SmartThings, Lockitron und Co:
Das Internet der Dinge ist da und wird euch begeistern

Das Internet der Dinge kommt in neuen Facetten daher. Mehr Startups denn je präsentieren ihre Ideen für ein cleveres, App-gesteuertes Zuhause und coole neue Gadgets. Einige Projekte lösen sogar das Problem, dass man mit gewöhnlichen Haushaltsgeräten bisher nicht kommunizieren konnte.

Nest: Lernfähiges Thermostat

Nest: Lernfähiges Thermostat

Auf der Startup-Konferenz LeWeb in Paris hat AllThingsD-Autorin Liz Gannes in dieser Woche einen Trend hin zum Internet der Dinge festgestellt. Viele Startups dort stellten keine bloße App oder ein Social Network vor, sondern etwas Greifbares und trotzdem Internetfähiges: Hardware fürs Zuhause, die mit einer App kommuniziert und ein Gerät steuern lässt. Viele Erfindungen gab es dort gar als Giveaway wie die steuerbare Roboterkugel Sphero oder Ubooly, ein Plüschtier für Kinder, in das man ein iPhone steckt und für das es monatlich neue, kinderfreundliche Spiele gibt.

Das Internet der Dinge in vielen Facetten
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Bereits seit längerem gibt es spezielle Gadgets für den Alltag, die mit einem internetfähigen Gerät kommunizieren, Online-Services bieten und damit ebenfalls der Kategorie Internet der Dinge zuzuordnen sind. Die Fitnesstools Jawbone Up, Nike Fuelband und Fitbit Ultra, One und Zip etwa gehören dazu, Googles Glass – sobald einmal auf dem Markt – oder auch die Smartwatch Pebble, die sich über die Plattform Kickstarter finanziert hat. Crowdfunding scheint für diesen neuen Trend meist magisch wirkender Dinge ohnehin eine gute Geldquelle zu sein. So finanzierten sich mit dem Geld der Masse auch die internetfähige Schlafmaske Remee oder die Gedankensteuerung Muse.

In den genannten Fällen entwickelte sich eine ganz neue Produktkategorie, die die Anbietern einerseits vor die Herausforderungen stellt, den Ansprüchen gerecht zu werden und eine kritische Masse auf ihr neues Produkt aufmerksam zu machen. Auf der anderen Seite tritt eines der Hauptprobleme des Trends für solche Hersteller nicht auf: Wie steuert man die nicht internetfähigen Haushaltsgeräte, die man schon hat? Möglichst, ohne sie auszutauschen?

Türschloss öffnet automatisch, wenn sich ein iPhone nähert

SmartThings könnte hier eine Lösung haben. In der ganzen Wohnung lassen sich Sensoren wie Thermometer, Barometer, Bewegungsmelder anbringen und über einen Router mit einer Kontrolleinheit kommunizieren. Hier ist das Smartphone die Steuerinstanz. Einige Haushaltsgeräte lasse sich über Zwischenstecker an das Heimnetzwerk anschließen. Das Projekt hat sich ebenfalls über Crowdfunding finanziert und etwa 1 Million US-Dollar mehr eingenommen, als die ursprünglich anvisierten 250.000.

Hier würde sich das elektronische Türschloss Lockitron sehr gut einfügen. Statt des gewöhnlichen Haustürschlosses verwendet man einfach das an der Tür angebrachte Lockitron und kann von dann an mit dem iPhone aufsperren. Nicht nur für sich, übrigens: Man kann mit Lockitron verwalten, wer wann und wie lange Zugang zu einem Raum hat, etwa, wenn man Wohnungen oder Büros vermietet. Der Sensor verschickt Nachrichten per Push oder SMS, wenn jemand an der Tür klopft. Dank Bluetooth 4.0 kann sich ein Schloss sogar schon öffnen, wenn sich das Smartphone eines berechtigten Nutzers der Tür nähert:

Das lernfähige, hübsche Thermostat Nest lässt sich anstelle vorhandener Thermostate einfach an der Wand installieren. Und natürlich geht der Trend langfristig dahin, jedes neue Haushaltsgerät mobil netzwerkfähig zu machen. Withings ist einer der Anbieter, der Dinge des Alltags mit App-basierten Funktionen neu erfindet: Personenwaage, Babyfon oder Blutdruckmessgerät. Auswertungen gibt es per App.

