Nerdromantik:
Das Smartphone für die Badewanne

Ein Smartphone für die Badewanne ist doch nur was für Nerds, oder? Sollte man meinen, und hatte man oft gemeint bei Dingen, die wenig später aus keinem Haushalt mehr wegzudenken waren. Kommt etwas Neues auf den Markt, das auf den ersten Blick absurd überflüssig wirkt, sollte man vielleicht einmal den Vernunftsmenschen in sich ignorieren und dem Nerd das Feld überlassen. Bühne frei für unsere neue lose Serie Nerdromantik.

Als Sony vergangene Woche auf der CES in Las Vegas das neue Smartphone Xperia Z vorstellte, da war sich die versammelte Presse ausnahmsweise einmal einig: gutes Ding! Starker Akku, chices Design, wasserfest, Frontkamera mit HD-Videoaufnahme, 3D-Surroundsound, schneller Quadcore-Prozessor. Ein Leser wies uns dann in einem Kommentar auf das eigentliche Alleinstellungsmerkmal hin:

Geiles Teil. Vor ALLEM Wasserfest. Ich warte schon ewig darauf, ein Smartphone mit in die Wanne nehmen zu können. Ehrlich! Ewig dieses “Vorsichtig auf den Rand und immer ein Handtuch für Notfälle”. So kann man endlich mal in der Wanne zocken oder facebooken…

Der Vernunftsmensch in mir schrie: “Wer bitte braucht denn sowas?! Nimm dir halt ein gutes Buch mit in die Badewanne oder lern endlich mal abzuschalten. 20 Minuten ohne Netz und Elektronik, ist das denn zu viel verlangt?” Der Nerd in mir ließ mich nachts lange nicht schlafen. Was für ein geiles Feature!

Ich kann das Ding mit an den Baggersee oder den Strand nehmen und einfach so in den Sand schmeißen, es geht davon nicht kaputt. Ich kann in den schlimmsten Regenschauer geraten, ich kann Freunde, von denen ich weiß, dass sie das Xperia Z haben, bedenkenlos in den nächsten Swimmingpool schubsen. Das Ding darf mir ins Klo fallen (einer Freundin passiert) oder würde vielleicht sogar eine 40-Grad-Wäsche überstehen, wenn man es in der Hosentasche vergisst (mir selbst schon passiert).

Seien wir ehrlich

Oder eben das Szenario Badewanne. Ist ja jedem selbst überlassen, was er dort am liebsten macht. Der eine entspannt am besten, wenn er gar nichts tut, der andere, indem er ein gutes Buch liest (und hier geht der Trend hin zum Ebook). Und wieder andere können eben am besten abschalten, wenn sie facebooken oder zocken oder ein paar Videos sehen.

Seien wir ehrlich: Der Kampf um die meisten Prozessorkerne, das flachste Gehäuse, das gestochen schärfste Display interessiert uns höchstens noch am Rande. Was soll man auch damit? Viel spannender sind doch die Alleinstellungsmerkmale einiger Vertreter, die einem im Alltag einen echten Vorsprung verschaffen: Habe ich ein Smartphone, das ich mit Handschuhen bedienen kann, wie das Lumia 920 oder das Xperia Sola – dann kann ich mich gerade bei momentan grassierenden Minusgraden an der Bushaltestelle über meine Mitmenschen amüsieren, die sich beim simsen die Finger wund frieren.

Habe ich eine Weitwinkel-Frontkamera in meinem Phone, wie im HTC 8X, dann kann ich mit meinen Homies schnittige Gruppenbilder schießen oder Videos drehen. Habe ich einen besonders starken Akku wie im Razr Maxx, dann kann ich über die Kumpels lachen, die mit ihrem Phone alle zwei Stunden ans Netz müssen. Habe ich ein Phone mit Kamera-Schnellstart, dann habe ich den Schnappschuss schon im Kasten, während die anderen noch nach der App suchen. Es sind die Details, die ein Smartphone erst interessant machen. Oder anders gesagt: Hat sich wirklich jemand ein HTC-Handy gekauft, weil es so toll aussah oder so viel Leistung hatte, oder doch eher, weil es die coolen Beats by Dr. Dre-Kopfhörer kostenlos dazu gab?

Es ist ja erst der Anfang

Im Falle des Xperia Z übrigens musste ich unseren Leser heute ein wenig ernüchtern. Sonys Agentur schrieb mir auf meine Nachfrage, ob sich das Gerät auch in der Badewanne bedienen lasse, folgende Antwort:

Das Xperia Z ist wegen des Wasserdrucks unter Wasser nicht bedienbar. Man kann jedoch vor dem Untertauchen eine Anwendung starten und diese läuft dann auch unter Wasser weiter. Z.B. kann man eine Videoaufnahme über Wasser starten und anschliessend unter Wasser aufnehmen.

