Nvidia Tegra 4:
HDR-Videos und HDR-Bilder in Echtzeit für Smartphones und Tablets

Nvidia hat die nächste Generation mobiler Chips vorgestellt und bei der Präsentation auf möglichst realistische Anwendungsfälle gesetzt. Der Tegra 4 soll HDR-Fotos in Echtzeit verarbeiten, HDR-Videos ermöglichen und 4K-Bilddarstellung erlauben. Längere Akkulaufzeiten darf man dabei allerdings nicht erwarten.

“Wie viel mehr Rechenleistung brauchen wir eigentlich noch in einem Smartphone?”, fragt Nvidia-Mitgründer Jen-Hsun Huang – und gab sich die Antwort im Vorfeld der Technikmesse CES in Las Vegas gleich selbst. Während der Präsentation des Tegra 4 führte er vor, wie schnell sein neuer mobiler Chip 25 gespeicherte Websites darstellen könne: 27 Sekunden. Das wären 23 Sekunden weniger als das Samsung-5250-SoC-System des Nexus 10. Der Tegra 4 soll damit der schnellste mobile Prozessor auf dem Markt sein. Golem bemerkt allerdings, dass die einzelnen Kerne die aus Apples A6X-Prozessor im aktuellen iPad 4 nur knapp schlagen.

Nur wenig schneller als Apples iPad-4-Chips

Apples A6X setzt auf modifizierte Cortex-A9-Kerne, der Tegra 4 verwendet offiziell vier A15-Kerne mit einer Taktung, die Huang nicht verriet. Eigentlich sind es sogar fünf Kerne: Der fünfte im Bunde schaltet sich hinzu, um Strom zu sparen, indem er einfachere Aufgaben im Hintergrund ausführt. Das war auch schon im Tegra 3 der Fall. Mehr Kerne als sein Vorgänger hat das neue Modell also nicht. Lediglich die maximale Taktfrequenz soll – wie vermutet – von 1,7 auf 1,9 GHz steigen.

Interessanter also die Zahl der 72 Grafikkerne (GPUs) des Tegra 4 – im Tegra 3 waren es erst zwölf. Heise errechnet, dass die GPU-Performance damit die aktueller Spielekonsolen wie Xbox 360 und Playstation 3 schlägt, zumal diese auch etwas in die Jahre gekommen sind.

HDR ohne Wartezeit

Huang führte die Vorzüge in seiner Präsentation bei der Aufnahme von lichtstarken HDR-Fotos vor: Die Daten der Aufnahme verarbeitet der neue Prozessor in 0,2 Sekunden – im Vergleich zu 1,6 Sekunden im iPhone 5. Um das zu erreichen, kommt ein eigener Bildprozessor zum Einsatz, der laut Anandtech alle vier Kerne und alle GPUs für die Aufnahme eines HDR-Fotos beansprucht. Einer der Kerne soll als ein spezieller Bildverarbeitungs-Prozessorkern fungieren. Im Prinzip werden für eine HDR-Aufnahme zwei Bilder gleichzeitig geschossen und übereinandergelegt. Selbst zu HDR-Videos und einer HDR-Vorschau im Display soll der Tegra 4 in der Lage sein.

Mit zwei Kanälen statt bislang nur einem 32-Bit-Speicherkanal soll der Tegra 4 eine bessere Anbindung an den Hauptspeicher (RAM) haben als der Tegra 3. Der Chip unterstützt künftig 4K-Auflösungen, also die vierfache Full-HD-Auflösung. Die braucht man in Tablets oder gar Smartphones freilich nicht. Man kann damit allerdings Bilder über AirView auf einen 4K-fähigen Monitor oder Fernseher darstellen, etwa, wenn man eine Smartphone oder Tablet als Gamecontroller verwendet.

Project Shield: Nvidias erste eigene mobile Spielekonsole

Project Shield: Nvidias erste eigene mobile Spielekonsole

Leistung nach wie vor das beliebteste Verkaufsargument

Was Nvidia heute vorstellte, richtet sich besonders an Tablets. Auch wenn der Tegra 4, wie vorgestellt, in Smartphones eingesetzt werden kann, soll eine angepasste, stromsparendere Version für Telefone noch im Laufe des Jahres nachgereicht werden. Ein Anwendungsszenario führte der Hersteller in einer eigenen mobilen Spielekonsole namens Project Shield vor, die im Laufe des Jahres erscheinen soll. Project Shield stellen wir noch in einem eigenen Beitrag vor.

Huang hat hier in einer interessanten Präsentation gute Anwendungsfälle vorgelegt. Darum wird es auch gehen, um Kunden künftig von einer neuen Technologie zu überzeugen. Die Anwender werden natürlich fragen, wozu – um alles in der Welt – ein Smartphone einen Vierkernprozessor oder 4K-Darstellung braucht. Und die Hersteller werden auf die Vorzüge der besseren Kamera, schnellerem Seitenaufbau oder Techniken wie AirPlay, Nvidia Grid und Alternativen verweisen können. Vielleicht hätte Nvidia gar noch mehr Wert auf Energiemanagement legen können. Mehr Leistung ist schön und wichtig, aber das drängendste Problem mobiler Geräte heute ist die Akkulaufzeit, bei der ein Chip natürlich eine Hauptrolle spielt. Schade, dass die neue Generation bei all ihren Vorzügen nicht dafür optimiert worden ist.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist freier Technikjournalist, Innovationsberater und Skeptiker.

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Ein Kommentar

  1. Schon bemerkenswert was NVIDIA da zusammen gebastelt hat aber wie schon erwähnt, eine 4k Auflösung braucht man sicher nicht auf einen Smartphone.

2 Pingbacks

  1. [...] So wird die neue Spielkonsole aussehen. (Foto: Nvidia)Zur Sicherheit nannte Nvidia auf der CES 2013-Pressekonferenz noch keine Preise für Project Shield. Vermutlich wird die tragbare Spielkonsole zum Start kein Schnäppchen. Die Verantwortlichen setzen auf den neuen Tegra 4-Chip, der über vier Rechenkerne (Cortex A15) sowie 72 GPU-Cores verfügt und mindestens doppelt so schnell wie der Vorgänger-Chipsatz sein soll. Nvidia selbst bezeichnet die neue Prozessor-Generation als die schnellste derzeit am Markt verfügbare. Es ist recht wahrscheinlich, dass man technisch auch die PlayStation Vita mit ihrem 4-Core ARM Cortex A9 und der PowerVR SG543MP4+-Grafikeinheit übertrumpfen kann – zumindest in der Theorie. Wer mehr wissen will, findet hier einen Artikel zu Tegra 4 vom Kollegen Jürgen Vielmeier. [...]

  2. [...] bereits Full-HD-Auflösung haben. Auch die ersten mobilen Prozessoren (Snapdragon 800 und Nvidia Tegra 4) werden derartige Signale weitergeben können. Woher die TV-Signale kommen sollen, die das [...]

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