Motorola Razr i im Dauertest:
Auf Augenhöhe mit doppelt so teuren Konkurrenten

Nach drei Monaten Dauertest mit dem Motorola Razr i zeigt sich: Smartphones mit Intel-Prozessoren sind möglich, das Gerät schlägt sich sogar auf Augenhöhe mit deutlich teurerer Konkurrenz. Die Kamera bietet ebenso viel Licht wie Schatten und das Update auf Android 4.1 scheint dem Gerät nicht sonderlich gut bekommen zu sein. Alles in allem aber muss die Konkurrenz erst einmal zwei Dinge nachmachen: Diese enorme Akkulaufzeit und den Kamera-Schnellstart.

Größenvergleich: Links das Google Nexus 4, rechts das Motorola Razr i

Was muss ein Spitzen-Smartphone können? Je nachem, wen man fragt, bekommt man auf diese Frage heute höchst unterschiedliche Antworten. Ein Techniker wird Vergleiche anstellen und Details wie Quadcore, ppi und Full-HD-Display nennen. Für die Nutzer zählen in erster Linie weiche Faktoren: Lässt sich das Gerät flüssig bedienen, komme ich schnell an die wichtigsten Anwendungen und an die Kamera, und reicht der Akku wenigstens von Zuhause bis ins Büro?

Gerade, wenn es um diese Faktoren geht, kommt das Motorola Razr i erstaunlich gut weg. Die erste Expedition des US-Herstellers mit einem Intel-Prozessor in die Smartphone-Welt ist geglückt. Das inzwischen sogar recht preisgünstige Razr i schlägt teurere Geräte in vielen Disziplinen und zum Teil auch im Gesamteindruck. Einige Macken hat Motorolas Geheimtipp allerdings auch.

Motorola Razr i
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Intel muss handeln

Jahrelang war am Thron der ARM-Architektur im Smartphone-Sektor eigentlich nicht zu rütteln. Intel fand keinen Weg, die x86-Architektur für Smartphones anzupassen. Im vergangenen Jahr kam der Wandel mit einigen Geräten für Schwellenmärkte wie die in Asien erhältlichen Lenovo K800 und Lava Xolo. Denn Intel will handeln: Der einstige Wachstumsmarkt PCs und Laptops ist rückläufig, im stärkeren Markt für Tablets und Smartphones ist man praktisch nicht präsent.

Mit Motorola hat sich Intel dann einen Partner geholt, der das erste Smartphone mit Atom-Prozessor auch nach Nordamerika und Europa brachte. Das Razr i ist bauähnlich mit dem Razr M, verwendet etwa das gleiche Gehäuse und ähnliche Bauteile. Der Unterschied zum Snapdragon-Prozessor zeigt sich im Razr i allerdings dann zum Beispiel in der Kamera. Das Telefon hat einen Schnellstart eingebaut, den das Razr M nicht hat. Die Kamera ist mit einem Druck auf die Kamerataste tatsächlich sofort einsatzbereit – das zeigte auch unser Test. Das Auslösen dauerte dann zwar etwas länger. Dafür schaffte der Serienbildmodus zuverlässig zehn Bilder pro Sekunde. Die Bildqualität unter schlechten Lichtbedingungen ist außer im HD-Modus nicht besser und die Aufnahmegeschwindigkeit nicht höher als bei anderen Kameras. Insgesamt allerdings schießt man Fotos wesentlich schneller als zum Beispiel bei Googles Nexus 4 oder Apples iPhone 5, wo sowohl Schnellstart, als auch eine physische Kamera-Taste fehlen.

Starker Akku, nicht sehr flüssig

Positiv zu werten sind auch die Maße des Razr i. Das Werbeversprechen “Vollbildsmartphone” wird eingehalten. Auf einem Gerät, das kaum größer ist als das iPhone 4S (3,7-Zoll) bringt Motorola stolze 4,3 Zoll Display unter. Das Kevlar-Gehäuse ist stabil und wirkt wertig. Gut gelöst auch: der Einschub für Micro-SIM- und Micro-SD-Karte unter einer flexiblen Kunststoffklappe am linken Gehäuserand. Schmuckstück ist außerdem der Akku. Anders als andere Modelle der Razr-Familie fällt die Lademenge des 2.000-mAh-Akku im Razr i schon fast gering aus. Andere Smartphones schlägt das Gerät damit aber um Längen. Bei uns im Dauertest hielt der Akku selbst bei häufiger Nutzung immer problemlos einen vollen Tag durch. Um die Leistung noch weiter zu verbessern, greift ab einer geringen Lademenge automatisch ein Energiespar-Programm.

Ganz ohne Nachteile kommt allerdings auch das Razr i nicht aus. Das Hin-und-Herwischen zwischen den Bildschirmen oder zwischen Apps gelingt längst nicht so flüssig wie bei anderen High-End-Smartphones. Vor allem seit dem Update auf Android 4.1.2, das seit vergangener Woche ausgerollt wird, ist es mit der Flüssigkeit der Darstellung ganz dahin.

