Neue Trends:
Das Beste der CES 2013

90 Prozent der neuen Produkte auf der diesjährigen CES dürften den Besuchern ein lautes Gähnen entlocken. Ein übliches Technikjahr erleben wir damit komprimiert in einer Woche im Januar. Es kommt also auf die restlichen 10 Prozent an, und die können die Stimmung wahrlich aufhellen. Ein paar Highlights der diesjährigen CES.

Das innovative britische Technik- und Medienmagazin “The Kernel” hat eine ganz eigene Meinung zur alljährlichen Elektronikmesse CES in Las Vegas. Es schreibt… nun, am besten, ihr seht selbst. Natürlich: Es geht auch in diesem Jahr wieder um noch höhere Auflösungen, noch schnellere Prozessoren, noch schlankere Bildschirme, noch mehr Smartphone-Hüllen. Technikreporter aus aller Welt reisen an und berichten im Gleichklang. Es erinnert ein wenig an den Megapixelwahn des vergangenen Jahrzehnts, und das, obwohl die westlichen Märkte mit Elektronik fast gesättigt sind. Ja, man darf durchaus die Sinnfrage stellen. Und doch, scheint es mir, haben wir in diesem Jahr eine Art Trendwende gesehen. Die Innovationen der diesjährigen Show gefielen mir besser als die der Vorjahre. Am Beispiel der kuriosesten Geräte möchte ich euch aufzeigen wieso.

CES 2013 - die kuriosesten Gadgets
KernelCESVuzixM100PaperTabTrakdot
MauzCES-01CST-01_2audi-tts-03
LGCurvedTVDisplayLiquipel2SonyWirelessWalkmanLiquipel1

Spezialisierung und Fitness

Der MP3-Player ist tot? Nun ja, im großen Und ganzen stimmt das. Wer schleppt schon noch einen Player mit, wenn er seine Musiksammlung auch auf dem ständigen Begleiter Smartphone unterwegs hören kann? Sony zeigt allerdings, dass in der Nische schon noch Platz ist: Der neue Walkman der W-Serie (NWZ-W273) zeigt sich als Sport-Gadget – wie es auf der CES so viele gibt: der Player direkt in den Kopfhörer integriert, kein Kabelsalat, wasserdicht, Schnellladefunktion. Für ein Fitnesstool reichen da auch die mickrigen 4 GB Speicher, die der letzte MP3-Player auch besaß, den ich mir 2008 kaufte. Der Hersteller schlägt sogar vor, das Ding, außer im salzigen Meerwasser, zum Schwimmen zu benutzen – wer auch immer das tun wollte. Aber darum wird es gehen: eine bessere Spezialisierung. Was im nächsten Schritt noch clever wäre: Den Sport-Walkman zu einem Fitness-Gadget à la Nike Fuelband ausbauen: mit Schrittzähler und/oder GPS-Tracker. Daran hat Sony aber leider nicht gedacht und dafür ist der Preis von 100 US-Dollar fast schon wieder zu hoch.

Sony W-Series: MP3-Player ohne Kabelsalat

Sony W-Series: MP3-Player ohne Kabelsalat

Keine Angst vor Wasser

Auch für den Rest der Branche könnten robustere Gadgets noch interessant werden. Auf meinen Beitrag zum wasserfesten Sony-Smartphone Xperia Z kommentierte ein Leser: “Geiles Teil. Vor ALLEM Wasserfest. Ich warte schon ewig darauf, ein Smartphone mit in die Wanne nehmen zu können.” Ob in die Wanne oder einfach nur mit nach draußen oder ein Restaurant, ohne Angst, dass jemand aus Versehen seinen Drink darauf verschüttet: Der Trend geht in Richtung Allwetter-Gadgets. Siemens (!) hat ein wasserfestes Hörgerät vorgestellt, Scosche einen wasserfesten Bluetooth-Lautsprecher für das Fahrrad. HZO und Liquipel stellen eine Nano-Beschichtung vor, um Gadgets nachträglich wasserfest zu machen. Staub- und sanddicht am besten auch noch. Dass Panasonic bei Tablets den Consumer-Markt mittlerweile links liegen lässt und sich ganz auf widerständsfähige Tablets konzentriert, ist eigentlich ein Schritt in die falsche Richtung. Besser wäre es, jedes Gerät gegen Umwelteinflüsse zu schützen, ohne dass man es ihnen ansieht.

