Intel, Qualcomm, AMD:
Die neue Chip-Generation verspricht Ausdauer

Was kann die neue Generation mobiler Chips? Intel, Qualcomm, AMD und Nvidia haben auf der gerade laufenden Technikmesse CES in Las Vegas jeweils ihre neuen Serien vorgestellt. Wer gedacht hatte, mit Quadcore und etlichen Grafikkernen sei schon das Ende erreicht, der irrt. Jetzt geht es erst richtig los, mit immer besser integrierten Modulen und ernst gemeinten Stromsparkonzepten.

Weniger träge und mit mehr Ausdauer: die neuen Chip-Generationen (hier noch ein alter Intel Core i7)

Weniger träge und mit mehr Ausdauer: die neuen Chip-Generationen (hier noch ein alter Intel Core i7)

Intel ruft sich erneut als Anbieter für Smartphone-Chips in Erinnerung, AMD setzt auf Altbewährtes. Qualcomm zeigt, dass schnell nicht schnell genug sein muss und Nvidia klotzt, statt zu kleckern. Es geht ums Gesamtpaket und es geht um längere Akkulaufzeiten. An der Hackordnung wird sich aber auch 2013 nichts ändern: Intel dominiert die X86-Architektur und wird bei Smartphones und Tablets vorerst wenig zu melden haben.

Intels vierte Core-Generation

Namen sind wichtig. Intel tut sich deswegen in meinen Augen keinen Gefallen damit, die jeweils neueste Linie seiner Chips immer wieder gleich zu nennen. Auch die Chips der vierten Generation der Core-i-Series werden nun wieder i3, i5 oder i7 heißen. Sie sollen besonders lange Batterielaufzeiten ermöglichen (Intel spricht von der Ganztagslaufzeit) und in Ultrabooks, Hybriden und Tablets Einsatz finden.

Ein Touchscreen wird in kommenden Ultrabooks mit den intern “Haswell” genannten Prozessoren zur Pflicht. Außerdem wurde die Akkulaufzeit wieder erhöht: Ein gezeigtes Referenzmodell brachte es auf 13 Stunden Laufzeit. Die ersten Ultrabooks mit der neuen Generation sollen noch in der ersten Jahreshälfte erscheinen.

Intels stromsparende Variante der dritten Core-Generation

Ivy Bridge heißt Intels aktuelle Core-Generation, die vor allem in aktuellen Ultrabooks mit Windows 8 zum Einsatz kommt. 10 Watt ist die minimale Leistungsaufnahme bisher, Intel bringt nun eine Abwandlung dieser Generation heraus, die mit 7 Watt noch weniger Leistung benötigt und zudem schmalere Gehäuse ermöglichen soll. Das erlaubt den Einsatz in Hybriden oder Tablets, für die sich die Ivy-Bridge-Generation bisher nur bedingt eignete. Los gehen soll es damit noch in diesem Frühjahr, etwa im Lenovos neuem IdeaPad Yoga 11S, das dank Intel auf Windows 8 statt Windows RT setzen kann. Eventuell ist auch Microsofts eigenes Surface Pro damit ausgerüstet, das Ende Januar erscheinen soll.

Intels neue Atom-Prozessoren für Low-End-Smartphones

Intel besetzt in der Smartphone-Welt weiterhin nur eine Nische. Das Motorola RAZR i etwa ist eins der ersten Intel-Smartphones auf dem deutschen Markt, der Ausflug bislang nicht gerade durchschlagend, die Perfomance aber durchaus solide. Die neue Atom-Generation mit dem Codenamen “Lexington” (Z2420) soll vor allem energiesparend sein und sich an den Massenmarkt in Schwellenländern richten. Das passt zu den genannten Leistungen von maximal 1,2 GHz Taktrate und weiterhin Hyperthreading mit nur einem Kern. Für die Smartphone-Leistungsklasse (aktuell Z2460) wurde der baldige Start eines Nachfolger namens “Clover Trail+” (Z2580) in Aussicht gestellt.