Plastik an der falschen Stelle

Das Gehäuse, so stabil es auch ist, hat den Nachteil einer Plastikverstrebung, auf der das Gerät aufliegt. Weil diese sehr glatt ist, fiel mir das Razr im Test deswegen anfangs mehrmals aus der Hand. Ein großer Nachteil ist in meinen Augen auch das enorme haptische Feedback des Razr i. Bei der Benutzung des virtuellen Keyboards vibriert das ganze Gerät bei jedem Buchstaben. Hier hat man nur die Möglichkeit, es zu lieben oder das Feedback ganz abzustellen. Update: Die Intensität des Feedbacks lässt sich in den erweiterten Tastatur-Einstellungen anpassen.

Die große Frage ist jetzt: Was hat der Nutzer davon und was bringt es ihm, dass er nun ein Intel-Smartphone hat? Die Antwort: Man merkt herzlich wenig davon, und das ist die gute Nachricht für Intel. Es fällt schlicht nicht auf, welcher Prozessor da werkelt und die Eigenschaften können sich sehen lassen. Die Schnellstart-Kamera mit Serienbild und HDR und die lange Akkulaufzeit sind zwei Dinge, die die Konkurrenz erst einmal nachmachen muss. Für einen Preis von derzeit rund 350 Euro in Online-Shops kann man beim Razr i nicht meckern. Der Test zeigt: Gute Smartphones mit Intel-Prozessoren sind möglich.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist freier Technikjournalist, Innovationsberater und Skeptiker.

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24 Kommentare

  1. Kann den Eindruck das das RAZR i seit dem update auf JB mehr handelt so nicht bestätigen.
    Im Gegenteil ich würde sagen es läuft noch besser vor allem beim Rücksprung auf den Home screen.

    • Dem kann ich beipflichten. Alles, aber auch wirklich alles scrollt und springt sauber und flüssig ohne Ruckler. Ich kann als User auch nicht wirklich einen Unterschied zwischen S3 und Razr I feststellen. Sicher hat S3 einiges daß das Razr I nicht hat… aber braucht man das? Ich habe mein S3 heute verkauft…. Motorola gefällt mir um längen besser…. schon alleine wegen Größe und Material. Nur die Kamera…. na ja…. ich knippse eh lieber mit der Spiegelreflex. App Probleme hatte ich bisher auch absolut keine.

  2. Was bringt mir der Schnellstart, wenn die Kamera bescheiden ist?! Zumindest hab ich das Gefuehl. Das gleiche gilt auch fuer den WLAN Treiber, dass der etwas spinnt sobald “N” aktiviert ist. Es kann aber sein, dass sie diesen nachgebessert haben in der neuen Version 4.1.2.
    Die Akkulaufzeit ist echt baerenstark. Es freut mich, dass ich das Smartphone nicht jeden Tag aufladen muss. Und davon, dass einge Apps fuer die Intel Plattform nicht verfuegbar sind, merkt man auch nicht…

    • Hi, habe vor das Razr i zu kaufen, sag mal welche Apps gehen denn nicht ? Geht denn whats app und skype ?

    • Hey Petra, natürlichen gehen whatsapp und Skype. 95% Prozent der apps laufen.Ich hab das razr i jetzt seit etwa 4 Monaten und hab noch keine einzige gefunden die nicht lief. Zudem arbeiten Motorola und Intel fieberhaft daran die entwickler bei Anpassung an die Architektur zu unterstützen. Solange du keine komplett unbekannten apps nutzt solltest du keine Probleme haben. ;-)

  3. Sehr schöner Startbildschirm mit kreativen Widgets. Stabiles Gehäuse, lange Akkulaufzeit und SD-Karten Einschub, so stelle ich mir ein Smartphone vor. Am liebsten natürlich mit einem sturz- und wasserfestem Gehäuse. Kleine Ruckler beim scrollen stören mich nicht. Also insgesamt gelungen, aber für meinen Geschmack noch nicht 100% optimal.

  4. Ich habe das Gerät jetzt ebenfalls seit knapp 4 Wochen im Einsatz (gehabt) und kann die guten wie negativen Punkte nachvollziehen. Wenn man auf der Suche nach einem 4,0-4,3″ Gerät ist, gibt es ja nicht so viel Auswahl. Entweder sind die Geräte technisch arg reduziert oder bratpfannengroß.

    Für das Gerät spricht sicherlich die Akkulaufzeit und der Formfaktor. Auch der Prozessor macht eine gute Figur und mit ca. 350,- Euro ist es fair bepreist.

    Was mich allerdings bewogen hat, das Gerät zurückzugeben war das Display (ich habe vorher ein iPhone 4 benutzt), mit diesem knalligen AMOLED Schirm konnte ich mich partout nicht anfreunden. Warum Motorola genau an der Schnittstelle zum Kunden gespart hat, bleibt mir ein Rätsel.

    Dazu kommt dann noch die wirklich eher mäßige Kamera – da nützt auch der Schnellstart nichts – und der WLAN-n Fehler.

    Das Update auf JB hat jetzt auch nicht so viel gebracht, und damit ist der Lebenszyklus des Gerätes ja aller Voraussicht nach auch schon zuende was Updates betrifft.

