MOTOROLA RAZR I:
Kamera mit Schnellstart und gemächlicherem Auslöser

Die Kamera eines Smartphones ist mittlerweile zu einem der wichtigsten Kaufkriterien geworden. Schwimmende Linsen im Lumia 920, Panoramafotos im iPhone 5, angeblich keine Auslöseverzögerung im Samsung Galaxy S3. Motorola hält bei seinem ersten Intel-Smartphone RAZR i mit einer Kamera dagegen, die auf Knopfdruck augenblicklich bereit sein soll. Wir haben sie dem Härtetest unterzogen.

Die kanadische Rockband Fucked Up liefert den idealen Härtetest für eine schnelle Kamera.

Die kanadische Rockband Fucked Up liefert den idealen Härtetest für eine schnelle Kamera.

Härtetest bedeutet für eine Kamera einen geringen Lichteinfall, harte Kontraste, schnelle Bewegungen. Als ich am vergangenen Montag in Köln ein Konzert besuchte, sah ich die beste Möglichkeit für den Praxistest gekommen. Auf und vor der Bühne spielte die kanadische Rockband “Fucked Up” (entschuldigt die Obszönität, aber die heißen so). Ungeachtet des Namens sind das übrigens fünf sehr sympathische Typen. Sänger und Gallionsfigur ist der schwergewichtige Damian Abraham, dessen Markenzeichen es ist, seinen verschwitzten Oberkörper zu entblößen, die Bühne zu verlassen, im Publikum wildfremde Menschen zu umarmen und mit den Fans zu moschen. Das war auch am Montag der Fall. Ideale Voraussetzungen also für einen Kamera-Härtetest mit dem Ziel, den Bären aus nächster Nähe zu fotografieren.

Konzertfotos mit dem Motorola RAZR i
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Was man Motorola zugestehen muss: Sie haben Wort gehalten. Die Kamera hat eine eigene physische Taste am rechten Gehäuserand des RAZR i, der wahlweise als Einschalt- und als Auslöseknopf dient. Drückt man im Standby-Betrieb darauf, ist die Kamera innerhalb von Sekundenbruchteilen bereit. Das hat man in der Tat selten in einem Smartphone gesehen.

Leider geht es dann nicht ganz so flott weiter. Autofokus und Auslöser brauchen deutlich länger, um ein Bild scharf zu stellen und aufzunehmen. Im abgedunkelten Konzertsaal dauerte es bei einigen Versuchen schonmal ein paar Sekunden, bis ich dann doch ein verwackeltes Bild präsentiert bekam. Als Abraham plötzlich neben uns auftauchte, einen Fan umarmte und ihm seine Liebe gestand, war es leider mit der Geschwindigkeit der Kamera vorbei. Erst im vierten Versuch – Abraham hatte sich schon wieder abgewandt und auf den nächsten Fan gestürzt – gelang mir ein ganz brauchbarer Schnappschuss:

Fucked-Up-Sänger Damian Abraham

Fucked-Up-Sänger Damian Abraham

Der Serienmodus im RAZR i kann stolze 10 Bilder pro Sekunde aufnehmen (das Samsung Galaxy S3 allerdings sogar 20). Das gilt auch für schlechte Lichtverhältnisse. Entsprechend verwackelt können dann allerdings auch gleich alle zehn Fotos sein. Auf Lichtstärke und Schärfe achtet die Kamera im Serienmodus nicht. Auch bei Tageslicht benötigt die Kamera ein bis zwei Sekunden, um ein Foto scharf zu stellen und aufzunehmen; bei hohen Kontrasten auch schonmal länger. Die Qualität der Bilder ist denn eigentlich meist sehr ordentlich.

Ein bisschen enttäuscht bin ich dennoch: Den Schnellstart der Kamera preist Motorola nur für das RAZR i mit Intel-Prozessor an, als wäre es etwas, was nur mit Intels Medfield-Architektur möglich ist. Ein schneller Start alleine reicht mir aber nicht. Ich will auch ebenso schnell Fotos aufnehmen können.

