Zwischen Hoffnung und Ernüchterung:
Die neuen Blackberrys sind da

Die Firma hinter den Blackberrys wird künftig “Blackberry” heißen. Volle Konzentration also auf die letzte Hoffnung Blackberry 10 – die man heute in einer eigentümlichen Show vorgestellt hat. Die Software hinterlässt einen guten Eindruck, an der Hardware haben erste Tester etwas zu bemängeln.

Taute erste langsam auf: Blackberry-Chef Thorsten Heins

Taute erste langsam auf: Blackberry-Chef Thorsten Heins

RIM, die Marke hinter den Business-Smartphones Blackberry, fiel mir bisher immer schwer einzuordnen. Ein bisschen spießig vielleicht, aber keinesfalls bürokratisch. Modern sicher nicht, aber auch nicht komplett von gestern. Heute erlebten die Zuschauer bei der Präsentation der neuen Plattform Blackberry 10 zunächst eine sonderbare Vorstellung. Ein fies grinsender, junger George-Clooney-Verschnitt moderierte durch eine seltsame Sammlung anbiedernden Promo-Videos der neuen Plattform von Blackberry-Fans aus aller Welt. “Crackberry Kevin” ließ sich seinen Zopf abschneiden. Allerorten wurde gelobt, wie toll das neue Blackberry 10 doch sei.

Den Zuschauern indes wurde zunächst wenig Neues gezeigt. Es war eine Zusammenfassung der Details, die schon in den vergangenen Tagen und Wochen mehr oder weniger inoffiziell an die Oberfläche gesickert waren. Zwei neue Smartphones wird es geben: Das Z10 mit Touchdisplay und das Q10 mit physischer Tastatur zusätzlich zum Touchscreen. Die bekannten Funktionen, die das neue System Blackberry 10 ausmachen, wurden ebenfalls genannt: Die Schaltzentrale Blackberry Hub, das Bedienkonzept aus Blackberry Peek and Flow, die Trennung zwischen Beruflichem und Geschäftlichem, Blackberry Balance.

Blackberry 10
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Blackberry10


Die Zuschauer waren beinahe eingeschlafen, da trat Unternehmenschef Thorsten Heins auf die Bühne und präsentierte doch noch eine überraschende Neuigkeit: RIM heiße jetzt “Blackberry”. Die erschreckend unbekannte Marke RIM, was für “Research in Motion” steht, wird damit also endlich eingemottet und das Unternehmen in seine bekannteste Marke “Blackberry” umbenannt. Eine längst überfällige Entscheidung!

Und plötzlich wurde die Show mit Leben gefüllt. Der App-Manager, der stolz die Existenz von mehr als 70.000 Apps ankündigte, darunter so wichtige Vertreter wie Facebook, Twitter, AngryBirds und Skype (nicht aber Google+, darüber wird noch zu reden sein). Auch Thorsten Heins ließ sich immer mehr von der guten Stimmung seiner Mitarbeiter anstecken und präsentierte als Highlights des Abends die neue “Kreativdirektorin”, Musikerin Alicia Keys. Ihre Arbeit wird wohl hauptsächlich eine Mischung aus Marketingaktivitäten und Gallionsfigur sein und damit wird sie hoffentlich etwas mehr Aufmerksamkeit erreichen als Musiker-Kollege Will.I.Am, der bei einem gleichnamigen Posten bei Intel seltsam unauffällig blieb.

Zufriedenstellendes Fazit erster Tester. Reicht das?

Und schließlich gab es doch noch ein paar Neuigkeiten zu bestaunen: Die Videoschnitt-App Blackberry StoryMaker (das Pendant zu iMovie und MovieMaker) und das digitale Gedächtnis, einen Evernote-Nebenbuhler namens Blackberry Remember. Das neue Blackberry Z10 hinterlässt in den ersten Tests der Redaktionen, die bereits ein Gerät vorab bekommen haben, einen insgesamt positiven Eindruck: Techguru Walt Mossberg ist zufrieden. Heise lobt gerade die Business-Anwendungen. TheVerge mag das Display und die eigenen Apps aus dem Hause Blackberry; weniger gut sei hingegen das Erlebnis bei Drittanwendungen. Sowohl TheVerge als auch Spiegel Online ziehen ein sehr negatives Fazit zum Akku. Der sei, morgens vom Netz genommen, schon am frühen Nachmittag praktisch leer gewesen. Ernüchterner fällt das Gesamtfazit von Engadget aus: Ganz nettes Phone eigentlich, aber nichts, was wirklich liebenswert wäre. Nicht einmal die neuen Gesten und das Bedienkonzept wirkten sonderlich originell.