Das Internet der Dinge wird kommen, das zeigen diese frühen Beispiele. Sie kommen hoffentlich mit offenen Standards daher, so dass wir uns nicht mit jedem neuen Smartphone auch gleich einen neuen Elektroherd, Kühlschrank oder Staubsauger kaufen müssen – um das Negativszenario einmal zuzuspitzen. Die kleinen Helferlein bieten bisher noch ungeahnte Möglichkeiten in der Mensch-Maschine-Kommunikation, die mich als Geek ein wenig ins Schwärmen bringen: Den Robo-Staubsauger mit dem iPhone ins Wohnzimmer navigieren, den Raum schon einmal vorheizen, wenn ich auf dem Heimweg bin, das Gewicht automatisch protokollieren lassen, um leichter abzunehmen. SmartThings etwa kann Push-Benachrichtigungen verschicken, wenn der Hund das Haus verlassen hat oder neue Post im Briefkasten eingetroffen ist. Das lernfähige Thermostat Nest hilft dabei, Energie zu sparen. Es werden Dinge kommen, von denen wir noch gar nicht zu träumen wagten. Ich freue mich drauf.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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7 Kommentare

  1. Heizung von unterwegs anstellen, Türschloss per Handy öffnen, Rolläden bei Sonnenuntergang schließen, Fenster per Knopfdruck öffnen und morgens Sanft per Musik und aufgehenden Rolladen wecken lassen. Das ganze gibt es jetzt schon. Nennt sich Homematic bzw. IP-Symcon. Allerdings bedarf hier etwas Geek-Geschick. Wirklich Massentauglich ist es noch nicht. In etwa so zu vergleichen, wie damals die PDAs und jetzt ein modernes Smartphone.

  2. Das geht mit anderen Systemen schon sehr lange.
    Wie oben schon genannt gibt es da Homematic und IP-Symcon in der Spielzeug-Liga, dann geht es weiter zum Gira-Homeserver bis hin zu ausgewachsenen Systemen, die aus der Gebäude-Leit-Technik kommen.
    Aber da,s was da als Gadgets vorgestellt wird, ist einfach nur Müll. Jedes Ding ist der Meinung über Bluetooth (geht ja noch) oder gar WLAN reden zu müssen. Was für ein Energieverbrauch. Außerdem wurden diese Protokolle nie für diesen Einsatzzweck vorgesehen. Dafür gibt es spezialisierte und standardisierte (GANZ WICHTIG!!!) Protokolle.
    EIB/KNX, LON, BACnet/MSTP/IP für die feste Installation von normalen Funktionen, dazu dann DALI fürs Licht (wer mag, muss nicht). Und zum Nachrüsten einfach per Enocean zusätzliche Sensorik und Aktorik anschließen.
    Alles andere führt in eine Sackgasse. Auch wenn die ganzen Apple-User es gewohnt sind, irgendwelche geschlossenen Lösungen als Heilsbringer verkauft zu bekommen. In 10 Jahren fährt man nur mit den jetzt schon offenen Produkten gut. Alles andere muss man dann leider als Müll bezeichnen. Solange die Leute das auch wissen, ist es OK. Aber hier wird es ja auch als tolle Lösung angepriesen.

    • Klasse Kommentar, danke! Der Text oben sollte ein paar neue Entwicklungen vorstellen. Aber du hast Recht, es ist wohl einmal ein noch genauerer Blick mit einer tieferen Recherche angebracht.

  3. aus der Sicht eines “DAUs”:
    sind denn die beschriebenen Systeme á la Homematic auch anwenderfreundlich und erschwinglich?
    für mich haben WLAN-integrierte “Dinge” einen gewissen Charme, da sie sich relativ einfach in das bestehende Umfeld integrieren lassen…

  4. Es sind ja auch nur Gadgets. Ich finde sie durchaus interessant und auch wenn es diese Dinge schon in “erwachsener” Form gibt, warum den keine Alternativen bieten? Solange es seinen Zweck erfüllt und eine Kostengünstigere alternative ist finde ich haben auch diese Gadgets ihre Daseinsberechtigung.

    • Es kommt darauf an, wie es verkauft wird.
      Wenn man jetzt sein Haus mit einigem finanziellen Aufwand mit so Gadgets ausrüstet, weil es ja toll WLAN kann (WLAN können ja alle, also kompatibel) und dann in 2 Jahren zb. eine Wärmepumpe mit Bus-Anbindung kauft, und sich dann wundert, das er alle Gadgets wegschmeissen kann, weil sie trotz WLAN eben nicht kompatibel sind, der Support nach 12 Monaten auch eher ein Witz ist, dann ist das nun mal scheiße.
      Wer sich das komische BT-Schloss für seine Gartenhütte kauft, und der Hersteller für das übernächste Smartphone keine “App” mehr anbietet ist es auch doof.

3 Pingbacks

  1. [...] kleine Kästchen vernetzt den Bordcomputer mit dem Internet. Bild: MojioDass das “Internet der Dinge” sichtbar Fahrt aufnimmt, ist kaum noch abzustreiten. Die Vision dahinter ist eine Welt, in der alles miteinander verbunden [...]

  2. [...] stimmt: Wir haben nun inzwischen zahlreiche Gadgets aus diesem Bereich, wie den Thermostat Nest und viele andere Projekte rund ums “Internet der Dinge”. Und man kann sich auf jeden Fall darauf einigen: “Bald” ist das für uns Alltag. Und [...]

  3. [...] stimmt: Wir haben nun inzwischen zahlreiche Gadgets aus diesem Bereich, wie den Thermostat Nest und viele andere Projekte rund ums “Internet der Dinge”. Und man kann sich auf jeden Fall darauf einigen: “Bald” ist das für uns Alltag. Und [...]

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