Gadget-Klassiker:
Warum der Internet-Kühlschrank auf ewig kurz vor dem Durchbruch steht

Ein neues Gadget namens Samsung T9000 kommt mit einem 10-Zoll-Display, Wi-Fi sowie Evernote vorinstalliert. Was mag es wohl sein? Ein neues Tablet? Das ab sofort größte Smartphone der Welt? Nein, nein: ein Kühlschrank. Der Samsung T9000 ist das neueste Beispiel in einer langen Reihe von Versuchen, den “Internet-Kühlschrank” unters Volk zu bringen.

Kühlschrank mit Apps und Internetzugang von Samsung

Kühlschrank mit Apps und Internetzugang von Samsung

“Telephonierende Kühltruhen, sprechende Kühlschränke und Heizungen mit Anschluß zum Internet – schon bald sollen Computer auch im Haushalt das Kommando übernehmen. Erste Produkte sind bereits auf der diesjährigen Elektronikschau Cebit zu sehen.” Das schreibt die Wochenzeitung “Die Zeit” und zunächst fällt einem daran nicht unbedingt etwas auf – bis man auf das Datum des fraglichen Artikels schaut: 19. März 1998. 15 Jahre sind inzwischen vergangenen und die Relativität des Begriffs “bald” wird plötzlich sehr offensichtlich.

Ja, es stimmt: Wir haben nun inzwischen zahlreiche Gadgets aus diesem Bereich, wie den Thermostat Nest und viele andere Projekte rund ums “Internet der Dinge”. Und man kann sich auf jeden Fall darauf einigen: “Bald” ist das für uns Alltag. Und wahrscheinlich wird dieses “bald” nicht noch einmal 15 Jahre dauern. Falls doch, werde ich mit einem gewissen Grinsen im Gesicht 2028 auf diesen Post hier verweisen…

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Keine Killer-Applikation in Sicht

Ein Evergreen unter diesen Geräten, die schon seit etlichen Jahren kurz vor dem Durchbruch stehen, ist der Internet-Kühlschrank. Dabei klingt die Idee doch wirklich gar nicht so schlecht. Man lese nur diese Meldung der Computerwoche von 1998. Demnach sorgt ein “Künstliche Intelligenz Kühlschrank” künftig dafür, dass die Zeiten verschimmelter Lebensmittel vorbei sind, denn er erkennt die Haltbarkeitsdaten. Und im Zweifel bestellt er sogar direkt im Internet nach. Wann es soweit sein wird? Natürlich: bald.

Zwei Jahre später gab es gar einen Feldversuch in Dänemärk mit 50 Haushalten, die einen “voll funktionsfähigen Internet-Kühlschrank” bekamen. “Über den Touchscreen steuert der Besitzer nahezu alle Geräte im Haus, bis zum Türöffner oder dem Rollladen.” schreibt Chip. Und das Beste: “Natürlich kann man mit dem Kühlschrank auch einfach nur Fernsehen.” Was sollte man auch sonst mit einem Kühlschrank machen wollen? Lebensmittel kühlen vielleicht? Also bitte…

Letztes Beispiel, weitere zwei Jahre später: der “Multimedia-Kühlschrank” von LG. “Beim Frühstück schon E-Mails lesen, während des Mittagessens fernsehen und das Abendbrot per Webcam ins Internet stellen”, das sind laut Meldung von heise.de einige der atemberaubenden Anwendungsfelder. Wer wollte nicht schon immer beim Frühstücken vor dem Kühlschrank stehen, um auf dessen Display E-Mails zu lesen? Unerklärlich, dass dieses Gerät kein Hit wurde, dabei kostete es doch sage und schreibe nur 8.000 US-Dollar. (Man denke sich an dieser Stelle bitte selbsttätig die Ironie-Tags hinzu.) Der Feldversuch in Dänemark scheint derweil wenig ermutigend verlaufen zu sein, wie wir aus derselben Meldung erfahren. Ein Sprecher des Herstellers Electrolux wird von heise mit den Worten zitiert: “Die Killer-Applikation haben wir bisher noch nicht entdeckt, für die ein Kunde bereit wäre, deutlich mehr Geld auszugeben als für einen gewöhnlichen Kühlschrank.”

Werbebotschaft: Mit einem Internet-Kühlschrank ist man immer bestens gelaunt und prima angezogen.

Werbebotschaft: Mit einem Internet-Kühlschrank ist man immer bestens gelaunt und prima angezogen.

