Handykamera à la Lytro angekündigt:
Welche Funktionen braucht eine Smartphone-Kamera?

Toshiba will ein Kameramodul für Smartphones herausbringen, das mit seinen Fähigkeiten an die “Lytro”-Lichtfeldkamera erinnert. Damit lässt sich unter anderem der Schärfepunkt von Fotos nachträglich verändern. Ist das mehr als Schnickschnack?

Smartphone-Kamera wie im HTC One X+: Bald mit Lichtfeldmodul?

Smartphone-Kamera wie im HTC One X+: Bald mit Lichtfeldmodul?

Es war das Jahr 2006, als der junge Fotoingenieur Ren Ng die Tochter eines Freundes fotografieren wollte und frustriert feststellte, dass sich sein Motiv mit einer herkömmlichen Digitalkamera einfach nicht scharf stellen ließ. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Stanford Universität wünschte sich eine Möglichkeit, den Schärfepunkt eines Fotos nachträglich noch bestimmen zu können. Es war die Geburtsstunde der Idee für eine Lichtfeldkamera, die Jahre später, 2012, als “Lytro” auf den Markt kommen sollte. Einen ähnlichen plenoptischen Sensor will der japanische Hardware- und Gerätehersteller Toshiba bald für Smartphones und Tablets vorstellen. Kann die plenoptische Kamera auf Smartphones endlich ihren Durchbruch feiern?

Lytro
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Trotz der revolutionären Idee blieb die Lytro bislang hinter den Erwartungen zurück. Neben doch erstaunlich stark rauschenden, teils verwackelten, weil eben nicht sehr lichtstarken Bildern stellten sich auch das quadratische Bildformat, das Mini-Display und die geringe Auflösung der Bilder als Nachteile dar. Zu viele für ein Experiment mit dem länglichen Kamerarohr, das ab knapp 400 US-Dollar zu haben ist. Aber wenn die Technik direkt in ein Smartphone oder Tablet eingebaut ist, das man ohnehin täglich mit sich herumschleppt? Hier ein klickbares Beispielbild der Lytro:

Lichtfeldmodul für Smartphones und Tablets

Die japanische Wirtschaftszeitung “Asahi Shimbun” beschreibt Toshibas neues Kameramodul als dünn genug, um in einem Smartphone oder Tablet Platz zu finden. Das Modul soll ein Feld von 500.000 kleinsten Mikrolinsen umfassen, der Sensor zwischen 5 und 7 Millimeter messen. Auch 3D-Bilder oder Videos soll man mit dem Modul aufnehmen können – ebenfalls mit der Möglichkeit, den Fokus später zu verändern. Bis Ende 2013 will Toshiba das Linsensystem marktfähig haben und dann sowohl für eigene Produkte einsetzen als auch an andere Hersteller lizenzieren. Ein großer Nachteil dürften die Abmessungen des Moduls sein: Jede Seite des Würfels hat etwa 10 Millimeter Durchmesser. Es ginge zu Lasten des “Schlankheitstrends” bei Smartphones und Tablets. Das iPhone 5 etwa ist nur noch 7,6 Millimeter dick. Was derzeit aus China kommt, gar noch dünner. Darin mal eben schnell einen fingerdicken Würfel verschwinden lassen?

Wer die Entwicklungen der Smartphones im nun zu Ende gehenden Jahr etwas verfolgt hat, dem wird nicht entgangen sein, dass die Anbieter vor allem auf immer bessere Kameras wert gelegt haben: Panoramafotos im iPhone 5, Schnellstart im Motorola RAZR i, Bildqualität durch Megapixel im Nokia 808 und starke Lichtsensoren im Lumia 920, Serienbildaufnahme, Fotografieren während des Filmens, eine integrierte App zur Nachbearbeitung und Kunstfilter à la Instagram im HTC One X. Das Smartphone ist eigentlich eine Smart Camera, schrieb Jörg Ruwe kürzlich auf Mobile Zeitgeist. Meist genutzte Funktion eines Smartphones in Deutschland laut einer Umfrage des BVDW ist die Kamera. Deswegen packen die Hersteller immer mehr Funktionen in das, was einmal ein mobiles Telefon war. Wäre Lichtfeldfotografie eine weitere Möglichkeit, mit der sich Smartphones aufwerten ließen?

Historische Probleme der Fotografie werden gelöst

Sarah Lacy von Techcrunch nannte Lichtfeldkameras wie die Lytro die größte Revolution seit der Erfindung der Fotografie überhaupt. Mich persönlich freuen zwei andere jüngere Entwicklungen in der Digitalfotografie viel mehr: Lichtstärke und Reaktionsgeschwindigkeit. Kameras mit ISO-Werten über 10.000 und einer größten Blende unter f/2.8 sind heute kein Problem mehr. Auf der diesjährigen Photokina in Köln führte man mir Modelle vor, die selbst unter widrigsten Lichtverhältnissen in Sekundenbruchteilen fokussierten und gut ausgeleuchtete Serienbilder schossen. Die historisch größten Probleme der Fotografie werden damit nach und nach gelöst.

Für Smartphones gilt bislang noch entweder-oder: Entweder schnelle Serienbilder wie im RAZR i oder gut ausgeleuchtete Bilder wie im Lumia 920. Beides gleichzeitig auf engstem Smartphone-Raum ist noch eine große Herausforderung für die kommenden fünf Jahre. Alles andere wie Toshibas Lichtfeldmodul oder 3D-Aufnahmen sind Spielerei. Aber auch die ist in dem hart umkämpften Markt notwendig. Freut euch in den kommenden Jahren auf immer kreativere Erfindungen bei Smartphonekameras. Und darauf, dass auch Smartphones von immer schnelleren Prozessoren, immer schnelleren Autofokus-Fähigkeiten und immer höheren Lichtstärken profitieren. Und das alles bei gleichzeitig besserer Bildqualität – hoffentlich.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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Ein Kommentar

  1. Die Geburtsstunde für Lichtfeld-Kameras was um 1900 rum…
    Und wenn ich das richtig gelesen habe, gab es die auch schon von anderen Hersteller, Unis.. nur nicht als Komsumer-Variante, dafür mit sehr viel mehr Auflösung.

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