Gadget Wars:
Früh ankündigen heißt siegen. Egal, ob man auch liefern kann?

Google hat mit dem Nexus 4 ein Luxus-Smartphone vorgestellt, das die Konkurrenz preislich um einige hundert Euro unterbietet. Nun hat Google allerdings ein Problem: Das Phone war binnen Minuten ausverkauft, Käufer werden um Wochen vertröstet, ihr Geld trotzdem abgebucht. Die Interessenten sind sauer und fragen sich, wie viele Geräte Google überhaupt vorrätig hatte. Das könnte im harten Konkurrenzkampf allerdings nebensächlich sein. Gewinnt die Schlacht der, der als erster liefert oder der, der zuerst ankündigt?

Michael Meidl von Mobiflip ist sauer: Er gehörte zu den wenigen Glücklichen, die am Dienstag früh genug dran waren und überhaupt ein Nexus 4 erfolgreich orderten. Die Bestellaktion startete um 9 Uhr morgens und bereis 20 Minuten später waren alle Geräte im deutschen Play-Store ausverkauft. 20 Minuten, in denen Bestellungen verloren gingen, die Server überlastet waren und Informationen mehrfach eingetippt werden mussten. Viele Interessenten kamen nicht in den Genuss, überhaupt zu bestellen. Inzwischen sind Nexus 4 und auch das Tablet Nexus 10 als “ausverkauft” gekennzeichnet.

Google Nexus 4, 7 und 10
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Was Meidl so wütend macht: Gleich nach seiner erfolgreichen Bestellung erhielt er eine Bestätigung von Google mit dem Hinweis auf eine Lieferzeit von 3 bis 5 Werktagen. Gestern, zwei Tage später, als das Gerät eigentlich schon auf dem Weg sein sollte, erhielt er eine neue Nachricht von Google: Die Lieferung würde sich um weitere 3 Wochen verspäten. Die Lieferkosten werden Meidl zwar erlassen, seine Kreditkarte allerdings ist längst mit dem Betrag für das Nexus 4 belastet.

Nicht nur deswegen werden Fragen laut, wie viele neue Nexus-Smartphones denn im ersten Rutsch überhaupt vorrätig waren. Man sei von dem großen Interesse überwältigt, hatte Google noch am Dienstag verkündet, und bedauere, dass noch nicht alle Interessenten zum Zuge gekommen seien. Überwältigt? Bei einem Preis von 300 und 350 Euro für ein Smartphone, das unsubventioniert eigentlich 600/650 Euro kosten würde? Das in Kritiken bis auf wenige Schwächen sehr gut wegkam? War das alles nur schlecht organisiert oder hatte Google diese Salami-Taktik von Anfang an geplant?

Salami-Taktik weit verbreitet

Es nährt sich eher der Verdacht, dass es Google vornehmlich darum ging, der Konkurrenz nicht das Feld zu überlassen. Wir erinnern uns: Nach einem erstaunlich ruhigen Frühherbst prasselten Mitte bis Ende Oktober alle Nachrichten auf einmal auf uns ein. Apple erweiterte sein Angebot des neuen iPhone 5 um ein iPad 4 (23. Oktober, aktuelle Lieferzeit: Wifi-only sofort, mit 3G: 2 Wochen) und ein iPad mini (23. Oktober, aktuelle Lieferzeit: 2 bis 3 Wochen). Amazon funkte mit seinem Tablet Kindle Fire HD am 25. Oktober dazwischen (aktuelle Lieferzeit: sofort). Tags drauf stellte Microsoft sein Surface-Tablet vor. Bereits kurz danach war es vorübergehend ausverkauft. Jetzt, drei Wochen später, ist es sofort verfügbar.

Am 29. Oktober dann fuhr Google Microsoft in die Parade. In Redmond stellte man früh morgens das neue mobile Betriebssystem Windows Phone 8 vor. Nur eine Stunde davor platze Google mit einem Blogpost des neuen Nexus 4, einem Nexus-7-Tablet mit 3G und einem neuen Nexus-10-Tablet dazwischen. Microsoft Deutschland veranstaltete zeitgleich eine Übertragung der Präsentation aus Redmond in München. Vor Ort traf ich nach dem offiziellen Teil einen Kollegen, der mich überraschend frage, ob er etwas verpasst habe. Er sei zwar pünktlich dort gewesen, habe Microsofts Präsentation aber damit verbracht, einen Beitrag über Googles neue Nexus-Geräte zu schreiben, damit seinen Lesern nichts entgehe.