Tablets geben dem Internet-Kühlschrank den Todesstoß

Und irgendwie habe ich persönlich das Gefühl, dass sich das auch elf Jahre später noch nicht geändert hat. Man schaue sich dazu beispielhaft den gerade auf der Technikmesse CES vorgestellten T9000 von Samsung an. In seiner Tür ist ein 10-Zoll-Display eingebaut, per W-Fi verbindet er sich mit dem Internet. Als Betriebssystem kommt Android zum Einsatz, eigene Apps kann man aber nicht installieren. Einige Programme wie beispielsweise Evernote (Notizen, Fotos etc.), Epicurious (Rezepte), AP (Nachrichten) sowie eine App für die Wettervorhersage sind vorinstalliert. Einen Twitter-Client gibt es auch, aber der kann nur lesen, nicht posten.

Internet-Kühlschränke wie dieser haben inzwischen ein großes Problem: Tablets. Zum Zeitpunkt der obigen Berichte waren Computer in den Haushalten in der Regel Desktop-Kästen, die unter dem Schreibtisch standen. Heute aber kann man mit einem Tablet oder auch einem Smartphone tatsächlich problemlos beim Frühstücken E-Mails lesen, wenn es denn unbedingt sein muss. Oder man nutzt ein Tablet in der Küche als multimediales Kochbuch – entsprechende Halterungen und Schutzhüllen sind problemlos zu bekommen. Einschränkungen in der Funktionalität wie beim Samsung T9000 gibt es dann ebenfalls keine.

So bleibt als einzige sinnvolle Anwendung eines computerisierten Kühlschranks tatsächlich, dass er erkennt, wenn Lebensmittel abzulaufen drohen. Nur dazu bräuchte es entsprechende Etiketten, denn wohl niemand wird das wirklich per Hand eingeben wollen. Und wenn doch, bräuchte er dazu keinen “intelligenten” Kühlschrank.

Insofern scheint mir eines sicher: Internet-Kühlschränke stehen auch in den nächsten Jahren weiterhin “kurz vor dem Durchbruch” – bis auch der letzte Hersteller es aufgegeben hat.

P.S.: Warum es vielleicht sogar ganz gut ist, wenn der Kühlschrank nicht smarter als der Besitzer ist, wird in diesem Comic von Joy of Tech sehr schön gezeigt.

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Redakteur bei netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

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13 Kommentare

  1. Naja wenn man jetzt die Reichweite von NFC Tags erhöhen würde, könnte man ja die Lebensmittel Taggen und mit dem Ablaufdatum versehen. Dann kann man das ganze mit dem Tablet koppeln und über Apps wie Locale, weiter automatisieren.
    Man kann es natürlich auch wie bisher machen und einfach mal seinen eigenen Kopf zum Denken benutzen.

    • Exakt das meine ich ;) Und wer weiß, vielleicht erlebt es ja doch noch “bald” seinen Durchbruch. Aber rechtfertigt der Aufwand das Ergebnis? Ich habe da meine Zweifel.

  2. Ich denke Intelligente Kühlschränke verfallen unter der Kategorie “Dinge die die Welt nicht braucht”. Es ist ein Kostenintensives Gadget, mehr aber auch nicht.

  3. Früher hatte man ein Problem, dann wurde etwas erfunden. Heute erfindet man was und sucht dann das Problem. Das kann nicht funktionieren!

  4. NFC wird vermutlich zu teuer sein.
    Aber ein QR-Code mit Bezeichnung und Ablaufdatum auf jedem Produkt würde ja schon reichen.
    Eine schöne App mit der ich die Produkte in aller Ruhe einscanne und die Daten werden an den Kühlschrank über mittelt. Ebenso ein QR-Reader am Kühlschrank, mit dem ich die Lebensmittel beim Entsorgen (wenn abgelaufen oder aufgegessen) “auschecken” kann und auch ggf. einchecken, wenn gerade mal das Handy nicht bei der Hand ist.

    Ich seh den riesen Vorteil im QR-Code den, dass er “nichts” kostet.

    P.S.: Eine zusätzliche Variante wäre, dass “Kühlschrankprodukte” am Kassabon eigens QR-Codiert werden. d.h. ich scan den QR vom Kassabon ab und lade diesen ebenfalls in die Kühlschrankdatenbank und erspar mir das händische einscannen daheim…

  5. kein problem …. der kühlschrank ist ohnehin nur ein paar cm vom router entfernt. ich probiere akutell alle samsung produkte aus…klar, daß manche daneben sein werden. kein problem…vielleicht passen sie anderen menschen, vielleicht auch nicht…dann werden sie entsorgt…das ist eben evolution…man greift manchmal daneben. nur der dumme glaubt, er könne immer vorher kalkulieren, was sich in zukunft durchsetzen wird.