Liquipel macht Gadgets wasserfest.

Liquipel macht Gadgets wasserfest.

Noch mehr Fernseher als Fernseher?

Natürlich ist auch bei Fernsehern das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Der Durchschnittkunde, der neben seiner monatlichen Miete auch noch die neue Haushaltsabgabe zahlen muss, sieht vielleicht nicht ein, dass er jedes Jahr einen neuen braucht. Die Hersteller zeigen aber natürlich trotzdem, was so alles möglich ist. Modern ist auf der CES nur, wer einen Fernseher mit 4K oder Ultra HD im Programm hat, also der vierfachen Full-HD-Auflösung. Da geht noch mehr, sagte sich Sharp und stellte gar einen 8K-Fernseher vor. Für die Geräte machen höhere Auflösungen durchaus Sinn, hält man sich vor Augen, dass selbst die ersten fünfzölligen Smartphones bereits Full-HD-Auflösung haben. Auch die ersten mobilen Prozessoren (Snapdragon 800 und Nvidia Tegra 4) werden derartige Signale weitergeben können. Woher die TV-Signale kommen sollen, die das unterstützen, ist aber noch einmal eine ganz andere Frage. Deswegen gefällt mir ein heimlicher Trend der CES viel besser: gebogene TV-Geräte für ein noch ergonomischeres Sehvergnügen, selbstverständlich mit OLED-Display. Samsung und LG beanspruchen für sich, hier jeweils der erste mit den gebogenen Displays zu sein.

Fernseher mit gebogenem Display. Bild: LG

Fernseher mit gebogenem Display. Bild: LG

Selbstfahrende Autos? Audi und Toyota basteln bereits daran, auch wenn es dabei bislang mehr um Fehlerkorrektur geht. Noch in diesem Jahrzehnt will Audi zumindest einen funktionstüchtigen KFZ-Autopiloten vorstellen.

Ein selbst fahrender Audi. Man achte auf das Java-Emblem am Kotflügel. Bild: Audi

Ein selbst fahrender Audi. Man achte auf das Java-Emblem am Kotflügel. Bild: Audi

Träume werden wahr

Langsam kommen wir dahin, dass unsere Wünsche wahr werden. Smartwatches kommen in allen Formen und Farben, von den Kickstarter-geförderten Projekten Pebble, Leikr und Cookoo ebenso wie von Toshiba, Casio oder dem wohl interessantesten Modell, der CST-01:

Vuzix zeigt eine intelligente Android-Brille, die Google Glasses Konkurrenz machen soll. Hier hatte Kollege Jan Tißler sie euch im November vorgestellt. Die Gestensteuerung, wie aus dem Film Minority Report oder aktueller Microsoft Kinect bekannt, kommt langsam auch für den Hausgebrauch: Mauz stellt sie für Smartphones vor – ich mag den Namen. Tobii geht gar noch einen Schritt weiter und lässt einen Computer mit den Augen bedienen. Und auch das flexible Display wurde – wieder einmal – neu vorgestellt, diesmal von PaperTab:

Braucht man das?

Natürlich gibt es auch viel Schnickschnack. Action-Cams im hässlichen Plastikgehäuse, Kompaktkameras mit schlecht ausgestatteten Smartphone-Funktionen, die ihre eigene Produktkategorie ad absurdum führen oder Hapifork, die Gabel, die angeblich misst, wie viel man isst. Es gab einen Lautsprecher-Buckel für Smartphones zu bestaunen, das Blackberry-Cover für ein iPhone (warum und warum jetzt?) oder das sich selbst anpassende Kissen.

