erschaffen, die einerseits Freunde der aktuell beliebten Indie Games begeistern möchte, andererseits aber auch Retro-Liebhaber und diejenigen, die gerne Windows-Spiele am heimischen TV erleben wollen. Zahllose Emulatoren werden wohl von Anfang an dabei sein, ebenfalls gibt es als Besonderheit die direkte Unterstützung von älteren bzw. heutzutage exotischeren Plattformen. Legt man beispielsweise eine Disk für Amiga (CD32), AROS, MS DOS oder Linux ein, wird das Spiel selbständig erkannt und gestartet. Windows-Software wird auch unterstützt, vermutlich aber in Form der Laufzeitumgebung Wine, schließlich wird eine stark modifizierte Version des Linux-Distribution Ubuntu als Betriebssystem verwendet. Diese besitzt Elemente aus dem indirekten AmigaOS-Nachfolger AEROS sowie eine eigens entworfene Benutzeroberfläche. Wie diese grob aussehen wird, zeigt ein Bild, das uns Pascal Papara zur Verfügung stellte.

Allgemein setzt man voll auf Open Source. Entwickler sind eingeladen, ihre Spiele für IndieGO! bereit zu stellen. Ebenfalls kann man Valves Client-Software Steam oder das auf Indie-Games spezialisierten Desura benutzen. Ein eigener Store soll später außerdem folgen. An Software sollte es also nicht mangeln.

Zeitgemäße Hardware

Die bisher verratenen technischen Daten klingen soweit gut, auch in Anbetracht des anvisierten Preises. So möchte man einen 3,6 GHz schnellen Quadcore-Prozessor verbauen, der begleitet wird von einer AMD-Grafikkarte, 4 GB RAM, einem DVD-Laufwerk und einer 250 GB großen Festplatte. Hinzu gesellen sich sechs USB-2.0-Anschlüsse, ein SDHC-Slot, ein HDMI-Ausgang und 7.1 HD-Audio. Das klingt ganz nach regulärer Technik, obwohl die Macher von IndieGO! ihren Ursprung in inoffiziellen Commodore Amiga Heimcomputern haben. Durch den Ares und die Betriebssysteme AROS bzw. AEROS hat man seit Jahren Erfahrungen sammeln können, auf die IndieGO! sichtlich aufbaut.

Trotzdem: IndieGO! wirkt eher wie ein Komplettrechner für den Heimgebrauch, der seinen Fokus auf digitale Unterhaltung legt. Das muss nichts Schlechtes sein, wirft nur die Frage auf, ob man hier nicht besser gleich zu einem Windows-PC greifen sollte. Andererseits klingt die Grundidee vielversprechend, gerade für Retro/Indie-Freunde, die ohnehin eine Vorliebe für alternative Ansätze besitzen.

Weitere Details auf der Indiegogo-Projektseite und auf der offiziellen Webseite.

 

Sven Wernicke

Sven Wernicke hat eine Vorliebe für verspielte Gadgets, kunterbunte LEDs und Technik, die unterhalten möchte.  Wenn ihm als Freiberufler noch etwas Freizeit bleibt, bastelt er an seinen eigenen Projekten wie zum Beispiel Polygamia.de.

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