Neptune Pine:
Android-Smartphone fürs Handgelenk

Und noch eine Smartwatch? Moment, die Neptune Pine ist anders. Während Pebble, CST-01 oder Leikr nur bessere Smartphone-Parasiten sind, soll die Pine eigenständig arbeiten. Micro-SIM, angepasstes Android-System und eine eigene Kamera machen sie zu einem Mini-Smartphone am Handgelenk. Damit könnte sie das Smartphone im Prinzip wirklich überflüssig machen – wenn sie nur nicht so hässlich wäre.

In der Neptune Pine ist eigentlich alles drin, was man in einem Einsteiger-Smartphone erwarten würde: eine 3,2-Megapixel-Kamera, ein Cortex A9 Single-Core-Prozessor mit 1 GHz, GPS, Bluetooth 4.0, Steckplatz für eine Micro-SIM-Karte, 3G-Empfang, WLAN, digitaler Kompass, Herzfrequenzmesser (!), FM-Radio. Nur dass die Neptune Pine kein Smartphone ist, sondern eine intelligente Armbanduhr, so klein, dass man sie ums Handgelenk tragen kann. Sogar ein eigenes Betriebssystem bekommt die Pine spendiert: Leaf OS, ein angepasstes Android. Clever außerdem: Das Armband verfügt über einen USB-Stecker, mit dem man die Uhr an einen PC anschließen, sie aufladen und Daten austauschen kann.

Neptune Pine Smartwatch
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Was man sonst noch damit machen kann? Fotos oder Videos aufnehmen, Telefongespräche führen, Musik hören (es gibt einen Kopfhöreranschluss), das Ding als Fitness-Tracker benutzen, SMS oder E-Mails verschicken, einen Kalender benutzen oder Notizen bearbeiten. Sie hat ein 2,5-Zoll-Touch-Display im Breitbildformat. Der eingebaute Flash-Speicher soll 8, 16 oder 32 GByte umfassen. Der Akku soll eine Lademenge von 800 mAh haben, was etwa der Hälfte bis einem Drittel der Akkuladung moderner Smartphones entspricht. Bis zu fünf Stunden Gesprächszeit sollen damit möglich sein.

Kompletter Smartphone-Ersatz statt bloß Ergänzung

Im Prinzip würde die Naptune Pine damit ein Smartphone ersetzen. Die wichtigsten Informationen künftig am Handgelenk und eine eigenständige Kommunikationseinheit, während andere gängige Modelle wie Pebble und Leikr nur über Bluetooth oder WLAN mit einem Smartphone oder Tablet kommunizieren. Nicht ganz klar ist, ob man auf der Pine weitere Apps installieren kann. Gesprächszeiten und Akku legen nahe, dass die Uhr wohl täglich an die Steckdose muss. Und ganz billig wird der Spaß auch nicht: Die Pine soll mit 8 GB Speicher 395 kanadische Dollar kosten, umgerechnet knapp 300 Euro.

Über die Firma Neptune ist nicht viel mehr bekannt, als dass sie im vergangenen Jahr im kanadischen Montreal an den Start ging, dort ein Hochhausbüro bezog und bislang nur an der Pine arbeitet. Ambitionierte Pläne hat man trotzdem: “Das Unternehmen setzt seinen Fokus auf revolutionäre Massenprodukte und hat das Ziel, zum Marktführer im umkämpften Feld der Wearable Technology zu werden”, wie es auf der Unternehmenswebsite heißt. Die Uhr soll im dritten Quartal dieses Jahres auf den Markt kommen. Fast schon ungewöhnlich ist, dass Neptune sich nicht über ein Crowdfunding-Portal wie Kickstarter finanziert, wie das bei Smartwatches mittlerweile beinahe usus ist. Insgesamt unklar ist deswegen auch, wie Neptune sich finanziert und ob man das Versprechen halten kann, bis zum dritten Quartal die fertige Pine zu verschiffen.

