Gnomio:
Smartwatch für Windows Phone 8 mit einem dicken Fragezeichen

Ein kleines Team aus Russland sammelt derzeit über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo Startkapital, um eine Smartwatch mit Windows Phone 8 auf den Markt zu bringen. Man darf berechtigte Zweifel haben, ob es die Gnomio jemals geben wird. Macht aber fast nichts: Das Konzept gefällt auch so.

Gnomio Strong: Mehr als eine schöne Desingstudie?

Gnomio Strong: Mehr als eine schöne Desingstudie?

Wir mögen solche Konzepte: Ein Designer hat eine Vision, blendet für einen Moment aus, ob sie in der Realität gegenwärtig umsetzbar ist und skizziert einfach mal seinen Traum. Auf der Website Yanko Design findet man täglich solche Konzepte – wenn man einfach mal ein bisschen träumen mag. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass es sich auch bei der Smartwatch Gnomio derzeit um wenig mehr als eine hübsche Designstudie handelt. Ein kleines Team aus Russland will eine Smartwatch herausbringen, die Windows Phone fernsteuern kann. Dafür sammeln die beiden Initiatoren Julia und Eldar Farkhutdinow Startkapital hier auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo. Bereits im April soll die Uhr an die Unterstützer ausgeliefert werden.

Gnomio Smartwatch-Konzept
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Klingt ambitioniert? Ja allerdings. Laut offiziellem Zeitplan sitzt das Team seit vergangenem März an der Entwicklung. Jetzt gehe es ans finale Design, im Februar würde die Zertifizierung abgesegnet, Verpackungsdesign und Spritzguss würden finalisiert und im März gehe es dann in die Produktion. Und die Elektronik? Ein ARM-Prozessor mit 270 MHz, 1,5-Zoll-Touchscreen mit 240 mal 240 Pixeln Auflösung. 3-Achsen-Gyroskop, Beschleunigungs- und Lichtsensor. Die Uhr soll mit einem Windows-Phone-8-Smartphone via Bluetooth (3.0 und 4.0) kommunizieren und mit einem Micro-USB-Kabel aufgeladen werden. Ferner soll es einen Kopfhörerausgang geben, ein eingebautes Mikro, Lautsprecher und und und.

Erst 8.000 Dollar eingesammelt

Die Uhr würde mit einem Windows Embedded Compact 7 funktionieren, das App-Pakete wie Wecker, Wetter, Facebook, Twitter und weitere von Windows Phone 8 (nicht 7) ausführen soll. Der Akku soll bis zu sieben Tage durchhalten. Zwei Versionen soll es geben: Gnomio Fresh in einem Plastikgehäuse und vielen bunten Farben würde die Unterstützer 81 US-Dollar (später: 89) kosten. Die verchromte Version Gnomio Strong stünde in den Farben Schwarz und Weiß zur Verfügung und würde 99 Dollar kosten. 65 Tage bleiben noch, um das gewünschte Ziel von 100.000 Dollar zu erreichen. Bislang sind etwas über 8.000 Dollar dabei zusammen gekommen. Noch scheint also Skepsis über die Seriosität des Projekts zu herrschen.

Und diese Skepsis ist angebracht. Das Konzept ist wirklich hübsch anzusehen, die Bilder dazu ganz sicher von einem Profidesigner erstellt worden. Es fehlen aber handfeste Beweise oder zumindest Anhaltspunkte, dass es die Uhr wirklich gibt. Fotos von arbeitenden Ingenieuren, einer Uhr in freier Wildbahn, vielleicht einem Video, in dem schon etwas gezeigt wird? Bislang bleibt das Gnomio-Team all das schuldig. Wenn man die Hardware praktisch schon finalisiert hat, wie man angibt, dann müsste es da doch etwas zu sehen geben. Und wie sieht es eigentlich mit einer Lizenz von Microsoft aus? Würde das Unternehmen die für ein solches Projekt überhaupt zur Verfügung stellen?

Monatelanges Warten auf Pebble und Cookoo

Die Macher der Smartwatches Pebble und Cookoo riefen ihre Kickstarter-Kampagnen ins Leben, als sie bereits einen voll funktionstüchtigen Prototypen präsentieren konnten. Cookoo brauchte anschließend ein halbes Jahr, um die ersten Geräte auszuliefern, Pebble wird das Weihnachtsgeschäft trotz eingesammelter 10 Millionen Dollar verpassen, obwohl man die Kampagne bereits im Mai erfolgreich abschloss. Und angesichts solcher Probleme der anderen will Gnomio den Sprung von null auf Highend in nur vier Monaten schaffen?

Wir werden das im Auge behalten und wer weiß: Vielleicht schaffen sie es ja doch und es geht wirklich im Mai los. So oder können wir uns an einem wirklich schönen Desingkonzept erfreuen.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist freier Technikjournalist, Innovationsberater und Skeptiker.

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