Oder mit den passenden Kopfhörern unter Wasser 3D-Surround-Sound hören. Nur mit dem Zocken in der Wanne wird es erst einmal nichts. Noch nicht, denn die Hersteller befinden sich in einem ewigen Wettlauf. Was der eine kann, das macht der andere besser. Was früher nur einer konnte, kann ein Jahr später jeder. Und so dürften wasserfeste Gehäuse in Zukunft Standard werden, und irgendwer wird dann auch an die Freunde des Badewannentwitterns oder der Underwater Angry Birds Contests denken.

Unter Wasser bedienbare Smartphones? Sind erst der Anfang. Der Versuch der Differenzierung wird uns weitere spannende Alleinstellungsmerkmale bringen: Temperatursensoren vielleicht, Kameras die schon aufnehmen, wenn wir das Smartphone bloß aus der Tasche ziehen. Der Nerd in mir schreit nach mehr. Und der Vernunftsmensch in mir wird sich in zwei Jahren still und heimlich mit dem Smartphone in der Badewanne verkriechen, so als hätte er nie etwas anderes gemacht.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist freier Technikjournalist, Innovationsberater und Skeptiker.

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8 Kommentare

  1. Also ich finde das Feature durchaus Durchdacht. Schon allein die Szenarien die bereits aufgezählt wurden: Starker regen, Handy im Klo versenkt oder in der Waschmaschine mit gewaschen, alles Szenarien die vorkommen können und man sich ärgert weil das gute teure Smartphone kaputt ist. Bei Wasserschaden greift auch keine Garantie mehr (meines Wissens nach). Daher finde ich das Konzept des Xperia Z durchaus praktisch und für ein WASSERDICHTES-Aktuelles Smartphone finde ich den Preis auch durchaus gerechtfertigt.

  2. Super Feature!!!! Darauf ware ich auch schon lange. Im Ruderboot, im Freibad und tatsächlich fürs Lesen und Musik hören in der Wanne!
    Das guck ich mir genauer an!

  3. Es hört sich so an, als wäre es das erste Smartphone, das diese Eigenschaften hätte.
    Dem ist aber lange nicht so!
    - Motorola Defy (IP67)
    - samsung Galaxy xcover (IP67)
    nur als Beispiel und man beachte das die IP67 einen noch besseren Schutz als die IP55/57 bietet.

    • Aber jetzt ist es das erste mal in einem High-End Smartphone verbaut die hier aufgelisteten waren doch eher für spezielle Anwender

  4. Der Hauptgrund warum das ein Killer Feature ist ist das je robuster das Smartphone umso länger hält es und umso weniger oft MUSS man sich ein neues holen. Und neue Smartphones hinterlassen einen gewaltigen ökologischen und sozialen Fußabdruck. Also immer her mit neuen Features die die Lebenszeit verlängern. Das fairphone lässt Grüßen.

  5. nun, der feuchte badewannentraum wird meinerseits auch schon seid anno tobak gelebt; möglich machten dies sogar selbiger hersteller, welcher bereits sony xperia active und sony xperia go fertigte, welche ebenfalls eine ip67 zertifizierung vorwiesen bzw. vorweisen.

    ergo, is dit ne janz alte badekappe, is dit!

  6. @Rick @asc War mir in der Tat noch neu, tut aber dem “Erlebnis” an sich keinen Abbruch. ;) Danke aber für eure Ergänzungen!

  7. Das tollste finde ich ja das ich mein Smartphone zum putzen nur unter den Wasserhahn halten muss. Dann kann ich die Leute auslachen die mit dem T-Shirt o.ä. ihr Smartphone von Flecken befreien

3 Pingbacks

  1. [...] Daten beschrieben 30 Minuten Abtauchen bis zu einem Meter Tiefe, jedoch ist es unter Wasser nicht mehr benutzbar. Wer nun also gehofft hatte beim Schnorcheln Angry Birds spielen zu können, wird jetzt sicher [...]

  2. [...] das Smartphone in die Badewanne fällt – wir sprachen neulich noch darüber – dann war es das mit dem schöne Gerät, richtig? Nein, nicht unbedingt. Zum [...]

  3. [...] Staub und Spritzwasser geschützt. Mehr noch: selbst wenn es mal in einen Bachlauf, Teich oder gar in die Badewanne fällt, überlebt es diesen Fauxpas. Um das Innenleben vor eindringendem Wasser zu schützen, müssen [...]

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