Herausforderung für Kamerahersteller

Sogleich muss ich natürlich relativieren: Das ist Jammern auf ganz, ganz hohem Niveau. Mir ist bislang noch kein anderes Smartphone untergekommen, dessen Kamera derart schnell bereit wäre. Und ich wüsste auch keins, das deutlich schneller scharfe Fotos bei Helligkeit und in halbwegs vertretbarer Zeit bei schlechten Lichtverhältnissen aufnimmt. Und um noch einen Schritt weiter zu gehen: Welche Kompaktkamera kann das und wie viel muss man dafür zahlen, um eine Spiegelreflex oder eine Systemkamera zu erwerben, die das leisten könnte? Das RAZR i hat eine der besten Smartphone-Kameras, die derzeit auf dem Markt sind. Die Schnellstartfunktion ist etwas, was die anderen Hersteller erst einmal liefern müssen. Im nächsten Schritt ist es in den kommenden Jahren ihre Aufgabe, an der Geschwindigkeit von Auslöser und Autofokus zu arbeiten. Da ist noch viel Luft nach oben.

Die Kamera im RAZR i nimmt übrigens mit maximal 8 Megapixeln auf. Standardmäßig sind für das Breitbildformat 6 Megapixel voreingestellt. Bilder lassen sich auf Wunsch mit Geo-Tag, Sepia-, Schwarzweiß- oder Negativfilter oder im HDR-Modus aufnehmen. Es gibt Motivprogramme für Porträt, Landschaft und Nachtporträt. Die Belichtung lässt sich manuell korrigieren. Im Videomodus mit maximal 1.080p lässt sich auf Wunsch eine Lampe hinzuschalten, eine Zeitraffer-Funktion ist verfügbar. Schade: Während der Videoaufnahme lassen sich nicht zeitgleich Fotos schießen, was mit vielen anderen Smartphones inzwischen möglich ist.

Weitere Eigenschaften des RAZR i im Detail würden die Länge dieses Beitrags sprengen. Bislang ist mir wenig Negatives aufgefallen. Ein weiteres Highlight neben der Kamera ist laut Motorola die Batterielaufzeit. (Werbeslogan: “Smartphone mit der Ausdauer für den ganzen Tag.”) Tagelang hält auch dieser nicht durch, gefühlt aber spielt er in der Liga aktueller Smartphones in der Championsleague mit. Mehr dazu gerne einmal in einem eigenen Beitrag.

Tipp zum Weiterlesen: In diesem Zweiteiler hatten wir acht Kamera-Smartphones verglichen.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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3 Kommentare

  1. Ich habe mir das Smartphone ebenfalls gekauft und bin teilszufrieden, teils nicht. Habe auch einige Bugs gefunden.

    1. FritzBox 7390 (Wland: bgn-Modi) und das RazrI vertragen sich nicht. Es gibt immer wieder Verbindungsprobleme. Abhilfe: n-Modus deaktivieren.

    2. Bei der Deaktivierung des Flugmodus (WLAN war ebenfalls an) rebootet das Smartphone. Seltsam!?

    ….
    Ansonsten ist es ganz schick. Bei den Smartactions haette ich gern noch Conditions, die ich angeben kann. Da ist “llama” wesentlich staerker und interessanter. Aber der Akku laeuft und laueft und laeuft. 2-3 Tage krieg ich schon hin, bei viel smsen und surfen.

    Grueße
    Peter

  2. Bei mir hält der Akku nicht so lange durch. Aber einen anstrengenden Arbeitstag mit viel Nutzung hat er gestern gemeistert. Das mit dem ungewollten Reboot kannte ich noch nicht, muss ich direkt mal ausprobieren. :)

  3. 3. Und was nervt: Alle SMS sind gelesen, aber in der “Task-Leiste” ist immer noch die “Fußnoten” 1 beim SMS Eingang….

    zu 2. Evtl war das etwas konfus formuliert, hier kuerzer:
    - WLAN aktivieren und mit einem WLAN verbinden lassen
    - Flugmodus aktivieren
    - Flugmodus deaktivierenn
    Neustart beobachten :)

2 Pingbacks

  1. [...] besetzt in der Smartphone-Welt weiterhin nur eine Nische. Das Motorola RAZR i etwa ist eins der ersten Intel-Smartphones auf dem deutschen Markt, der Ausflug bislang nicht [...]

  2. [...] ist mit einem Druck auf die Kamerataste tatsächlich sofort einsatzbereit – das zeigte auch unser Test. Das Auslösen dauerte dann zwar etwas länger. Dafür schaffte der Serienbildmodus zuverlässig [...]

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