  6. Also ich würde es schon toll finden wenn die Standard-Dinge die man regelmäßig braucht automatisch im Kühlschrank nachgefüllt werden. Aber ich denke dieses Feature werden die Kühlschränke nicht haben. Werde ich wohl auf den langsam aufkommenden Lebensmittellieferservice setzen..

    Auch richtig toll wäre es wenn ich in Wochen wie diesen wo Kind1 krank ist ich einfach die Mittagswünsche der Woche eintragen kann und der fertige Einkaufszettel mit den Dingen die dafür noch fehlen wäre fertig.

    Ich sehe da definitiv Bedarf, denn es gibt schönere Dinge als mit Kleinkindern einkaufen zu gehen, besonders wenn so viel Mist in den Regalen steht.

  7. Falls du noch so eine lange “Produktgeschichte” suchst, dann versuch es mal mit dem Laser-TV. Die werden/wurden auch schon zigmal als der Durchbruch angekündigt…

  8. Das braucht kein Mensch. Ich kenne keinen, der nicht ein Handy oder Tablet hat, von daher überflüssig. Die Wetter App wäre wohl das einzige sinnvolle, aber auch dafür gibt es Alternativen.

    Mir gefällt allerdings die Idee, dass der Kühlschrank weiß, was drin ist und wann es abläuft. Aber das wird sich nicht so schnell machen lassen, denn da müsste man viel weiter vorne in der Kette anfangen. RFID-Chips in jede Verpackung, dann spart man es sich im Geschäft alles vom Wagen aufs Band und wieder zurück zu packen, sondern geht an die Kasse und zahlt einfach, denn die scannt was im Wagen ist.. Zeug in den Kühlschrank und fertig. Wenn man unterwegs ist und nicht weiß, ob die man noch Milch/Butter etc. hat, kurz mit der App checken und gut..

    Aber das werden wir wohl nicht mehr erleben..

    • Genau so geht es mir auch. Das wäre eine sehr sinnvolle Anwendung und ich bin da etwas optimistischer als du, dass wir es vielleicht doch noch erleben. Immerhin gibt es ja einige Versuche mit kassenlosen Supermärkten und das wäre schon ein Argument für die Betreiber, wenn es denn wirklich zuverlässig funktioniert. Man könnte Kassenpersonal einsparen und das Einkaufserlebnis würde auch besser. Allerdings entfällt die “Quengelware” an der Kasse ;)

  9. Hört sich in der Tat nach einem herrlichen Gadget an. Wird aber sicher noch einige Jahre dauern, bis man sich so was zu einem vernünftigen Preise in die Küche stellen kann…die 8.000 Euro muss man auch erstmal haben!

  10. Ich habe eine Hausautomation basierend auf EIB und dazu auch eine Visualisierung. Da kann ich u.a. die Raumtemperaturen sehen und einstellen. Nun würde ich dort auch gerne Daten des Kühlschrankes anzeigen. Ich denke da an: Soll- und Ist-Temperaturen für Kühl- und Gefrierteil. Nett wäre auch der Zustand der Türen. Während einer Reise würde ich den Kühlteil abschalten und kurz vor der Rückkehr wieder einschalten.

5 Pingbacks

  1. [...] schon Dauerbrenner, aber wenn ich sehe, dass die Entwickler nachwievor versuchen Kühlschränke mit Internetzugang an die Frau/Mann zu bringen, wird´s wohl nur ne Frage der Zeit sein, bis man z.B. über die [...]

  2. [...] Kühlschränken, die es in der Tat schon seit vielen Jahren gibt (Neuerdings.com verweist auf einen Artikel aus dem Jahr 1998)? Es geht hier nicht um den oben gennannten Medienkonsum über neue Geräte, sondern um die [...]

  3. [...] schon Dauerbrenner, aber wenn ich sehe, dass die Entwickler nachwievor versuchen Kühlschränke mit Internetzugang an die Frau/Mann zu bringen, wird´s wohl nur ne Frage der Zeit sein, bis man z.B. über die [...]

  4. RLF sagt:

    […] weiter digitalisiert, und sich in naher Zukunft sogar unsere Kontaktlinsen, Rauchmelder und Kühlschränke eigenmächtig ins Netz einloggen werden, um miteinander zu kommunizieren, sollte die logische Folge […]

  5. […] der selbständig im Online-Shop Vorräte nachbestellt, gibt es zwar immer noch nicht (vgl. Warum der Internet-Kühlschrank auf ewig kurz vor dem Durchbruch steht). Viele andere kreative Lösungen sind hingegen bereits Realität oder stehen kurz vor der […]

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