Über Preise machte Blackberry-Chef Heins erstaunlicherweise ein kleines Geheimnis – die würden eben von Land zu Land und Anbieter zu Anbieter variieren. Ebenso die Starttermine. In Blackberrys treuesten Absatzmärkte UK (morgen), Kanada (5. Februar) und den Vereinigten Arabischen Emiraten (10. Februar) sollen die ersten Z10s schon bald in den Verkauf gehen. In den USA sei es Mitte März so weit. Zu Deutschland machte Heins keine Angaben – somit bleibt es bei den Spekulationen zwischen Ende Februar und Mitte März. In Spanien und den Emiraten kostet das Z10 vertragsfrei etwa 520 Euro. Mit ähnlichen Preisen wird wohl auch für Deutschland zu rechnen sein.

Nur für Fans?

Heins gab hinter den Kulissen noch eine weitere gute Nachricht: Die eigentlich wenig erfolgreichen aber durchaus beliebten alten Blackberry-Tablets “Playbooks” werden ebenfalls ein Update auf Blackberry 10 erhalten. Von den neuen Blackberrys selbst wurde er im Laufe der Show immer begeisterter. Ist das das Gesamtfazit? Ein rätselhafter erster Eindruck, fast möchte man sich mit Grausen abwenden, aber dann, am Schluss bekommt Blackberry doch noch die Kurve und weiß die Anwender zu begeistern.

Ich denke, man sollte Blackberry 10 zumindest eine Chance geben. Das Konzept wirkt durchdacht, die Eigenanwendungen machen Lust auf mehr. Natürlich, das weiß jeder Smartphone-Anwender, kann schon ein Schwachpunkt den ganzen Spaß leidlich machen. Im Falle des Z10 scheint das wohl der Akku zu sein. Ich würde aber nicht urteilen, ehe ich das selbst genau getestet habe. Immerhin: Blackberry ist wieder da, heißt jetzt auch so und wird zumindest ganz sicher viele alte Fans begeistern. Auch neue? Das muss sich zeigen.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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9 Kommentare

  1. Ich war zuerst recht angetan vom BB OS 10, freute mich auch, das WhatsApp und Skype für das neue OS zu haben sind.
    Die bittere Pille ist, die beiden Apps agieren wohl nicht mit dem Hub, was als Zentrale für alle Social-Aktivitäten und Messaging stehen soll :(

    • Moin!
      Sehr guter, ausgewogener Beitrag, es gefällt mir immer mehr hier 1x am Tag vorbei zu schauen,
      keine tausende liebloser Beiträge über das x-te Gerücht über Apple, dafür gute bis sehr gute Kommentare, was immer seltener wird.
      Ich persönlich freue mich auf das Z10, mal sehen an Tests wird es wohl nicht mangeln, aber an deren Qualität.
      Hoffentlich gibt es hier einen ausführlichen und ehrlichen…

      @Rick
      Woher die Info über WhatsApp an Skype? Ausprobiert?
      Ist eMail ohne BB-Option nutzbar?

      Gruß,
      Boris

    • @Boris
      100% bin ich mir nicht sicher, ich habe nur an anderer Stelle so etwas verlauten hören.
      Es kann also auch nichts dran sein :D

  2. Kleiner Typo: “die Trennung zwischen Beruflichem und Geschäftlichem”

  3. Ist eMail ohne BB-Option nutzbar?

    Alles was man bisher gehört hat, deutet darauf hin, dass gar keine BB Option mehr nötig sein wird für BB10.

  4. Ich hatte gestern die Möglichkeit das Z10 eingehend zu testen, für eine Akku-bewertung war dies jedoch zu kurz.

    Der erste Eindruck war durchweg positiv, besonders durch das Nachrichten HUB, die sehr intuitive Bedienung. Besonders angetan war ich vom BBM, welcher einige Features wie “Desktop Sharing” und “Facetime” ermöglicht. Whatsapp gab es gestern noch nicht im Blackberry eigenen store, bleibt zu hoffen das dies bald nachgereicht wird..

  5. Ich mag die Gesten. Denke das ist der nächste Schritt und die Zukunft der Touchbedienung. Ich war anfangs skeptisch. Aber Windows 8 hat mir mittlerweile gezeigt, dass sich die Gesten als genauso praktisch erweisen, wie Strg+C/Strg+V… .

    • Das denke ich auch! Ich laufe nun seit 2010 mit WebOS rum, zuerst Pixi+ und dann Pre3, seit 1 Jahr habe ich das Playbook. Wenn man sich dran gewöhnt hat, ist es perfekt, weil intuitiv. Wenn ich ein anderes Tel. in der Hand halte, versuche ich es automatisch auch, danch wird einem klar wir starr und “komisch” die “normalen” Systeme sind.

  6. Dual-SIM Funktionen!!! Das braucht der/die Geschäftsmann/-frau von heute, wenn die Firma private Telefonate nicht erlaubt. Warum rafft das denn keiner???
    Das Playbook in 10″ mit Dual-Digitizer und Stift wäre auch ne super Sache.

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