Fazit

Die Show hat auch im Kleinen viele Innovationen bereit. Warum müssen es immer Tablets und Fernseher sein? Vielleicht sehen wir die Dinge falsch, indem wir stets gebannt auf Revolutionen warten. Die Zeiten, in denen ein Hersteller allein im stillen Kämmerlein an einer Sensation arbeitet und die Konkurrenz zwei Jahre braucht, um das aufzuholen, sind vorbei. Die großen Hersteller können inzwischen schnell auf Trends der anderen reagieren. Der harte Konkurrenzkampf hat eine starke Dynamik entwickelt, um vorhandene Techniken zu perfektionieren. Innovationen kommen eher von unten und werden schnell adaptiert. So werden unsere Alltagsprobleme Stück für Stück immer kleiner, und dazu braucht es nicht zwingend Revolutionen, wie sie auch die diesjährige CES nicht gezeigt hat.

Wir haben die kommenden Trends für das noch junge Jahr gesehen, die wir gut mit den Vorjahren vergleichen können. Diesmal war es mehr Internet der Dinge und weniger 3D. Und wir haben die 10 Prozent der Dinge gesehen, die uns wirklich interessieren. Das entspricht dem Alltag. Für eine Woche im Januar erleben wir damit im Schnelldurchlauf, was für das laufende Jahr interessant wird. Was ich gesehen habe, lässt mich schon jetzt mehr auf das neue Jahr freuen, als es Anfang 2012 der Fall war. Ich bin nicht begeistert, aber auch weit davon entfernt, enttäuscht zu sein. Und ihr?

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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5 Kommentare

  1. Manchmal frage ich mich ob die Firmen Spione bei Gegenspieler versteckt haben oder alle zufällig, die gleichen Ideen haben? (Runde OLED-TVs, Wasserdichte Smartphones, Full-HD-5-Zoll-Phones..)

  2. Zum Thema MP3-Player: Ich habe meinen 3 Jahre alten Ipod immer noch überall mit dabei.
    Die Akkulaufzeit überzeugt mich einfach, außerdem gibt es viele Momente, in denen ich gar nicht erreichbar sein will.
    Glaube, dass auch heute Geräte, die nur einen Zweck erfüllen, immer noch gefragt sind.

  3. Also ich nutze tatsächlich nur noch mein Smartphone. Keine Ahnung wo mein alter MP3 Player ist. Ich finde das die CES klasse Neuerungen gezeigt hat (schon allein der Tera 4 im Shield hat mich umgehauen). Dieses Jahr ist wieder ein neues Smartphone dran also bin gespannt was der Smartphone Markt dieses Jahr bringt. Ein Wasserdichtes S4 mit Tera 4 vielleicht?! Wäre ich sofort hin und weck.

    • Mach dir mal keine Hoffnungen auf ein S4, wasserdicht und Tegra 4. Das sind einfach Komponenten, die niemals zusammen kommen werden. Warum? Weil Samsung den Exynos A-15 Quadcore für das S4 verbauen wird. Ebenso wird es mitnichten Wasserdicht sein, wie das Xperia Z. Warum? Weil Sony schon den Bootloader genug verdongelt, dass es eine Qual ist, das Gerät zu modden. Was aber nicht heißt, dass das Xperia Z schlecht sei.

  4. Eine Revolution wäre auch mal ein Handy (ja, kein Smartphone), welches mit der heutigen Technologie an Ennergieeffizienz und Akkukapazität einfach mal 3 Wochen ohne Aufladen funktionieren würde. Ich weiss nicht für was ihr euer Smartphone benutzt, aber ich Telefoniere und schreibe SMS damit.. Internet habe ich ja auch zuhause.. oder sogar auf dem Fernseher oder Kühlschrank^^

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  2. [...] grundlegend ändern.Für unsere Schwesterpublikation neuerdings.com habe ich versucht, eine Art Best of der diesjährigen Consumer Electrics Show (CES) in Las Vegas nachzuzeichnen. Wäre ich dafür vor [...]

  3. [...] einigen Tagen habe ich versucht, eine Art Best of der diesjährigen Consumer Electrics Show (CES) in Las Vegas nachzuzeichnen. Wäre ich dafür vor [...]

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