Bay Trail: Neue “Atom”-Prozessoren für Tablets und High-End-Smartphones

Die stromsparende Ivy-Bridge-Generation soll sich zwar für Tablets eignen, die vierte Core-Generation Haswell auch, prädestiniert dafür soll aber weiterhin die Atom-Reihe sein. Die neueste Generation im 22nm-Bereich hört auf den Codenamen “Bay Trail” und bietet ein System on a Chip (SoC) mit einer Quadcore-Architektur und doppelt so schneller Performance im Vergleich zur aktuellen Atom-Generation. Auch mit der Akkulaufzeit soll es diesmal stimmen. Hier kommt Intel bislang nicht gegen ARM-Architekturen an. Darauf allerdings müssen wir noch fast ein ganzes Jahr warten: Bay Trail soll erst Ende 2013 den Markt erreichen und dann auch auf Android-Tablets und -Smartphones zum Einsatz kommen. Wieder einmal etwas spät, um der ARM-Konkurrenz noch gefährlich zu werden.

AMDs Temash und Kabini sollen Intel zuvor kommen

AMD rühmt sich auf der CES damit, die ersten Quadcore-SoCs für die X86-Architektur auf den Markt zu bringen. Weil beide noch in der ersten Jahreshälfte erscheinen sollen, könnte das sogar gelingen, vorausgesetzt, AMD beeilt sich. Temash soll sich eher für Tablets und Hybriden eignen und bei der Grafikperformance doppelt so schnell sein wie der Vorgänger Hondo. Kabini soll in AMDs schmaler Notebook-Reihe Ultrathins zum Einsatz kommen und 50 Prozent schneller arbeiten als sein Vorgänger Brazos 2.0. Die Akkulaufzeit soll “außergewöhnlich” sein, lässt AMDs Marketingabteilung wissen, was immer das genau bedeutet.

Richland ist der dritte SoC im Bunde, der noch im Januar erscheint und 20 bis 40 Prozent schneller sein soll als die Low-End-A-Series. Er soll Gesichts- und Gestenerkennung unterstützen. Noch in diesem Jahr soll Richland durch die 28-nm-Architektur Kaveri ersetzt werden.

AMD tut gut darin, noch ein wenig Optimismus auszustrahlen, denn wenn Intel bei mobilen Geräten schon ins Hintertreffen geraten ist, was soll dann erst die einstige Nummer 2 sagen? AMD hat kein konkurrenzfähiges Konzept für Tablets oder Smartphones, und auch bei schmalen Laptops spielt man nur die zweite Geige nach Intel. Man darf gespannt sein, wie sich AMD in diesem Jahr schlägt.

Qualcomm Snapdragon 800 und 600

Wenn Qualcomm in einer Pressemeldung behauptet, dass der aktuelle Snapdragon S4-Pro-Prozessor den Markt in Sachen Leistung und Effizienz anführt, dann kann man das durchaus so stehen lassen. Es ist mehr als Marketing-Sprech: Der Chip, der unter anderem im Google Nexus 4 zum Einsatz kommt, gehört zur Spitzenklasse und Qualcomm will ihn mit den beiden neuen Serien noch einmal übertrumpfen. Der Snapdragon 600 soll bis zu 40 Prozent schneller sein als der S4 Pro, der Snapdragon 800 sogar um 75 Prozent. Der 800 soll etwa auch 4K-Bilder unterstützen und HD-Audio und damit in direkte Konkurrenz zum Nvidia Tegra 4 treten.

Nvidia Tegra 4: Angeblich schnellster Prozessor auf dem Markt

Den Tegra 4 haben wir euch bereits gestern vorgestellt. Auch dieser erlaubt die Darstellung hochauflösender Videosignale (4K = 4x Full HD), HDR-Videos und HDR-Fotos in Echtzeit. Ob es der schnellste Prozessor auf dem Markt ist, wie Nvidia-Mitgründer Jen-Hsun Huang vollmundig erklärte, muss sich allerdings erst noch herausstellen.

Fazit: Gesamtkonzept wichtiger als Taktraten

Klare Sache: Es geht immer noch schneller und leistungsfähiger. Muss es auch, denn schnellere Übertragungstechniken wie LTE wollen nahtlos auf einem Chip integriert werden. Hochauflösende Fotos, Videosignale, Games und zunehmend bessere Akustik sollen möglich werden. Das alles bitte ohne Verzögerung und möglichst stromsparend. Bis auf Nvidia, wo es zumindest vordergründig vor allem um Leistung geht, rücken alle Hersteller erfreulicherweise das Thema Energiemanagement in den Vordergrund. Sie scheinen erkannt zu haben, dass weniger manchmal mehr sein kann. Taktraten haben nicht mehr den Stellenwert wie noch vor ein oder zwei Jahren. Es kommt auf das Gesamtpaket an. Hier sieht die Zukunft rosig aus, sowohl was Leistung, als auch was längere Akkulaufzeiten angeht.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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