Deutschlehrer verzückt:
Lernstift aus Österreich vibriert bei Rechtschreibfehlern

Ein österreichisches Startup will einen intelligenten Stift entwickeln, der bei Rechtschreib- und Grammatikfehlern vibriert. Das Projekt könnte Kindern auf eine sympathische Art Rechtschreibung und Schönschrift beibringen. Erstes Investorengeld ist bereits vorhanden, im Februar will sich das Lernstift-Projekt zusätzlich über Crowdfunding finanzieren.

Der Lernstift in Aktion.

Der Lernstift in Aktion.

Vielleicht wurde der eine oder andere Leser gar noch mit dem Rohrstock zu schöner und fehlerfreier Schrift gezwungen. Als ich in die Schule kam, kam der Druck über eine Zeugnisnote zustande. Bald könnte die Technik dabei helfen, für schöne und fehlerfreie Schrift zu sorgen: Der Lernstift der Österreicher Falk und Mandy Wolsky soll vibrieren, wenn beim Schreiben ein falsches Wort auftaucht.

Digitaler Lernstift
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Die Idee kam den Eheleuten, als der gemeinsame Sohn einen Text schreiben musste und sie gleich bei den ersten Wörtern Fehler entdeckten. Wenn gerade niemand über die Schulter schaut, bemerkt der Schreibende seine Fehler oftmals gar nicht. Ein Stift kann darauf hinweisen, damit der Schreiber augenblicklich korrigieren kann – ein neuartiges Lernen über Sinneserfahrungen. Die Pädagogin Mandy und der Software-Entwickler Falk Wolsky beschließen, das Projekt zusammen mit dem Texter Daniel Kaesmacher zu realisieren.

Die technischen Komponenten stehen im Grunde zur Verfügung. Digitalstifte wie Livescribe Sky und Livescribe Pulse, Wacom Inkling, Staedtler 99001 oder den HP Digital Eraser gibt es bereits. Sie digitalisieren, was der Anwender handschriftlich aufzeichnet. Einige Modelle funken auch kabellos an einen Rechner. Eine intelligente Korrektur aber haben diese Geräte noch nicht.

In Zukunft noch Papier?

Ein ähnliches Projekt stammt ursprünglich vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Eine Ausgründung namens Iuvaris wurde Ende 2010 von der Helmholtzgemeinschaft mit 100.000 Euro gefördert. Der intelligente Sensorstift, den man dort entwickelt, widmet sich aber vor allem therapeutischen Zwecken für Kindern mit grobmotorischen Störungen.

Der Lernstift befindet sich noch in einer frühen Phase der Entwicklung. Das ergonomisch geformte Gehäuse hat Falk Wolsky bereits an einem 3D-Drucker entwickelt. Jetzt fehlen “nur” noch Elektronik und Praxistests. Laut Zeitplan soll nach der Crowdfundingphase im kommenden Februar ein Prototyp entwickelt werden, die erste Version des Stiftes dann Ende 2013 fertig sein. Eine zweite Version, die bis 2014 entwickelt werden könnte, soll außerdem über einen Drucksensor und ein Netzwerkmodul verfügen, um die Schrift wie bei anderen Digitalstiften auf einem Rechner zu speichern. Wolsky stellt das Projekt hier vor:

Investieren kann man in das Projekt bereits jetzt auf der Website des Lernstifts. 90 Prozent der angestrebten 5.000 Euro der ersten Investitionsrunde sind bereits eingesammelt. Falk Wolsky kann sich vorstellen, das Projekt in Zukunft noch mit speziellen Apps zu ergänzen. Damit die künftige Generation ihre Lehrer wegen unleserlicher oder falscher Schrift nicht mehr in den Wahnsinn treibt. Falls Papier in Zukunft überhaupt noch zur Ausrüstung moderner Schüler gehört. Handschrift könnte man auch mit einem Stylus eingeben und das Tablet falsche Schrift sofort korrigieren.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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10 Kommentare

  1. Frühzeitig werden Kinder in der Schule sozialisiert sich nicht nur inhaltlich auszudrücken, sondern dabei auch noch die Form zu wahren. Dies kann für so manch kindlichen, freidenkenden Verstand eine grosse Herausforderung darstellen. In der Sozialinformatik versuchen wir Brücken, zwischen der Technik und dem Menschen zu schlagen. Brücken, welche die alltäglichen Hürden etwas niedriger erscheinen lassen. Und genau dieses Ziel verfolgen die Initianten um den Lernstift. Definitiv eine Investition wert!

  2. Ich wüsste wie man dies mit 2 Kabeln, einem Elko und einer Batterie spannender gestalten könnte

  3. An die Vibrationen gewöhnt man sich und “überfühlt” sie nach einiger Zeit. Selbst Stromschläge hätten dauerhaft keine konditionierende Wirkung mehr.

  4. Ich finde auch, dass das Gadget wohl funktionieren wird – aber gerade bei Anfängerkindern zu Verunsicherungen führen kann. (“Ich mache ja alles falsch”) Außerdem ist der Nachteil, dass es nun schon geschrieben ist und dann auch noch obendrein von den Kids wegradiert / “getippext” wird und das Mißerfolgserlebnis vergrößert.
    Ich würde mir eher eine Kamera wünschen, die das Probediktat aufzeichnet und dem Kind dann individuell positive Rückmeldungen gibt “Hurra 97% richtig – hast du Lust jetzt die drei falsch geschriebenene Wörter zu üben?”

  5. Hallo Armin, hallo Walter,

    ich denke nicht, dass es “überfühlt” wird. Ebenso denke ich nicht, dass es zu Verunsicherung führen wird.

    Beim Überfühlen fällt mir spontan das “Antippen” des Screens bei Smartphones ein. Dort wird man auch nach langer Zeit das kleine Feedback-Vibrieren nicht überfühlen, sondern braucht es um zu wissen, dass die virtuelle Taste gedrückt wurde.

    Und wenn ich so die Kids in der 2-4 Klasse sehe (wie meinen Jungen) dann sind die sicher nicht von einem Vibrieren unterzukriegen ;-)

    Übrigens: Weil der Stift mit einer APP (Mobile / PC) kommuniziert ist der Lernerfolg “dort” sichtbar. Auch sollen sich die Kinder – wenn sie es wollen – gern mit anderen in einer Lern-Community messen…

    Beste Grüße und ein gutes Neues!
    Falk, Founder @Lernstift

  6. Den Stift kann man mit Sicherheit so konfigurierbar machen, dass er nicht nach jedem Wort direkt eine Fehlermeldung gibt. Evtl. wäre es je nach Situation sinnvoll erst nach einem Satz eine Rückmeldung zu geben. Der Stift sollte in der Lage sein an die Bedürfnisse des Schülers konfiguriert zu werden. Ob dies Eltern oder die Lehrer in der Schule machen ist eine andere Frage.

    Michael Morgen
    Gründer TUTORize GmbH und Unterstützer des Lernstifts :)

  7. Jetzt kann man sich auch (nochmal) per Crowdfunding bei Seedmatch am Lernstift beteiligen: https://www.seedmatch.de/startups/vibewrite – ab 1000€ Investment gibt’s einen der ersten Stifte geschenkt.

    • Ich freue mich schon darauf eine echte Innovation zu unterstützen. Nur ganz so viel investieren, dass ich auch den ersten Stift Geschenk bekomme, kann ich leider nicht. Aber den Lernsstift gibts ja auch bald im Landen zu kaufen. ;)

  8. Wie viel kostet der Stift?

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