    Summasummarum ein sehr interessanter Versuch, der aber doch einige gröbere Schwachstellen aufweist.

  5. Hier mal eine Übersicht von Amazon Kundenmeinungen zur Akkulaufzeit des Motorola Razr i:

    http://computerbase.de/fo…thread.php?t=1144382

  6. ich habe das Handy seit vier wochen und kann nicht meckern! akku läuft top, nur die kamera könnte etwas besser sein. bin aber trotzdem sehr zufrieden!!!

  7. An den Redakteur ,das Vibrationsfeedback lässt sich in den erweiterten Einstellungen der Tastatur in der Intensität einstellen , hier kann die Dauer in Millisekunden eingestellt werden .

  8. Das iPhone 4s hat kein 3,7″, sondern ein 3,5″ Display.

    Grüße:)

  9. Hallo, ich habe mein razr i jetzt seit 1-2 Monaten. Anfangs war ich skeptisch was Motorola Handys angeht aber ich muss sagen das razr i hat mich eines besseren belehrt. Der Akku läuft und läuft. ich schaffe mit meinem Handy locker 2 Tage!
    Petra: whats app und Skype läuft auf dem Handy genau so wie alle anderen apps für Android Handys.
    Ich bin sehr zufrieden und gebe mein razr i nicht mehr her (:

  10. Ich bin total zufrieden komme schnell rein ins wlan einfach Top durch Internet streifen schnell und Zuverlässig

  11. Ich habe das Razr i nun seid 4 Wochen. Der Startbildschirm mit seinen Widgets ist einfach schön. Ich mag die größe des Telefons und sein Design. Alles läuft super und der Accu hält im Vergleich mit meinem Geschäftstelefon gefühlt doppelt so lange. Auch liegen die Knöpfe viel besser als am Xperia T. Das S3 meiner Frau ist mir viel zu groß und das Xperia liegt schlechter in der Hand.
    Das Motorola ist das Mobilephone mit dem ich voll zufrieden bin.

  12. Das IPhone 4s hat ein 3.5 Zoll screen ;)

  13. Seit dem update auf JB geht das FM radio App nicht mehr.

  14. Hat jemand mitbekommen, dass wenn man das Gerät in der Hosentasche hat heiß wird? Habe es berufsbedingt oft in der Hosentasche und nach ner knappen Stunde merke ich das es ziemlich heiß wird. Wenn man es raus holt ist die Rückseite sehr heiß. Hat jemand eine Idee?

  15. Mein erstes RAZR i hat leider durch einen Unfall einen kapitalen Displayschaden, Austausch lohnt kaum, Motorola Kundendienst ist hier auch nicht hilfreich, da nicht vorhanden.
    ABER:
    Ich wollte nach dem RAZR i wieder was neues ausprobieren, hab also lange gesucht…..
    … und nichts gefunden.
    iphone:preis/Leistung, Akkulaufzeit, außerdem: vom flexiblen Android auf iOS wollte ich auch nicht wechseln
    Samsung / htc: “bratpfannengroß” (siehe oben, wirklich nett!).
    Sonst: Nichts.
    Hab mir dann ein Samsung S3 mini gekauft und es nach 2 Tagen weitergegen, weil die Performance z.B. bei Nachschlagewerken, Wörterbüchern etc. extrem schlecht war (das waren keine Gedenksekunden mehr, schon eher -minuten)
    Und jetzt?
    Habe ich wieder das RAZR i – es funktioniert alles flüssig und schnell, und man findet einfach kein vergleichbares Android-phone in der Gehäusequalität, Leistung und Größe.

  16. Ich hab das Handy seit ca. 7 Monaten und hab gemerkt dass z.B. GTA vice City nicht funktioniert oder auch Nova 3. Dazu unterstützt dass Handy den Flash player nicht und das nerft.

  17. Der RAZR liegt klasse in der Handy. Nur ist google immer mit im Boot!!! All die Nummern, Geburtstage und so lassen sich nur per gMAIL sichern, für die Apps muss ich mich anmelden, dann poppt ein “Anmelden, um fortzufahren” auf. Warum geht das nicht anonym? Ist wahrscheinlich nicht gewollt, denn nur so hat man seine Kunden im Griff. Habe ich dann noch irgendwas unter Kontrolle, was damit passiert und wer das alles zu sehen bekommt? Nein!

    • Wieso nicht anonym??? Wer sagt denn, dass die angaben korrekt sein müssen???

      Grüße von der bundeskanzlerfrau!

    • Ach was, da kauft man sich ein google-Telefon (android) und schon ist google mit im Boot. Und kaum möchte man im google-appstore einkaufen, braucht man ein google-account.
      Seltsam, das….

  18. hihi… hier kommt der Nachzügler. Ich kaufe mir Elektronik nie wenn sie frisch auf dem Markt ist, zu teuer. Habe nun auch ein Motorola Razr i für 200 Euro geschossen (Neuware) und wenn ich so vergleiche ist es immer noch ein ausgewogenes Smartphone. Das Gesamtpaket ist stimmiger wie zum Beispiel beim HTC One X, das ich mir beinahe gekauft hätte. Um mal ein Vergleichsbeispiel heranzuführen.

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