Auch die Optik entscheidet

Wäre das was für euch? Ganz auf das Smartphone verzichten und nur noch auf eine intelligente Uhr zugreifen? Interessant zumindest finde ich den Gedanken. Ein tragbares Kommunikationsgerät mit mobilem Datenempfang und Telefonfunktion muss also nicht mehr zwingend ein Handy sein. Ein Tablet oder eine Uhr können das ebenso leisten. Spannend wird zu sehen sein, wie andere Smartwatch-Hersteller darauf reagieren: Wollen sie in Zukunft weiterhin nur eine Ergänzung für Smartphones sein oder wollen sie diese ebenso ersetzen, wie Neptune das mit der Pine anstrebt? Der Markt könnte ins Wanken kommen, nachdem bekannt wurde, dass auch Google an einer eigenen Smartwatch arbeitet.

Einen persönlichen Kritikpunkt habe ich allerdings: Mir gefällt das Design der Pine nicht. Neptune mag das Design “revolutionär” nennen, aber dieses mausgraue Armband mit diesem so gar nicht dazu passenden rechteckigen Kasten, der die Uhr sein soll, ist in meinen Augen einfach hässlich. Nun, vielleicht bringt Neptune noch andere Farben heraus und Geschmäcker sind verschieden. Deswegen: Trifft die Pine euren Geschmack?

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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8 Kommentare

  1. Fast unglaubwürdig, alles auf so kleinem Platz.
    Das Design ist wichtig und gefällt mir persönlich sogar, wobei es gerne viele Farben geben darf.
    Wunsch: Induktives Laden

  2. Schon wieder wird so getan, als wäre das smartphone am handgelenk etwas neues. Ich habe seit mehreren jahren meine uhr, mein tel, mein mp3 player, kamera und mein mediaplayer am handgelenk, denn die chinesen bauen und verkaufen die teile seit jahren sehr günstig.
    Diese handgelenk-phones gibt es ab 60€ aufwärts, in vielen modellen, teils nett, teils hässlich. Ich trage im moment die aoke 810 und bin recht zufrieden damit. China baut schon lange nicht nur schrott, zumal apple ect. dort auch produzieren lassen.

  3. Ich finde die Uhr optisch sehr ansprechend.

  4. zu klein zum wirklichen nutzen als smartphone.
    zu teuer. für 300 euro bekomme ich etwa das nexus 4.
    eigenes betriebssystem, dh wahrscheinlich kein offener google appstore.
    sachen wie google glasses kombiniert mit einer smartwatch klingen interessant, aber als standalone produkt hat et zuviele nachteile gegenüber dem smartphone.
    smartwatches werden sich als standalone in einer zeit, in der 4 zoll bildschirme vielen zu klein sind, nicht durchsetzen.

    • ich würde sagen das genau wegen der “zu kleinen” 4 Zoll Bildschirme die smartwatches eine Zukunft haben. Uhr und Tablet in Kombination sollten ein gutes Paar abgeben können…

      Ich find die uhr übrigens recht schick,
      aber gern in einer anderen Farbe

  5. Leikr braucht übrigens gar kein Smartphone und ist auch keine sogenannte Smartwatch. Die Wifi Verbindung ist zum hochladen der Trainingsdaten auf Sportplattformen und Bluetooth/ANT+ für externe Sensoren wie Trittfrequenzmesser etc.

    Bitte im Beitrag korrigieren!

  6. Induktive laden fände ich auch besser und was mich auch interessieren würde ist welches glas benutzt wird, ist es wasserdicht, wenn ja wäre es für mich als dachdecker interressant

  7. Naja, so ganz so neu ist das mit dem Telefon am Handgelenk nicht. Cect-Watches gibt es schon seit mind. 5 Jahren, was ich jetzt gerade so mit einer Google-Suche auftreiben konnte, ohne wirklich lange zu buddeln, ist Tmart, auch aus China.

Ein Pingback

  1. [...] Hardware-Designs und hoher Barreserven, in denen sogar 18-Jährige an einer Smartwatch wie der Neptune Pine arbeiten, wäre es für die Großen ja fast schon peinlich, da nichts Eigenes [...]

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