Vibrative Virtual Keyboard:
Schweizer Student macht den Tisch zur Tastatur

Der in London studierende Schweizer Florian Kräutli verblüfft mit dem Beweis, dass man für eine Tastatur keine Tastatur braucht. Ein Tisch oder eine andere harte Oberfläche reicht. Den Rest erledigt Kräutlis Software im Zusammenspiel mit einem bereits vorhandenen Sensor im Smartphone.

Mit Florian Kräutlis Software wird jede harte Oberfläche zur Tastatur.

Mit Florian Kräutlis Software wird jede harte Oberfläche zur Tastatur.

Egal wie gut Bildschirmtastaturen in Smartphones inzwischen geworden sind: Auf einer normalgroßen, physisch vorhandenen Tastatur tippen die meisten Menschen doch am besten und am liebsten. Aber will man deshalb immer eine mitschleppen? Der Schweizer Florian Kräutli überlegte, wie man mit den vorhandenen Möglichkeiten eines Smartphones eine Tastatur simulieren könnte, die eigentlich gar nicht da ist. In Konzeptvideos sah man dazu bisher komplizerte Apparaturen, die eine Tastatur beispielsweise auf den Tisch projizieren und das Tippen der Finger erfassen sollen. Der an der Goldsmiths University of London studierende Kräutli kam auf eine andere Idee: Er setzt den Beschleunigungssensor ein, wie man ihn beispielsweise im iPhone findet.

Vibrative Virtual Keyboard
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In der Praxis legt man sein Smartphone vor sich auf den Tisch und tippt direkt auf dem Tisch los. Der Beschleunigungssensor registriert die Vibrationen durch das Tippen, die je nach Position der Finger unterschiedlich ausfallen. Das System muss man zunächst auf die Oberfläche trainieren, wobei man ihm aber nicht zwingend jede Taste einzeln beibringen muss, wie Florian Kräutli gegenüber dem britischen Telegraph erklärt. Dann kann das System eine Treffsicherheit von bis zu 80 Prozent erreichen. Ein Wörterbuch zur Autokorrektur hilft dabei, diese Fehlerquote zu verbessern.

Im Übrigen könnte das System noch deutlich akkurater sein, denn der Bewegungssensor im iPhone ist nicht so feinfühlig, wie er eigentlich sein müsste. Vermutlich sei er für bessere Energieeffizienz heruntergeregelt, erklärt Florian Kräutli. Generell funktioniert die Tisch-Tastatur auf kleinen Oberflächen besser, da hier die Vibrationen unterschiedlicher ausfallen.

Florian Kräutlis “Vibrative Virtual Keyboard” soll dabei eigentlich nur zeigen, dass eine solche Tastatur im Prinzip möglich ist. Es ist Teil einer Arbeit zu User Interfaces. Da es recht vielversprechend scheint, könnte natürlich bald der eine oder andere Interessent aus der Industrie anklopfen. Und das muss nicht Apple sein, denn das System lässt sich nach Kräutlis Worten leicht auf andere Smartphones übertragen.

Im folgenden Video sieht man die Tastatur in Aktion. Dort benutzt Kräutli eine auf ein Platt Papier gedruckte Tastatur, aber die dient nur zur Orientierung. Tippen kann man auch einfach so auf den Tisch, wie er danach demonstriert. Das ist dann wahres “blind Schreiben”…:

Gefunden bei Geeky Gadgets.

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Redakteur bei netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

Ein Kommentar

  1. “We hats erfunden…?” kann man hier nur sagen.

    Schade nur, dass auch dieses System – wie Siri – immer noch eine zu hohe “Nicht-Treffer”-Quote hat. Sonst wäre die beiden perfekte Geschwister. In der Öffentlichkeit die virtuelle Tastatur, sonst Siri.

Ein Pingback

  1. [...] Ähnliches hat der Schweizer Student Florian Kräutli mit seinem Vibrative Virtual Keyboard entwickelt. Einmal kalibriert, ermittelt der Beschleunigungssensor des Smartphones Position und [...]

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