Microsoft die Show gestohlen

Google stahl Microsoft an diesem Abend die Show. Die Versprechen halten konnte man allerdings nicht. Nexus 4 und Nexus 10 sind bereits frühzeitig ausverkauft. Neue Geräte sollen erst in einigen Wochen folgen. Ausverkauft also nicht nur aufgrund der hohen Nachfrage, sondern wohl vor allem wegen der kleinen Auflage. Bei Saturn heißt es zum Nexus 4 etwa: “Lieferung in mehr als 4 Wochen”, bei Media Markt wird der 15.12. als Termin der “Veröffentlichung” genannt.

Die Motivation der Anbieter ist klar: Es herrscht ein harter Konkurrenzkampf. Dem anderen etwas zu gönnen, würde eine Niederlage bedeuten. Das Weihnachtsgeschäft zu verpassen, kann sich keiner leisten. Und wenn man vor Weihnachten noch gar nicht liefern kann? Dann muss wenigstens die Ankündigung da sein. Wer keins der begehrten Modelle bekommen hat, der kann sich nun wütend abwenden. Viele werden das auch tun.

Die Mehrzahl aber wird warten. Weil sie weiß, dass sie das Nexus 4 wenn nicht jetzt, dann aber in ein paar Wochen bekommen werden. Und dass bis dahin keine Alternative zum gleichen Preis-Leistungs-Verhältnis auf den Markt kommen wird. Wer bis Januar oder Februar warten mag, den hat Google trotz der Blamage erfolgreich von der Konkurrenz abgezogen. Mission gelungen.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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6 Kommentare

  1. Eigentlich eine Frechheit was Google, Microsoft und Co einen da zumutet. 3 – 5 Wochen ist bei neuen Produkten der Firmen Giganten keine Seltenheit aber man muss doch aus vorherigen Fehlern so langsam mal lernen.

    • Keine Frechheit von Google, Microsoft + Co, nur die Dummheit von all den Betatestern welche was kaufen wovon noch nicht mal ein glaubhafter Testbericht erschienen ist.

    • Frechheit und die Verdummung der Menschen die immer jeden Trend folgen und alles kaufen wollen. Die Finanzbesitzer dieser Firmen lachen bis auf ihre fetten Bankkontos. Bis wir, die gierigen Kunden es ablehnen und nicht kaufen werden, so geht es immer weiter. Das ist Capitalism. Die Gier fuer immer mehr Geld. Egal wie. Und nur wir, als Kunden koennen es ablehen. Wenn keine gierige Intresse vorhanden ist, dann koennen sie nichts verkaufen. Die me me Generation hat es immer noch nicht begriffen.

  2. Stimmt schon, irgendwo, aber das soll doch jedem Konzern selber überlassen sein, auch wenn es im Nachhinein aus der Sichtweise wirklich affig ist, was Google da veranstaltet.

  3. Tja – Ergebnis und Siegerehrung: Ich kaufe weder ein Google- noch ein Apfelgerät mehr. Denn zum Glück habe viele Mütter schöne Töchter. Zum Glück!

  4. Mich würde das auch ärgern, ihr habt ja die Möglichkeit dazu ;-)
    Diese Möglichkeit haben wir hier in der Schweiz gar nicht, denn wir können es nicht mal bestellen!!!!! Wie immer sind
    werden wir von Google abgeschnitten. Kein Nexus 4, Nexus 10, Google Movie, Google Music oder auch Google Bücher über
    Play zu kaufen, deshalb jammert ihr auf hochem Niveau ;-)

Ein Pingback

  1. [...] erinnern uns weiter: Google sieht sich Negativschlagzeilen ausgesetzt, nachdem man das High-End-Phone Nexus 4 ab 300 Euro anbot, offenbar zu wenig Stück vorrätig hatte [...]

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