MeCam:
Ansteckbare Minikamera für Lifelogging, Kunst und Spionage

Die MeCam ist eine tragbare Minikamera, die man sich wie eine Brosche an den Kragen stecken kann. Sie kann 720p-Videos bis zu 80 Minuten am Stück aufnehmen. Dem Trend Lifelogging folgt sie damit nur bedingt. Für allerhand Schabernack taugt sie trotzdem.

Die Pessimisten werden sagen: Bald ist nichts mehr privat. Jeder kann sich eine Minikamera anstecken und damit sein ganzes Leben auf Video und Foto festhalten – und schlimmer noch, auch das Leben anderer Leute. Siehe zum Beispiel die Memoto Camera oder diesen Post von Kollege Martin Weigert zu diesem Thema. Und wem das nicht reicht, der kann sich auch gleich eine AR Drone 2.0 besorgen und damit die Schlafzimmer seiner Nachbarn auskundschaften. Schöne neue Welt.

Die Optimisten sehen es etwas entspannter. Die AR Drone ist noch nicht weit verbreitet und erste Gesetze gegen das Auskundschaften privaten Wohnraums werden nicht lange auf sich warten lassen. Lifelogging-Kameras zeichnen nur einen kleinen Teil des Lebens auf. Und neben den ganzen Idioten da draußen ist die Masse vielleicht doch vernünftig und setzt etwas wie die MeCam sinnvoll ein. Um etwa ein ganzes Konzert mitzuschneiden, einen kreativen Film zu drehen, Ereignisse eines Events in Fotos festzuhalten, die einem sonst entgingen. Die Hysterie um Google StreetView stellte sich im Nachhinein auch als maßlos übertrieben heraus. Die Privatsphäre – es gibt sie nach wie vor.

MeCam Wearable Camera
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Der größte Unterschied zwischen MeCam und anderen Lifelogging-Kameras wie Memoto und Autographer ist die Batterielaufzeit: 80 Minuten am Stück hält der Li-Ion-Akku der MeCam durch. Zum Mitschneiden des ganzen Lebens auf Video ist das natürlich zu wenig. Nimmt man nur einzelne Fragmente auf, kommt man mit der Batterielaufzeit aber einen Tag hin. Die MeCam nimmt Fotos mit 5 Megapixeln auf, Videos in 720p/30 fps, Töne in einem Radius von etwa drei Metern. LED-Infrarot-Sensoren sollen auch bei Dunkelheit für ansprechende Bilder sorgen. 57 g bringt die MeCam auf die Waage – was mir für die im Durchmesser nur rund 5 cm breite Kamera schon wieder etwas schwer vorkommt.

Ab 50 Dollar zu haben

Aufladen und mit einem PC synchronisieren lässt sich die Kamera über die integrierte Micro-USB-Schnittstelle. An der Kleidung befestigt man sie über eine Sicherheitsnadel. Kosten soll sie in der Variante mit 4 GB Speicher knapp 50 US-Dollar. Die beiden Versionen mit 8 GB (60 Dollar) und 16 GB (70 Dollar) bieten etwas mehr Speicher. In zukünftigen Versionen soll die MeCam auch über Bluetooth verfügen. Bereits jetzt gibt es sie in fünf Farben. Das Startup stellt die Kamera hier in einem Video vor:

Der Legende nach soll Gründer Drew Martin Erfahrungen in der Überwachungskamera-Industrie New Yorks gesammelt haben, bevor er nach Miami zog und beschloss, die Technik nur noch für gute Zwecke einzusetzen. Das jedenfalls lässt sich der Pressemitteilung zur MeCam entnehmen. Erklärtes Ziel der MeCam-Kultur sei es laut Martin, “das Leben in vollen Zügen zu genießen und es von der MeCam festhalten zu lassen”. Wie man es aber dreht und wendet: Bei ansteckbaren, “freihändigen” Kameras wird wohl immer ein Geschmäckle bleiben. Der Trend hin zu immer unauffälligeren, kleineren Kameras bietet zumindest die Möglichkeit, sie unbemerkt für Schabernack einzusetzen. Und einige weniger vertrauensselige Zeitgenossen werden diese Möglichkeiten auch bestimmt für sich nutzen.

Schließen wir uns den Optimisten an, können wir uns über den neuartigen Boom von Hardware-Startups und Wearables freuen. Und vielleicht eben doch neue Kunstformen des Films wie First-Person-Dokus an einem Stück.

Gefunden bei Geeky Gadgets.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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2 Kommentare

  1. Die Pessimisten sagen, dass so etwas bei uns verboten und sehr teuer werden könnte, falls man ohne Einwilligung aufnahmen macht ;-)

  2. 80 Minuten lang eine 720p Aufnahme ist schon wirklich erstaunlich. Der Speicherplatz ist dabei kein Problem, aber die Akkulaufzeit.

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